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Montag, 5. September 2011

Lese-Tagebuch - Eintrag 7

Buch: Falsche Propheten unter Dichtern und Denkern
Autor: Gottfried Meskemper
Auflage: 5. überarbeitete und ergänzte Gesamtauflage 2000
Verlag: Schwengeler-Verlag, Berneck, CH
ISBN: 3-85666-383-5
Seitenzahl: 280

«Warum denken wir so, wie wir denken?» (ebd., Buchrückseite) ist die Grundfrage, der Gottfried Meskemper nachgeht. Dabei analysiert er vor allem die »Literatur, die an den höheren Schulen in Deutschland studiert wird.« (ebd.) und stellt fest: »Viele Texte widersprechen dem Evangelium auf unterschwellige Art.« (ebd.)

Um es vorweg zu sagen: Leider werden einige Punkte sehr umfangreich, andere sehr knapp abgehandelt und ich halte die Auswahl nicht immer für glücklich. Eine Absicht des Buches ist zu zeigen, das die Bibel die »Übereinstimmung zwischen Wort und Tat« (ebd., Seite 25) wichtig ist »und wo sie nicht vorhanden ist, wird dies auch deutlich hervorgehoben.« (ebd.)

Ob es - um den Gegensatz darzustellen - allerdings notwendig war Bertolt Brechts Leben derart wortreich darzulegen möchte ich bezweifeln. Auf der anderen Seite werden nämlich Schreiber wie Günter Grass nur in einem Nebensatz, Max Frisch, Friedrich Dürrenmatt oder J. D. Salinger beispielsweise überhaupt nicht erwähnt. So heißt es bei Brecht: »1930« … »In dieser Zeit waren seine wichtigsten Quellen Shaw, Marx und Upton« (ebd., Seite 52). Gerade über George Bernard Shaw hätte sich einiges sagen lassen.

Sieht man einmal von dieser Schwäche ab (immerhin werden dafür z.B. Goethe, Hesse, Kant oder Rousseau wieder umfangreicher besprochen), hat die Beweisführung doch Bestand und führt zu interessanten Ergebnissen, denen zugleich die glaubensgemäße Alternative gegenübergestellt wird.

»Es handelt sich beim humanistischen Denken nicht um objektive Denkmuster, um abstraktes, von Ballast befreites Denken, sondern um eine durch Bildung hervorgerufene falsche Voreinstellung« (ebd., Seite 77) und der Bruder beklagt zurecht: »die falsche Erwartungshaltung gegenüber einer gottlosen Bildung müsste nicht vorhanden sein, wenn die Bibel auch unser Denken richtig prägen würde.« (ebd., Seite 73)

Leider herrscht gerade auf diesem Gebiet viel Verwirrung. Selbst lieben und geschätzten Glaubensgeschwistern ist oft nicht klar, wie weltlich und wie wenig geistlich ihr Denken und ihre Aussagen wirklich sind; gerade dann nämlich wenn dieses Denken auf die Heilige Schrift angewendet wird. Traurig, wie manchmal – geistlich verbrämt – Bibeltexte aus dem Zusammenhang gerissen werden; selbst von solchen, von denen man eigentlich Reife erwarten sollte. Bitte vergeben sie mir diese persönlichen Worte, in denen sicherlich auch ein Stück weit Enttäuschung mitschwingt, aber ich hoffe immer das der Eine oder Andere noch durch solche Worte zur Besinnung gelangt.

Was den Menschen ohne wahre Gottesbeziehung angeht: »Masochistisch kokettiert der Mensch mit seiner Verlorenheit und bewundert noch die Fähigkeit, diese Verlorenheit literarisch gestalten zu können.« (ebd., Seite 81) / »Ihre Werke versetzen uns bestenfalls in eine Traumwelt, die uns eine Flucht aus der Realität erlauben, aber sie initiieren nicht das «bessere Menschentum», das wir uns selber gern zueignen möchten.« (ebd., Seite 128) Mehr noch: »Wenn jedoch Literatur nicht den Weg zum Erlöser weist, sondern nur der Selbstdarstellung und Selbstrechtfertigung des Literaten und seiner Leser dient, hat sie vor Gott keinen Platz.« (ebd., Seite 186)

Treffend zitiert der Autor Fritz Binde, welcher einst nach seiner Bekehrung über die Bibel schrieb:
»Mit immer derselben heilsamen Unerbittlichkeit holt sie das eitle Menschlein von allen seinen ruhmredigen Höhen herunter und setzt es in den Staub und verstopft ihm den Mund. Und mit immer der gleichen treuen Erbarmung hebt sie die, die zerschlagenen Herzens und gedemütigten Geistes sind, ans Herz des erlösenden Gottessohnes und bringt den Unmündigen, Einfältigen und Armen das Himmelreich der Vaterliebe des lebendigen Gottes.« (ebd., Seite 96)
Das sind durchaus Worte, die man mehrmals lesen und sich zu Herzen nehmen sollte.

Es gäbe noch einige interessante Gebiete anzusprechen, beispielsweise was Bruder Meskemper über die „unzulässige Gleichsetzung des Gottes der Bibel mit dem philosophischen Gottesbild“ (ebd., vgl. Seite 228) schreibt. Oder »Matthias Claudius´ Brief an seinen Sohn Johannes« (ebd., Seite 246f.). Trotzdem möchte ich hier um der Lesbarkeit des Artikels willen schließen. Soweit mir bekannt, wird das Buch nicht mehr aufgelegt und ist nur noch antiquarisch zu erhalten, was durchaus zu bedauern ist. Die Aufklärung und Apologetik die hier geleistet wird ist durchaus nötig und ich möchte meine Achtung ausdrücken, dass der Bruder sich dieser Aufgabe gestellt hat.

Mittwoch, 17. August 2011

Biblisch?

In seinem Kommentar zum Neuen Testament weist William MacDonald auf folgendes hin:
»Das NT kennt viele Fälle von gerechtfertigtem Gericht über den Zustand, das Verhalten oder die Lehre anderer. Außerdem gibt es verschiedene Gebiete, auf denen dem Christ sogar befohlen ist, eine Entscheidung zu treffen, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden oder zwischen dem Guten und dem Besten.« [1]
Leider erleben wir es heute oft, dass leichtfertig und wenig gründlich beurteilt wird - wenn überhaupt. Das Attribut „christlich“ reicht oftmals aus, damit die Wachsamkeit nachlässt. Dinge werden als „biblisch“ oder „christlich“ anerkannt. Dabei bedeutet dieselben Begriffe und Wendungen zu verwenden nicht zwangsläufig auch dasselbe damit zu meinen. Einige Beispiele sollen hier exemplarisch genannt werden.

Das Wort Gottes

Die Reformation ging zurück auf die Schrift allein (sola scriptura) und die uneingeschränkte Autorität und Kraft der Schrift. Demgegenüber steht die Römisch-katholische Definition:
»Die Heilige Überlieferung und die Heilige Schrift bilden den einen der Kirche überlassenen heiligen Schatz des Wortes Gottes.« [2]
Vereinfacht lässt sich sagen: Dort wo der überzeugte Katholik vom „Wort Gottes“ redet, kann „die Heilige Schrift“ aber auch – absolut gleichwertig – „Die Heilige Überlieferung“ gemeint sein. Wir müssen begreifen, dass nicht überall wo in christlichen Kreisen vom „Wort Gottes“ geredet wird automatisch die Bibel gemeint ist.

"Wahrhaftig auferstanden" bei Bultmann
Eine weitere Sache finden wir bei dem Bibelkritiker Rudolf Bultmann. In einem Interview mit SpiegelOnline führt Johannes Joachim Degenhardt aus:
»SPIEGEL: Für Drewermann und Bultmann ist es kein Widerspruch, an die Auferstehung zu glauben und zu sagen, das Grab Jesu sei sowenig leer gewesen wie das Grab irgendeines anderen Menschen.
DEGENHARDT: Für Bultmann ist Christus auferstanden in das Kerygma, in den Glauben der Urgemeinde.« [3]
Um zu verstehen was hier gesagt wird nochmals eine vereinfachte Erklärung. Das Zeugnis der „wahrhaftigen Auferstehung Jesu Christi“ wäre für Bultmann kein Problem gewesen. Erst in der Nachfrage wäre deutlich geworden, dass Bultmann hier mitnichten ein historisch-faktisches Ereignis verbindet, sondern die „wahrhaftige Auferstehung“ nur im Kerygma, also allein der Verkündigung sieht. Lothar Gassmann schlussfolgert zurecht:
»Bultmanns Theologie ist eine auf die Bibel angewandte Philosophie«. Und: »Bei Bultmann jedenfalls können geschichtliche Texte nur subjektiv-existentiell verstanden werden.« [4]
"Evangelisation in der Postmoderne"
Ein drittes Beispiel liefert Wolfgang Nestvogel in seinem Buch „Evangelisation in der Postmoderne“. Er resümiert über ProChrist 2003:
»Die wichtigen Themen des Evangeliums (Sünde, Umkehr, Vergebung, Kreuz) kommen alle »irgendwie« vor, dennoch bleiben zentrale Inhalte im Unklaren. Der erfahrene Christ hört die Begriffe und Andeutungen und kann sie mit den dazugehörenden Lehren verbinden, die er vorher schon kannte. Darum wohl haben viele Christen die Verkündigung als klar und biblisch empfunden, »schließlich hat er doch immer über Sünde, Hinkehr zu Jesus und die Wichtigkeit des Bibellesens gesprochen«. Der Nichtchrist muss aber den Inhalt, das Konzept des Evangeliums erst einmal kennen lernen, deshalb benötigt er eine präzise und klare Erläuterung der sachlichen Zusammenhänge.
Die Notwendigkeit solcher Klarheit und Präzision ist keine akademische Forderung, sondern schlichtes Gebot der seelsorgerlichen Liebe und des Gehorsams gegenüber Gottes offenbarter Wahrheit.« [5]
Bruder Nestvogel legt in seinem Buch sehr eindrücklich dar, wie er zu dieser Beurteilung kommt und es sei jedem ans Herz gelegt. Gerade in diesem Buch wird die Diskrepanz zwischen dem „klar und biblisch“ empfinden (!) und dem objektiven Fehlen zentraler Inhalte sehr deutlich aufgezeigt.

Umdeutung durch Psychologie
Rudolf Ebertshäuser kommt in anderem Zusammenhang zu dem Schluss:
»Ganz unmerklich verschieben sich die Maßstäbe, werden klare geistliche Aussagen der Bibel durch schillernde psychologische Begriffe ersetzt. War es früher für bibeltreue Christen klar, dass die Sünde, die sündige, verderbte, von Ichsucht und Rebellion geprägte menschliche Natur die Quelle alles Übels der menschlichen Existenz ist, so erwecken die „christlichen“ Psychologen den Eindruck , das Grundübel seien die Verletzungen und Demütigungen die dem seelischen Ichleben zugefügt werden.« [6]
Auch hier muss wieder die Frage gestellt werden, wie die Begrifflichkeiten letztlich die klaren biblischen Maßstäbe überdecken können.

Bibeltreu oder "bibeltreu"?
Abschließend noch einen Bericht aus den Betanien-Nachrichten aus dem Jahr 2003:
»Seit fast drei Jahren sorgte eine Streitfrage für Spannung innerhalb der "Konferenz bibeltreuer Ausbildungsstätten" (KBA), die 31 theologische Ausbildungsstätten umfasst. An den drei Ausbildungsstätten Chrischona, Tabor, Liebenzell (CTL) wird unter "bibeltreu", zum Teil verstanden, "die Bibel so zu nehmen wie sie ist - mit ihren Fehlern". Gleichzeitig wird behauptet, der Standpunkt der Irrtumslosigkeit der Bibel, wie in der Chicago-Erklärung ausgedrückt, sei nicht bibeltreu, da die Bibel selbst keine Irrtumslosigkeit beanspruche und man mit diesem Anspruch über die Bibel hinausgehe. Die Ansicht von CTL wurde als "Hermeneutik der Demut" bekannt und von einigen Theologen der KBA als nachweislich gemäßigte Bibelkritik entlarvt.

Dieser Streit wurde nun auf einer Mitgliederversammlung der KBA beigelegt. Die bisher offiziell vertretene Überzeugung von der Inspiration und Unfehlbarkeit der Bibel, deren Bekenntnis Bedingung zur Mitgliedschaft in der KBA ist, wurde bekräftigt, jedoch wurden sowohl die "Hermeneutik der Demut" als auch die "Chicago-Erklärung" beide als bibeltreue Standpunkte akzeptiert, die nicht der versteckten oder gemäßigten Bibelkritik verdächtigt werden dürfen.« [7]

Ein Fazit
Es gäbe noch andere Beispiele über die Umdeutung oder Substitution von Begriffen. Es sollte aber auch so deutlich geworden sein, dass dort tragende Säulen umgeworfen wurden, wo beispielsweise gemäßigte Bibelkritik als „bibeltreu“ gekennzeichnet wird. Das fehlende Unterscheidungsvermögen das hinsichtlich solcher Vorgänge unter Christen vorherrscht ist durchaus besorgniserregend. Dabei weiß der Autor dieser Zeilen durchaus um die eigenen Irrtümer seines Glaubenslebens. Aber vielleicht muss man (einiger) dieser Irrtümer erst einmal gewahr werden, um eine falsche – auf die eigene Menschenweisheit bauende – Selbstsicherheit zu verlieren. So mancher Gläubige ist gerade in Bezug auf das Vertrauen auf sich selbst und sein Urteilsvermögen gefallen.
Das Wort Gottes fordert uns auf:
»Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung eures Sinnes, dass ihr prüfen mögt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist.« Römer 12,2; ElbCSV
Wäre unser Gebet anhaltender darin, dass Gott unseren Sinn beständig erneuern möge und unser selbstsüchtiger Widerstand dagegen geringer, so wären wir fähiger zu prüfen und treuer darin den guten, wohlgefälligen und vollkommenen Willen Gottes zu tun!

Quellennachweis:
[1] William MacDonald, Kommentar zum Alten und Neuen Testament, 2. Auflage, Gesamtausgabe – Band 1 und 2, 1997, CLV, Bielefeld
[2] Quelle: vatican.va, Dokumente des II. Vatikanischen Konzils
[3] SpiegelOnline, Den Glauben abfragen wie Vokabeln?, 16.03.1992
[4] Lothar Gassmann, „DietrichBonhoeffer, Karl Barth, Rudolf Bultmann, Paul Tillich“ – Die einflussreichsten evangelischen Theologen der Neuzeit und ihre Lehren auf dem Prüfstand, Fromm Verlag, 2011
[5] Wolfgang Nestvogel, Evangelisation in der Postmoderne, Wie Wahrheit den Pluralismus angreift…, 1. Auflage 2004, CLV, Bielefeld; Hervorhebung von mir
[6] Rudolf Ebertshäuser, Die Charismatische Bewegung im Licht der Bibel, 2., durchgesehene Auflage 1998, CLV, Bielefeld.
[7] Betanien-Nachrichten, www.betanien.de, Ausgabe Nr. 9 vom 15. Dezember 2003

Montag, 5. Juli 2010

Lasst uns Seine Zeugen sein!

Susan Jacobys Meinungsstück über die evangelikale Bewegung in den USA ist ein Auszug aus ihrem Buch "The Age of American Unreason". Der Kommentar zeigt genüsslich auf, dass die Bibeltreue dort am üppigsten blüht, wo das Bildungsniveau am tiefsten liegt…
Quelle: SpiegelOnline / 01.07.2010


Schon Paulus sagte:
»wir aber predigen Christus als gekreuzigt, den Juden ein Anstoß und den Nationen eine Torheit (1. Korinther 1,23; Elb.CSV)
Warum hätte dies in der Zwischenzeit anders werden sollen? Wundert uns das wirklich? Im Kern geht es immer um die Person des Herrn Jesus Christus, von dem es heißt:
»Denn durch ihn sind alle Dinge geschaffen worden, die in den Himmeln und die auf der Erde, die sichtbaren und die unsichtbaren, es seien Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Gewalten: Alle Dinge sind durch ihn und für ihn geschaffen.« (Kolosser 1,16; Elb.CSV)
Von Ihm weiß der Apostel an anderer Stelle zu berichten:
»Der, da er in Gestalt Gottes war, es nicht für einen Raub achtete, Gott gleich zu sein, sondern sich selbst zu nichts machte und Knechtsgestalt annahm, indem er in Gleichheit der Menschen geworden ist, und, in seiner Gestalt wie ein Mensch erfunden, sich selbst erniedrigte, indem er gehorsam wurde bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz.« (Philipper 2,6-8; Elb.CSV)
Wenn Sie darüber mehr wissen möchten, lesen sie bitte hier weiter.

An dieser Stelle möchte ich auf etwas anderes eingehen. Ich fürchte nämlich, dass uns Christen die intellektuelle Anerkennung manchmal wichtiger ist, als „außerhalb des Lagers, seine Schmach tragend“ zu sein (siehe Hebräer 13,13; Elb.CSV).
Man gibt viel auf theologische Titel, akademische Ehren, Ansehen der Person (!) oder will einfach nicht als "Depp" dastehen. Paulus hatte einst zu Füßen Gamaliels gelernt (siehe Apostelgeschichte 5,34 + 22,3). Aber der Apostel bezeugt:
»ja wahrlich, ich achte auch alles für Verlust wegen der Vortrefflichkeit der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, um dessentwillen ich alles eingebüßt habe und es für Dreck achte, damit ich Christus gewinne.« (Philipper 3,8; Elb.CSV)

William MacDonald schreibt über 1. Mose 1:
»Im Anfang schuf Gott…« Diese ersten vier Worte der Bibel sind die Grundlage des Glaubens. Glauben Sie diese Worte, und Sie können alles Folgende in der Bibel ebenfalls glauben. […] Der göttliche Bericht setzt die Existenz Gottes voraus, anstatt sie beweisen zu wollen. Die Bibel hat einen besonderen Namen für die Menschen, die sich entschließen die Realität Gottes zu leugnen: Er lautet »Narr« (Ps 14,1 und 53,2).
Quelle: William MacDonald, Kommentar zum Alten Testament, 1. Auflage 2005, CLV, Bielefeld / Hervorhebung von mir

Gott möge Gnade schenken, dass noch einige Christen begreifen, was es heißt Seine Zeugen zu sein:
»Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch herabkommt; und ihr werdet meine Zeugen sein, sowohl in Jerusalem als auch in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde.« (Apostelgeschichte 1,8; Elb.CSV)
So kommen wir wieder zurück zu dem womit wir begonnen haben: Im Kern geht es immer um die Person des Herrn Jesus Christus! Gott will, das wir Zeugen sind, Zeugen Jesu!
Kein (theologischer) Beweis. Zeugnis! Zeugnis der Wahrheit des Wortes Gottes, von dem der Herr der Gemeinde in Pergamus sagt, dass er selbst „das scharfe, zweischneidige Schwert hat“.
»Es steht geschrieben«, und was geschrieben steht, verfehlt nicht sein Ziel. Darin liegt die Stärke unserer Beweisführung. »Es steht geschrieben«, Gott hat es gesagt, und das ist genug.
[…]
Unser Herr wurde in allen Dingen versucht, in gleicher Weise wie wir, und hierin hat er Mitleid mit uns, aber er widerstand den Versuchungen, und darin ist er unser Vorbild. Wir müssen ihm folgen, wenn wir seine Siege mit ihm teilen wollen.
Quelle: Charles H. Spurgeon, Es steht geschrieben, Die Bibel im Kampf des Glaubens, 3. Auflage 2004, CLV, Bielefeld

Wenn wir siegen wollen, dürfen wir uns das Schwert das wir haben nicht nehmen lassen und noch weniger selbst zur Seite legen, weil wir meinen zusätzliche „Hilfen“ zu brauchen. Meine Lieben, in Wahrheit ist alles unnütz, es ist wie der Apostel Paulus sagte „Dreck“. Das kleinste Kind in dessen Herzen der Herr Jesus wohnt kann ein treuerer und wahrhaftigerer Zeuge für Ihn sein, als wir es manchmal waren. Geben wir uns doch keinen Illusionen hin. Es gibt genügend Geschwister die sich auf ihr „Wissen“ etwas einbilden, hochmütig sind das es kracht und sich mit einem geistlichen „Mäntelchen“ in scheinbarer Demut selbst betrügen. Aber es ist ein zweischneidiges Schwert und in erster Linie hat es uns zu beurteilen (vgl. Hebräer 4,12), bevor wir dieses Schwert sicher gebrauchen können. Dies dürfen wir nie vergessen!

Der Herr bezeugte der heuchelnden Menge, die eine Ehebrecherin vor Ihn schleppte ihre Schuld (siehe Johannes 8); »[…] Johannes hatte Herodes gesagt: Es ist dir nicht erlaubt, die Frau deines Bruders zu haben.« (Markus 6,18; Elb.CSV). Und Paulus sprach gegenüber dem Statthalter Felix über »Gerechtigkeit und Enthaltsamkeit und das kommende Gericht« (vgl. Apg 24,25).
Petrus bekannte:
»Und er hat uns befohlen, dem Volk zu predigen und ernstlich zu bezeugen, dass dieser der von Gott bestimmte Richter der Lebenden und der Toten ist.« (Apostelgeschichte 10,42; Elb.CSV)
Es ist interessant hier Spurgeon noch einmal zu hören, dessen Worte weit über seinen Tod hinaus nicht aktueller sein könnten:
Ein lieber Bruder hat mit großer Treue in der letzten Zeit immer wieder Artikel geschrieben, daß die Schwäche der neueren Predigt die sei, daß sie die Gerechtigkeit Gottes und die Bestrafung der Sünde ignoriere. Sein Zeugnis ist wahr, und das Übel, das er anspricht, ist unberechenbar groß. Wir können nicht jenen Teil der Wahrheit, der so dunkel und so ernst ist, auslassen, ohne die Kraft aller anderen Wahrheiten, die wir predigen, zu schwächen. Wir berauben die Botschaft von Jesus, »der uns aus dem zukünftigen Zorngericht errettet« (1. Thess. 1,10), ihres Glanzes und ihrer großen Dringlichkeit. Brüder, lassen Sie nichts aus.
Seien Sie aber auch mutig genug, unbeliebte Wahrheit zu predigen. Das Unheil, das verursacht wird, wenn wir dem Worte des Herrn etwas hinzufügen oder etwas davon abtun, mag nicht zu unserer Lebenszeit eintreffen; aber sollte es in einer anderen Generation zur Reife kommen, so würden wir ebenso schuldig sein.
Quelle: Charles H. Spurgeon, Es steht geschrieben, Die Bibel im Kampf des Glaubens, 3. Auflage 2004, CLV, Bielefeld

Viel Schuld wurde aufgehäuft, seid Spurgeon diese Worte sprach. Wir beklagen zurecht den erbärmlichen Zustand im Reich Gottes und in unseren Gemeinden. Und ich habe keinerlei Zweifel, dass es sich dabei um ein Gericht Gottes handelt, das Er - aufgrund unseres Versagens! - zulässt (vgl. 1. Petrus 4,17).

Deshalb lasst uns das Wort wieder nehmen und täglich das Werk als Beurteiler an unserem Herzen tun. Und dann lasst uns in dem Vertrauen darauf laufen, das es dieses Werk auch an den Herzen anderer zu tun vermag. So wie Zinzendorf einst dichtete:
Wenn dein Wort nicht mehr soll gelten,
worauf soll der Glaube ruhn?
Mir ist's nicht um tausend Welten,
aber um dein Wort zu tun.
Kostbarer, wundervoller Herr! Kostbares, wundervolles Wort!

Montag, 23. Februar 2009

Ein Plädoyer gegen den Relativismus

Die Kernthese des Relativismus kann damit wiedergegeben werden, dass die Gültigkeit von Aussagen kontextabhängig ist. Es handelt sich dabei um eine These, die auch in christlichen Kreisen gerne abgewandelt wiedergegeben wird: „Im Grunde genommen kommt es nur auf die Auslegung an, darauf, was jemand aus einem Text herausliest.“
Wohin diese Ansicht führt wurde mir klar, als ich einen Beitrag las, in dem die Autorin in etwa folgende Behauptung aufgestellt hatte: „Es kommt nur darauf an, was wir aus der Bibel herauslesen, Gott wird uns dann aufgrund unseres Verständnisses beurteilen.“

Wer sich einmal näher mit Kommunikation beschäftigt hat, weiß das drei Faktoren eine Rolle spielen.

1) Der erste Faktor ist der Sender, der die ursprüngliche Nachricht formuliert, in unserem Falle Gott.
2) Dieser Sender vermittelt die Nachricht über ein Medium, in unserem Falle die Bibel (und den Geist).
3) Der Empfänger nimmt die Botschaft auf und interpretiert sie für sich.
-> Ziel der Kommunikation ist es eine Botschaft zu übermitteln.

Wichtig ist nun: Egal wie die Interpretation des Empfängers aussieht, ob sie richtig oder falsch ist, an der ursprünglichen Nachricht ändert sich nichts! Und auch nichts an dem, was der Sender sagen will.

Veranschaulichen wir uns das noch etwas. Nehmen wir an ich sage einen Satz wie...
„Dissens“ wird groß geschrieben
Der erste Zuhörer versteht mich richtig; Ich will ihm mitteilen, dass es sich bei dem Wort „Dissens“ um ein Substantiv handelt, das groß geschrieben werden muss.
Der zweite Zuhörer versteht mich falsch. Er versteht: Dissens wird großgeschrieben. Er denkt, dass ich sage, dass Meinungsverschiedenheiten von mir als „wichtig“ angesehen, also großgeschrieben werden.
Beide sprechen mich auf ihre Interpretation an. Wie sieht nun wohl meine Reaktion aus? Werde ich sagen: „Ja, ihr habt beide recht, ich finde es toll, dass ihr beide so bedeutsame Interpretationen gefunden habt, für das was ich sagte.“ Ganz klar: NEIN! Niemand will gerne missverstanden werden...

Warum aber soll es Gott anders gehen? Er hat uns Sein Wort gegeben um uns etwas mitzuteilen. Es ist Ihm nicht egal, wenn wir etwas zu verstehen glauben, was Er überhaupt nicht gesagt hat.
Ich möchte hier einmal an eine Gruppe erinnern, die ziemlich stark im Interpretieren war, die Pharisäer. Und sie waren sich wahrscheinlich auch ziemlich sicher über das was sie glaubten! Was sagt Jesus zu ihnen? Sagt er: „Toll, das ihr so eine wunderschöne Auslegung der Thora habt, ich bewundere euch für eure Meinung. Ich sehe es zwar etwas anderes, aber wir wollen ja nicht so kleinlich und intolerant sein“? Oder sagt er: »Heuchler! Trefflich hat Jesaias über euch geweissagt, indem er spricht: "Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist weit entfernt von mir. Vergeblich aber verehren sie mich, indem sie als Lehren Menschengebote lehren. (Matthäus 15,7-9; Elb)

Unser Verständnis, unsere Interpretation ist also nicht der Maßstab ob etwas richtig ist! Der Maßstab ist Gott und das was Er uns in der Bibel sagen will. Das sollten wir niemals vergessen. Hier dürfen wir Ihn um Weisheit bitten! (vgl. Jak 1,5; Eph 1,17-19; 2 Thess 1,3)
Wenn wir dann merken, das wir falsch liegen, sollten wir niemals zu stolz oder zu verbissen sein, um daran festzuhalten. Wenn es nur um unser Verständnis geht, sind wir Rechthaber; Aber wenn wir das erfasst haben, was Gott uns wirklich sagen will, dann haben wir wirklich recht!

Umso länger ich Christ bin, umso mehr merke ich wie klar Gottes Wort eigentlich redet. Das heißt nicht, das es nicht auch Stellen gibt, an denen ich stocke, wo ich nicht weiter weiß. Oder aber Stellen, wo ich sage, dass ich sie (noch) nicht nachvollziehen kann und dem Herrn sagen muss, das ich sie erst einmal beiseite legen möchte, um später zu ihnen zurückzukehren; Stellen bei denen ich ältere Geschwister um ihren Rat bitte, weil sie mich verwirren. ... Aber das alles ändert doch nichts daran, das nur die Interpretation richtig sein kann, die auch mit dem übereinstimmt, was Gott auch wirklich sagt!
Und zum Teil gibt Er uns wirklich sehr klare Normen: Du sollst nicht stehlen. Was gibt es da zu interpretieren?

Nochmals: Gott hat einen erklärten Willen. Er ist ein absolut souveränes Wesen. Und wir sollten aufhören so zu tun als käme es nur auf unsere Auslegung (point of view) an, wie bestimmte Grenzen gesetzt werden oder ob Dinge erlaubt sind oder nicht.
Ich erlebe immer wieder Christen, deren eigene Überzeugung und das was Gott ihrem Dafürhalten nach sagt zu 100 % übereinstimmen. Nicht weil sie so geistlich wären, sondern weil sie ihre Überzeugungen als Gottes Willen formulieren; vielleicht sogar ohne dies bösartig oder absichtlich zu tun, sie tun es aber und es ist falsch.
Wir sollen die Bibel unter dem Aspekt lesen, das Gott darin SEINEN Willen offenbart.

Wenn wir dies anerkennen, werden wir uns davor hüten Dingen die Gott nicht legitimiert und die Er Sünde nennt durch kluge Sprüche eine Legitimation verschaffen zu wollen*. Wir werden Seinen Willen gerade dann nicht überlesen oder ignorieren, wenn er unseren bisherigen Überzeugungen widerspricht, sondern uns Seinem Willen beugen. Und wir sind uns der Gefahr bewusst, die vorhanden ist wenn wir unseren Eigenwillen an die Schrift herantragen.

Auch wenn wir einmal etwas lesen sollten, was uns nicht gefallen mag, so haben wir nicht das Recht es deswegen zu ignorieren oder gar zu verdrehen. Wir müssen es so bejahen, wie Gott es sagt. Das ist der Respekt vor Seinem souverän formulierten Standpunkt, meine Verantwortung als Geschöpf und in einem sehr viel erhabeneren Sinn ein Ausdruck der Liebe des Erlösten gegenüber Seinem Herrn (vgl. Joh. 14,21).
Hier dürfen wir von unserem Herrn lernen, von dem es einmal in den Evangelien heißt: »denn ich bin vom Himmel herniedergekommen, nicht auf dass ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.« (Johannes 6,38; Elb)
Und der davon lebte diesen Willen zu tun: »Jesus spricht zu ihnen: Meine Speise ist, daß ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat, und sein Werk vollbringe.« (Johannes 4,34; Elb)

Fußnote
* Der Autor denkt hier insbesondere an die vielen Dammbrüche auf den Gebieten von Gottesfurcht, Ehe, Familie, Sexualmoral, Feminismus und Homosexualität.

Sonntag, 8. Februar 2009

Der Glaube als Erkenntnisgewinn

Man behauptet heute gerne, dass der Glaube an den Gott der Bibel und die Wissenschaft einander widersprechen würden. Sir Isaac Newton (1643-1727), der wohl größte Physiker aller Zeiten sah dies anders. Er sagte:
Wer nur halb nachdenkt, der glaubt an keinen Gott, wer aber richtig nachdenkt, der muss an Gott glauben.
Richtig ist, das Glaube und Verstand sich ergänzen. Der Glaube lässt Wahrnehmungen und Erkenntnisse zu, die meinem Verstand alleine nicht möglich sind. Wer sich nur auf seinen Verstand verlässt (ohne dessen Grenzen zu akzeptieren), dem müssen diese Erkenntnisse letztlich wie Torheit vorkommen. Und das ist genau was die Bibel sagt:
»Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen; denn es muss geistlich gerichtet sein.« (1. Korinther 2,14; Elb)
Nehmen Sie zur Veranschaulichung einen Blinden, der plötzlich sehen kann. Das Spektrum seiner Wahrnehmungen erweitert sich immens – steht aber natürlich nicht im Widerspruch zu seinen restlichen Wahrnehmungen.

Jesus Christus sagte, dass die Voraussetzung für ein Verständnis geistlicher Wahrheiten Sein Geist ist:
»Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht von sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkünden.« (Johannes 16,13; Elb)
Es ist also nicht verwunderlich, sondern geradezu zu erwarten, dass nichtbekehrte Menschen ein großes Maß an Unverständnis in Glaubensfragen an den Tag legen.
Leider finden wir letzteres aber zum Teil auch bei wiedergeborenen Christen, weswegen ich mit dieser ernsten Ermahnung schließen will: »Werdet doch einmal recht nüchtern und sündigt nicht! Denn etliche wissen nichts von Gott; das sage ich euch zur Schande.« (2. Korinther 15,34; Elb)