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Donnerstag, 11. Juni 2020

Christsein und Politik

Nachdem wir uns im vorherigen Teil speziell mit der Obrigkeit (bzw. Regierung) auseinandergesetzt haben, wollen wir ein weiteres Mal einen Blick auf das Feld der Politik werfen.
Kurz vor dem Werk von Golgatha kündigte der Herr Jesus das Kommen des Heiligen Geistes mit folgenden Worten an: »Doch ich sage euch die Wahrheit: Es ist euch nützlich, dass ich weggehe, denn wenn ich nicht weggehe, wird der Sachwalter nicht zu euch kommen; wenn ich aber hingehe, werde ich ihn zu euch senden. Und wenn er gekommen ist, wird er die Welt überführen von Sünde und von Gerechtigkeit und von Gericht. Von Sünde, weil sie nicht an mich glauben; von Gerechtigkeit aber, weil ich zum Vater hingehe und ihr mich nicht mehr seht; von Gericht aber, weil der Fürst dieser Welt gerichtet ist.« (Johannes 16,7-11; ElbCSV)
Dies zeigt uns, dass diese Welt schon gerichtet d.h. das Urteil über sie und ihr Wesen schon gesprochen wurde. Der Beleg dafür ist die Abwesenheit des Herrn Jesus und die Anwesenheit des Heiligen Geistes. Die Durchführung dieses Gerichtes liegt noch in der Zukunft und es werden dem auch noch diverse Ereignisse (wie die Entrückung der Gemeinde und die völlige Entfaltung des Bösen) vorausgehen.
Für uns ist die damit verbundene Erkenntnis von Bedeutung, dass sich diese Welt nicht verbessern lässt. Sie geht unaufhaltsam diesem Gericht entgegen. Es ist also nicht unsere Aufgabe diese Welt zu verbessern, nein, wir können es auch gar nicht. Wir werden sogar darauf hingewiesen: »Dies aber wisse, dass in den letzten Tagen schwere Zeiten eintreten werden;« (2. Timotheus 3,1; ElbCSV).
Sollten wir deshalb mutlos sein? Keineswegs! Gott hat uns nicht untätig in dieser Welt gelassen, sondern als Seine Gesandten: »So sind wir nun Gesandte für Christus, als ob Gott durch uns ermahnte; wir bitten an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!« (2. Korinther 5,20; ElbCSV).
Wir sind gewissermaßen als Botschafter Gottes in dieser Welt. An anderer Stelle werden wir als »Fremdlinge und als solche, die ohne Bürgerrecht sind« (s. 1. Petrus 2,11) angesehen; „in der Welt“, aber nicht „von der Welt“ – „aus der Welt auserwählt“, „aus der Welt gegeben“ aber noch nicht aus der Welt weggenommen (z.B. Joh. 17; Joh 15,19, u.a.). Wir leben also (als Botschafter) in dieser Welt, gehören ihr aber nicht an, sondern sind Repräsentanten einer anderen, nämlich der „himmlischen Welt“.
Charles Henry Mackintosh schrieb dazu einmal:
"Die Versammlung hat nichts mit der Politik dieser Welt zu tun. Ihr Bürgertum ist in den Himmeln, von woher sie auch den Herrn als Heiland erwartet (Phil 3). Wenn sie sich in die Politik dieser Welt einmischt, erweist sie sich untreu gegen ihren Herrn, ihre Berufung und ihre Grundsätze. Es ist ihr hohes und heiliges Vorrecht, mit einem gekreuzigten, auferstandenen und verherrlichten Christus verbunden zu sein. Sie hat so wenig mit Gesellschaftsproblemen oder dem Lauf der Weltgeschichte zu tun, wie ihr verherrlichtes Haupt in den Himmeln. Der HERR selbst sagt von den Kindern Gottes: „Sie sind nicht von der Welt, wie ich nicht von der Welt bin“ (Joh 17,16).
Das ist entscheidend und kennzeichnet unsere Stellung und unseren Weg hier auf der Erde. „Wie er ist, sind auch wir in dieser Welt.“ Diese Worte enthalten eine doppelte Wahrheit, nämlich unsere Annahme bei Gott und unsere Trennung von der Welt. Wir sind in der Welt, aber nicht von ihr. Wir haben als Fremde in ihr zu leben, indem wir auf die Ankunft unseres Herrn warten, auf die Erscheinung des hellen, glänzenden Morgensterns. Aber es ist nicht unsere Sache, uns mit der Politik zu befassen. Wir sind berufen und werden wiederholt ermahnt, den „obrigkeitlichen Gewalten“ zu gehorchen, für alle, die in Hoheit sind, zu beten, Steuern zu entrichten und niemand etwas schuldig zu sein. Wir sollen „untadelig und lauter“ sein, „unbescholtene Kinder Gottes inmitten eines verdrehten und verkehrten Geschlechts“, in dem wir scheinen „wie Lichter in der Welt, darstellend das Wort des Lebens“ (Phil 2,15). Hieraus geht hervor, wie wichtig es ist, „das Wort der Wahrheit recht zu teilen“ (2. Tim 2,15).«
Quelle: Charles Henry Mackintosh, Die fünf Bücher Mose, CSV, Hückeswagen

Ein Bekenntnis zum Schluss: Das hier Vorgebrachte schreibe ich als jemand der in der Vergangenheit sowohl (im Ortsverein einer Partei) politisch aktiv war, als auch (am Ort) politische Ambitionen hatte. Heute weiß ich es besser und darf es getrost Gott überlassen seinen Ratschluss in dieser Welt auszuführen und mich – Seinem Wort und meinem Gewissen folgend – von politischen Aktivitäten fernhalten. Unsere himmlische Stellung als Christen, der damit verbundene Wandel, die Verbindung mit dem verherrlichten Christus im Himmel, der in uns wohnende Geist Gottes, all das trennt uns völlig von jeglicher politischen Bestrebung in dieser Welt und sei sie noch so gut gemeint. Ursprung und Ziel, Gegenwart und Zukunft der Versammlung (Gemeinde) sind himmlisch und davon sollte unsere Gesinnung auch geprägt sein.

Montag, 1. Juni 2020

Die Obrigkeit (in Zeiten von Corona)

In seinem sehr empfehlenswerten Kommentar zum Römerbrief schreibt Rudolf Brockhaus zu Kapitel 13:
»Der Christ ist zwar nicht von der Welt, aber noch in der Welt, gleich seinen Mitmenschen, und so ist er verpflichtet, den obrigkeitlichen Gewalten zu gehorchen, und zwar aus Gründen, die für ihn von der höchsten Bedeutung sind. Zunächst ist die Obrigkeit „von Gott verordnet“, dann ist sie „Gottes Dienerin“, und schließlich sind die von ihr angestellten Personen „Gottes Beamte“ (V. 4+6). Es könnten kaum ernstere Gründe für unsere Verpflichtungen der Obrigkeit gegenüber aufgeführt werden. Ganz ähnlich ermahnt der Apostel Petrus in seinem ersten Briefe die Gläubigen aus der Beschneidung, sich um des Herrn willen aller menschlichen Einrichtung zu unterwerfen (Kap. 2, 13+14).«
…
»Selbstverständlich bleibt das bekannte, dem Synedrium gegenüber ausgesprochene Wort der Apostel: „Man muss Gott mehr gehorchen als Menschen“, allezeit zu Recht bestehen. Stellt eine obrigkeitliche Gewalt eine Forderung an uns, die dem klar ausgesprochenen Willen Gottes zuwiderläuft, deren Erfüllung also unser Gewissen belasten würde, dann muss dieser Wille von uns beachtet und der obrigkeitlichen Forderung übergeordnet werden. Aber auch nur in diesem Falle. In allen anderen habe ich mich einfach zu unterwerfen, ganz gleich, welchen politischen Charakter die Obrigkeit trägt, ob sie monarchisch, republikanisch oder was irgend sonst ist, ob sie ihren Verpflichtungen nachkommt oder nicht. Denn es gibt keine Obrigkeit oder Gewalt außer von Gott. Wie einfach macht das den Weg für den Christen!«
…
»Wo ein Christ leben und in welcher irdischen Stellung er sich befinden mag, er hat der Obrigkeit zu gehorchen, der er unterstellt ist und die heute regiert; kommt morgen, vielleicht selbst infolge einer gewaltsamen Umwälzung, eine andere, so hat er sich der zu unterwerfen, ganz gleich, ob sie ihm gefällt oder nicht. Auch hat er nicht zu untersuchen, ob die Verordnungen, welche die jeweilige Obrigkeit trifft, die Gesetze, die sie gibt, richtig oder unrichtig sind, ob sie ihm und anderen Nutzen oder Schaden bringen; seine Sache ist, für die Obrigkeit zu beten, dass Gott sie richtig leiten und ihr Einsicht und Weisheit schenken möge, zum Wohle des Landes und Volkes zu regieren, und – ihr ohne Murren zu gehorchen, soweit das mit seinem Gewissen verträglich ist. Wenn er verwirklicht, dass seine Interessen nicht mit dieser Erde, sondern mit dem Himmel verbunden sind, wird ihm das auch nicht schwer werden.«
…
»Niemals gibt das fehlerhafte Verhalten einer höheren oder niedrigen Gewalt, eines der Beamten Gottes, dem Christen ein Recht, seinerseits nun auch seinen Verpflichtungen nicht treu nachzukommen. Fehlt die Obrigkeit in ihrem Auftrag als Gottes Dienerin, so hat sie es mit Gott zu tun; der Christ aber ist gehalten, unter allen Umständen „das Gute zu üben“, auch allen zu geben, was ihnen gebührt, „die Steuer, dem die Steuer, den Zoll, dem der Zoll, die Furcht, dem die Furcht, die Ehre, dem die Ehre gebührt“ (V. 7).«
Quelle: Rudolf Brockhaus, Gerechtfertigt aus Glauben, Römerbrief, 4. CSV-Auflage 1993, CSV Hückeswagen (Hervorhebungen von mir)

Warum dieses umfangreiche Zitat? Die Schrift lehrt uns, dass es verschiedene Autoritäten in unserem Leben gibt. Da haben wir natürlich Gott und Sein Wort als Autorität, aber auch Menschen (innerhalb der Familie, bezüglich der Schöpfungsordnung, im Arbeitsverhältnis und eben in Bezug auf die Obrigkeit).
Leider sehen wir, dass die Bereitschaft diese Autoritäten anzuerkennen und ihnen mit Respekt zu begegnen (auch bei Christen) immer mehr abzunehmen scheint.
Ist es nicht bemerkenswert, dass Paulus im 1. Timotheusbrief dazu auffordert für die Obrigkeit zu beten, zu einer Zeit, als Nero in Rom als Kaiser herrschte. Dieser Kaiser brachte Verfolgung und Leid über die Christenheit und doch rief Paulus nicht dazu auf diesen Mann zu bekämpfen, sondern schlicht für die Obrigkeit zu beten.
Was ist das Verachten von Herrschaften (s. Judas 1,8) anderes als der „Geist der Gesetzlosigkeit“? H. L. Heijkoop schreibt dazu in seinem Kommentar zum Judasbrief: 
»Es ist die vollkommene Offenbarung des menschlichen Eigenwillens, durch den er s i c h und s e i n e Rechte in den Vordergrund stellt und gleichzeitig sich weigert, eine höhere Autorität anzuerkennen.«
Quelle: H. L. Heijkoop, Der Brief des Judas, 1961, Ernst Paulus Verlag, Neustadt a. d. Weinstr.
Hinzu kommt, dass Gottes Wort wenn es von Gehorsam redet unsere Pflichten bzw. unsere Verpflichtung in den Vordergrund stellt. Es ist zur Mode geworden zuallererst auf unseren (vermeintlichen) Rechten zu beharren, aber gerade das finden wir hier nicht. Ganz grundsätzlich haben wir der Regierung zu gehorchen.
»Das Christentum nährt keinen Geist grober und aufsässiger Unabhängigkeit. Und was gehört sich den Obrigkeiten gegenüber? Gebet, Fürbitte, selbst für die Höchsten, seien es Könige oder sonstige Herrscher! Vor allem sie benötigen eine solche Fürbitte.«
Quelle: William Kelly, Einführender Vortrag zum 1. Timotheusbrief, abgerufen auf bibelkommentare.de
Man kann im Zuge der Corona-Maßnahmen beobachten wie viele der oben genannten Grundsätze missachtet werden. Maßnahmen werden ignoriert, Politiker z.B. als „Verbrecherbande“ beschimpft, offene Auflehnung (wie die Empfehlung Politiker aus den Ämtern zu jagen) sogar gepredigt, indem man seine eigene politische Agenda von der Kanzel herab verkündigt, weil man den derzeitigen politischen Kurs ablehnt. Man sieht eigentlich ernsthafte Gläubige zusammen in Verbindung (Jochgemeinschaften; s. 2. Korinther 6,15) mit allerlei Verschwörungsgläubigen (aus esoterischen, rechts-esoterischen und anderen Bereichen), Rassisten, u.a. Anstatt sich von jeder Art des Bösen fernzuhalten (s. 1. Thessalonicher 5,22) marschiert man auf Demonstrationen in einer Phalanx; wie traurig ist das!
Nein, wir wollen diejenigen anerkennen, die Gott als Autoritäten in unserem Leben gegeben hat. Wir wollen ihnen mit Achtung und Respekt begegnen, gerade dort wo es uns schwerfällt. Wir wollen uns nicht als aufsässig erweisen, sondern als gehorsam. Wir wollen vor allem für „alle, die in Hoheit sind“ beten (Fürbitte! - nicht gegen sie).
Den Knechten wird einmal gesagt, dass ihr Verhalten als Ziel hat, »damit sie die Lehre, die unseres Heiland-Gottes ist, zieren in allem.« (s. Titus 2,10). Möge unser Verhalten wirklich dazu führen, damit wir auf dieser Erde als Salz und in dieser Welt als Licht (s. Matthäus 5,13-14) wahrgenommen werden.

Zum Abschluss noch der Ausblick auf die Zukunft:
»Gott regiert heute nicht direkt, sondern er tut es in Vorsehungen durch Menschen, die er dazu einsetzt. Erst nach der Entrückung der Versammlung in den Himmel werden die Regierungen nicht mehr von Gott gegeben, sondern direkt von Satan inspiriert sein. Das wird eine furchtbare Zeit sein. Im darauf folgenden 1000-jährigen Reich wird Gott direkt in der Person seines Sohnes regieren. Bis heute aber sind Regierungen von Gott eingesetzt. Gott hat sie als Institution und als Autorität gegeben, damit hier auf der Erde eine gewisse Stabilität garantiert ist. Der Ursprung der Regierungen findet sich nach der Flut. Das wird uns im ersten Buch Mose beschrieben (vgl. 1. Mo 9,6).«
Quelle: Ernst-August Bremicker, 1 Timotheus 2 – eine Vers-für-Vers-Auslegung, abgerufen auf bibelkommentare.de

Dienstag, 10. Februar 2015

"Meinungsmathematik" im ZDF - Teil 2

Im vorhergehenden Teil haben wir den Zusammenhang, der von Max Uthoff in der ZDF-Sendung "Die Anstalt" vom 03. Februar 2015 zitierten Bibel-Verse, betrachtet. Nebenbei wurde festgestellt, dass es sich bei Sure 2,19 [? - vielleicht ist Sure 4,89 o. 90 gemeint; Ich bin nicht sicher, ob Uthoff hier die richtige Stelle angibt] des Korans (»Tötet die Ungläubigen wo immer ihr sie findet.«) um einen Imperativ handelt. Welche Imperative werden Christen und welche Muslimen gegeben, wäre also der eigentlich angemessene Vergleich gewesen. Es reicht mir hier aber aus, aufzuzeigen, dass wir Christen nicht zu Gewalt aufgerufen werden.

Der Leitvers dieses Blogs, die Worte des Herrn Jesus machen deutlich: »Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt; wenn mein Reich von dieser Welt wäre, hätten meine Diener gekämpft, damit ich den Juden nicht überliefert würde; jetzt aber ist mein Reich nicht von hier.« (Johannes 18,36; Elb.CSV). Wenn die Christen zum "Kampf" aufgerufen werden, dann im Gebet: »Ich ermahne nun vor allen Dingen, dass Flehen, Gebete, Fürbitten, Danksagungen getan werden für alle Menschen, für Könige und alle, die in Hoheit sind, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und würdigem Ernst. Denn dies ist gut und angenehm vor unserem Heiland-Gott, der will, dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.« (1. Timotheus 2,1-4; Elb.CSV). Es wird sogar deutlich hervorgehoben: »Denn unser Kampf ist nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Fürstentümer, gegen die Gewalten, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Örtern.« (Epheser 6,12; Elb.CSV). Diese Zurüstung zum geistlichen Kampf wird in den nachfolgenden Versen des Epheserbriefs beschrieben, wobei das einzige Schwert des Christen »das Schwert des Geistes, das Wort Gottes« ist.
Der Wille Gottes ist für den Christen deutlich genug: »Denn so ist es der Wille Gottes, dass ihr dadurch, dass ihr Gutes tut, die Unwissenheit der unverständigen Menschen zum Schweigen bringt:« (1. Petrus 2,15; Elb.CSV).

Der Herr Jesus ist das Vorbild des Christen: »Denn dies ist wohlgefällig, wenn jemand um des Gewissens vor Gott willen Beschwerden erträgt, indem er zu Unrecht leidet. Denn was für ein Ruhm ist es, wenn ihr ausharrt, indem ihr sündigt und geschlagen werdet? Aber wenn ihr ausharrt, indem ihr Gutes tut und leidet, das ist wohlgefällig bei Gott. Denn hierzu seid ihr berufen worden; denn auch Christus hat für euch gelitten, euch ein Beispiel hinterlassend, damit ihr seinen Fußstapfen nachfolgt;« (1. Petrus 2,19-21; Elb.CSV).
»Denn hierzu seid ihr berufen worden; denn auch Christus hat für euch gelitten, euch ein Beispiel hinterlassend, damit ihr seinen Fußstapfen nachfolgt; der keine Sünde tat, noch wurde Trug in seinem Mund gefunden, der, gescholten, nicht wiederschalt, leidend, nicht drohte, sondern sich dem übergab, der gerecht richtet;« (Philipper 2,21-23; Elb.CSV).

Auch die Anweisungen die Paulus an die Römer schreibt sind unmissverständlich: »Segnet, die euch verfolgen; segnet, und flucht nicht.« ... » Vergeltet niemand Böses mit Bösem; seid bedacht auf das, was ehrbar ist vor allen Menschen. Wenn möglich, soviel an euch ist, lebt mit allen Menschen in Frieden. Rächt nicht euch selbst, Geliebte, sondern gebt Raum dem Zorn; denn es steht geschrieben: "Mein ist die Rache; ich will vergelten, spricht der Herr". Aber wenn dein Feind hungrig ist, gib ihm zu essen; wenn er durstig ist, gib ihm zu trinken; denn wenn du dieses tust, wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln. Lass dich nicht von dem Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem Guten.« (Römer 12,14+17-21; Elb.CSV).

Man könnte noch eine Vielzahl anderer Stellen anführen, einfach weil dies zum Grundtenor dessen gehört, wozu Christen aufgerufen werden. Viele die sich unredlicherweise Christen nannten, ohne es jemals zu sein, mögen herzlich wenig Interesse an diesen Geboten Gottes gezeigt haben; gleichwie auch einzelne wahre Gläubige irregeleitet gewesen sein mögen. Die Lehre der Heiligen Schrift macht ausreichend deutlich, dass es sich hierbei eindeutig um zu verurteilende Abweichungen handelt.

Es gibt keinen Imperativ in der Bibel, der einen Christen dazu auffordert eine andere Person zu töten. Daher halte ich Uthoffs Vorgehen auch für völlig unwahrhaftig, geradezu für ein Meisterstück an "Meinungsmathematik". Die Kirchengeschichte, die ebenfalls in der Sendung angesprochen wurde, belegt eindeutig: Von den Christen die die Heilige Schrift ernstnahmen ging niemals eine Gefahr aus, sondern von solchen die dies nicht taten oder sich nur "Christen" nannten - und dazu ist auch die römische Kirche zu zählen.

Offensichtlich kann sich Uthoff nicht vorstellen, dass die wörtliche Interpretation des Inhalts zweier Bücher zu völlig abweichenden Verhaltensweisen führt; einfach deshalb weil ihr Inhalt sich in wesentlichen Aussagen massiv unterscheidet. Dazu gehört dann auch das Prinzip der Abrogation,
»die Aufhebung einer normativen Bestimmung des Korans oder der Sunna durch eine andere, zeitlich nachfolgende Bestimmung aus Koran oder Sunna«; »Hier setzte sich schon ziemlich früh die Auffassung durch, dass der Schwertvers (9:5) und der Vers, der zum Kampf gegen die Ahl al-kitab auffordert (9:29), alle anderen Verse, die zu einem friedfertigen Verhalten gegenüber den Ungläubigen ermahnen (8:61; 29:46), aufgehoben habe.« (Quelle: Wikipedia).

Eine andere Form der Manipulation die heute stattfindet (wenn auch dankbarerweise nicht in obig behandelter Sendung, aber um die Sache deutlicher zu machen), ist der undifferenzierte Gebrauch des Wortes Fundamentalismus. In einem vorhergehenden Artikel wurde schon aufgezeigt...
Zwischen 1910 und 1915 wurde dann die zwölfbändige Aufsatzreihe „The Fundamentals: A Testimony to the truth“ veröffentlicht, an der neben Theologen wie R. A. Torrey, Arno C. Gaebelein, B. B. Warfield und Thomas Spurgeon auch wieder C. I. Scofield vertreten war.
Ihr aller Anliegen war es die grundlegenden Lehren des Christentums – in Zusammenhang mit der aufkommenden Bibelkritik – zu verteidigen. Das heißt: Sie taten nicht mehr als all das darzulegen, was in den Jahrhunderten davor die Väter als Glaubensgut festgehalten hatten.
Unter den Autoren waren namhafte Theologen und Sprachwissenschaftler ihrer Zeit, die ihr intellektuelles Vertrauen in die Zuverlässigkeit und Irrtumslosigkeit der Bibel zum Ausdruck brachten. Da war kein Gedanke an Gewalt, weil ihr Fundament, Gott und Seine Wahrheit, es nicht zuließen. Dies gleichzusetzen mit einem gewaltbereiten, auf unterdrückerischer Expansion ausgerichteten Fundamentalismus, kann eigentlich nur als bewusst arglistig bezeichnet werden. Denn gerade dafür liefert die Bibel dem Christen, wie oben gezeigt, eben gerade kein Fundament. Das kann jedoch kaum von jedem "Fundament", auf das sich Menschen berufen, mit dieser Bestimmtheit gesagt werden. Daher kann der Versuch Uthoffs die Bibel und den Koran auf eine Stufe zu stellen, letztlich nur als naiv zurückgewiesen werden.

Sonntag, 1. Februar 2015

Der Angriff auf das Sühnewerk des Herrn Jesus

Wenn man sich mit dem christlichen Buchmarkt beschäftigt, insbesondere dem, der auf Massenkompatibilität ausgerichtet ist, wird einem eine Sache nicht verborgen bleiben: »dass einige da sind, die euch verwirren und das Evangelium des Christus verdrehen wollen.« (Galater 1,7b; Elb.CSV).
Dies ist nun keine Neuigkeit mehr, sondern wurde von Brüdern schon wiederholt aufgegriffen, man denke nur an: "dynamisch evangelisieren" (J.-B, Klautke, B. Kaiser und W. Nestvogel) von 2001; "Evangelisation in der Postmoderne" (W. Nestvogel) und "Gott ist nicht pragmatisch" (W. Plock), beide von 2004 oder auch an die Broschüre "Die Auflösung der biblischen Wahrheit durch die modernen Evangelikalen und unsere Antwort" (R. Ebertshäuser) von 2007.

Was vielfach unwidersprochen hingenommen wird, ist nicht weniger, als die Umdeutung althergebrachter Begriffe; man verwendet sie wohl noch, definiert sie aber um, versteht sie neu und hat daraufhin eine "neue, veränderte Sichtweise" wie ein Autor freimütig bekennt. Auf der Suche nach der Lösung für ein "philosophisches Problem", blieb die Wahrheit auf der Strecke.

Begriffe wie Sühne, Gerechtigkeit und Rechtfertigung werden ihrer Bedeutung entkleidet, als hätte der Apostel Paulus niemals geschrieben: »wir aber predigen Christus als gekreuzigt, den Juden ein Anstoß und den Nationen eine Torheit;« (1. Korinther 1,23; Elb.CSV). Wir brauchen keine "philosophische" Antwort auf die Dinge die von der Bibel her offenbart werden und die das Kreuz in weltlichem Denken weniger "anstößig" und weniger "töricht" macht. Es ist bezeichnend, dass besagter Autor in einem Kapitel gerade der Frage von 1. Korinther 1,18 nachgeht, ohne zu erkennen, dass er selbst gerade darin - freilich ohne es zu wollen - Kompromisse gemacht hatte.

Es ist traurig, wie nahezu widerspruchslos, sich in einst bibeltreuen Kreisen, fundamental falsche Lehren über das Werk des Herrn Jesus am Kreuz und das Wesen Gottes, verbreiten ließen. Man leugnet, dass der Herr Jesus am Kreuz die Strafe vonseiten Gottes getragen hat. Dem wollen wir hier im weiteren nachgehen.

Das Werk des Herrn Jesus am Kreuz in Hinblick auf das Gericht vonseiten Gottes

Die Prophetie des Alten Testaments zeigt durch den Propheten Jesaja: »Die Strafe zu unserem Frieden lag auf ihm,...« (Jesaja 53,5a; Elb.CSV) und ebenso deutlich einige Verse weiter: »Doch dem HERRN gefiel es, ihn zu zerschlagen, er hat ihn leiden lassen. Wenn seine Seele das Schuldopfer gestellt haben wird, so wird er Samen sehen, er wird seine Tage verlängern; und das Wohlgefallen des HERRN wird in seiner Hand gedeihen.« (Jesaja 53,10; Elb.CSV).
Der Prophet Sacharja übermittelt uns die Worte Gottes: »Schwert, erwache gegen meinen Hirten und gegen den Mann, der mein Genosse ist!, spricht der HERR der Heerscharen. Schlage den Hirten, und die Herde wird sich zerstreuen. Und ich werde meine Hand den Kleinen zuwenden.« (Sacharja 13,7; Elb.CSV). Man beachte auch den vorhergehenden Vers und seinen messianischen Bezug.
Es gibt viele solcher Bezüge auf den Messias im Alten Testament, auch wenn wir uns hier nur auf einige wenige beschränken wollen. Der Apostel Petrus erklärt in Bezug auf David und dessen Darlegungen in Psalm 16: »Da er nun ein Prophet war und wusste, dass Gott ihm mit einem Eid geschworen hatte, von der Frucht seiner Lenden auf seinen Thron zu setzen, hat er voraussehend von der Auferstehung des Christus geredet, dass er nicht im Hades zurückgelassen worden ist noch sein Fleisch Verwesung gesehen hat.« (Apostelgeschichte 2,30-31; Elb.CSV).
Auf dieselbe Weise konnten auch Jesaja und Sacharja von dem sprechen, »was er durch den Mund aller Propheten zuvor verkündigt hat, dass sein Christus leiden sollte.« (Apostelgeschichte 3,18b; Elb.CSV). Denken wir daher auch an Klagelieder 3: »Ich bin der Mann, der Elend gesehen hat durch die Rute seines Grimmes.« ... »Er [Gott] ließ die Söhne seines Köchers in meine Nieren dringen.« (Verse 1+13; Elb.CSV).

Auch im Passah zeigt sich der Charakter des Opfers des Herrn Jesus: »Ihr sollt nichts roh davon essen und keineswegs im Wasser gekocht, sondern am Feuer gebraten: seinen Kopf samt seinen Beinen und samt seinem Eingeweide.« (2. Mose 12,9; Elb.CSV), da wir wissen: »Denn auch unser Passah, Christus, ist geschlachtet worden.« (1. Korinther 5,7b; Elb.CSV). Bildlich spricht das Feuer von dem Gericht Gottes, in das der Herr Jesus in den drei Stunden der Finsternis kam; das Passahlamm musste vollständig dem Feuer ausgesetzt werden, der Zorn Gottes vollständig über den Herrn Jesus ergehen und nichts durfte dieses Gericht abmildern, indem Er für uns zur Sünde gemacht wurde - »Den, der Sünde nicht kannte, hat er für uns zur Sünde gemacht, damit wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm.« (2. Korinther 5,21; Elb.CSV).

In einem Vortrag zum 3. Buch Mose führt Roger Liebi aus:
»Sühnung zu tun heißt auf Hebräisch «lechapper», «alav» über ihm. Das heißt wörtlich: Um über ihm zuzudecken. Also Sühnen heißt zudecken. Das Opfer deckt gewissermaßen den Menschen, der vor Gott mit diesem Opfer kommt, zu. Ja und wenn Gott eben zudeckt mit dem Opfer des Herrn Jesus, dann wird eben diese Herrlichkeit dieses Opfers dem, der es darbringt, zugerechnet. Er wird gewissermaßen damit bekleidet. Und darum lesen wir auch am Schluss von 1. Mose 1, 3: «An den Eingang des Zeltes der Zusammenkunft soll er sie darbringen, zum Wohlgefallen für ihn vor dem HERRN.» Also die Herrlichkeit des Opfers deckt ihn zu und Gott sieht den, der da kommt, gewissermaßen bekleidet mit der Herrlichkeit des Brandopfers.«
Quelle: sermon-online.de; Roger Liebi, Das dritte Buch Mose, Teil 1/3, Audioabschrift

Eine Verzerrung des Wesens Gottes

Zuerst liegt diese Verzerrung darin, dass man vom Menschen ausgeht (anthropozentristisch) und nicht von Gott (theo- oder christozentristische Verkündigung) nach dem Motto: Ich würde so handeln, warum kann Gott nicht ebenso... Nun, vielleicht deshalb: »Denn wie der Himmel höher ist als die Erde, so sind meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.« (Jesaja 55,9; Elb.CSV). Darum haben wir auch nötig das Gott sich offenbart, wollen wir nicht mit unseren menschlichen Überlegungen falsche Schlussfolgerungen ziehen.

Zum Weiteren liegt die Verzerrung in einer fehlenden Ausgewogenheit der Darstellung biblischer Wahrheit. Ja, »Gott ist Liebe« (vgl. 1. Johannes 4,8), aber Johannes schreibt nicht umsonst davor, »dass Gott Licht ist und gar keine Finsternis in ihm ist« (vgl. 1. Johannes 1,5b).

Der reformatorische Ausleger Dr. Martyn Lloyd-Jones äußerte einmal:
»Darum denken Sie immer daran, dass Gott in seiner ganzen Person in jeder einzelnen Eigenschaft zu finden und er alles im gleichen Augenblick ist. Seine Liebe ist eine heilige Liebe. Was für eine Tragöde wäre es, wenn wir dies vergessen würden und seine Liebe gegen seine Gerechtigkeit ausspielen! Nein, nein! Alles in Gott liebt. Alles in Gott ist gerecht und vollkommen rechtschaffen - immer. Wir müssen in unserem Denken allezeit die Ausgewogenheit bewahren, die sich in Gott selbst findet.«
Quelle: D. Martyn Lloyd-Jones, Gott der Vater, 2. Auflage 2005, 3L-Verlag, Friedberg

Und C. H. Spurgeon hielt fest:
»Die Verbindung von Gnade und Gerechtigkeit kann nur in dem Sühneopfer des Herrn Jesus Christus deutlich gemacht werden. Am Kreuz sehen wir, wie gnädig der Herr ist und wie gerecht.«
Quelle: C. H. Spurgeon, Aus der Schatzkammer Davids III, Ev. Versandbuchhandlung, O. Ekelmann Nachf., Berlin

Es verwundert nicht, dass solche die Gottes heilige Liebe auf ihr menschliches Niveau herunterziehen (wenn auch ungewollt), letztlich auch nicht verstehen, dass der Herr Jesus die Strafe für unsere Sünden getragen hat. Die Gnade will man wohl hochhalten, aber die Gerechtigkeit Gottes wird durch Sophisterei ihrer Bedeutung beraubt, indem man über "griechisches" und "hebräisches Denken" fabuliert. Dabei zeigt gerade das Kreuz, dass die Liebe, die Gerechtigkeit und die Gnade Gottes in völligem Einklang miteinander stehen! Wollen wir doch diese Wahrheit dankbar hochhalten, auch gegen solche »aus euch selbst« ... »die verkehrte Dinge reden« (siehe Apostelgeschichte 20,30).

Mittwoch, 6. Februar 2013

Selbstliebe - ein geistlicher Betrug! (Zitatesammlung)

Als ich mich vor etlicher Zeit leider mit diesem Thema beschäftigen musste, habe ich einige Zitate zusammengetragen, die ich hier im Folgenden wiedergeben möchte (Hervorhebungen stammen von mir):
»So vermeidet der Hoffende die Überheblichkeit und die Verzweiflung, die beiden Gefahren, denen der falsche Fromme über kurz oder lang erliegen muss. Er kennt nur dies: den Blick auf Gott in Furcht und Hoffnung, und den Dank für Gottes unverdiente Güte. Und eben dieser Dank ist es nun auch, der des Frommen Hände willig macht zu allem guten Werk. Von der Selbstliebe befreit kann er dem Nächsten nicht mehr lieblos begegnen; weil ihm die Selbstgerechtigkeit genommen ist, mag er sich nicht mehr über den andern erheben.«
Martin Luther, Predigt: Liebe zu Gottes Namen heißt in allem sein Werk ehren
»Die stärkste Macht im Leben eines jeden Menschen ist das Wohlgefallen an sich selbst, die Selbstliebe. Und erst da kommt es zur Buße, wo das erschüttert ist. Welch eine Kraft des Heiligen Geistes ist nötig, bis einem Menschen die Selbstliebe erschüttert wird und er das Wohlgefallen an sich selbst verliert!
Ich muß da etwas einfügen. Die Welt spottet hier und nennt es eine niedrige Sklavengesinnung, wenn ein Mensch sagt: »Ich bin nicht wert …« Was sollen wir darauf antworten? Die Wahrheit, auch wenn sie demütigt, ist immer besser als die Einbildung. Aber die Weltmenschen vernehmen nichts vom Geist Gottes. Und sie gleichen einem Blinden, der sich seiner Blindheit vor den Sehenden rühmt.
«
Wilhelm Busch, Jesus unsere Chance!, 2. Auflage 1996, CLV, Bielefeld
»Wenn man betrachtet, wie geduldig der Herr unter extremen Herausforderungen und Schwierigkeiten war (z. B. Matthäus 26,62.63), kann man nur voll Bewunderung staunen. Seine völlige Freiheit von Selbstliebe unterscheidet ihn vom Rest der Menschheit (siehe z. B. Lukas 23,33.34)«
William MacDonald, Ist die Bibel Wahrheit, 1. Auflage der Neuausgabe 2001, Betanien Verlag
»Man kann diese Verse nicht studieren, ohne auf die Wiederholung des Wortes »liebend« zu stoßen. In Vers 2 finden wir z. B. die Selbstliebe und die Geldliebe. In Vers 3 werden Menschen »das Gute nicht liebend« erwähnt. In Vers 4 lesen wir von Menschen »mehr das Vergnügen liebend als Gott«.«
William MacDonald, Kommentar zum Neuen Testament, 2. Auflage, Gesamtausgabe, 1997 – zu 2. Timotheus 3,2
»Demut. S. Anm. zu Röm 12,3.10; Phil 2,3; vgl. Mt 18,4; Joh 13,14-16; Jak 4,6.10. Das vollkommene Gegenmittel für Selbstliebe, die die zwischenmenschlichen Beziehungen vergiftet.«
»Jakobus spricht sich nicht für irgendeine Art emotionaler Selbstzuneigung aus – Selbstliebe ist eindeutig Sünde (2Tim 3,2).«
John MacArthur Studienbibel, Schlachter-Version 2000, 1. Auflage 2002, CLV, Bielefeld – zu Kolosser 3,12 und Jakobus 2,8
»Es ist interessant, sich die Auflistung von Charakterschwächen und sündigen Verhaltensweisen anzuschauen, in der dieses philautoi erscheint. Und es sollte herausgestellt werden, dass »eigenliebig« im Zusammenhang mit »ohne natürliche Liebe« (astorgoi – ohne natürliche Zuneigung gegenüber Menschen des eigenen Fleisches und Blutes), »das Gute nicht liebend« und »mehr das Vergnügen liebend als Gott« (V.4) aufgeführt wird. Es steht außer Frage, dass der Ausdruck »eigenliebig« hier als ernsthafte Charakterschwäche und sündige Eigenschaft dargestellt wird. Aus diesem Grund kann ein christlicher Prediger oder Seelsorger nicht positiv über »Selbstliebe« sprechen.«
Gleason L. Archer, Schwer zu verstehen? Biblische Fragen und Antworten, 1. Auflage 2005, CLV, Bielfeld
»Über die Schiene der Psychologie und der christlichen Ratgeberbücher kommen falsche Lehren über »innere Verletzungen« und »innere Heilung«, über »Selbstliebe« und »Selbstverwirklichung« in die Gemeinden und verleiten die Männer zu fleischlichem, weltlichem Denken, das sie im Endeffekt für den Herrn unbrauchbar macht.«
Rudolf Ebertshäuser, 1. Auflage 2007, Als Mann zur Ehre Gottes leben, CLKV Verlag, CH-3613 Steffisburg
»Die raffinierten humanistischen Irrlehren der weltlichen Psychologie und Psychotherapie mit ihren satanischen Losungen der „Selbstliebe“ und Verharmlosung der Sünde wirken bis in Bibelschulen und Gemeinden hinein.«
Rudolf Ebertshäuser, Die charismatische Bewegung im Licht der Bibel, 2., durchgesehene Auflage 1998, CLV, Bielefeld
»Der Glaube ist nie munter, wenn die S e l b s t l i e b e wach ist; wenn die Selbstliebe mächtig wird, kann der Glaube nicht mächtig sein; denn die S e l b s t l i e b e gleicht dem Zweig, den der Gärtner ein "Wasserschoss" nennt, das nie Frucht trägt, sondern dem Baum nur Kraft und Saft entzieht. Die Selbstliebe ist jenes Wasserschoss, das dem Glauben alle Nahrung entzieht, und du musst es wegschneiden, sonst bleibt dein Glaube stets ein zwergenhafter und kränkelnder "Kleinglaube", und es wird dir schwer, Trost zu empfangen für deine Seele.«
C. H. Spurgeon, zitiert nach „Betrachtungen zum Wort Gottes“, Zusammenstellung und Bearbeitung, W. Giolda, 1. April 2003
»Selbstbestätigung ist uns ebenso auf den Leib geschnitten wie Selbstliebe«
David Jaffin, … der bringt viel Frucht, 1983, Verlag der Liebenzeller Mission, Bad Liebenzell
»Nachfolge Jesu bedarf daher nicht der Selbstfixierung und Eigenliebe, sondern der Selbstverleugnung, von der Jesus an vielen Stellen spricht. Die Botschaft des Evangeliums ist ein Wegwenden von sich selbst. Es geht nirgends um unser Ich und an keiner Stelle um Selbstliebe. Viele Stellen der Heiligen Schrift bestätigen diesen Grundgedanken, dass Nachfolge nicht darin besteht, »Gefallen an uns selber zu haben« (Röm. 15,1). Denn »Christus ist darum für alle gestorben, dass sie hinfort nicht sich selbst leben« (2. Kor. 5,15).
…
Erstaunlicherweise stellt die Heilige Schrift an keiner Stelle den Menschen in den Vordergrund. Christus allein ist der Inhalt des Denkens und Lebens: »Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen« (Joh. 3,30).
«
Gerhard Naujokat, Wider den Zeitgeist - Plädoyer für ein realistisches Christentum, 1. Auflage 2000, CLV, Bielefeld
»Vor mehr als 200 Jahren drückte William Law aus, was Christen seit jeher verstanden hatten:
Selbstliebe, Selbstachtung und Selbstsucht sind das Wesen und das Leben des Hochmuts. Der Teufel, der Vater des Hochmuts, ist bei solchen Leidenschaften niemals fern oder ohne Einfluss auf sie.
Leider haben die Lügen der Psychologie nicht nur christliche Psychologen beeinflusst, sondern auch Gemeindeleiter und Autoren.«
Dave Hunt, Die okkulte Invasion - Die unterschwellige Verführung von Welt und Christenheit, 1. Auflage 1999, CLV, Bielefeld
»Wir sind Zeugen einer unheimlichen Geburt, denn das Ich oder das Selbst tritt ins Universum ein. Seine teuflischen Sprösslinge, nämlich das Selbstbild, der Selbstwert, das Selbstwertgefühl, die Selbstliebe, die Selbstakzeptanz, das Selbstbewusstsein usw., sind die Geisseln der heutigen Welt und haben sogar die Gemeinde Jesu erreicht. Hier erkennen wir das Herzstück des Bösen!«
Dave Hunt, Wie weit sind wir? – Überzeugende Beweise für die baldige Rückkehr Christi, 2. Auflage 2002, Verlag Mitternachtsruf, CH-8330 Pfäffikon
»… (Mk 12,29-31). Kann man aus dieser Bibelstelle einen Aufruf zur Selbstliebe ableiten, wie viele christliche Psychologen und moderne Ausleger es tun? Hatte Jesus die Förderung der Selbstliebe oder gar des Selbstwertes eines Menschen im Sinn, als er diese Aussage machte? Diese Frage kann mit einem klaren Nein beantwortet werden! Jesus rief seine Jünger niemals dazu auf, sich selbst zu lieben.«
Georg Walter, Der Angriff auf die Wahrheit, 1. Auflage 2009, CLV, Bielefeld
»Ein Biograf bemerkt: „Er (= John Bradford) konnte im Verborgenen so sehr über seine Sünden weinen, dass man dachte, er würde nie wieder lächeln können. Wenn er dann in der Öffentlichkeit auftrat, war er so harmlos fröhlich, dass man meinen konnte, er habe noch nie geweint.“
Sein vernichtendes Urteil über sich selbst und sein tiefer Eindruck von der Gnade und Majestät Gottes stehen in einem merkwürdigen Gegensatz zu den Thesen der Selbstachtungsund Selbstliebe-Aposteln unserer Tage. Wenn er in seiner Gott- und Selbsterkenntnis auch nur annähernd vom Heiligen Geist und von der Heiligen Schrift geprägt war – und daran kann angesichts der vielen Männer und Frauen Gottes in der Bibel und Kirchengeschichte, die zu einer ähnlichen Sicht gekommen sind, wohl kein Zweifel bestehen – dann handelt es sich bei der Theorie der Selbstliebe um groben Unfug, der uns von einer gesegneten Gottesbeziehung wegbringt.
«
Gerrit Alberts, Ein langes Leben in einer kurzen Zeitspanne, Zum 450. Todestag des Märtyrers John Bradford, Fest + treu, Ausgabe 04/2005
Das psychologische Konzept der Selbstliebe, die zu einer angeblichen Stärkung des Selbstwertgefühls führt, und das biblische Konzept der Selbstverleugnung, die uns zu wahrer Bereicherung führt, sind diametral entgegengesetzt.
 John Ankerberg, John Weldon, Fakten über Psychologie, Selbstverwirklichung und Selbsthilfe, 1. Auflage 2001, Verlag Mitternachtsruf, CH-8330 Pfäffikon

Dienstag, 5. Februar 2013

Lese-Tagebuch - Eintrag 13

Buch: Die Botschaft des Propheten Maleachi für die heutige Zeit
Autor: Walter A. Lickley
Auflage: 1. Auflage 1992
Verlag: Ernst-Paulus-Verlag, Neustadt/Weinstr.
Seitenzahl: 157

Bevor wir uns dem Buch selbst zuwenden, wollen wir sowohl einen kleinen Rückblick, als auch einen Ausblick wagen. Nachdem uns „Das Kommen des Herrn“ beschäftigt hat, wandten wir uns dem Thema „Nachfolge“ zu. Dabei hatten wir zwischen der allgemeinen Verantwortung die jedem wahren Gläubigen gleichermaßen auferlegt ist und der speziellen – für Mann und Frau nach der Schöpfungsordnung gegebenen – Verantwortung unterschieden. Letzteres haben wir in der Vergangenheit etwas betrachtet, während ersteres, die Betrachtung der allgemeine Verantwortung, noch aussteht. Vor diesem Hintergrund erschien es mir gut, zuvor dieses Buch zu lesen und im Folgenden meine Eindrücke wiederzugeben.

Die Zeit in der Maleachi lebte war eine Zeit des Niedergangs, auf die eine Zeit von ca. 400 Jahren ohne direkte Schriftoffenbarung Gottes folgte. Somit ist Maleachi der letzte der alttestamentarischen Propheten. Und: »So wie es damals einen treuen Überrest gab, so möge auch unter uns allen das Verlangen wach werden, in unseren Tagen zu einem solchen Überrest zu gehören.« (ebd., Seite 10)
»Was Gott damals wollte und was Er heute noch will und sucht, sind Gläubige, die erkennen, wie wichtig Seine Interessen sind, und die ihnen mehr Zeit einräumen als den Dingen ihrer eigenen Wahl, Gläubige, die die Prioritäten richtig setzen und die darauf achten, daß sie sich Ihm gegenüber recht verhalten« (ebd., Seite 18)
Dies dürfte einer dieser neuralgischen Punkte sein, in denen wir den Annehmlichkeiten unserer Zeit – zumindest zum Teil – erlegen sind. Wie viel Zeit verwenden wir darauf uns zu „entspannen“, weil wir es uns ja durch unseren „harten Alltag“ verdient haben? Bibellese, Gebetszeit, gar Bibelstudium – all das erscheint vielen als Last (vgl. Maleachi 1,13 zu dem obiges Zitat als Kommentar steht).
Ich habe mit der Zeit die Überzeugung gewonnen, dass wir uns unmöglich entspannen können, wenn wir unserem Geist die notwendige Nahrung (vgl. Lukas 4,4; 1. Petrus 2,2) vorenthalten. Haben sie die Anführungszeichen oben bemerkt? Natürlich müssen wir die Möglichkeit haben zur Ruhe zu kommen, aber eben nicht indem das Seelische das Geistliche verdrängt oder gar völlig ausschließt.*
»Erkenntnis geht aus fleißigem Studium hervor (2. Tim 2,15), und wo das aufhört, das Ziel der Priester zu sein – und jeder von uns ist ein Priester – beginnt die Wahrheit in der Versammlung zu sterben.« (ebd., Seite 22). Aber es ist eine »Tatsache, daß dieses persönliche Verweilen vor dem Herrn und die Beschäftigung mit Seinem Wort viel Zeit erfordert (ebd., Seite 23).
Es geht sogar soweit, dass Gott, durch das was Ihm zusteht, wenn es der Mensch für sich selbst behält bzw. zurückhält, beraubt wird. Die Ausführungen, die im Buch dazu auf Seite 71f. gemacht werden (Bezug nehmend auf Maleachi 3,8), gilt es zu bedenken. Ich will auf dies alles nicht im Detail eingehen, zumal es den Rahmen dieses Eintrags sprengen würde. Vielmehr möchte ich ermuntern sich selbst intensiv(er) einem „fleißigen Studium“ (s.o.) biblischer Wahrheiten zu widmen.

Was geschieht wenn »die Heiligkeit ihres Gottes aus dem Auge verloren« (ebd., Seite 45) wird? Gott fordert in Seinem Wort immer wieder auf: »Kehret um zu mir!« (s. Mal. 3,7; Lickley, Seite 56f.). Und da wollen wir auch nicht müde werden, uns als Gläubige miteinzuschließen. Gott will das wir seine Wege gehen. Wie oft tun wir es nicht? Nehmen wir nur einmal die Zeit, was wir schon ansprachen, welche wir für Vergnügungen, Selbstverwirklichung und anderes aufwenden. Es hat schon Züge von Schizophrenie, wenn wir dem Herrn einerseits mit Hingabe dienen wollen, dem Verzicht persönlicher Freiheiten – sowohl echter, als auch vermeintlicher – jedoch ausweichen wollen.

Lickley betont, dass das Erste und das Beste – als Anwendung von 4. Mose 18 – dem Herrn gehören sollte (vgl. Seite 71). So galt es im Alten Bund: »das Beste sich selbst versagen und es Gott geben« (ebd., Seite 72). So sollte es sein! Aber so war es nicht in den Tagen Maleachis. Sieht es bei uns in den Tagen der Gnade besser aus? Und wie sieht es bei mir ganz persönlich aus?
Lasst mich das offen sagen: Ich fürchte wir sind in vielen dieser Dinge zu leichtfertig. Oft ist es nicht das Erste und das Beste, was wir Gott geben, sondern das was Übrig bleibt. Und ist es nicht für viele schon eine schier untragbare Mühe gewesen Gott auch nur eine Viertelstunde am Tage für die Bibellese (Stille Zeit) zu geben?

Wenn es wahr ist, dass wir Verwalter Gottes sind – und es ist wahr, - dann fragt sich inwieweit wir dieser Verantwortung gerecht werden, die doch letztlich mit geistlichem Segen verbunden ist; (vgl. Lickley, S. 74-89). Und inmitten all des geistlichen Verfalls und Niedergangs des religiösen Umfelds, darf wahre Treue gefunden werden. »Der Überrest einer jeden Zeitperiode wird immer aus solchen bestehen, die das Versagen fühlen und bekennen und mit Gott rechnen und inmitten aller Untreue Seinem Wort treu bleiben.« (ebd., Seite 94). Vielleicht darf ich noch anfügen: Oder Seinem Wort treu werden, denn es gibt immer auch solche die von falschen Wegen umgekehrt sind.
»So sollte es auch heute bei uns, dem ganzen Volk Gottes, sein. Wenn die Eigenschaften und der Charakter Gottes unseren Seelen in Wahrheit bewußt werden, welch heilige Scheu sollte uns dann in allen Dingen erfüllen! Was für eine Ehrfurcht und Achtung vor Seiner Gegenwart sollte es bei uns bewirken!« (ebd., Seite 103).
Ich überspringe an dieser Stelle die eschatologischen Ausführungen mit dem Hinweis, dass wir im Buch darüber eine sehr gute, vergleichende Aufstellung bezüglich der Entrückung und der Erscheinung des Herrn haben (s. ebd., Seite 119-123). Ebenso »14 Gründe, die dafür sprechen, dass die Kirche nicht durch die große Drangsal gehen wird«; (s. ebd., Seite 135f.).
Natürlich sollen auch diese (eschatologischen) Ausführungen unsere Lebensführung beeinflussen, wie wir bei unserer Beschäftigung mit dem "Kommen des Herrn" aber schon gesehen hatten.

Anmerkung:
* vgl. auch John MacArthur, Kommentar zum Neuen Testament, 1. Korinther, Einzelausgabe, 1. Auflage 2006, CLV, Seite 480 // Maleachi-Kreis (Hrsg.), Gefährliche Stille !, Wie die Mystik die  Evangelikalen erobern will, 1. Auflage 2010, Seite 145

Dienstag, 17. Juli 2012

Lese-Tagebuch - Eintrag 11 (Teil 1/2)

Buch: Das Jungfrauenleben im Lichte des Evangeliums
Autor: Elias Schrenk (1831 – 1913)
Auflage: 9. Auflage, 1922
Verlag: Evangelischer Missionsverlag, Stuttgart
Seitenzahl: 41

Wir leben in einer Zeit, in der sich der „Reichtum“ Laodizeas offenbart. Eine Fülle von Studienbibeln, Bibelkommentaren, „Lebenshilfen“, christlichen Romanen, usw. erinnern an die Worte des Predigers: »Und überdies, mein Sohn, lass dich warnen: Das viele Büchermachen hat kein Ende, …« (Prediger 12,12a; Elb.CSV). Eine Vielzahl davon ist das Papier nicht wert auf dem es geschrieben wurde und taugt allein als Zeugnis dieses traurigen Zustandes: »Weil du sagst: Ich bin reich und bin reich geworden und bedarf nichts und du weißt nicht, dass du der Elende und Jämmerliche und arm und blind und nackt bist« (Offenbarung 3,17; Elb.CSV).

Wo lernt ein Mädchen heute noch, dass „dienen, eine der wichtigsten Eigenschaften einer christlichen Tochter ist“ (Schrenk, Seite 6)? „Nicht nur für sich, sondern für andere zu leben, d.h. es lernt lieben“ (ebd.).

Es sei mir erlaubt einige längere Abschnitte aus diesem Büchlein zu zitieren, welche die Ernsthaftigkeit echter Christusnachfolge vor die Augen einer jungen Frau bzw. ihrer Mutter stellen möchte.

In dem Abschnitt über die Schulzeit der Tochter schreibt Elias Schrenk:
„Frühe schon zeigt sich der Hang nach Eitelkeit und Putzsucht*, was dann so rasch wieder zu Gefallsucht, Liebeleien und andren Sünden führt. Eine christliche Mutter muss auf Einfachheit, Wohlanständigkeit, Bescheidenheit und Demut halten. Sie gehören wesentlich zum weiblichen Wesen einer christlichen Tochter und sind viel lieblicher, als jene fratzenhafte Eitelkeit, die jetzt so viele Töchter auszeichnet.“ (ebd., Seite 10)
„Es ist schön, wenn ein Mädchen geistiges Interesse hat und Lust zum Lesen zeigt; aber gerade hierin bedarf es der sorgfältigen Leitung. Es ist unverantwortlich, wenn Mütter sich kaum bekümmern um die Lektüre der Tochter. Wir haben jetzt eine wahre Sündflut von schlechtem Lesestoff für Kinder, der unsere Jugend vergiftet. Alle jene Romane, die durch ihre schlüpfrigen Geschichten unreine Bilder in der Tochter Seele hineintragen, sind Gift und ruinieren Leib und Seele. Lektüre, in der das Heilige verspottet und bewitzelt wird, gehören nicht in ihre Hand, weil sie Gottesfurcht und Glaube zerstört. Es ist keine verlorene, sondern gut verwendete Zeit, wenn die Mutter die Lektüre der Tochter genau prüft, es ist ihre Pflicht vor Gott. Gerade durch Überwachung des Lesestoffs gewinnt die Tochter unter dem Einfluss der mütterlichen Autorität ein selbstständiges sittliches Urteil, einen christlichen Charakter, der Schädliches und Gemeines abweist, was für das ganze Leben so notwendig ist.“ (ebd., S. 11+12)
Waren es früher Romane, sind es heute wohl oft Fernsehserien wie „Sex and the City“  oder „Desperate Housewives“, die das Denken – leider wohl auch so manch´ gläubigen Frau – nachhaltig geprägt haben.

„Es macht mir immer einen peinlichen Eindruck, wenn ich sehe, wie rüstig manche Mutter oder sogar Großmutter ihre Hände rührt im Hauswesen, und wie die angehende Jungfrau daneben steht, als wären es Pflichten unter ihrem Stand. Wofür sollen denn die meisten unserer Töchter erzogen werden? Etwa für den Ballsaal, den Tanzboden und das Theater? Gewiss nicht, sondern für das praktische Leben. Warum fehlt es in unseren Tagen dem weiblichen Geschlecht so vielfach an Einfachheit?“ (ebd., Seite 15)
Sind die Tage heute besser geworden? Ich meine nicht. Elias Schrenk konstatiert dann:
„Die Töchter werden sehr oft nicht von früher Jugend auf angehalten, Hand anzulegen im Hauswesen, soweit es die Schulaufgaben gestatten, und darum bekommen sie nicht jenes einfache Wesen, das häusliche Arbeit der Tochter aufprägt, sie werden vornehm über ihren Stand hinaus, putzsüchtig*, genußsüchtig und eitel.“ (ebd.)
* Anmerkung: "putzsüchtig" heißt: „Sich herauszuputzen“ = sich schönmachen, zurechtmachen…
Die Schrift fordert die jungen Frauen dazu auf: »Ihre Männer zu lieben, ihre Kinder zu lieben, besonnen, keusch, mit häuslichen Arbeiten beschäftigt, gütig, sich den eigenen Männern unterzuordnen, damit das Wort Gottes nicht verlästert werde.« (Titus  2,4b-5; Elb.CSV).
Gleichwohl verstehe ich diese Schriftstelle nicht so, als wären junge Männer in der Erziehung von jeglichen häuslichen Arbeiten auszunehmen. Dies näher auszuführen würde an dieser Stelle zu weit führen. Sagen wir einfach, das der ledige Mann seinen Hausstand durchaus nicht mit weniger Sorgfalt führen sollte, als es seine spätere Frau einmal tun wird. Und ich sehe auch kein Verbot, das er ihr später nicht auch hilfreich zur Seite stehen darf. Aber kehren wir zurück zu den Ausführungen Schrenks:
„Liebe Mütter, gebt euren Töchtern eine praktische Erziehung für das Leben; gewöhnt sie von Jugend auf an Einfachheit, Sparsamkeit, Arbeit und Selbstverleugnung. Diese Tugenden sind ein Kapitel für das spätere Leben und erleichtern euren Töchtern unendlich viel.“ … „In einem Hause, wo Einfachheit und Ordnungssinn waltet, wo die Hausfrau nach allen Seiten hin ihre Pflicht tut und dem Manne allezeit ein freundliches Lächeln entgegenbringt, fühlt sich der Mann daheim, und wird bewahrt vor dem heillosen Vereins- und Wirtshausleben, das mehr und mehr das Familienleben zerstört. Eine christliche, tüchtige Hausfrau, die wenig oder kein Vermögen hat, ist mehr wert, als eine schlechte Hausfrau mit Geld.“ (ebd., S. 16)
„Ich habe von der christlichen Hausfrau geredet, weil ich weiß, dass eine Erziehung der Tochter, wie ich sie geschildert habe, wesentlich zum Christentum gehört. Unser Heiland ist nicht umsonst arm, einfach, demütig und allezeit genügsam gewesen; es gehörte zu seinem Erlöserscharakter. Denke dir den Heiland der Armen und Elenden anders als er in den Evangelien vor uns steht, und du wirst es nicht können. Eine eitle, geschraubte (Anm. tjw: gekünstelte oder affektierte), gefallsüchtige, arbeitsscheue, vergnügungssüchtige und nach hohen Dingen trachtende Tochter kann nie und nimmer Jesu Jüngerin sein. Liebe Mütter! Folget Jesu nach, werdet Vorbilder eurer Töchter in der Demut, in der Einfachheit, Bescheidenheit und Genügsamkeit, in der Treue in den nächsten Pflichten, in der Liebe zum Heiland, damit sich ihnen frühe Jesu Bild einpräge. Tut ihr das, so erfüllt ihr einen hohen Beruf, ihr seid zum Segen für euer Haus nicht nur, sondern für unser ganzes Volk.“ (ebd., S. 17)
Ich fürchte, viele werden bei den letzten Abschnitten gelächelt haben – vielleicht sogar spöttisch. Ist uns das alles schon so fremd? Gottes Maßstab für die Frau: »der verborgene Mensch des Herzens in dem unvergänglichen Schmuck des sanften und stillen Geistes, der vor Gott sehr kostbar ist.« (1. Petrus 3,4; Elb.CSV).
Über wie viele Dinge wird das gesagt, dass sie vor Gott sehr kostbar sind?

Lasst mich das offen sagen, das geht nicht gegen die Frauen. Die Männer versagen nicht weniger. Und der Einzige der hier auf der Erde seinen Weg in absoluter Treue zu Gott gegangen ist, war der Herr Jesus Christus. Müsste ich mein eigenes Versagen bekennen, würde es Seite um Seite füllen.

Aber wenn wir in das Licht Gottes gestellt werden und Er uns Seine Maßstäbe zeigt – und wir erkennen müssen das wir davon abgewichen sind oder eigene Wege gehen – dann erwartet Er das wir Buße tun. Und Dank sei Ihm dafür, wir dürfen es tun. Und so wachsen wir auch im Glauben: »...die Wahrheit festhaltend in Liebe, lasst uns in allem heranwachsen zu ihm hin, der das Haupt ist, der Christus,« (Epheser 4,15; Elb.CSV)

Ja, die Welt mag andere Maßstäbe haben und die ernsthaften Gläubigen belächeln, weil dort ein „sanfter und stiller Geist“ mehr gilt als die selbstbewusste, unbedingte Emanzipation der postmodernen Frau. Aber wie viele oberflächliche Männer waren Gehilfen einer solchen Entwicklung, indem sie die einfache Jüngerin Jesu verachtend, einer anderen den Vorzug gaben?

Es ist merkwürdig, wie viel einem durch die Lektüre eines solch´ kleinen Büchleins längst vergangener Tage bewusst wird. Ich wünschte wir hätten mehr von dieser Ernsthaftigkeit auch in unseren Tagen. Gott sei Dank, sie ist nicht völlig verschwunden, aber sie ist doch selten geworden. Die Probleme, die von Bruder Schrenk schon zu seiner Zeit angesprochen worden sind, haben sich vergrößert und sind tief eingedrungen bis hinein selbst unter die wahren Gläubigen. Und darum will ich mir auch noch ein weiteres Mal die Zeit nehmen in einem zweiten Teil weitere Ausführungen aufzugreifen.

Dienstag, 5. Juni 2012

Notwendige Konsequenzen

„Was muss noch alles passieren, bis endlich einmal Konsequenzen gezogen werden?“ – Dies ist eine Frage die sich ernsthafte Christen immer und immer wieder (in Bezug auf so manche kirchliche Entwicklung) gestellt haben. Und nicht wenige haben dann für sich persönlich den Weg aus toten religiösen Systemen gefunden.

Wilfried Plock, Vorsitzender der Konferenz für Gemeindegründung, formulierte einmal:
»Wenn wir dem Herrn und unserer Kirche nicht gleichzeitig treu sein können, dann sollten wir Konsequenzen ziehen!« 
Quelle: http://www.kfg.org/download/artikel/plock-kirchenaustritt.pdf

In diesem sehr lesenswerten Aufsatz lässt Bruder Plock dann auch C. H. Spurgeon zu Wort kommen, der zurecht auf folgendes hinwies:
»Es ist die eindeutige Pflicht eines ehrlichen Christen, den Kreis derer zu verlassen, die vorgeben, Christen zu sein, aber das Wort Gottes verletzen und die Grundlagen des Evangeliums verwerfen. Sich mit dem Irrtum einlassen, macht es dem besten Menschen unmöglich, gegen ihn vorzugehen.«
Quelle: ebenda
Wer sich etwas näher mit dem Leben Spurgeons beschäftigt wird auf die erstaunliche Tatsache stoßen, das dieser die Baptisten-Union aus eben den obig genannten Gründen verlassen hat. Ein Biograph schrieb:
»Am 28 Oktober verließ Spurgeon die Union, und in der November-Ausgabe (1887) von The Sword and the Trowel nannte er seinen Grund. Die Union gab dem denominationellem Frieden den Vorrang gegenüber der Pflicht, mit Irrlehren aufzuräumen, und machte, indem sie Sünden duldete, den Austritt für Christen somit unumgänglich:« (...)
»Ja, wir haben das verwerfliche Schauspiel vor uns, dass erklärtermaßen orthodoxe Christen öffentlich ihre Einheit mit jenen beteuern, die den Glauben verleugnen, und kaum einen Hehl aus ihrer Verachtung für jemanden machen, der es nicht fertigbringt, sich so grober Untreue gegen Christus schuldig zu machen. Um ganz deutlich zu werden, wir sehen uns außerstande, diese Gebilde christliche Vereinigungen zu nennen, sie sehen zunehmend nach Bündnissen des Bösen aus …«
Quelle: Iain H. Murray, C. H. Spurgeon – wie ihn keiner kennt, 2. Auflage. Hamburg, RVB, 1999

Vor diesem Hintergrund ist das Folgende durchaus erwähnenswert, ein erfreulicher erster Schritt, dem m.E. weitere folgen sollten. Doch! Ich freue mich wirklich über solche Frauen und Männer, die noch nicht völlig gleichgültig geworden sind, sondern einen Eindruck von der Heiligkeit Gottes haben!
Quelle: Screenshot - http://www.evangelisation.biz/aktuell/ - vom 04.06.2012
 So dürfen wir uns auch jene zum Vorbild nehmen, von denen der Prophet Maleachi einst bezeugte:
»Da unterredeten sich miteinander, die den HERRN fürchten, und der HERR merkte auf und hörte; und ein Gedenkbuch wurde vor ihm geschrieben für die, die den HERRN fürchten und die seinen Namen achten.« (Maleachi 3,16; Elb.CSV)

Sonntag, 27. Mai 2012

Bibelclips und was wir daraus (nicht) lernen

Schon seit einiger Zeit strahlt der Fernsehsender RTL sogenannte „Bibelclips“ aus. Und die Frage ist durchaus berechtigt, was Die Heilige Schrift im Umfeld eines doch recht niveauarmen Senders zu suchen hat. Beides ist letztlich nicht miteinander in Einklang zu bringen, wie sich an einem einzigen Beispiel leicht zeigen lässt.

So wird die Sendung DSDS Kids (ein „Talentwettbewerb“ für Kinder) mit folgendem Bibelvers verknüpft: „Freu dich in deiner Jugend, sei heiteren Herzens in deinen frühen Jahren. Geh auf den Wegen die dein Herz dir sagt zu dem was deine Augen vor sich sehen.“ (Kohelet 11,9)

Wie tendenziös dieses Zitat ist, sieht man, wenn man es im Kontext betrachtet: »Freue dich, Jüngling, in deiner Jugend, und dein Herz mache dich fröhlich in den Tagen deiner Jugendzeit, und wandle in den Wegen deines Herzens und im Anschauen deiner Augen; doch wisse, dass für dies alles Gott dich ins Gericht bringen wird. Und entferne den Unmut aus deinem Herzen, und tu das Böse von deinem Leib weg; denn die Jugend und das Mannesalter sind Eitelkeit.« (Prediger 11,9-10; ElbCSV)

Ein Bruder schreibt hierzu sehr treffend:
»…die Ankündigung des Gerichts ist ebenfalls ein Teil davon. „Freue dich, Jüngling, in deiner Jugend.... und wandle in den Wegen deines Herzens... „. Das ist die Philosophie vieler junger Leute, die sorglos dahinleben. Aber der Schluss des Satzes sollte sie zum Nachdenken bringen: ...doch wisse, dass um dies alles Gott dich ins Gericht bringen wird“ (Vers 9). Ja, Gott wird Rechenschaft von dir verlangen über jeden Genuss: Für wen und für was hast du gelebt? Nicht alles beschränkt sich auf diese Erde. Es gibt einen Gott, und dieser Gott ist Richter. Freund, der du noch nicht bekehrt bist, möchte diese Warnung dich zum 1. Vers des 12. Kapitels führen.«

Jean Koechlin, Ährenlese im Alten Testament, Band 3 Sprüche - Maleachi, Beröa-Verlag Zürich

In der Vergangenheit musste derselbe Bibelvers schon einmal (in abgewandelter und ergänzter Form) für die Love-Parade herhalten. Dabei wird eine billige, unbeständige und der Bibel entgegengesetzte Freude proklamiert, der Paulus – aus dem Gefängnis schreibend – entgegenzusetzen weiß: »Freut euch in dem Herrn allezeit! Wiederum will ich sagen: Freut euch!« (Philipper 4,4; ElbCSV).

Aber auch über diesen Vers lohnt es sich nachzudenken:
»Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung eures Sinnes, dass ihr prüfen mögt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist.« (Römer 12,2; ElbCSV).

Hierzu schrieb Aiden W. Tozer einmal:
Die Annahme, die Menschen seien geboren, »um glücklich zu sein«, wird in der heutigen Gesellschaft von kaum einem infrage gestellt, und die Auswirkungen dieses modernen Hedonismus spürt man auch im Volk Gottes.
Das christliche Evangelium wird nur allzu oft als Mittel zum Glücklichsein, zu Herzensfrieden und Sicherheit angepriesen. Es gibt sogar solche, die die Bibel zum »Relaxen« benutzen – so, als sei sie eine Droge.
Wie falsch das ist, kann man leicht entdecken, wenn man das Neue Testament einmal ganz und unter ernstem Nachdenken liest. Dort liegt der Nachdruck nicht auf Glück, sondern auf Heiligkeit. Gott interessiert sich mehr für den Zustand unserer Herzen als für den Zustand unserer Gefühle.
Ohne Zweifel bringt der Wille Gottes denen, die gehorsam sind, am Ende Freude. Aber die wichtigste Angelegenheit ist nicht, wie glücklich wir sind, sondern wie heilig!
Das kindische Geschrei nach Glück kann zu einer richtigen Falle werden, weil man sich leicht betrügen kann, indem man eine Religion der Freude kultiviert, ohne das dazugehörende gerechte Leben zu praktizieren.
Für alle, die das Gesagte ernst nehmen, habe ich einen Vorschlag: Geh zu Gott und verschaffe dir Klarheit. Sag Ihm, du wollest gern heilig sein, koste es, was es wolle – und bitte Ihn niemals, dir mehr Freude als Heiligkeit zu geben! Sei dir sicher: Du wirst am Ende genauso froh sein, wie du heilig bist. Aber im Augenblick richte dein ganzes Verlangen darauf, Gott zu dienen und Christus ähnlich zu werden!

A. W. Tozer, Verändert in Sein Bild - Tägliche Andachten, 2. Auflage 2012, CLV, Bielefeld

Donnerstag, 8. September 2011

Lese-Tagebuch - Eintrag 8 (Teil 2/2)

Buch: Als Mann zur Ehre Gottes leben
Fortsetzung…

Wunderbarerweise hört das Buch nicht mit der Aufnahme des biblischen Befundes auf, sondern stellt sich der Frage, wie geistliche Erneuerung und das Pflügen eines Neubruchs möglich ist (vgl. Ebertshäuser, Seite 106; Hos 10,12). Dabei wird auch die Frage beleuchtet welchen schädlichen Einflüssen wir heute, durch den Zeitgeist und historisch falsche Weichenstellungen, ausgesetzt sind.

Zum Beispiel schreibt der Bruder als Ergebnis von »Lustorientierung und Gefühlsabhängigkeit« (ebd., Seite 114): »Der Mann wird zum Sklaven – zum Sklaven seines Geschlechtstriebes mit Pornosucht und Selbstbefriedigung, zum Sklaven seiner Macht- und Erfolgswünsche, seines Drangs nach Selbstbestätigung im Beruf, im Sport.« (ebd.)

Vielfach haben die Gemeinden es versäumt biblische und gottgemäße Antworten auf solche Fragen zu geben. Vielleicht weil man sich nicht vorstellen konnte, das überhaupt jemand solche Probleme haben könnte. Vor Jahren habe ich es einmal erlebt, das ein junges Mädchen aus meinem damaligen Jugendkreis bekannte in einer lesbischen Beziehung leben zu wollen. Leider ist sie wohl bis heute nicht zurechtgekommen.
Gerade deshalb reicht es nicht aus bei dem biblischen Befund stehen zu bleiben, sondern – ebenfalls biblisch begründet – aufzuzeigen wie (!) wir einen guten und gottgemäßen Weg gehen können - eben so wie es der Bruder in seinem Buch tut.

»Wir alle tragen in der Praxis noch verschiedene Züge der Fleischlichkeit und Unmündigkeit an uns, während wir hoffentlich auch gewisse Elemente geistlicher Reife aufweisen. Aber für uns alle ist es sehr wichtig, die Bereiche zu erkennen und zu überwinden, wo wir Züge der Unreife an uns tragen, und mit aller Kraft danach zu streben, zur vollen geistlichen Reife zu gelangen.« (ebd., Seite 125)
Ich fürchte, das auch dies einer dieser Bereiche ist, wo wir schnell versucht sind uns selbst zu täuschen. Wie schnell stellen wir uns selbst das Prädikat „geistlich“ aus, während für andere unsere „Züge der Fleischlichkeit und Unmündigkeit“ offen zu Tage treten. Es wäre gut, würden wir auch in einer solchen Frage nicht mehr auf uns selbst, sondern allein und demütig auf den Herrn schauen.

Es ist notwendig »bewußt Ja sagen zu Gottes Erziehungs- und Züchtigungswegen mit uns,« … »Ja sagen zu Nöten, Widrigkeiten, durchkreuzten Wünschen, schwierigen Menschen in unserer Umgebung, die uns »das Leben schwermachen«.« (ebd., Seite 126)

Der vielleicht wichtigste Gedanke ist, dass Gott uns wirklich zurechtbringen und gute Wege führen will. Es ist nie die Gnade oder Güte Gottes die versagt, sondern unser Eigenwille und Widerstand, unsere Rebellion die uns scheitern lässt. Wir tragen oft vielmehr Vorsorge für das Fleisch (vgl. Römer 13,14) als für den Geist.
»Unsere Reifung ist der Wille Gottes für uns, und angesichts der wunderbaren Gnade, die wir von Gott empfangen haben, sollte es unser Verlangen sein, ganz nach dem Willen Gottes zu leben.« (ebd., Seite 129)
»Heute ist vielleicht die wichtigste geistliche Weichenstellung im Leben eines jungen Mannes die Entscheidung zwischen dem schmalen Weg der echten Christusnachfolge und dem breiten Weg des modernen, weltförmigen Schein-Christentums, das sich in dieser letzten Zeit fast überall ausgebreitet hat und auf junge Menschen eine mächtige Anziehungskraft ausübt.« (ebd., Seite 133)
Wie wir »Sieg über die Sünde« (ebd., Seite 137) erlangen und »ein biblischer »Kampf gegen die Sünde« (Hebr 12,4) aussehen« (ebd.) kann, wir »Wichtige Weichenstellungen« (ebd., Seite 142), z.B. in Bezug auf »Ehevorbereitung und Eheschließung« (ebd., Seite 144) treffen können, all dies wird von Bruder Ebertshäuser aufgegriffen. An dieser Stelle möchte ich noch auf die Homepage des Bruders verweisen (www.das-wort-der-wahrheit.de), auf der Seine Bücher auch als kostenfreier Download erhältlich sind. Im Verlauf unserer Beschäftigung mit dem Thema „Nachfolge“ werden wir uns zu einem späteren Zeitpunkt noch zwei andere Bücher näher anschauen.

Ich kenne den Bruder im Übrigen nicht persönlich und hatte nur einmal einen kurzen Email-Kontakt mit ihm, indem ich ihn um Rat ersucht hatte. Trotzdem sei mir an dieser Stelle die Bitte erlaubt, dass wenn Ihnen sein Dienst genauso segensreich begegnet ist wie mir, Ihm Unterstützung zu gewähren. Gerade das er Seine Bücher auch als kostenfreien Download bereitstellt, um damit zur Ehre des Herrn wirksam sein zu können, darf in unserer kommerzialisierten Umwelt durchaus positiv herausgestellt werden!

Montag, 5. September 2011

Lese-Tagebuch - Eintrag 7

Buch: Falsche Propheten unter Dichtern und Denkern
Autor: Gottfried Meskemper
Auflage: 5. überarbeitete und ergänzte Gesamtauflage 2000
Verlag: Schwengeler-Verlag, Berneck, CH
ISBN: 3-85666-383-5
Seitenzahl: 280

«Warum denken wir so, wie wir denken?» (ebd., Buchrückseite) ist die Grundfrage, der Gottfried Meskemper nachgeht. Dabei analysiert er vor allem die »Literatur, die an den höheren Schulen in Deutschland studiert wird.« (ebd.) und stellt fest: »Viele Texte widersprechen dem Evangelium auf unterschwellige Art.« (ebd.)

Um es vorweg zu sagen: Leider werden einige Punkte sehr umfangreich, andere sehr knapp abgehandelt und ich halte die Auswahl nicht immer für glücklich. Eine Absicht des Buches ist zu zeigen, das die Bibel die »Übereinstimmung zwischen Wort und Tat« (ebd., Seite 25) wichtig ist »und wo sie nicht vorhanden ist, wird dies auch deutlich hervorgehoben.« (ebd.)

Ob es - um den Gegensatz darzustellen - allerdings notwendig war Bertolt Brechts Leben derart wortreich darzulegen möchte ich bezweifeln. Auf der anderen Seite werden nämlich Schreiber wie Günter Grass nur in einem Nebensatz, Max Frisch, Friedrich Dürrenmatt oder J. D. Salinger beispielsweise überhaupt nicht erwähnt. So heißt es bei Brecht: »1930« … »In dieser Zeit waren seine wichtigsten Quellen Shaw, Marx und Upton« (ebd., Seite 52). Gerade über George Bernard Shaw hätte sich einiges sagen lassen.

Sieht man einmal von dieser Schwäche ab (immerhin werden dafür z.B. Goethe, Hesse, Kant oder Rousseau wieder umfangreicher besprochen), hat die Beweisführung doch Bestand und führt zu interessanten Ergebnissen, denen zugleich die glaubensgemäße Alternative gegenübergestellt wird.

»Es handelt sich beim humanistischen Denken nicht um objektive Denkmuster, um abstraktes, von Ballast befreites Denken, sondern um eine durch Bildung hervorgerufene falsche Voreinstellung« (ebd., Seite 77) und der Bruder beklagt zurecht: »die falsche Erwartungshaltung gegenüber einer gottlosen Bildung müsste nicht vorhanden sein, wenn die Bibel auch unser Denken richtig prägen würde.« (ebd., Seite 73)

Leider herrscht gerade auf diesem Gebiet viel Verwirrung. Selbst lieben und geschätzten Glaubensgeschwistern ist oft nicht klar, wie weltlich und wie wenig geistlich ihr Denken und ihre Aussagen wirklich sind; gerade dann nämlich wenn dieses Denken auf die Heilige Schrift angewendet wird. Traurig, wie manchmal – geistlich verbrämt – Bibeltexte aus dem Zusammenhang gerissen werden; selbst von solchen, von denen man eigentlich Reife erwarten sollte. Bitte vergeben sie mir diese persönlichen Worte, in denen sicherlich auch ein Stück weit Enttäuschung mitschwingt, aber ich hoffe immer das der Eine oder Andere noch durch solche Worte zur Besinnung gelangt.

Was den Menschen ohne wahre Gottesbeziehung angeht: »Masochistisch kokettiert der Mensch mit seiner Verlorenheit und bewundert noch die Fähigkeit, diese Verlorenheit literarisch gestalten zu können.« (ebd., Seite 81) / »Ihre Werke versetzen uns bestenfalls in eine Traumwelt, die uns eine Flucht aus der Realität erlauben, aber sie initiieren nicht das «bessere Menschentum», das wir uns selber gern zueignen möchten.« (ebd., Seite 128) Mehr noch: »Wenn jedoch Literatur nicht den Weg zum Erlöser weist, sondern nur der Selbstdarstellung und Selbstrechtfertigung des Literaten und seiner Leser dient, hat sie vor Gott keinen Platz.« (ebd., Seite 186)

Treffend zitiert der Autor Fritz Binde, welcher einst nach seiner Bekehrung über die Bibel schrieb:
»Mit immer derselben heilsamen Unerbittlichkeit holt sie das eitle Menschlein von allen seinen ruhmredigen Höhen herunter und setzt es in den Staub und verstopft ihm den Mund. Und mit immer der gleichen treuen Erbarmung hebt sie die, die zerschlagenen Herzens und gedemütigten Geistes sind, ans Herz des erlösenden Gottessohnes und bringt den Unmündigen, Einfältigen und Armen das Himmelreich der Vaterliebe des lebendigen Gottes.« (ebd., Seite 96)
Das sind durchaus Worte, die man mehrmals lesen und sich zu Herzen nehmen sollte.

Es gäbe noch einige interessante Gebiete anzusprechen, beispielsweise was Bruder Meskemper über die „unzulässige Gleichsetzung des Gottes der Bibel mit dem philosophischen Gottesbild“ (ebd., vgl. Seite 228) schreibt. Oder »Matthias Claudius´ Brief an seinen Sohn Johannes« (ebd., Seite 246f.). Trotzdem möchte ich hier um der Lesbarkeit des Artikels willen schließen. Soweit mir bekannt, wird das Buch nicht mehr aufgelegt und ist nur noch antiquarisch zu erhalten, was durchaus zu bedauern ist. Die Aufklärung und Apologetik die hier geleistet wird ist durchaus nötig und ich möchte meine Achtung ausdrücken, dass der Bruder sich dieser Aufgabe gestellt hat.

Mittwoch, 17. August 2011

Biblisch?

In seinem Kommentar zum Neuen Testament weist William MacDonald auf folgendes hin:
»Das NT kennt viele Fälle von gerechtfertigtem Gericht über den Zustand, das Verhalten oder die Lehre anderer. Außerdem gibt es verschiedene Gebiete, auf denen dem Christ sogar befohlen ist, eine Entscheidung zu treffen, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden oder zwischen dem Guten und dem Besten.« [1]
Leider erleben wir es heute oft, dass leichtfertig und wenig gründlich beurteilt wird - wenn überhaupt. Das Attribut „christlich“ reicht oftmals aus, damit die Wachsamkeit nachlässt. Dinge werden als „biblisch“ oder „christlich“ anerkannt. Dabei bedeutet dieselben Begriffe und Wendungen zu verwenden nicht zwangsläufig auch dasselbe damit zu meinen. Einige Beispiele sollen hier exemplarisch genannt werden.

Das Wort Gottes

Die Reformation ging zurück auf die Schrift allein (sola scriptura) und die uneingeschränkte Autorität und Kraft der Schrift. Demgegenüber steht die Römisch-katholische Definition:
»Die Heilige Überlieferung und die Heilige Schrift bilden den einen der Kirche überlassenen heiligen Schatz des Wortes Gottes.« [2]
Vereinfacht lässt sich sagen: Dort wo der überzeugte Katholik vom „Wort Gottes“ redet, kann „die Heilige Schrift“ aber auch – absolut gleichwertig – „Die Heilige Überlieferung“ gemeint sein. Wir müssen begreifen, dass nicht überall wo in christlichen Kreisen vom „Wort Gottes“ geredet wird automatisch die Bibel gemeint ist.

"Wahrhaftig auferstanden" bei Bultmann
Eine weitere Sache finden wir bei dem Bibelkritiker Rudolf Bultmann. In einem Interview mit SpiegelOnline führt Johannes Joachim Degenhardt aus:
»SPIEGEL: Für Drewermann und Bultmann ist es kein Widerspruch, an die Auferstehung zu glauben und zu sagen, das Grab Jesu sei sowenig leer gewesen wie das Grab irgendeines anderen Menschen.
DEGENHARDT: Für Bultmann ist Christus auferstanden in das Kerygma, in den Glauben der Urgemeinde.« [3]
Um zu verstehen was hier gesagt wird nochmals eine vereinfachte Erklärung. Das Zeugnis der „wahrhaftigen Auferstehung Jesu Christi“ wäre für Bultmann kein Problem gewesen. Erst in der Nachfrage wäre deutlich geworden, dass Bultmann hier mitnichten ein historisch-faktisches Ereignis verbindet, sondern die „wahrhaftige Auferstehung“ nur im Kerygma, also allein der Verkündigung sieht. Lothar Gassmann schlussfolgert zurecht:
»Bultmanns Theologie ist eine auf die Bibel angewandte Philosophie«. Und: »Bei Bultmann jedenfalls können geschichtliche Texte nur subjektiv-existentiell verstanden werden.« [4]
"Evangelisation in der Postmoderne"
Ein drittes Beispiel liefert Wolfgang Nestvogel in seinem Buch „Evangelisation in der Postmoderne“. Er resümiert über ProChrist 2003:
»Die wichtigen Themen des Evangeliums (Sünde, Umkehr, Vergebung, Kreuz) kommen alle »irgendwie« vor, dennoch bleiben zentrale Inhalte im Unklaren. Der erfahrene Christ hört die Begriffe und Andeutungen und kann sie mit den dazugehörenden Lehren verbinden, die er vorher schon kannte. Darum wohl haben viele Christen die Verkündigung als klar und biblisch empfunden, »schließlich hat er doch immer über Sünde, Hinkehr zu Jesus und die Wichtigkeit des Bibellesens gesprochen«. Der Nichtchrist muss aber den Inhalt, das Konzept des Evangeliums erst einmal kennen lernen, deshalb benötigt er eine präzise und klare Erläuterung der sachlichen Zusammenhänge.
Die Notwendigkeit solcher Klarheit und Präzision ist keine akademische Forderung, sondern schlichtes Gebot der seelsorgerlichen Liebe und des Gehorsams gegenüber Gottes offenbarter Wahrheit.« [5]
Bruder Nestvogel legt in seinem Buch sehr eindrücklich dar, wie er zu dieser Beurteilung kommt und es sei jedem ans Herz gelegt. Gerade in diesem Buch wird die Diskrepanz zwischen dem „klar und biblisch“ empfinden (!) und dem objektiven Fehlen zentraler Inhalte sehr deutlich aufgezeigt.

Umdeutung durch Psychologie
Rudolf Ebertshäuser kommt in anderem Zusammenhang zu dem Schluss:
»Ganz unmerklich verschieben sich die Maßstäbe, werden klare geistliche Aussagen der Bibel durch schillernde psychologische Begriffe ersetzt. War es früher für bibeltreue Christen klar, dass die Sünde, die sündige, verderbte, von Ichsucht und Rebellion geprägte menschliche Natur die Quelle alles Übels der menschlichen Existenz ist, so erwecken die „christlichen“ Psychologen den Eindruck , das Grundübel seien die Verletzungen und Demütigungen die dem seelischen Ichleben zugefügt werden.« [6]
Auch hier muss wieder die Frage gestellt werden, wie die Begrifflichkeiten letztlich die klaren biblischen Maßstäbe überdecken können.

Bibeltreu oder "bibeltreu"?
Abschließend noch einen Bericht aus den Betanien-Nachrichten aus dem Jahr 2003:
»Seit fast drei Jahren sorgte eine Streitfrage für Spannung innerhalb der "Konferenz bibeltreuer Ausbildungsstätten" (KBA), die 31 theologische Ausbildungsstätten umfasst. An den drei Ausbildungsstätten Chrischona, Tabor, Liebenzell (CTL) wird unter "bibeltreu", zum Teil verstanden, "die Bibel so zu nehmen wie sie ist - mit ihren Fehlern". Gleichzeitig wird behauptet, der Standpunkt der Irrtumslosigkeit der Bibel, wie in der Chicago-Erklärung ausgedrückt, sei nicht bibeltreu, da die Bibel selbst keine Irrtumslosigkeit beanspruche und man mit diesem Anspruch über die Bibel hinausgehe. Die Ansicht von CTL wurde als "Hermeneutik der Demut" bekannt und von einigen Theologen der KBA als nachweislich gemäßigte Bibelkritik entlarvt.

Dieser Streit wurde nun auf einer Mitgliederversammlung der KBA beigelegt. Die bisher offiziell vertretene Überzeugung von der Inspiration und Unfehlbarkeit der Bibel, deren Bekenntnis Bedingung zur Mitgliedschaft in der KBA ist, wurde bekräftigt, jedoch wurden sowohl die "Hermeneutik der Demut" als auch die "Chicago-Erklärung" beide als bibeltreue Standpunkte akzeptiert, die nicht der versteckten oder gemäßigten Bibelkritik verdächtigt werden dürfen.« [7]

Ein Fazit
Es gäbe noch andere Beispiele über die Umdeutung oder Substitution von Begriffen. Es sollte aber auch so deutlich geworden sein, dass dort tragende Säulen umgeworfen wurden, wo beispielsweise gemäßigte Bibelkritik als „bibeltreu“ gekennzeichnet wird. Das fehlende Unterscheidungsvermögen das hinsichtlich solcher Vorgänge unter Christen vorherrscht ist durchaus besorgniserregend. Dabei weiß der Autor dieser Zeilen durchaus um die eigenen Irrtümer seines Glaubenslebens. Aber vielleicht muss man (einiger) dieser Irrtümer erst einmal gewahr werden, um eine falsche – auf die eigene Menschenweisheit bauende – Selbstsicherheit zu verlieren. So mancher Gläubige ist gerade in Bezug auf das Vertrauen auf sich selbst und sein Urteilsvermögen gefallen.
Das Wort Gottes fordert uns auf:
»Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung eures Sinnes, dass ihr prüfen mögt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist.« Römer 12,2; ElbCSV
Wäre unser Gebet anhaltender darin, dass Gott unseren Sinn beständig erneuern möge und unser selbstsüchtiger Widerstand dagegen geringer, so wären wir fähiger zu prüfen und treuer darin den guten, wohlgefälligen und vollkommenen Willen Gottes zu tun!

Quellennachweis:
[1] William MacDonald, Kommentar zum Alten und Neuen Testament, 2. Auflage, Gesamtausgabe – Band 1 und 2, 1997, CLV, Bielefeld
[2] Quelle: vatican.va, Dokumente des II. Vatikanischen Konzils
[3] SpiegelOnline, Den Glauben abfragen wie Vokabeln?, 16.03.1992
[4] Lothar Gassmann, „DietrichBonhoeffer, Karl Barth, Rudolf Bultmann, Paul Tillich“ – Die einflussreichsten evangelischen Theologen der Neuzeit und ihre Lehren auf dem Prüfstand, Fromm Verlag, 2011
[5] Wolfgang Nestvogel, Evangelisation in der Postmoderne, Wie Wahrheit den Pluralismus angreift…, 1. Auflage 2004, CLV, Bielefeld; Hervorhebung von mir
[6] Rudolf Ebertshäuser, Die Charismatische Bewegung im Licht der Bibel, 2., durchgesehene Auflage 1998, CLV, Bielefeld.
[7] Betanien-Nachrichten, www.betanien.de, Ausgabe Nr. 9 vom 15. Dezember 2003

Samstag, 5. Februar 2011

Verrat am Evangelium (JesusHouse Freiburg)

»So sind wir nun Gesandte für Christus, als ob Gott durch uns ermahnte; wir bitten an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!« (2. Korinther 5,20; ElbCSV)
Der Apostel Paulus verstand sich als Gesandter für Christus. Man muss hierzu nicht viel erklären. Ein Gesandter (hier: Paulus) überbringt die Botschaft dessen der ihn sendet (Christus). Ist er treu, so überbringt er die Botschaft ohne Abstriche zu machen oder Dinge hinzuzufügen; Er überbringt allein das, was ihm sein Herr aufgetragen hat.
Was würden wir nun von einem Boten halten, der einen Teil der Botschaft unterschlägt? Wäre dies nicht Betrug an seinem Herrn? Betrug auch am Empfänger der Botschaft? Und nicht zuletzt Hochmut, weil man selbst am besten zu wissen meint, was als Botschaft ausgerichtet werden müsste.

Petrus bekannte einmal: »Und er hat uns befohlen, dem Volk zu predigen und ernstlich zu bezeugen, dass dieser der von Gott bestimmte Richter der Lebenden und der Toten ist.« (Apostelgeschichte 10,42; ElbCSV)

Und im Johannes-Evangelium steht: »Denn der Vater richtet auch niemand, sondern das ganze Gericht hat er dem Sohn gegeben,« (Johannes 5,22; ElbCSV) – lesen sie bitte auch die Verse 26-29!
„Man hat gezählt, dass von den 1.870 Versen, die direkte Aussagen Jesu enthalten, 13 % von Hölle und Gericht handeln. In mehr als der Hälfte der etwa vierzig Gleichnisse Jesu geht es um Gottes ewiges Gericht über Sünder.“ … „Über kein anderes Thema sprach Jesus häufiger als über Hölle und Gericht. Das Warnen vor der Hölle gehörte zu seiner Hauptbotschaft“ [1]
Ein anderer Vers aus dem Johannes-Evangelium sagt: »Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer aber dem Sohn nicht glaubt, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.« (Johannes 3,36; ElbCSV)
Der Zorn Gottes ist Realität und kein Spiel. Hier geht es um Leben oder Tod. Der Herr Jesus Christus starb am Kreuz leibhaftig unter dem Gericht Gottes - der Gerechte für die Ungerechten. Gott selbst hat Seinen Sohn gegeben:
»Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.« (Johannes 3,16; ElbCSV)

Durch die Auferstehung hat Gott das sühnende und stellvertretende Opfer seines Sohnes völlig angenommen. Auf dem Areopag in Athen bezeugte Paulus deshalb vor den Versammelten:
»Nachdem nun Gott die Zeiten der Unwissenheit übersehen hat, gebietet er jetzt den Menschen, dass sie alle überall Buße tun sollen, weil er einen Tag festgesetzt hat, an dem er den Erdkreis richten wird in Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und er hat allen den Beweis davon gegeben, indem er ihn aus den Toten auferweckt hat.« (Apostelgeschichte 17,30-31; ElbCSV)
John Nelson Darby schrieb einmal:
„Einerseits ist Gottes Zorn aufbewahrt gegen jede Gottlosigkeit, andererseits ist Seine Liebe in Christus geoffenbart worden. Es ist wirklich nicht schwer zu verstehen, dass die Verdammnis die notwendige Folge der Verachtung einer solchen Liebe und des Ungehorsams dem Evangelium gegenüber sein muss.“ [2]
Wie gewaltig ist die Liebe Gottes, der seinen eigenen Sohn hingab zu unserer Errettung. Die Abertausenden von (Tier-)Opfern des Alten Testaments sprechen im Hinblick auf das Kreuz davon, dass Blut vergossen werden musste. Und das Neue Testament bestätigt: »…ohne Blutvergießung gibt es keine Vergebung.« (Hebräer 9,22; ElbCSV). Von den Gläubigen heißt es darum: »Jetzt aber, in Christus Jesus, seid ihr, die ihr einst fern wart, durch das Blut des Christus nahe geworden.« (Epheser 2,13; ElbCSV)
Jedem Gläubigen muss klar sein, dass wir, die wir die ewige Verdammnis verdient hätten, aufgrund der Gnade Gottes in den Himmel kommen dürfen – weil der Herr »uns von unseren Sünden gewaschen hat in seinem Blut« (siehe Offenbarung 1,5; ElbCSV). Das Todesurteil eines heiligen Gottes stand gegen uns und es hätte seiner Gerechtigkeit Genüge getan es zu vollstrecken. Doch es war der Ratschluss seiner Liebe uns in Christus einen Weg zu geben begnadigt zu werden. Durch Sein vergossenes Blut wurde die Vergebung möglich!

Wenn wir diese gewaltigen Wahrheiten vor uns haben, wie beschämend ist es dann, wenn ein Prediger bei JesusHouse Freiburg wieder ausgeladen wurde, weil er von eben jenem Gericht Gottes sprach.
Bis hinein in die weltliche Presse reichte die Berichterstattung:
„…es werde ein Gericht geben. "Und dann Gnade dir Gott, wenn du kein Freund Gottes bist, dann hast du nämlich keine Chance!" Nur Jesus könne retten vor dem Zorn Gottes, ohne ihn könne kein Mensch bestehen. "Gott ist zornig, er ist ein Gott der Liebe, aber auch eifersüchtig – lies die Bibel!"“ [3]
„Sein Gott sei ein vergebender und kein zorniger“ [3], wird ein Mann zitiert, der die Veranstaltung aus Protest vorab verließ. Wenn wir uns noch einmal vor Augen halten, dass auf demjenigen „der Zorn Gottes bleibt“ (Präsens Aktiv!), der dem Sohn nicht glaubt, so redet dieser Mann wirklich von „seinem“ Gott – nämlich von demjenigen den er sich in seiner Fantasie erdacht hat. Der Schreiber des Hebräerbriefs dagegen weiß: »Es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen!« (Hebräer 10,31; ElbCSV).

Das hielt Norbert Aufrecht, Vorsitzender der ev. Allianz Freiburg nicht davon ab zu resümieren:
"Auch Mitarbeiter hätten die Verquickung von der Einladung zum christlichen Glauben mit einer Androhung von Gottes Gericht für unpassend empfunden. Steinhart habe damit „einem vorherrschenden Negativklischee von Evangelikalen entsprochen“." [4]
Damit schließt sich der Kreis. Wer als Gesandter die Botschaft des Evangeliums verkündet, der darf wirklich eine frohe Botschaft der Gnade und Liebe Gottes verkündigen. Der weiß aber auch um den Ernst dieser Botschaft, dass derselbe Herr Jesus Christus, der heute als Erretter wirkt, einmal als Richter wiederkehren wird. Es ist unlauter dies den Menschen zu verschweigen. Ebenso das Gott eben keine unverbindliche Einladung ausspricht, sondern gebietet (gr. paraggellō = auffordern, befehlen, gebieten) Buße zu tun. Und Er hat das Recht dazu, nicht nur als Schöpfer gegenüber Seinen Geschöpfen, sondern auch weil Er in Seinem Sohn den höchsten Preis bezahlt hat, um Menschen zu erretten.

Paulus musste einmal bekennen: »Denn suche ich jetzt Menschen zufrieden zu stellen oder Gott? Oder suche ich Menschen zu gefallen? Wenn ich noch Menschen gefallen wollte, so wäre ich Christi Knecht nicht.« (Galater 1,10; ElbCSV)
Er wusste, dass diese Botschaft des gekreuzigten Christus den Juden ein Anstoß und den Nationen (Heiden) eine Torheit sein würde (vgl. 1 Korinther 1,23). Und dies hat sich bis heute nicht geändert. Wehe denen, die sich nach ihren eigenen Begierden Lehrer aufhäufen (vgl. 2 Timotheus 4,3). Wer sich von der Wahrheit des Wortes abwendet, dem bleiben nur die Fabeln eines falschen humanistisch-postmodernen Evangeliums und einer billigen Gnade.

Die Liebe und die Gerechtigkeit Gottes sind gleichsam heilig und können nicht gegeneinander ausgespielt werden. Wenn wir dies bedenken, behalten wir die Ehrfurcht vor Ihm und Seinem Wort. Und wo uns Weisheit mangelt ist er gerne bereit sie uns zu schenken (siehe Jakobus 1,5).

[1] Hans-Werner Deppe, Wie wird es in der Hölle sein?, 2., bearbeitete Auflage 2007, Betanien Verlag, Oerlinghausen
[2] John N. Darby, Collected Writings Vol 7, Die ewige Pein
[3] Badische Zeitung, http://www.badische-zeitung.de/freiburg/viel-musik-und-viel-mission
[4] http://www.schneider-breitenbrunn.de/2010-12/evangelische-allianz-freiburg-laedt-evangelisten-aus/