Posts mit dem Label Wahrhaftigkeit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Wahrhaftigkeit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 8. Februar 2015

"Meinungsmathematik" im ZDF - Teil 1

Screenshot-Ausschnitte "Die Anstalt", Max Uthoff
In der ZDF-Sendung "Die Anstalt" vom 03. Februar 2015 gab es eine interessante Darlegung zum Thema "mediale Meinungsmathematik", wie Personen und Personengruppen durch mediale Manipulation eine geistige Nähe zueinander unterstellt wird. Unter den Beispielen wurde u.a. die Drohnenkritik genannt und Max Uthoff erklärte Claus von Wagner:
»ihre Drohnenkritik ist nur Ausdruck oder besser Teilmenge eines großen Ressentiments gegen Amerika. Das macht sie zum Antiamerikaner. Und schon muss ich mich mit ihren Argumenten überhaupt nicht mehr beschäftigen.«
Später wurde eine Karikatur des Bund deutscher Zeitungsverleger gezeigt, der die Organisation Pegida (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes) mit deren "Lügenpresse"-Vorwurf und die Attentäter auf das Satire-Magazin Charlie Hebdo in ihrer Gesinnung gleichstellt, worauf sich folgender Dialog ergab:
Max Uthoff: "Der Vorwurf Lügenpresse ist also kleiner/gleich Terroranschlag."
René Sydow: "Moment, Moment. Heißt das der Lügenpressevorwurf ist die Vorstufe zum Terroranschlag."
Simone Solga: "Ist denn dann die Medienkritik die Vorstufe von Lügenpresse und dann die Vorstufe von..."
Interessanterweise vergaß Max Uthoff ein Beispiel, das er zuvor selbst in der Sendung angewendet hatte, als er aus dem Koran und anschließend der Bibel zitierte, während Claus von Wagner bewusst lächerlich wirkende Einwürfe gab. Dabei ist es durchaus angebracht die Dinge im Zusammenhang zu sehen.

Das Zitat aus Jesaja 13,9-18 ist eine Beschreibung dessen, was - vereinfacht ausgedrückt - am Ende der Geschichte, am "Tag des Herrn", geschehen wird und kein Imperativ, wie er ihn aus dem Koran mit Sure "2,19" [? - vielleicht ist Sure 4,89 o. 90 gemeint; Ich bin nicht sicher, ob Uthoff hier die richtige Stelle angibt] zitiert hat (»Tötet die Ungläubigen wo immer ihr sie findet.«).

4. Mose 24,8 gehört zu dem Segen Gottes über Israel und ist gleichzeitig eine Antwort an Balak, den König von Moab, der das Volk Israel verflucht sehen wollte. Das ist aber nicht das einzige, was verschwiegen wird.
Gott hatte in der Tat Abraham verheißen, dass das Volk Israel einmal nach Kanaan kommen würde, aber erst in der vierten Generation, »denn die Ungerechtigkeit der Amoriter ist bis hierher noch nicht voll.« (1. Mose 15,16b; Elb.CSV). Diese ganze Zeit wartete Gott bis er das Gericht ausführt (dazu gehört dann Josua 10,11 und 4. Mose 33,51) und an Ninive sehen wir weiterhin (in einem anderen Zusammenhang): »Und Gott sah ihre Werke, dass sie von ihrem bösen Weg umgekehrt waren; und Gott ließ sich des Übels gereuen, wovon er geredet hatte, dass er es ihnen tun wolle, und tat es nicht.« (Jona 3,10; Elb.CSV).

In 5. Mose 28 schließlich geht es um die Verheißungen für Israel. Da war Segen, wenn sie dem Herrn gehorchen würden und Fluch, wenn sie es nicht täten. Das Handeln Gottes ergab sich also aus dem Handeln des Volkes. Hierzu Jesaja: »Siehe, die Hand des HERRN ist nicht zu kurz, um zu retten, und sein Ohr nicht zu schwer, um zu hören; sondern eure Ungerechtigkeiten haben eine Scheidung gemacht zwischen euch und eurem Gott, und eure Sünden haben sein Angesicht vor euch verhüllt, dass er nicht hört.« (Jesaja 59,1-2; Elb.CSV).
Das Gott dieses Gericht tatsächlich ausgeführt hat beweist der Prophet Hesekiel: »Und ich versprengte sie unter die Nationen, und sie wurden in die Länder zerstreut; ich richtete sie nach ihrem Weg und nach ihren Handlungen.« (Hesekiel 36,19; Elb.CSV).
Das dieses Volk Israel einmal wieder in besonderer Weise von Gott gesegnet werden wird, geschieht nicht etwa aufgrund ihrer Treue, sondern allein aufgrund von Güte und Gnade: »Aber es tat mir Leid um meinen heiligen Namen, den das Haus Israel entweiht hat unter den Nationen, wohin sie kamen. Darum sprich zum Haus Israel: So spricht der Herr, HERR: Nicht um euretwillen tue ich es, Haus Israel, sondern um meines heiligen Namens willen, den ihr entweiht habt unter den Nationen, wohin ihr gekommen seid.« (Hesekiel 36,21-22; Elb.CSV).
Auch das Israel im Unglauben zurückkehren und erst in Zukunft eine geistliche Erneuerung erleben wird, belegen Stellen wie Jesaja 10,20-22 oder Hesekiel 36:
»Und ich werde euch aus den Nationen holen und euch sammeln aus allen Ländern und euch in euer Land bringen. Und ich werde reines Wasser auf euch sprengen, und ihr werdet rein sein; von allen euren Unreinheiten und von allen euren Götzen werde ich euch reinigen.« (Hesekiel 36,24-25; Elb.CSV; siehe auch die nachfolgenden Verse).

Kommen wir noch zu 1. Samuel 15,3. Auch Amalek war von Gott lange verschont worden, ein Volk welches Israel auf dem Weg aus Ägypten entgegentrat, seine Nachzügler und Schwachen schlug, ohne Gottesfurcht (siehe 5. Mose 25,17f.). Dies war kein willkürliches Gericht, wie wir an der Unterscheidung sehen die Israel machte: »Und Saul kam bis zur Stadt der Amalekiter, und er legte einen Hinterhalt in das Tal. Und Saul sprach zu den Kenitern: Geht, weicht, zieht hinab aus der Mitte der Amalekiter, damit ich dich nicht mit ihnen wegraffe! Denn du hast Güte erwiesen an allen Kindern Israel, als sie aus Ägypten heraufzogen. Und die Keniter wichen aus der Mitte der Amalekiter.« (1. Samuel 15,5-6; Elb.CSV).
Diese Unterscheidung finden wir im Übrigen auch bei Rahab, einer Hure und ihrer Verwandtschaft, die von den Einwohnern Jerichos gerettet wurden (siehe Josua Kapitel 2 und 6), was klar zeigt das 5. Mose 20,16 sich nicht auf solche bezogen hat, welche sich zu Gott wandten. Bemerkenswert, dass wir diese Frau schließlich im Geschlechtsregister des Herrn Jesus in Matthäus 1 wiederfinden.

Was bei Uthoff noch negativ auffällt ist, das er viele dieser Stellen die in verschiedenen Teilen der Bibel stehen, in einer Art und Weise vorträgt, als würden sie direkt aufeinanderfolgend einen einheitlichen Text bilden. Wie sich dies mit Wahrhaftigkeit und seiner Kritik an Meinungsmathematik verträgt, wird wohl sein Geheimnis sein.

Uthoff mag auch die Notwendigkeit des Gerichtes in Bezug auf das Goldene Kalb in 2. Mose 32 nicht sehen, dabei zeigt Vers 25 in Zusammenhang mit den vorhergehenden Versen, dass es um solche ging die in ihren Sünden fortfuhren, wozu sie niemand gezwungen hatte und deshalb gerichtet werden mussten.

Bei Lukas 19,27 - dem einzigen aus dem Neuen Testament zitierten Vers - fallen im Zusammenhang gleich zwei Dinge sofort ins Auge. Nämlich, dass es sich um ein Gleichnis, eine Parabel handelt (siehe Vers 11) und das dessen Ausgang sich auf die Beurteilung der Menschen bezieht wenn der Herr Jesus wiederkommt (Vers 11 am Ende). Das ist es, worüber Paulus sprach: »Und er hat uns befohlen, dem Volk zu predigen und ernstlich zu bezeugen, dass dieser der von Gott bestimmte Richter der Lebenden und der Toten ist. Diesem geben alle Propheten Zeugnis, dass jeder, der an ihn glaubt, Vergebung der Sünden empfängt durch seinen Namen.« (Apostelgeschichte 10,42-43; Elb.CSV).

Wenn wir ein Fazit ziehen wollen, dann dieses: In den beleuchteten Bibelstellen geht es niemals um ein willkürliches oder unbegründetes Gericht. Gott gibt Raum zur Buße (s. Ninive, Rahab und die vier Generationen in 1. Mose 15), handelt aber wenn diese Zeit verstrichen ist. So auch heute: »Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte und Geduld und Langmut und weißt nicht, dass die Güte Gottes dich zur Buße leitet?« (Römer 2,4; Elb.CSV). Diese Zeit endet, wenn »der von Gott bestimmte Richter der Lebenden und der Toten« einmal am »Tag des Herrn« kommen wird um dieses Gericht auszuführen und es schließlich heißen wird: »seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, die nicht vergehen wird, und sein Königtum ein solches, das nie zerstört werden wird.« (Daniel 7,14b; Elb.CSV).

Im zweiten Teil wollen wir dann einen Teil der christlichen Stellung betrachten und warum Gewalt mit dem Glaubensleben eines konservativen Christen unvereinbar ist.

Dienstag, 5. Juni 2012

Notwendige Konsequenzen

„Was muss noch alles passieren, bis endlich einmal Konsequenzen gezogen werden?“ – Dies ist eine Frage die sich ernsthafte Christen immer und immer wieder (in Bezug auf so manche kirchliche Entwicklung) gestellt haben. Und nicht wenige haben dann für sich persönlich den Weg aus toten religiösen Systemen gefunden.

Wilfried Plock, Vorsitzender der Konferenz für Gemeindegründung, formulierte einmal:
»Wenn wir dem Herrn und unserer Kirche nicht gleichzeitig treu sein können, dann sollten wir Konsequenzen ziehen!« 
Quelle: http://www.kfg.org/download/artikel/plock-kirchenaustritt.pdf

In diesem sehr lesenswerten Aufsatz lässt Bruder Plock dann auch C. H. Spurgeon zu Wort kommen, der zurecht auf folgendes hinwies:
»Es ist die eindeutige Pflicht eines ehrlichen Christen, den Kreis derer zu verlassen, die vorgeben, Christen zu sein, aber das Wort Gottes verletzen und die Grundlagen des Evangeliums verwerfen. Sich mit dem Irrtum einlassen, macht es dem besten Menschen unmöglich, gegen ihn vorzugehen.«
Quelle: ebenda
Wer sich etwas näher mit dem Leben Spurgeons beschäftigt wird auf die erstaunliche Tatsache stoßen, das dieser die Baptisten-Union aus eben den obig genannten Gründen verlassen hat. Ein Biograph schrieb:
»Am 28 Oktober verließ Spurgeon die Union, und in der November-Ausgabe (1887) von The Sword and the Trowel nannte er seinen Grund. Die Union gab dem denominationellem Frieden den Vorrang gegenüber der Pflicht, mit Irrlehren aufzuräumen, und machte, indem sie Sünden duldete, den Austritt für Christen somit unumgänglich:« (...)
»Ja, wir haben das verwerfliche Schauspiel vor uns, dass erklärtermaßen orthodoxe Christen öffentlich ihre Einheit mit jenen beteuern, die den Glauben verleugnen, und kaum einen Hehl aus ihrer Verachtung für jemanden machen, der es nicht fertigbringt, sich so grober Untreue gegen Christus schuldig zu machen. Um ganz deutlich zu werden, wir sehen uns außerstande, diese Gebilde christliche Vereinigungen zu nennen, sie sehen zunehmend nach Bündnissen des Bösen aus …«
Quelle: Iain H. Murray, C. H. Spurgeon – wie ihn keiner kennt, 2. Auflage. Hamburg, RVB, 1999

Vor diesem Hintergrund ist das Folgende durchaus erwähnenswert, ein erfreulicher erster Schritt, dem m.E. weitere folgen sollten. Doch! Ich freue mich wirklich über solche Frauen und Männer, die noch nicht völlig gleichgültig geworden sind, sondern einen Eindruck von der Heiligkeit Gottes haben!
Quelle: Screenshot - http://www.evangelisation.biz/aktuell/ - vom 04.06.2012
 So dürfen wir uns auch jene zum Vorbild nehmen, von denen der Prophet Maleachi einst bezeugte:
»Da unterredeten sich miteinander, die den HERRN fürchten, und der HERR merkte auf und hörte; und ein Gedenkbuch wurde vor ihm geschrieben für die, die den HERRN fürchten und die seinen Namen achten.« (Maleachi 3,16; Elb.CSV)

Dienstag, 20. September 2011

"Christliche" Anonymität - Einige Gedanken

»Da sprachen sie zu ihm: Wer bist du? Jesus sprach zu ihnen: Durchaus das, was ich auch zu euch rede.« (Johannes 8,25; ElbCSV)
Das Wesen und die Rede des Herrn Jesus Christus standen in völliger Übereinstimmung miteinander. Und Er allein konnte von sich selbst als der Wahrheit (s. Johannes 14,6) reden.

Es ist nicht immer so, das auch in unserem Leben das was wir sind und das was wir reden übereinstimmen. Das müssen wir freimütig bekennen. Gleichfalls sollen wir unseren Herrn Jesus als Vorbild vor Augen haben, um Ihm freudig nachzueifern.

Ist ein anonymes Auftreten vereinbar mit Transparenz und Ehrlichkeit?
Im Allgemeinen sicherlich nicht. Es mag Ausnahmen geben, wo Menschen mit ernsten Problemen nach Hilfe suchen, ohne sich ihrem Umfeld offenbaren zu können. Es macht jedoch durchaus einen Unterschied ob man diese Hilfe öffentlich z.B. in einem Forum sucht oder diskret und im persönlichen Kontakt mit einem Seelsorger*. Letzteres ist dem ersteren immer vorzuziehen.
* Eine empfehlenswerte Anlaufstelle für Hilfesuchende ist z.B. http://www.bibelseelsorge.de/

Paulus schreibt einmal an Timotheus:
»So schäme dich nun nicht des Zeugnisses unseres Herrn noch meiner, seines Gefangenen, sondern leide Trübsal mit dem Evangelium, nach der Kraft Gottes;« (2 Timotheus 1,8; ElbCSV)
Es mag verlockend sein, seine wahre Identität hinter einem Pseudonym zu verbergen. (Gerade im Internet).

Frank Binford Hole schreibt in seinem Kommentar zum 2. Timotheusbrief:
»Viele von uns arbeiten gerne bei der Evangelisationsarbeit mit, um auch am Erfolg beteiligt zu sein und schließlich an der Belohnung für diesen treuen Dienst im kommenden Reich. Aber an den Leiden beteiligt zu sein, ist eine andere Sache.
Quelle: Grundzüge des Neuen Testaments, Band 4, Galater – Philemon, CSV, Hückeswagen

Dies ist eine Sache, die wir nicht oft bedenken. Sich des Zeugnisses des Herrn nicht zu schämen, bedeutet in Kauf zu nehmen dafür Trübsal zu erleiden.

Es muss so deutlich gesagt werden: Wer wir sind und was wir reden soll genauso übereinstimmen, wie wir bereit sein sollen für unser Zeugnis zu leiden. Und auch darin ist unser Herr das Vorbild: Jesus Christus ist der „treue und wahrhaftige Zeuge“ – so bezeugt ihn die Offenbarung (s. 1,5 + 3,14). Treu und wahrhaftig – so sollen auch wir in unserem Zeugnis erfunden werden. Dies können wir nicht aus uns heraus, sondern nur „nach der Kraft Gottes“.

Mittwoch, 17. August 2011

Biblisch?

In seinem Kommentar zum Neuen Testament weist William MacDonald auf folgendes hin:
»Das NT kennt viele Fälle von gerechtfertigtem Gericht über den Zustand, das Verhalten oder die Lehre anderer. Außerdem gibt es verschiedene Gebiete, auf denen dem Christ sogar befohlen ist, eine Entscheidung zu treffen, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden oder zwischen dem Guten und dem Besten.« [1]
Leider erleben wir es heute oft, dass leichtfertig und wenig gründlich beurteilt wird - wenn überhaupt. Das Attribut „christlich“ reicht oftmals aus, damit die Wachsamkeit nachlässt. Dinge werden als „biblisch“ oder „christlich“ anerkannt. Dabei bedeutet dieselben Begriffe und Wendungen zu verwenden nicht zwangsläufig auch dasselbe damit zu meinen. Einige Beispiele sollen hier exemplarisch genannt werden.

Das Wort Gottes

Die Reformation ging zurück auf die Schrift allein (sola scriptura) und die uneingeschränkte Autorität und Kraft der Schrift. Demgegenüber steht die Römisch-katholische Definition:
»Die Heilige Überlieferung und die Heilige Schrift bilden den einen der Kirche überlassenen heiligen Schatz des Wortes Gottes.« [2]
Vereinfacht lässt sich sagen: Dort wo der überzeugte Katholik vom „Wort Gottes“ redet, kann „die Heilige Schrift“ aber auch – absolut gleichwertig – „Die Heilige Überlieferung“ gemeint sein. Wir müssen begreifen, dass nicht überall wo in christlichen Kreisen vom „Wort Gottes“ geredet wird automatisch die Bibel gemeint ist.

"Wahrhaftig auferstanden" bei Bultmann
Eine weitere Sache finden wir bei dem Bibelkritiker Rudolf Bultmann. In einem Interview mit SpiegelOnline führt Johannes Joachim Degenhardt aus:
»SPIEGEL: Für Drewermann und Bultmann ist es kein Widerspruch, an die Auferstehung zu glauben und zu sagen, das Grab Jesu sei sowenig leer gewesen wie das Grab irgendeines anderen Menschen.
DEGENHARDT: Für Bultmann ist Christus auferstanden in das Kerygma, in den Glauben der Urgemeinde.« [3]
Um zu verstehen was hier gesagt wird nochmals eine vereinfachte Erklärung. Das Zeugnis der „wahrhaftigen Auferstehung Jesu Christi“ wäre für Bultmann kein Problem gewesen. Erst in der Nachfrage wäre deutlich geworden, dass Bultmann hier mitnichten ein historisch-faktisches Ereignis verbindet, sondern die „wahrhaftige Auferstehung“ nur im Kerygma, also allein der Verkündigung sieht. Lothar Gassmann schlussfolgert zurecht:
»Bultmanns Theologie ist eine auf die Bibel angewandte Philosophie«. Und: »Bei Bultmann jedenfalls können geschichtliche Texte nur subjektiv-existentiell verstanden werden.« [4]
"Evangelisation in der Postmoderne"
Ein drittes Beispiel liefert Wolfgang Nestvogel in seinem Buch „Evangelisation in der Postmoderne“. Er resümiert über ProChrist 2003:
»Die wichtigen Themen des Evangeliums (Sünde, Umkehr, Vergebung, Kreuz) kommen alle »irgendwie« vor, dennoch bleiben zentrale Inhalte im Unklaren. Der erfahrene Christ hört die Begriffe und Andeutungen und kann sie mit den dazugehörenden Lehren verbinden, die er vorher schon kannte. Darum wohl haben viele Christen die Verkündigung als klar und biblisch empfunden, »schließlich hat er doch immer über Sünde, Hinkehr zu Jesus und die Wichtigkeit des Bibellesens gesprochen«. Der Nichtchrist muss aber den Inhalt, das Konzept des Evangeliums erst einmal kennen lernen, deshalb benötigt er eine präzise und klare Erläuterung der sachlichen Zusammenhänge.
Die Notwendigkeit solcher Klarheit und Präzision ist keine akademische Forderung, sondern schlichtes Gebot der seelsorgerlichen Liebe und des Gehorsams gegenüber Gottes offenbarter Wahrheit.« [5]
Bruder Nestvogel legt in seinem Buch sehr eindrücklich dar, wie er zu dieser Beurteilung kommt und es sei jedem ans Herz gelegt. Gerade in diesem Buch wird die Diskrepanz zwischen dem „klar und biblisch“ empfinden (!) und dem objektiven Fehlen zentraler Inhalte sehr deutlich aufgezeigt.

Umdeutung durch Psychologie
Rudolf Ebertshäuser kommt in anderem Zusammenhang zu dem Schluss:
»Ganz unmerklich verschieben sich die Maßstäbe, werden klare geistliche Aussagen der Bibel durch schillernde psychologische Begriffe ersetzt. War es früher für bibeltreue Christen klar, dass die Sünde, die sündige, verderbte, von Ichsucht und Rebellion geprägte menschliche Natur die Quelle alles Übels der menschlichen Existenz ist, so erwecken die „christlichen“ Psychologen den Eindruck , das Grundübel seien die Verletzungen und Demütigungen die dem seelischen Ichleben zugefügt werden.« [6]
Auch hier muss wieder die Frage gestellt werden, wie die Begrifflichkeiten letztlich die klaren biblischen Maßstäbe überdecken können.

Bibeltreu oder "bibeltreu"?
Abschließend noch einen Bericht aus den Betanien-Nachrichten aus dem Jahr 2003:
»Seit fast drei Jahren sorgte eine Streitfrage für Spannung innerhalb der "Konferenz bibeltreuer Ausbildungsstätten" (KBA), die 31 theologische Ausbildungsstätten umfasst. An den drei Ausbildungsstätten Chrischona, Tabor, Liebenzell (CTL) wird unter "bibeltreu", zum Teil verstanden, "die Bibel so zu nehmen wie sie ist - mit ihren Fehlern". Gleichzeitig wird behauptet, der Standpunkt der Irrtumslosigkeit der Bibel, wie in der Chicago-Erklärung ausgedrückt, sei nicht bibeltreu, da die Bibel selbst keine Irrtumslosigkeit beanspruche und man mit diesem Anspruch über die Bibel hinausgehe. Die Ansicht von CTL wurde als "Hermeneutik der Demut" bekannt und von einigen Theologen der KBA als nachweislich gemäßigte Bibelkritik entlarvt.

Dieser Streit wurde nun auf einer Mitgliederversammlung der KBA beigelegt. Die bisher offiziell vertretene Überzeugung von der Inspiration und Unfehlbarkeit der Bibel, deren Bekenntnis Bedingung zur Mitgliedschaft in der KBA ist, wurde bekräftigt, jedoch wurden sowohl die "Hermeneutik der Demut" als auch die "Chicago-Erklärung" beide als bibeltreue Standpunkte akzeptiert, die nicht der versteckten oder gemäßigten Bibelkritik verdächtigt werden dürfen.« [7]

Ein Fazit
Es gäbe noch andere Beispiele über die Umdeutung oder Substitution von Begriffen. Es sollte aber auch so deutlich geworden sein, dass dort tragende Säulen umgeworfen wurden, wo beispielsweise gemäßigte Bibelkritik als „bibeltreu“ gekennzeichnet wird. Das fehlende Unterscheidungsvermögen das hinsichtlich solcher Vorgänge unter Christen vorherrscht ist durchaus besorgniserregend. Dabei weiß der Autor dieser Zeilen durchaus um die eigenen Irrtümer seines Glaubenslebens. Aber vielleicht muss man (einiger) dieser Irrtümer erst einmal gewahr werden, um eine falsche – auf die eigene Menschenweisheit bauende – Selbstsicherheit zu verlieren. So mancher Gläubige ist gerade in Bezug auf das Vertrauen auf sich selbst und sein Urteilsvermögen gefallen.
Das Wort Gottes fordert uns auf:
»Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung eures Sinnes, dass ihr prüfen mögt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist.« Römer 12,2; ElbCSV
Wäre unser Gebet anhaltender darin, dass Gott unseren Sinn beständig erneuern möge und unser selbstsüchtiger Widerstand dagegen geringer, so wären wir fähiger zu prüfen und treuer darin den guten, wohlgefälligen und vollkommenen Willen Gottes zu tun!

Quellennachweis:
[1] William MacDonald, Kommentar zum Alten und Neuen Testament, 2. Auflage, Gesamtausgabe – Band 1 und 2, 1997, CLV, Bielefeld
[2] Quelle: vatican.va, Dokumente des II. Vatikanischen Konzils
[3] SpiegelOnline, Den Glauben abfragen wie Vokabeln?, 16.03.1992
[4] Lothar Gassmann, „DietrichBonhoeffer, Karl Barth, Rudolf Bultmann, Paul Tillich“ – Die einflussreichsten evangelischen Theologen der Neuzeit und ihre Lehren auf dem Prüfstand, Fromm Verlag, 2011
[5] Wolfgang Nestvogel, Evangelisation in der Postmoderne, Wie Wahrheit den Pluralismus angreift…, 1. Auflage 2004, CLV, Bielefeld; Hervorhebung von mir
[6] Rudolf Ebertshäuser, Die Charismatische Bewegung im Licht der Bibel, 2., durchgesehene Auflage 1998, CLV, Bielefeld.
[7] Betanien-Nachrichten, www.betanien.de, Ausgabe Nr. 9 vom 15. Dezember 2003

Mittwoch, 2. März 2011

Causa Guttenberg – der Rücktritt

Wegen des vorangegangenen Blogeintrags, möchte ich aufgrund des Rücktritts von Karl-Theodor zu Guttenberg als Verteidigungsminister, folgende weiteren Punkte zu bedenken geben.

Der Rücktritt
In einem offenen Brief von Doktoranden an die Bundeskanzlerin, steht zu lesen:
"Es nimmt kaum Wunder, dass sich Plagiatsexperten darüber einig sind, dass man hier nicht mehr von einigen „peinlichen Fehlern“ reden kann. Es handelt sich um massive, systematische Täuschung. Zu Guttenberg hat große Teile seiner Dissertation – und dies offenbar mit großem Ehrgeiz – zusammenkopiert und Quellen vertuscht, um sich den Doktortitel zu erschleichen, mit dem er dann nicht zuletzt auf Wahlplakaten geworben hat. Die Universität Bayreuth hat diesen Vorwurf nicht ausräumen können. Angesichts des Umfangs und der Anzahl der Plagiate wissen Sie genauso gut wie wir, dass am Ende der genauen Überprüfung durch die Universität nur ein Ergebnis stehen kann, was die Täuschungsintention des Ministers angeht. Man kann dies nicht „unbewusst“ tun."
Quelle: http://offenerbrief.posterous.com/causa-guttenberg-offener-brief-von-doktorande

Die Frage bleibt also im Raum, was genau Herr zu Guttenberg eigentlich bereut und zugegeben hat. Oder wie in einer Stellungnahme des GuttenPlag Wiki dargelegt:
"Wir bedauern, dass Herr Freiherr zu Guttenberg bei der Ankündigung seines Rücktritts keine klaren Worte zur offensichtlichen Täuschungsabsicht und zur Urheberschaft der Dissertation gefunden hat."
Quelle: http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/GuttenPlag_Wiki

Inwieweit sein Rücktritt also tatsächlich aus persönlicher Einsicht über sein Handeln geschieht, zumal weiterhin vieles im Dunkeln bleibt, ist zumindest fraglich. Wie anders liest sich hier Psalm 51.
Eine aufrichtige Buße und Wiederherstellung (bzw. womöglich sogar eher Wiedergeburt) ist ihm jedenfalls von Herzen zu wünschen.

„Richtet nicht…“
Man verwendete Matthäus 7,1 dieser Tage oft um auszusagen, es wäre falsch überhaupt zu richten. Dabei geht es dem Herrn Jesus darum, dass wir nicht einfach Personen und ihre Motive richten und verurteilen. Dieses Gericht steht allein Gott selbst zu. Aber dieses Verbot des Herrn heißt doch nicht, dass wir nicht das Handeln von Personen beurteilen müssen. Das wird aus Stellen wie 1. Korinther 2,15, Kapitel 5 oder 1. Johannes 4 ganz deutlich.
Bleiben wir jedoch bei Matthäus Kapitel 7 – dort lautet Vers 5:
»Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge heraus, und dann wirst du klar sehen, um den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.« (ElbCSV.)
Weder werden wir – die Bildsprache der Schrift gebrauchend - dazu aufgefordert den Splitter im Auge des Bruders zu ignorieren, noch ihn darin zu belassen. Im Gegenteil. Wir sollen ihn herausziehen, aber erst, nachdem wir uns um unseren eigenen Stand gekümmert haben. Den Splitter im Auge des Anderen zu ignorieren wäre, wie ein Bekannter einmal meinte, die Institutionalisierung der Blindheit aller.

Mittwoch, 6. Januar 2010

Der Umgang mit der Wahrheit

Diese Darlegung ist ursprünglich als Forenbeitrag entstanden.

Leider haben sich Christen in Bezug auf die Diskussion um Musik auch schon manigfaltig der Lächerlichkeit preisgegeben. Ich erinnere mich an ein Buch, indem bezüglich des Liedes der Rolling Stones "Sympathy for the Devil" behauptet wurde sie würden ihre Sympathie für den Teufel zum Ausdruck bringen wollen. Nur dummerweise heißt "sympathy for" im Englischen soviel wie Mitgefühl, Mitleid, nicht etwa Sympathie. (Es geht mir nicht darum, dass das Lied Mist ist und der Text Mist ist, das ist offensichtlich). Nur zeigt sich in diesem Beispiel eben auch eine gewisse intellektuelle Verachtung und Unzulänglichkeit mancher Christen, die sich berufen fühlen über dieses Thema "aufzuklären".

Nichts ist für jemanden ärgerlicher, als wenn der Gegenstand der Betrachtung - ihn betreffend - auf eine unzulängliche und falsche Art dargestellt wird.

Eine anderes Beispiel wäre AC/DC - ohne Frage eine absolut gottlose Band - nur das Argument war: AC/DC würde "Anti-Christ / Death to Christ" heißen. Auch hier ist aber dummerweise die im englischen gebräuchliche Abkürzung für Wechselstrom/Gleichstrom (alternating current/direct current) - in symbolischer Anspielung auf die Art ihrer Musik - gemeint.

Eine ähnliche Kreativität in Bezug auf Symbolik und Spekulationen legen Christen eigentlich nur noch im Gebiet der Freimaurerei an den Tag. Ich bin immer dafür alles zu diskutieren - aber auf dem Boden der Wahrhaftigkeit! Und dann redet man über Fakten und nicht über Spekulationen.

Dieser kurze Beitrag sollte deutlich machen, dass wir in der Diskussion um kontroverse Themen bei den Fakten bleiben sollten, um nicht den Boden der Redlichkeit zu verlassen. Gerade als Christen haben wir darin eine besondere Verantwortung: Im Umgang mit der Wahrheit!

Um Missverständnisse zu vermeiden: Es ist dabei nicht gemeint, das man sich mit bösen Dingen selbst beschäftigen muss, um dagegen argumentieren zu können, sondern dass man sich auf verlässliche Informationen stützt.