Sonntag, 27. Mai 2012

Bibelclips und was wir daraus (nicht) lernen

Schon seit einiger Zeit strahlt der Fernsehsender RTL sogenannte „Bibelclips“ aus. Und die Frage ist durchaus berechtigt, was Die Heilige Schrift im Umfeld eines doch recht niveauarmen Senders zu suchen hat. Beides ist letztlich nicht miteinander in Einklang zu bringen, wie sich an einem einzigen Beispiel leicht zeigen lässt.

So wird die Sendung DSDS Kids (ein „Talentwettbewerb“ für Kinder) mit folgendem Bibelvers verknüpft: „Freu dich in deiner Jugend, sei heiteren Herzens in deinen frühen Jahren. Geh auf den Wegen die dein Herz dir sagt zu dem was deine Augen vor sich sehen.“ (Kohelet 11,9)

Wie tendenziös dieses Zitat ist, sieht man, wenn man es im Kontext betrachtet: »Freue dich, Jüngling, in deiner Jugend, und dein Herz mache dich fröhlich in den Tagen deiner Jugendzeit, und wandle in den Wegen deines Herzens und im Anschauen deiner Augen; doch wisse, dass für dies alles Gott dich ins Gericht bringen wird. Und entferne den Unmut aus deinem Herzen, und tu das Böse von deinem Leib weg; denn die Jugend und das Mannesalter sind Eitelkeit.« (Prediger 11,9-10; ElbCSV)

Ein Bruder schreibt hierzu sehr treffend:
»…die Ankündigung des Gerichts ist ebenfalls ein Teil davon. „Freue dich, Jüngling, in deiner Jugend.... und wandle in den Wegen deines Herzens... „. Das ist die Philosophie vieler junger Leute, die sorglos dahinleben. Aber der Schluss des Satzes sollte sie zum Nachdenken bringen: ...doch wisse, dass um dies alles Gott dich ins Gericht bringen wird“ (Vers 9). Ja, Gott wird Rechenschaft von dir verlangen über jeden Genuss: Für wen und für was hast du gelebt? Nicht alles beschränkt sich auf diese Erde. Es gibt einen Gott, und dieser Gott ist Richter. Freund, der du noch nicht bekehrt bist, möchte diese Warnung dich zum 1. Vers des 12. Kapitels führen.«

Jean Koechlin, Ährenlese im Alten Testament, Band 3 Sprüche - Maleachi, Beröa-Verlag Zürich

In der Vergangenheit musste derselbe Bibelvers schon einmal (in abgewandelter und ergänzter Form) für die Love-Parade herhalten. Dabei wird eine billige, unbeständige und der Bibel entgegengesetzte Freude proklamiert, der Paulus – aus dem Gefängnis schreibend – entgegenzusetzen weiß: »Freut euch in dem Herrn allezeit! Wiederum will ich sagen: Freut euch!« (Philipper 4,4; ElbCSV).

Aber auch über diesen Vers lohnt es sich nachzudenken:
»Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung eures Sinnes, dass ihr prüfen mögt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist.« (Römer 12,2; ElbCSV).

Hierzu schrieb Aiden W. Tozer einmal:
Die Annahme, die Menschen seien geboren, »um glücklich zu sein«, wird in der heutigen Gesellschaft von kaum einem infrage gestellt, und die Auswirkungen dieses modernen Hedonismus spürt man auch im Volk Gottes.
Das christliche Evangelium wird nur allzu oft als Mittel zum Glücklichsein, zu Herzensfrieden und Sicherheit angepriesen. Es gibt sogar solche, die die Bibel zum »Relaxen« benutzen – so, als sei sie eine Droge.
Wie falsch das ist, kann man leicht entdecken, wenn man das Neue Testament einmal ganz und unter ernstem Nachdenken liest. Dort liegt der Nachdruck nicht auf Glück, sondern auf Heiligkeit. Gott interessiert sich mehr für den Zustand unserer Herzen als für den Zustand unserer Gefühle.
Ohne Zweifel bringt der Wille Gottes denen, die gehorsam sind, am Ende Freude. Aber die wichtigste Angelegenheit ist nicht, wie glücklich wir sind, sondern wie heilig!
Das kindische Geschrei nach Glück kann zu einer richtigen Falle werden, weil man sich leicht betrügen kann, indem man eine Religion der Freude kultiviert, ohne das dazugehörende gerechte Leben zu praktizieren.
Für alle, die das Gesagte ernst nehmen, habe ich einen Vorschlag: Geh zu Gott und verschaffe dir Klarheit. Sag Ihm, du wollest gern heilig sein, koste es, was es wolle – und bitte Ihn niemals, dir mehr Freude als Heiligkeit zu geben! Sei dir sicher: Du wirst am Ende genauso froh sein, wie du heilig bist. Aber im Augenblick richte dein ganzes Verlangen darauf, Gott zu dienen und Christus ähnlich zu werden!

A. W. Tozer, Verändert in Sein Bild - Tägliche Andachten, 2. Auflage 2012, CLV, Bielefeld

Mittwoch, 11. Januar 2012

Momentaufnahmen - Nr. 3

= Kurze Gedankenimpulse, die sich aus persönlichen Kontakten und den jahrelangen Forendiskussionen, Bibelstudien, etc. ergeben haben. Zum Teil zum besseren Verständnis leicht abgewandelt.

Diesmal: Aus einer persönlichen Email, die ich einem Bruder bezüglich der Entwicklung bei ProChrist am 10. März 2006 schrieb.

Einen Punkt, der mich nachdenklich gemacht hat, will ich ansprechen. Ich fragte mich: Was sagt die Bibel über die Zusammenarbeit mit Ungläubigen und Irrlehrern in geistlichen Bereichen? Ich kam zu dem Ergebnis, das Gott dies untersagt. Du hast selbst eine Bibel um diesen Punkt näher zu erforschen.
Als ich daraufhin die Realität bei ProChrist näher betrachtete zeigte sich nicht nur eine Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche, sondern auch mit liberalen Kirchenvertretern, die nachweislich die Auferstehung Jesu Christi leugnen. ... Wie verantworten wir das vor Gott? Und wie können wir dies biblisch begründen?
Die Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche setzt sich hinweg über die Transsubstantiation, das Fegefeuer, die Ablässe, die Heiligenverehrung und all die übrigen Lehren des falschen römischen Evangeliums der Rituale und Werke.

Und nun? Mitmachen oder Abwenden? Letztlich wurde dies für mich zu einer Entscheidung über Gehorsam oder Ungehorsam gegenüber dem, was ich in Gottes Wort gefunden hatte. Ich bin nicht gegen ProChrist, sondern ich wünsche mir das diese Evangelisation zur Ehre des Herrn an seinem Wort ausgerichtet wird. Ja, vielleicht ist ProChrist dann kleiner, vielleicht machen weniger Gemeinden mit und vielleicht erreicht man weniger Leute. Aber ich bin davon überzeugt das gerade dieser Gehorsam einen weitaus größeren Segen bringen würde, als die falschen Kompromisse die jetzt aktuell sind.

Ein allerletzter Punkt, der mein Gewissen am meisten beschwert hat: Werden wir nicht schuldig an denjenigen Jungbekehrten, die wir sehenden Auges in nichtbibeltreue Gemeinden führen? Sicher, wir werden dies bei Großevangelisationen nie gänzlich ausschließen können, aber darum geht es nicht. Es geht darum: Dürfen wir sie absichtlich und bewusst in solche Gemeinden hineinführen, von denen wir wissen, dass sie irrgeistige oder tote Gemeinden sind?

Eine Umfrage zeigte, dass 76% durch Freunde und Verwandte zum Glauben und zu einer Gemeinde kamen. Nur 5% durch Großevangelisationen. Das macht mir Mut, denn es zeigt wie wichtig unser persönliches Zeugnis ist und dass es durch nichts ersetzt werden kann. Und damit schließe ich: Was tun wir, damit unsere Mitmenschen das Evangelium von Jesus Christus erfahren?

Momentaufnahmen - Nr. 2

= Kurze Gedankenimpulse, die sich aus persönlichen Kontakten und den jahrelangen Forendiskussionen, Bibelstudien, etc. ergeben haben. Zum Teil zum besseren Verständnis leicht abgewandelt.

Diesmal: Aus einer persönlichen Email, die ich einem Bruder im Rahmen der aktuellen Eurokrise schrieb:

Die Erweckungsbewegung des 18./19. Jahrhunderts war auch geprägt von der Naherwartung des Herrn. Ich meine nicht Dich, aber viele Christen scheinen nur noch eine Naherwartung der Krise zu haben. Wenn das dann aber die christliche Hoffnung ist, die Menschen vermittelt wird, dann ist das beschämend und traurig.

Sonntag, 2. Oktober 2011

Was man über das Papsttum wissen sollte!

Es wäre gut, wenn die Notwendigkeit für diese Zeilen nicht bestehen würde. Schon Judas bedauerte:
»Geliebte, während ich allen Fleiß anwandte, euch über unser gemeinsames Heil zu schreiben, war ich genötigt, euch zu schreiben und zu ermahnen, für den einmal den Heiligen überlieferten Glauben zu kämpfen.« (Judas 3; ElbCSV.)
Das man es heute aufgegeben hat für diesen Glauben zu kämpfen, sieht man jüngst an dem Buch „Lieber Bruder in Rom!: Ein evangelischer Brief an den Papst“, in welchem unter anderem auch Ulrich Parzany neben 17 weiteren evangelischen „Christen“ zu Wort kommt.
»Die 18 evangelischen Christen formulieren in ihren Aufrufen reichlich verschiedene Einschätzungen, wie die Ökumene zwischen Protestanten und Katholiken ganz praktisch aussehen kann.«
Quelle: http://www.pro-medienmagazin.de
Wo also liegt das Problem?
»Wir bestimmen, dass der Heilige Apostolische Stuhl und der römische Bischof den Vorrang über den ganzen Erdkreis innehat, weiter, dass dieser römische Bischof Nachfolger des Heiligen Petrus, des Apostelfürsten, wahrer Stellvertreter Christi, Haupt der gesamten Kirche und Vater und Lehrer aller Christen ist.« (Konzil zu Florenz, 1438-1445)
Lassen Sie sich von der Jahreszahl nicht irritieren, die Lehren Roms in dieser Frage sind heute keine anderen als damals. Wir wollen uns vielmehr mit einigen Titeln des Papstes hier kurz beschäftigen:

Heiliger Vater
Die Aufforderung des Herrn Jesus an seine Nachfolger ist eindeutig und daher auch nicht schwer zu verstehen: »Ihr aber, lasst euch nicht Rabbi nennen; denn einer ist euer Lehrer, ihr alle aber seid Brüder. Nennt auch niemand auf der Erde euren Vater, denn einer ist euer Vater der im Himmel ist.« (Matthäus 23,8-9; ElbCSV)

Haupt der gesamten Kirche
»wie auch der Christus das Haupt der Versammlung ist; er ist des Leibes Heiland.« (Epheser 5,23b; vgl. auch Epheser 1,22 u. Kolosser 1,18)

Stellvertreter Christi (auf Erden)
»und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Sachwalter geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit, den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht noch [ihn] kennt. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein. Ich werde euch nicht verwaist zurücklassen, ich komme zu euch (Johannes 14,16-18; ElbCSV)

Oberhirte / Erzhirte
»Und wenn der Erzhirte offenbar geworden ist, so werdet ihr die unverwelkliche Krone der Herrlichkeit empfangen.« (1. Petrus 5,4; ElbCSV)

Zusammenfassung
Der Oberhirte und Haupt der Kirche ist der Herr Jesus selbst, während der Titel „Heiliger Vater“ (s. Johannes 17,11) allein Gott zusteht. Der Stellvertreter des Herrn Jesus auf dieser Erde ist der Heilige Geist. Damit ist klar, dass sich der Papst widerrechtlich mit Ehrenbezeichnungen schmückt die allein Gott zustehen.

Es stellt sich die Frage, wie man hier von "Ökumene zwischen Protestanten und Katholiken ganz praktisch" reden kann. Und ich erinnere an zweierlei, dass Charles H. Spurgeon einst schrieb:
»Ich würde meine geliebte Kirche lieber untergehen und in Stücke brechen sehen, als wiedervereint mit der götzendienerischen Kirche Roms. Anstatt noch einmal päpstlich zu werden, wäre es für sie besser, sie stürbe!«
»Absonderung von solchen, die grundlegenden Irrtum dulden oder untergehenden Seelen das "Brot des Lebens" vorenthalten, ist nicht Spaltung, sondern das, was die Wahrhaftigkeit und das Gewissen und Gott von allen verlangen, die treu erfunden werden wollen.«
Quelle: zitiert nach: Iain H. Murray, C. H. Spurgeon - wie ihn keiner kennt, 2. Auflage, RVB, 1999
Warum nur ist diese Treue, wie ein Spurgeon sie einst durch alle Widerstände hindurch trug, heute so selten? Möge doch Gott mehr Männer und Frauen mit einem solchen Bekennermut geben. Das weltförmige Christentum mag alle Unterschiede verwischen, aber die echten Gläubigen sollten dem nicht folgen, sondern wie Luther - den man im Übrigen auf dem Cover des Buches an den Papst  abbildete - festhalten:
»Also glaubt der Papst auch, ein Christ müsse mit eigenen Werken sich den Himmel fördern: aber es ist ein falscher Glaube; denn es mangelt am Wort und der Zusagung. Also kann es wohl sein, daß man den Glauben hat, das ist, man versieht sich etwas und hofft etwas; aber weil es am Wort mangelt, ist es kein rechter Glaube, sondern ein bloßer unbegründeter Wahn, aus dem nie etwas wird.«
Wer dies nicht deutlich zu sagen bereit ist, handelt wie die Schriftgelehrten und Pharisäer, die das Reich der Himmel vor den Menschen verschlossen (vgl. Matthäus 23,13)
Damit soll keinesfalls gesagt sein, dass es nicht auch wahre Gläubige innerhalb der römischen Kirche gibt, gleichwie sich Gott in jeder Denomination einen Überrest bewahrt hat. Diese Geschwister sollten sich allerdings ernstlich fragen, ob die unbußfertige Kirche Roms wirklich ihre geistliche Heimat sein soll; oder ob Wahrhaftigkeit und Treue nicht ein anderes Zeugnis nötig machen würde.

Donnerstag, 22. September 2011

Momentaufnahmen – Nr. 1

= Kurze Gedankenimpulse, die sich aus persönlichen Kontakten und den jahrelangen Forendiskussionen, Bibelstudien, etc. ergeben haben. Zum Teil zum besseren Verständnis leicht abgewandelt.

Diesmal: Aus einer persönlichen Email, die ich einem Bruder über die Entwicklung in christlichen Internetforen schrieb (bevor ich 2007 diesen Blog begann)...
Ich habe immer mehr den Eindruck, das man unter Ermahnung langsam nur noch ein Urteilen versteht und kein Erklären mehr; Es bringt aber niemand geistlich weiter mit Ergebnissen konfrontiert zu werden, anstatt das versucht wird Verständnis zu wecken. Wenn mir jemand sagt etwas sei falsch, würde ich schon gerne wissen warum, zumal dann wenn ich lange und breit erkläre warum ich eine bestimmte Sichtweise habe.

Dienstag, 20. September 2011

"Christliche" Anonymität - Einige Gedanken

»Da sprachen sie zu ihm: Wer bist du? Jesus sprach zu ihnen: Durchaus das, was ich auch zu euch rede.« (Johannes 8,25; ElbCSV)
Das Wesen und die Rede des Herrn Jesus Christus standen in völliger Übereinstimmung miteinander. Und Er allein konnte von sich selbst als der Wahrheit (s. Johannes 14,6) reden.

Es ist nicht immer so, das auch in unserem Leben das was wir sind und das was wir reden übereinstimmen. Das müssen wir freimütig bekennen. Gleichfalls sollen wir unseren Herrn Jesus als Vorbild vor Augen haben, um Ihm freudig nachzueifern.

Ist ein anonymes Auftreten vereinbar mit Transparenz und Ehrlichkeit?
Im Allgemeinen sicherlich nicht. Es mag Ausnahmen geben, wo Menschen mit ernsten Problemen nach Hilfe suchen, ohne sich ihrem Umfeld offenbaren zu können. Es macht jedoch durchaus einen Unterschied ob man diese Hilfe öffentlich z.B. in einem Forum sucht oder diskret und im persönlichen Kontakt mit einem Seelsorger*. Letzteres ist dem ersteren immer vorzuziehen.
* Eine empfehlenswerte Anlaufstelle für Hilfesuchende ist z.B. http://www.bibelseelsorge.de/

Paulus schreibt einmal an Timotheus:
»So schäme dich nun nicht des Zeugnisses unseres Herrn noch meiner, seines Gefangenen, sondern leide Trübsal mit dem Evangelium, nach der Kraft Gottes;« (2 Timotheus 1,8; ElbCSV)
Es mag verlockend sein, seine wahre Identität hinter einem Pseudonym zu verbergen. (Gerade im Internet).

Frank Binford Hole schreibt in seinem Kommentar zum 2. Timotheusbrief:
»Viele von uns arbeiten gerne bei der Evangelisationsarbeit mit, um auch am Erfolg beteiligt zu sein und schließlich an der Belohnung für diesen treuen Dienst im kommenden Reich. Aber an den Leiden beteiligt zu sein, ist eine andere Sache.
Quelle: Grundzüge des Neuen Testaments, Band 4, Galater – Philemon, CSV, Hückeswagen

Dies ist eine Sache, die wir nicht oft bedenken. Sich des Zeugnisses des Herrn nicht zu schämen, bedeutet in Kauf zu nehmen dafür Trübsal zu erleiden.

Es muss so deutlich gesagt werden: Wer wir sind und was wir reden soll genauso übereinstimmen, wie wir bereit sein sollen für unser Zeugnis zu leiden. Und auch darin ist unser Herr das Vorbild: Jesus Christus ist der „treue und wahrhaftige Zeuge“ – so bezeugt ihn die Offenbarung (s. 1,5 + 3,14). Treu und wahrhaftig – so sollen auch wir in unserem Zeugnis erfunden werden. Dies können wir nicht aus uns heraus, sondern nur „nach der Kraft Gottes“.

Freitag, 16. September 2011

Lese-Tagebuch - Eintrag 10 (Teil 3/3)

Buch: Als Frau zur Ehre Gottes leben – Eine Ermutigung zu biblischem Frausein
Autor: Rudolf Ebertshäuser

»Wenn die Frau ein Abbild der Gemeinde in ihrer Beziehung zu Christus ist, dann bringt sie mit dem Schweigen in der Gemeindeversammlung die rechte, gottgewollte Herzenshaltung der Gemeinde zum Ausdruck, die um ihren Herrn versammelt ist, um Ihn zu ehren und Sein Wort zu hören.« (ebd., Seite 105; vgl. Seite 133). Und: »Nach Gottes Plan sollte die Frau ein Abbild für die keusche, reine Brautgemeinde des Christus sein, die Christus in hingegebener Treue anhängt.« (ebd., Seite 139)
Es wäre gut, wenn solche geistlich begründeten Einsichten (hier zu Epheser 5) in der Debatte über die Stellung der Frau in der Gemeinde mehr Beachtung finden würden. Stattdessen wird der emanzipatorischen Selbstverwirklichung der Frau das Wort geredet. Das dabei der Herr, Jesus Christus, als Haupt der Gemeinde missachtet wird, ist die traurige Realität. Wenn wir deshalb mit der Frage konfrontiert sind, wie wir selbst dem Herrn nachfolgen wollen, so beginnt es damit Ihm den Platz in unserem Leben einzuräumen, der Ihm gebührt.
»Ich will aber, dass ihr wisst, dass der Christus das Haupt eines jeden Mannes ist, das Haupt der Frau aber der Mann, das Haupt des Christus aber Gott.« (1. Korinther 11,3; ElbCSV)
»Wir sehen hier eine Grundordnung der Autorität. Diese Ordnung gilt grundsätzlich in der ganzen Schöpfung, also nicht nur in der Gemeinde«»Hier geht es nicht um Mann und Frau in der Ehe (das finden wir in Eph 5,22-23), sondern um eine von Gott verordnete grundsätzlichliche Autoritätsabstufung.« (Ebertshäuser, Seite 108)

Wir brauchen hier nicht erörtern, dass die Welt dies anders beurteilt. Vielmehr interessiert mich die Frage was Gemeinde ist und das die Ordnungen Gottes – wenn schon nicht in der Welt – dann doch innerhalb der Gemeinde beachtet werden. Mittlerweile sollte auch klar geworden sein, das es nicht um eine erzwungene, sondern eine freiwillige, nicht um eine geringachtende, sondern um eine wesensmäßig begründete und bejahte Unterordnung geht. Auch hierin wird uns der Herr Jesus als Vorbild vor Augen gestellt. »Wenn Er, der doch Gott und Herr ist und mit dem Vater eins und Gott gleich ist (Joh 10,30; Phil 2,6), sich so unterordnet – sollten wir es nicht umso williger und entschiedener tun, die wir bloß nichtige Geschöpfe sind?« (ebd., Seite 109)

»Das tiefere Verständnis von Gottes Ordnungen kommt oft erst, wenn wir sie im Gehorsam ausleben!« (ebd., Seite 114)
Ich halte dies für eine entscheidende Herzensfrage. Es mag manche geben, die zwar Gottes Ordnungen ausleben, aber mit einem sehr zwiespältigen Herzen. Es ist jedoch ein großer Unterschied vorhanden zwischen Gehorsam und Formalität. Wir sollten uns nie mit dem formalen Einhalten von Gottes Geboten zufrieden geben, sondern lernen „von Herzen gehorsam“ (vgl. Römer 6,17) zu sein.
So schreibt der Bruder dann auch später:
»Wir können als Gläubige Gottes Ordnungen nur in der Kraft des Geistes ausleben, wenn wir im Glauben festhalten, daß unser Fleisch samt den Leidenschaften und Begierden mit Christus gekreuzigt ist (Gal 5,24), wenn wir in Selbstverleugnung und bewußter Gemeinschaft mit unserem auferstandenen Herrn leben.« (ebd., Seite 125)

Es ist überhaupt ein seelsorgerliches Buch, welches sich auch darum bemüht die »gründliche Reinigung unseres Herzensbodens von Steinen und allerlei Unkraut« (ebd., Seite 144) anzugehen. Der Bruder weiß um die ungeraden Wege, die sich auch bei Gläubigen finden lassen und zeigt wiederum (wie auch im Buch „Als Mann zur Ehre Gottes leben“) den guten, biblisch begründeten Weg auf und wie wir diesen zu gehen vermögen. Dabei wird uns wohl allen bewusst sein – ob Frau oder Mann –, »wir alle straucheln oft.« (siehe Jakobus 3,2a; ElbCSV). So trifft das Folgende natürlich auch für Männer zu, mag in diesem Zusammenhang aber doch ganz konkret den Frauen mit auf den Weg gegeben sein:
»Eine gläubige Frau, die nur halbherzig und mit faulen Kompromissen dem Wort Gottes gehorcht, wird immer im inneren Zwiespalt sein, unzufrieden und geistlich kraftlos – eine Frau mit geteiltem Herzen, unbeständig in allen ihren Wegen (vgl. Jak 1,8). In der Beziehung zum Herrn kann sie nicht wirklich Erfüllung finden, weil ihre Neigung zur Welt und ihren Wegen den Herrn und Seinen Geist betrübt.« (Ebertshäuser, Seite 204)
Wie viel an Unzufriedenheit, Kraftlosigkeit und Mangel an Erfüllung ließe sich wohl vermeiden, wenn alle Halbherzigkeit und alle Kompromisse aufgegeben werden würden? Ich frage mich das oft, nicht als jemand der in diesem allem etwa vollkommen wäre, aber doch aufrichtig, wenn ich sehe mit wie viel Mühen und Not beladen Gläubige dem Herren widerstehen. Sind es diese eigenen Wege wirklich wert? Gottes Wort warnt mehrmals: »Da ist ein Weg, der einem Menschen gerade erscheint, aber sein Ende sind Wege des Todes.« (Sprüche 14,12 und 16,25; vgl. Sprüche 21,2)

Wie nötig haben wir es doch unsere Wege ernsthafter vor Gott zu prüfen; mancher Weg der einmal gerade erschien, führte am Ende doch in die geistliche Verarmung. Wie sorglos wurde so manche Entscheidung im Leben getroffen, indem unser Herz uns betrog. Wenn ich diesen Wunsch am Ende äußern darf, dann sei es, dass wir doch immer mehr begreifen mögen, wie abhängig wir doch in allem von unserem Herrn Jesus Christus sind.
Die letzten Worte, die Martin Luther an seinem Todestag niederschrieb waren diese:

»Wir sind Bettler, das ist wahr.«