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Donnerstag, 11. Juni 2020

Christsein und Politik

Nachdem wir uns im vorherigen Teil speziell mit der Obrigkeit (bzw. Regierung) auseinandergesetzt haben, wollen wir ein weiteres Mal einen Blick auf das Feld der Politik werfen.
Kurz vor dem Werk von Golgatha kündigte der Herr Jesus das Kommen des Heiligen Geistes mit folgenden Worten an: »Doch ich sage euch die Wahrheit: Es ist euch nützlich, dass ich weggehe, denn wenn ich nicht weggehe, wird der Sachwalter nicht zu euch kommen; wenn ich aber hingehe, werde ich ihn zu euch senden. Und wenn er gekommen ist, wird er die Welt überführen von Sünde und von Gerechtigkeit und von Gericht. Von Sünde, weil sie nicht an mich glauben; von Gerechtigkeit aber, weil ich zum Vater hingehe und ihr mich nicht mehr seht; von Gericht aber, weil der Fürst dieser Welt gerichtet ist.« (Johannes 16,7-11; ElbCSV)
Dies zeigt uns, dass diese Welt schon gerichtet d.h. das Urteil über sie und ihr Wesen schon gesprochen wurde. Der Beleg dafür ist die Abwesenheit des Herrn Jesus und die Anwesenheit des Heiligen Geistes. Die Durchführung dieses Gerichtes liegt noch in der Zukunft und es werden dem auch noch diverse Ereignisse (wie die Entrückung der Gemeinde und die völlige Entfaltung des Bösen) vorausgehen.
Für uns ist die damit verbundene Erkenntnis von Bedeutung, dass sich diese Welt nicht verbessern lässt. Sie geht unaufhaltsam diesem Gericht entgegen. Es ist also nicht unsere Aufgabe diese Welt zu verbessern, nein, wir können es auch gar nicht. Wir werden sogar darauf hingewiesen: »Dies aber wisse, dass in den letzten Tagen schwere Zeiten eintreten werden;« (2. Timotheus 3,1; ElbCSV).
Sollten wir deshalb mutlos sein? Keineswegs! Gott hat uns nicht untätig in dieser Welt gelassen, sondern als Seine Gesandten: »So sind wir nun Gesandte für Christus, als ob Gott durch uns ermahnte; wir bitten an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!« (2. Korinther 5,20; ElbCSV).
Wir sind gewissermaßen als Botschafter Gottes in dieser Welt. An anderer Stelle werden wir als »Fremdlinge und als solche, die ohne Bürgerrecht sind« (s. 1. Petrus 2,11) angesehen; „in der Welt“, aber nicht „von der Welt“ – „aus der Welt auserwählt“, „aus der Welt gegeben“ aber noch nicht aus der Welt weggenommen (z.B. Joh. 17; Joh 15,19, u.a.). Wir leben also (als Botschafter) in dieser Welt, gehören ihr aber nicht an, sondern sind Repräsentanten einer anderen, nämlich der „himmlischen Welt“.
Charles Henry Mackintosh schrieb dazu einmal:
"Die Versammlung hat nichts mit der Politik dieser Welt zu tun. Ihr Bürgertum ist in den Himmeln, von woher sie auch den Herrn als Heiland erwartet (Phil 3). Wenn sie sich in die Politik dieser Welt einmischt, erweist sie sich untreu gegen ihren Herrn, ihre Berufung und ihre Grundsätze. Es ist ihr hohes und heiliges Vorrecht, mit einem gekreuzigten, auferstandenen und verherrlichten Christus verbunden zu sein. Sie hat so wenig mit Gesellschaftsproblemen oder dem Lauf der Weltgeschichte zu tun, wie ihr verherrlichtes Haupt in den Himmeln. Der HERR selbst sagt von den Kindern Gottes: „Sie sind nicht von der Welt, wie ich nicht von der Welt bin“ (Joh 17,16).
Das ist entscheidend und kennzeichnet unsere Stellung und unseren Weg hier auf der Erde. „Wie er ist, sind auch wir in dieser Welt.“ Diese Worte enthalten eine doppelte Wahrheit, nämlich unsere Annahme bei Gott und unsere Trennung von der Welt. Wir sind in der Welt, aber nicht von ihr. Wir haben als Fremde in ihr zu leben, indem wir auf die Ankunft unseres Herrn warten, auf die Erscheinung des hellen, glänzenden Morgensterns. Aber es ist nicht unsere Sache, uns mit der Politik zu befassen. Wir sind berufen und werden wiederholt ermahnt, den „obrigkeitlichen Gewalten“ zu gehorchen, für alle, die in Hoheit sind, zu beten, Steuern zu entrichten und niemand etwas schuldig zu sein. Wir sollen „untadelig und lauter“ sein, „unbescholtene Kinder Gottes inmitten eines verdrehten und verkehrten Geschlechts“, in dem wir scheinen „wie Lichter in der Welt, darstellend das Wort des Lebens“ (Phil 2,15). Hieraus geht hervor, wie wichtig es ist, „das Wort der Wahrheit recht zu teilen“ (2. Tim 2,15).«
Quelle: Charles Henry Mackintosh, Die fünf Bücher Mose, CSV, Hückeswagen

Ein Bekenntnis zum Schluss: Das hier Vorgebrachte schreibe ich als jemand der in der Vergangenheit sowohl (im Ortsverein einer Partei) politisch aktiv war, als auch (am Ort) politische Ambitionen hatte. Heute weiß ich es besser und darf es getrost Gott überlassen seinen Ratschluss in dieser Welt auszuführen und mich – Seinem Wort und meinem Gewissen folgend – von politischen Aktivitäten fernhalten. Unsere himmlische Stellung als Christen, der damit verbundene Wandel, die Verbindung mit dem verherrlichten Christus im Himmel, der in uns wohnende Geist Gottes, all das trennt uns völlig von jeglicher politischen Bestrebung in dieser Welt und sei sie noch so gut gemeint. Ursprung und Ziel, Gegenwart und Zukunft der Versammlung (Gemeinde) sind himmlisch und davon sollte unsere Gesinnung auch geprägt sein.

Montag, 1. Juni 2020

Die Obrigkeit (in Zeiten von Corona)

In seinem sehr empfehlenswerten Kommentar zum Römerbrief schreibt Rudolf Brockhaus zu Kapitel 13:
»Der Christ ist zwar nicht von der Welt, aber noch in der Welt, gleich seinen Mitmenschen, und so ist er verpflichtet, den obrigkeitlichen Gewalten zu gehorchen, und zwar aus Gründen, die für ihn von der höchsten Bedeutung sind. Zunächst ist die Obrigkeit „von Gott verordnet“, dann ist sie „Gottes Dienerin“, und schließlich sind die von ihr angestellten Personen „Gottes Beamte“ (V. 4+6). Es könnten kaum ernstere Gründe für unsere Verpflichtungen der Obrigkeit gegenüber aufgeführt werden. Ganz ähnlich ermahnt der Apostel Petrus in seinem ersten Briefe die Gläubigen aus der Beschneidung, sich um des Herrn willen aller menschlichen Einrichtung zu unterwerfen (Kap. 2, 13+14).«
…
»Selbstverständlich bleibt das bekannte, dem Synedrium gegenüber ausgesprochene Wort der Apostel: „Man muss Gott mehr gehorchen als Menschen“, allezeit zu Recht bestehen. Stellt eine obrigkeitliche Gewalt eine Forderung an uns, die dem klar ausgesprochenen Willen Gottes zuwiderläuft, deren Erfüllung also unser Gewissen belasten würde, dann muss dieser Wille von uns beachtet und der obrigkeitlichen Forderung übergeordnet werden. Aber auch nur in diesem Falle. In allen anderen habe ich mich einfach zu unterwerfen, ganz gleich, welchen politischen Charakter die Obrigkeit trägt, ob sie monarchisch, republikanisch oder was irgend sonst ist, ob sie ihren Verpflichtungen nachkommt oder nicht. Denn es gibt keine Obrigkeit oder Gewalt außer von Gott. Wie einfach macht das den Weg für den Christen!«
…
»Wo ein Christ leben und in welcher irdischen Stellung er sich befinden mag, er hat der Obrigkeit zu gehorchen, der er unterstellt ist und die heute regiert; kommt morgen, vielleicht selbst infolge einer gewaltsamen Umwälzung, eine andere, so hat er sich der zu unterwerfen, ganz gleich, ob sie ihm gefällt oder nicht. Auch hat er nicht zu untersuchen, ob die Verordnungen, welche die jeweilige Obrigkeit trifft, die Gesetze, die sie gibt, richtig oder unrichtig sind, ob sie ihm und anderen Nutzen oder Schaden bringen; seine Sache ist, für die Obrigkeit zu beten, dass Gott sie richtig leiten und ihr Einsicht und Weisheit schenken möge, zum Wohle des Landes und Volkes zu regieren, und – ihr ohne Murren zu gehorchen, soweit das mit seinem Gewissen verträglich ist. Wenn er verwirklicht, dass seine Interessen nicht mit dieser Erde, sondern mit dem Himmel verbunden sind, wird ihm das auch nicht schwer werden.«
…
»Niemals gibt das fehlerhafte Verhalten einer höheren oder niedrigen Gewalt, eines der Beamten Gottes, dem Christen ein Recht, seinerseits nun auch seinen Verpflichtungen nicht treu nachzukommen. Fehlt die Obrigkeit in ihrem Auftrag als Gottes Dienerin, so hat sie es mit Gott zu tun; der Christ aber ist gehalten, unter allen Umständen „das Gute zu üben“, auch allen zu geben, was ihnen gebührt, „die Steuer, dem die Steuer, den Zoll, dem der Zoll, die Furcht, dem die Furcht, die Ehre, dem die Ehre gebührt“ (V. 7).«
Quelle: Rudolf Brockhaus, Gerechtfertigt aus Glauben, Römerbrief, 4. CSV-Auflage 1993, CSV Hückeswagen (Hervorhebungen von mir)

Warum dieses umfangreiche Zitat? Die Schrift lehrt uns, dass es verschiedene Autoritäten in unserem Leben gibt. Da haben wir natürlich Gott und Sein Wort als Autorität, aber auch Menschen (innerhalb der Familie, bezüglich der Schöpfungsordnung, im Arbeitsverhältnis und eben in Bezug auf die Obrigkeit).
Leider sehen wir, dass die Bereitschaft diese Autoritäten anzuerkennen und ihnen mit Respekt zu begegnen (auch bei Christen) immer mehr abzunehmen scheint.
Ist es nicht bemerkenswert, dass Paulus im 1. Timotheusbrief dazu auffordert für die Obrigkeit zu beten, zu einer Zeit, als Nero in Rom als Kaiser herrschte. Dieser Kaiser brachte Verfolgung und Leid über die Christenheit und doch rief Paulus nicht dazu auf diesen Mann zu bekämpfen, sondern schlicht für die Obrigkeit zu beten.
Was ist das Verachten von Herrschaften (s. Judas 1,8) anderes als der „Geist der Gesetzlosigkeit“? H. L. Heijkoop schreibt dazu in seinem Kommentar zum Judasbrief: 
»Es ist die vollkommene Offenbarung des menschlichen Eigenwillens, durch den er s i c h und s e i n e Rechte in den Vordergrund stellt und gleichzeitig sich weigert, eine höhere Autorität anzuerkennen.«
Quelle: H. L. Heijkoop, Der Brief des Judas, 1961, Ernst Paulus Verlag, Neustadt a. d. Weinstr.
Hinzu kommt, dass Gottes Wort wenn es von Gehorsam redet unsere Pflichten bzw. unsere Verpflichtung in den Vordergrund stellt. Es ist zur Mode geworden zuallererst auf unseren (vermeintlichen) Rechten zu beharren, aber gerade das finden wir hier nicht. Ganz grundsätzlich haben wir der Regierung zu gehorchen.
»Das Christentum nährt keinen Geist grober und aufsässiger Unabhängigkeit. Und was gehört sich den Obrigkeiten gegenüber? Gebet, Fürbitte, selbst für die Höchsten, seien es Könige oder sonstige Herrscher! Vor allem sie benötigen eine solche Fürbitte.«
Quelle: William Kelly, Einführender Vortrag zum 1. Timotheusbrief, abgerufen auf bibelkommentare.de
Man kann im Zuge der Corona-Maßnahmen beobachten wie viele der oben genannten Grundsätze missachtet werden. Maßnahmen werden ignoriert, Politiker z.B. als „Verbrecherbande“ beschimpft, offene Auflehnung (wie die Empfehlung Politiker aus den Ämtern zu jagen) sogar gepredigt, indem man seine eigene politische Agenda von der Kanzel herab verkündigt, weil man den derzeitigen politischen Kurs ablehnt. Man sieht eigentlich ernsthafte Gläubige zusammen in Verbindung (Jochgemeinschaften; s. 2. Korinther 6,15) mit allerlei Verschwörungsgläubigen (aus esoterischen, rechts-esoterischen und anderen Bereichen), Rassisten, u.a. Anstatt sich von jeder Art des Bösen fernzuhalten (s. 1. Thessalonicher 5,22) marschiert man auf Demonstrationen in einer Phalanx; wie traurig ist das!
Nein, wir wollen diejenigen anerkennen, die Gott als Autoritäten in unserem Leben gegeben hat. Wir wollen ihnen mit Achtung und Respekt begegnen, gerade dort wo es uns schwerfällt. Wir wollen uns nicht als aufsässig erweisen, sondern als gehorsam. Wir wollen vor allem für „alle, die in Hoheit sind“ beten (Fürbitte! - nicht gegen sie).
Den Knechten wird einmal gesagt, dass ihr Verhalten als Ziel hat, »damit sie die Lehre, die unseres Heiland-Gottes ist, zieren in allem.« (s. Titus 2,10). Möge unser Verhalten wirklich dazu führen, damit wir auf dieser Erde als Salz und in dieser Welt als Licht (s. Matthäus 5,13-14) wahrgenommen werden.

Zum Abschluss noch der Ausblick auf die Zukunft:
»Gott regiert heute nicht direkt, sondern er tut es in Vorsehungen durch Menschen, die er dazu einsetzt. Erst nach der Entrückung der Versammlung in den Himmel werden die Regierungen nicht mehr von Gott gegeben, sondern direkt von Satan inspiriert sein. Das wird eine furchtbare Zeit sein. Im darauf folgenden 1000-jährigen Reich wird Gott direkt in der Person seines Sohnes regieren. Bis heute aber sind Regierungen von Gott eingesetzt. Gott hat sie als Institution und als Autorität gegeben, damit hier auf der Erde eine gewisse Stabilität garantiert ist. Der Ursprung der Regierungen findet sich nach der Flut. Das wird uns im ersten Buch Mose beschrieben (vgl. 1. Mo 9,6).«
Quelle: Ernst-August Bremicker, 1 Timotheus 2 – eine Vers-für-Vers-Auslegung, abgerufen auf bibelkommentare.de

Sonntag, 15. Februar 2015

Wenige Gedanken zur Erbauung / Auferbauung

Beschäftigt man sich heute mit dem Wort Auferbauung, sieht man, dass oft sehr stark auf die Gefühlsebene fokussiert wird; was sich gut anfühlt wird als auferbauend empfunden. Erbauung ist jedoch kein Synonym für Ermunterung, sondern ein Heranwachsen zu geistlicher Reife.

Zum einen ist es die Verantwortung jedes einzelnen Gläubigen:
»Ihr aber, Geliebte, euch selbst erbauend auf euren allerheiligsten Glauben, betend im Heiligen Geist, erhaltet euch selbst in der Liebe Gottes, indem ihr die Barmherzigkeit unseres Herrn Jesus Christus erwartet zum ewigen Leben.« (Judas 1,20-21; Elb.CSV).
Zum anderen ist es eine die Versammlung (bzw. Gemeinde) betreffende Sache:
»Und er hat die einen gegeben als Apostel und andere als Propheten und andere als Evangelisten und andere als Hirten und Lehrer, zur Vollendung der Heiligen, für das Werk des Dienstes, für die Auferbauung des Leibes des Christus, bis wir alle hingelangen zu der Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zu dem erwachsenen Mann, zu dem Maß des vollen Wuchses der Fülle des Christus;« (Epheser 4,11-13; Elb.CSV).
Die Grundlagen wurden gelegt und sind unumstößlich:
»aufgebaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten, indem Christus Jesus selbst Eckstein ist, in welchem der ganze Bau, wohl zusammengefügt, wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn, in dem auch ihr mitaufgebaut werdet zu einer Behausung Gottes im Geist.« (Epheser 2,20-22; Elb.CSV)
Das im Altgriechischen verwendete Wort hat die Grundbedeutung von "ein Haus bauen" und wird z.B. auch in Matthäus 7,24 verwendet: »Jeder nun, der irgend diese meine Worte hört und sie tut, den werde ich mit einem klugen Mann vergleichen, der sein Haus auf den Felsen baute;« (Elb.CSV).
Da die Grundlage der Apostel und Propheten in der Zeit der Urgemeinde gelegt wurde und im Abschluss des biblischen Kanons ihre Vollendung fand, ging auch das Amt des Apostels zu Ende. Gleichwohl gibt es auch heute noch Gaben, d.h. geistliche Fähigkeiten, wie die von Evangelisten, Hirten oder Lehrern, die für den ganzen Leib Christi gegeben werden.

Wenn wir über Auferbauung nachdenken, müssen wir unbedingt die Verbundenheit mit dem Herrn Jesus festhalten.
»Wie ihr nun den Christus Jesus, den Herrn, empfangen habt, so wandelt in ihm, gewurzelt und auferbaut in ihm und befestigt in dem Glauben, so wie ihr gelehrt worden seid, überströmend darin mit Danksagung.« (Kolosser 2,6-7; Elb.CSV).

Erbauung führt über den Weg des geistlichen Wachstums zu geistlicher Reife. Darin sollen wir einander Hilfe sein: »Deshalb ermuntert einander und erbaut einer den anderen, wie ihr auch tut.« (1. Thessalonicher 5,11; Elb.CSV). Es ist ein gemeinsames Bauen, denn da ist ein Leib, die Versammlung. Jedes gesunde Streben nach persönlicher Erbauung, schließt letztlich den Dienst an den Geschwistern wieder mit ein; alles zur Ehre Gottes zu tun (vgl. 1. Kor. 10,31b).

Solange wir auf dieser Erde sind haben wir die Verantwortung zu "(er)bauen", was Einsatz, Energie, Zeit und Arbeit kostet. Wir sind aufgefordert mit "Gold, Silber, wertvollen Steinen" (s. 1. Kor. 3,12) zu bauen, Bilder für die Gerechtigkeit Gottes, die Erlösung die uns zuteil wurde und die Herrlichkeiten in Christus. Und doch hängt die Vollendung des Baus nicht von uns ab. Es ist Gottes Gnade, die uns Teilhaber sein lässt, da Er Seine Gemeinde baut; es gibt kein Bauen ohne Ihn. Und alles was ohne ihn getan wird, muss vergehen, ist auf "Holz, Heu und Stroh" (ebd.) gebaut und damit vergänglich.

Zu den Gaben die für die Erbauung des Leibes gegeben werden schreibt Paulus einmal: »Was aber die geistlichen Gaben betrifft, Brüder, so will ich nicht, dass ihr unwissend seid.« (1. Korinther 12,1; Elb.CSV). Eine dieser Gaben die heute wenig gesehen und wertgeschätzt wird ist die Gabe der Ermahnung: »Da wir aber verschiedene Gnadengaben haben, nach der uns verliehenen Gnade:« ... » es sei, der ermahnt, in der Ermahnung« (Römer 12,6a+8a; Elb.CSV). Ich schreibe dies, weil ich dabei an Paulus denke, der berichtet:
»Als aber Kephas nach Antiochien kam, widerstand ich ihm ins Angesicht, weil er dem Urteil verfallen war. Denn bevor einige von Jakobus kamen, hatte er mit denen aus den Nationen gegessen; als sie aber kamen, zog er sich zurück und sonderte sich ab, da er sich vor denen aus der Beschneidung fürchtete. Und mit ihm heuchelten auch die übrigen Juden, so dass selbst Barnabas durch ihre Heuchelei mit fortgerissen wurde. Aber als ich sah, dass sie nicht den geraden Weg nach der Wahrheit des Evangeliums wandelten, sprach ich zu Kephas vor allen: Wenn du, der du ein Jude bist, wie die Nationen lebst und nicht wie die Juden, wie zwingst du denn die Nationen, jüdisch zu leben?« (Galater 4,11-14; Elb.CSV).
Die Erbauung des Leibes der Gemeinde war die Folge der Ermahnung von Paulus gegenüber Petrus (Kephas) seinen falschen Weg zu verlassen - vor allen, weil die Gefahr bestand, dass er noch weitere, wie es bei Barnabas geschehen war, mit sich fortreißen würde. Die Erbauung bestand nicht vorangig aus der Ermahnung selbst, wohl aber aus der notwendigen Erkenntnis den geraden Weg nach der Wahrheit des Evangeliums verlassen zu haben und der Rückkehr auf den geraden Weg. Gleichzeitig bestand die Erbauung aber auch darin, die Gemeinde davor zu bewahren einen falschen Weg mitzugehen, ihr zu verstehen zu geben, warum Petrus Verhalten Heuchelei war. Gott hat aus Juden-Christen und Heiden-Christen die eine Versammlung gebildet. Das Verständnis dafür und die praktischen Konsequenzen die sich daraus ergeben, sollte die Gemeinde prägen, nämlich das die Gemeinde kein "christianisiertes Judentum" ist, dem die Beschränkungen des Judentums aufzuerlegen sind: »Denn er ist unser Friede, der aus beiden eins gemacht und abgebrochen hat die Zwischenwand der Umzäunung, nachdem er in seinem Fleisch die Feindschaft, das Gesetz der Gebote in Satzungen, weggetan hatte, damit er die zwei, Frieden stiftend, in sich selbst zu einem neuen Menschen schüfe« (Epheser 2,14-15; Elb.CSV) / »Für die Freiheit hat Christus uns freigemacht; steht nun fest und lasst euch nicht wieder unter einem Joch der Knechtschaft halten.« (Galater 5,1; Elb.CSV).


Wenn wir uns also fragen, warum Gemeinden heute vielfach in einem unguten, ungeistlichen Zustand sind, dann ist eine Antwort sicherlich wegen der falschen und oberflächlichen Lehre über Erbauung. Da ist eine Unwissenheit über das Wesen Gottes, sein Wort, den Charakter der Versammlung und letztlich auch über die geistlichen Gaben. Wahrhaftige biblische Erbauung wird preisgegeben zugunsten einer Pseudo-Erbauung, die den Charakter dessen trägt was Paulus an Timotheus schreibt - »Denn es wird eine Zeit sein, da sie die gesunde Lehre nicht ertragen werden, sondern nach ihren eigenen Begierden sich selbst Lehrer aufhäufen werden, indem es ihnen in den Ohren kitzelt;« (2. Timotheus 4,3; Elb.CSV) - weil man sich dabei wohlfühlt.

Bleiben wir bei dem Wort Gottes (siehe 2. Timotheus 3,16), in gegenseitigem Dienst (siehe Epheser 4,11-16) und gegründet im Glauben (siehe Judas 1,20), auch dann das Beste, die Erbauung der Geschwister suchend, wenn es mit Schwierigkeiten verbunden ist (vgl. Apg. 20,31). Das schließt auch mit ein, selbst Korrektur durch gottgegebene Erkenntnis anzunehmen und dort wo es sein darf anderen eine Hilfe zu sein, »so sucht, dass ihr überströmend seid zur Erbauung der Versammlung.« (1. Korinther 14,12b; Elb.CSV).

Sonntag, 22. Juli 2012

Abigail, Aksa und andere Vorbilder

Nachdem wir in der Gemeinde am heutigen Tag einige Belehrungen zu 2. Könige 4,8-12 hören durften, liegt es mir am Herzen auf eine Sache hier einzugehen. Wir finden hohe Wahrheiten im Umgang der Frau mit Elisa, die wir auch auf den Umgang, den wir mit dem Herrn Jesus haben dürfen, anwenden dürfen. Ich will jedoch etwas Bescheideneres hier aufgreifen, da es meine vorangegangenen Einträge in wunderbarer Weise ergänzt.

Das Verhalten der Frau, wie wir es im erwähnten Bibeltext finden ist vorbildlich. Und so manches Mal zeigt uns die Heilige Schrift das überaus gesegnete Wirken einer Frau. Wie viele Frauen werden im Wort Gottes in bevorzugter Weise erwähnt, wobei wir von ihren Männern oft nur Randnotizen mitbekommen. (Aber seien wir gerecht: Wir finden natürlich auch ebensolch bevorzugte Männer).
Nehmen wir Abigail: »Und der Name des Mannes war Nabal, und der Name seiner Frau Abigail. Und die Frau war von guter Einsicht und schön von Gestalt; der Mann aber war hart und boshaft in seinen Handlungen, und er war ein Kalebiter.« (1. Samuel 25,3; Elb.CSV)
Ich bezweilfe das Nabal wusste was er an seiner Frau hatte. Und die weitere Geschichte zeigt uns sein unrühmliches Ende, über welchem hoch erhaben doch das einsichtsvolle Handeln seiner Frau steht. Sie vermochte David vor einem falschen Weg zu bewahren. Und David wusste sicherlich was er tat, als er nach dem Tod Nabals, um Abigail warb, um sie sich zur Frau zu nehmen.

Das bringt mich zu zwei weiteren Personen, die in der Schrift sehr positiv erwähnt werden.
»Und Kaleb sprach: Wer Kirjat-Sepher schlägt und es einnimmt, dem gebe ich meine Tochter Aksa zur Frau. Da nahm es Othniel ein, der Sohn des Kenas, ein Bruder Kalebs; und er gab ihm seine Tochter Aksa zur Frau. Und es geschah, als sie einzog, da trieb sie ihn an, ein Feld von ihrem Vater zu fordern. Und sie sprang vom Esel herab. Und Kaleb sprach zu ihr: Was hast du? Und sie sprach: Gib mir einen Segen; denn ein Mittagsland hast du mir gegeben, so gib mir auch Wasserquellen! Da gab er ihr die oberen Quellen und die unteren Quellen.« (Josua 15,16; Elb.CSV)
Durch Glauben hatte Othniel Kirjat-Sepher geschlagen und Aksa durch Glauben ein weiteres Stück des Landes Kanaan erworben. Sie war darin dem Vorbild ihres Vaters gefolgt, der zu Josua gesagt hatte: »Und nun gib mir dieses Gebirge, von dem der HERR an jenem Tag geredet hat; denn du hast an jenem Tag gehört, dass die Enakim dort sind und große, feste Städte. Vielleicht ist der HERR mit mir, dass ich sie vertreibe, so wie der HERR geredet hat.« (Josua 14,12; Elb.CSV). Wir dürfen daher gewiss sein, das Kaleb seiner Tochter und seinem Schwiegersohn gerne von dem Land gab.

Für uns hat dies alles eine geistliche Bedeutung, darf „Kanaan“ ein Bild sein für den geistlichen Reichtum, den wir in den himmlischen Örtern besitzen dürfen (siehe Epheser 4,22-24). Wohl dem Mann, der wie Othniel eine Frau sein Eigen nennen darf, die sich nach diesen geistlichen Reichtümern ausstreckt, um sie in dem gemeinsamen Wandel auf dieser Erde zu genießen.

Was ist mit Sara? Wir hatten an anderer Stelle von „dem verborgenen Mensch des Herzens in dem unvergänglichen Schmuck des sanften und stillen Geistes, der vor Gott sehr kostbar ist“ gehört. Und genau an der Stelle fährt die Bibel fort: »Denn so schmückten sich einst auch die heiligen Frauen, die ihre Hoffnung auf Gott setzten und sich ihren eigenen Männern unterordneten: wie Sara dem Abraham gehorchte und ihn Herr nannte, deren Kinder ihr geworden seid, wenn ihr Gutes tut und keinerlei Schrecken fürchtet.« (1. Petrus 3,5-6; Elb.CSV)
Ich möchte so manche Schwester hier einmal fragen, ob Sara für sie ein Vorbild ist? Die heiligen Frauen des alten Bundes, die uns hier vor Augen gestellt werden? Sie sollten es sein, denn die Schrift benennt sie als solche! Es besteht ein großer Unterschied zwischen einer Frau „von guter Einsicht“ und einer vorlauten, besserwisserischen Frau. Davon sprechen auch die Sprüche sehr deutlich:
»Eine tüchtige Frau ist ihres Mannes Krone, aber wie Fäulnis in seinen Gebeinen ist eine schändliche.« (Sprüche 12,4; Elb.CSV)
»Besser ist es, auf einer Dachecke zu wohnen, als eine zänkische Frau und ein gemeinsames Haus.« (Sprüche 21,9; Elb.CSV)
(siehe auch: Sprüche 21,19 + 25,24 + 27,15)
»Unter dreien erzittert die Erde, und unter vieren kann sie es nicht aushalten: … unter einer unleidlichen Frau, wenn sie geheiratet wird.« (Sprüche 30,21+23a; Elb.CSV)
Dann aber auch: »Eine tüchtige Frau, wer wird sie finden? Denn ihr Wert steht weit über Korallen.« (Sprüche 31,10; Elb.CSV)
Den extremsten Gegenentwurf, zu den Beispielen an geistlichen Frauen die wir hier betrachtet haben, finden wir wohl in Isebel, der Frau Ahabs, die das Böse in ihrem Mann fortwährend förderte und dazu ihre weibliche Stellung missachtete. (vgl. 1. Könige 21,25).

Was lernen wir also? Es gibt wunderbare Frauen unter den Gläubigen, die Gottes Willen folgend – gemäß ihrer Stellung – ihren Dienst tun und (sofern verheiratet) ihren Männern eine wirkliche Hilfe sind. Ein vernünftiger Mann wird – wie David – bereit sein auf den Rat einer Frau von guter Einsicht zu hören.

Es gibt aber auch abartige Abweichungen von Gottes Ordnungen, resultierend sowohl aus mangelndem Verständnis, als auch manches Mal aus offener Rebellion (Und zwar nicht nur bei Ungläubigen!).

Das Wort Gottes lässt uns darüber nicht im Unklaren, das dem Weg der Treue und des Gehorsams auch der Weg der Untreue und des Ungehorsams gegenübersteht. Welchem Weg wollen wir folgen?

Mittwoch, 18. Juli 2012

Lese-Tagebuch - Eintrag 11 (Teil 2/2)

Buch: Das Jungfrauenleben im Lichte des Evangeliums
Autor: Elias Schrenk (1831 – 1913)

Bevor ich die Betrachtung des Buches von Elias Schrenk fortführe, möchte ich eine andere Sache ansprechen. Wer diesen Blog aufmerksam verfolgt wird einige wiederkehrende Themen erkennen können: Der stetige Niedergang der allgemeinen Christenheit in geistlicher und sittlicher Weise, bis hin zum eigenen Versagen von welchem auch der Autor dieser Zeilen nicht frei ist. Nun, gibt es denn gar keinen Sieg im Glaubensleben? Doch! Und er sollte sogar der Normalfall sein.

Die Heilige Schrift führt aus, das unser Glaubensleben ein wachstümlicher Prozess ist. Sie nennt Kinder, Jünglinge und Väter im Glauben. Und dergestalt sollen wir heranreifen. Den Jünglingen im Glauben weiß der Apostel Johannes zu schreiben:
»Ich schreibe euch, Jünglinge, weil ihr den Bösen überwunden habt.« … »Ich habe euch, Jünglinge, geschrieben, weil ihr stark seid und das Wort Gottes in euch bleibt und ihr den Bösen überwunden habt.« (1. Johannes 2,13b+14b; Elb.CSV)
Worin besteht nun die Gefahr, vor was muss Johannes sie warnen? Da ist Sieg, da ist Stärke, das bleibende Gotteswort! Wo also hat der Feind seine Angriffsfläche?
»Liebt nicht die Welt noch was in der Welt ist. Wenn jemand die Welt liebt, so ist die Liebe des Vaters nicht in ihm; denn alles, was in der Welt ist, die Lust des Fleisches und die Lust der Augen und der Hochmut des Lebens, ist nicht von dem Vater, sondern ist von der Welt.« (1. Johannes 2,15-16; Elb.CSV)
Dann, wenn Sieg und Stärke da sind und ein junger Gläubiger sich unbesiegbar wähnt, lockt Satan mit der Welt. Die Lust des Fleisches, der Augen und der Hochmut des Lebens sollen vor unsere Blicke gestellt werden und uns von echter Christusnachfolge abziehen. So manches einst blühende Glaubensleben welkte dahin, weil man einem solchen zerstörerischen Ruf nachgab. Gibt es nun keine Hoffnung mehr? Doch! Und darum schreibe ich auch über Buße – den Weg zu ändern, auszurichten an den Wegen von denen Gott will das wir sie gehen.

Jemand hat einmal gesagt: „Fallen ist menschlich, liegen blieben ist teuflisch, wieder aufstehen ist göttlich“. Jakobus wusste: »denn wir alle straucheln oft.« (Jakobus 3,2; Elb.CSV)
David ist aufgestanden, nach seinem schrecklichen Ehebruch. Petrus ist aufgestanden, nachdem er den Herrn im Hof des Hohepriesters mehrmals verleugnet hatte. Und wenn ich den Gläubigen mit meinen Ausführungen eines zurufen will, dann dies endlich aufzustehen. Der Ruf des Herrn an Petrus sollte auch unsere Herzen aufrütteln: »Folge du mir nach!« (s. Johannes 21,22)

Elias Schrenk führt im Abschnitt Die Tochter als Jungfrau weiter aus:
„Wahrhaft christliche Eltern liegt die Tochter in den Jahren ihres Jungfrauenstandes ganz besonders am Herzen, da diese Zeit so viele Versuchungen bringt, und die Entwicklung der Tochter in jenen Jahren für Zeit und Ewigkeit so wichtig ist.“ (Schrenk, Seite 20)
„Lasst die Liebe Jesu einziehen in eure Herzen, statt all der verderblichen Lüste, die euch nichts geben können, als Täuschung, Elend und Jammer. Seid und bleibet einfach und demütig und lernet die Freuden kennen, die ewiglich bleiben, die nur Jesus euch geben kann; sie allein machen euch wahrhaft glücklich.“ (ebd., Seite 24)
„Willst du etwas rechtes lernen im Leben, so lerne dich demütigen und lass dir etwas gefallen, und du selbst wirst den größten Gewinn davon haben. Wer bald meint, er wisse alles, ist hochmütig und dumm.“ (ebd., Seite 28)
„Die Welt liegt im Argen; wie kannst du sie überwinden, so lange du nicht als arme Sünderin im Glauben an Jesum stehst? Nur der Glaube eines gedemütigten Menschen, der nicht mehr auf eigene Kraft vertraut, sondern ganz auf Jesum Christum, überwindet die Welt, weil die Liebe Jesu seine Macht ist.
Für diese Liebe ist unser Herz geschaffen. Der Mensch muss etwas lieben, er kann nicht anders. Besonders im Herzen der Tochter ist ein tiefes Bedürfnis für Liebe. So lange Jesu Liebe ihr nicht das Höchste ist, so lange hat ihr Herz nicht den rechten Angelpunkt gefunden und schwebt in beständiger Gefahr, sich an etwas hinzugeben, was Herz und Gemüt nicht stillen kann. Was soll denn das Jagen nach allen möglichen Vergnügungen bezwecken? Das arme Menschenherz fühlt eine tiefe Leere, die man mit Dunst ausfüllen möchte, und doch kann nur Jesu Liebe sie ausfüllen, alles andere hilft nicht.“ (ebd., Seite 30)
Bruder Schrenk macht weitere Ausführungen, u.a. über das Diakonissenwesen, die ich hier nicht darlegen will. Manches mag sich strukturell verändert haben. Vor allem aber glaube ich, das der Begriff „Diakonie“ zu sehr eingeengt wurde. Es ist der allgemeine Begriff für „Dienst“ im Neuen Testament (neben anderen, teils spezielleren wie leitourgia oder im Verb vorkommend douleuō). Man hat hier eine Art von Dienst herausgegriffen und – wie ich meine unbeabsichtigt – mit der Zeit über andere erhoben. Es gibt viele vorzügliche Wege für eine junge Frau (und für einen jungen Mann) den Geschwistern, den Mitmenschen – wem auch immer und wo auch immer uns Gott hingestellt hat – zu dienen.

Vor allem aber - und das sollte doch deutlich geworden sein - stellt sich die Frage danach ob unsere Gesinnung nur der Ausdruck unseres eigenen, so oft fehlgeleiteten Herzens ist oder wahrhaft die Züge dessen trägt, der uns als Herr vorangegangen ist. Damit lasst mich schließen: »Denn diese Gesinnung sei in euch, die auch in Christus Jesus war,« (Philipper 2,5; Elb.CSV). Lies doch einmal diesen ganzen Abschnitt im 2. Kapitel des Briefs an die Philipper, um Seine Gesinnung ein wenig besser zu verstehen. »Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ein Knecht ist nicht größer als sein Herr, noch ein Gesandter größer als der, der ihn gesandt hat.« (Johannes 13,16; Elb.CSV)

Mittwoch, 4. Juli 2012

Selbstlose Liebe - Teil 1

Wir haben in den letzten Ausführungen etwas über die Verbindung zwischen Christus und Seiner Gemeinde gehört, über die Ehe als Abbild dieser Wahrheit und schließlich einige Gedanken zu unerwiderter Liebe gesehen.

All dies setzt eine Liebe voraus, die von der Schrift als Agape bezeichnet wird; Die selbstlose Liebe mit der Christus Seine Gemeinde geliebt hat und liebt! Den Ehemännern wird geschrieben:
»Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch der Christus die Versammlung geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat,« (Epheser 5,25; Elb.CSV)
»Ihr Männer ebenso, wohnt bei ihnen nach Erkenntnis als bei einem schwächeren Gefäß, dem weiblichen, ihnen Ehre gebend als solchen, die auch Miterben der Gnade des Lebens sind, damit eure Gebete nicht verhindert werden.« (1. Petrus 3,7; Elb.CSV)
Viele scheinen diese Anweisungen erst dann zu entdecken, wenn sie schon längst verheiratet sind. Dabei haben sie uns auch für die Partnersuche viel zu sagen. Für wen bin ich als Mann wirklich bereit mich in dieser liebevollen Art und Weise aufzuopfern? Als schwächerem Gefäß die Ehre zu geben, bereit auch auf ihre emotionalen Bedürfnisse einzugehen?

Und was sind die Motive eine Frau zu ehelichen, wenn die grundsätzliche Bereitschaft zu dem, wozu die Bibel auffordert, nicht – oder nur eingeschränkt – vorhanden ist? Wenn sich alles nur darum dreht, was ich will und was ich kriege und danach meine Checkliste abarbeite. Klingt das zu hart? Wachen Sie auf, nicht immer sind die Motive so geistlich, wie sie nach außen hin präsentiert werden. Hinter manch frommer Fassade regieren die Begierden des eigenen Herzens, bis hin zur Verdrehung der Schrift.

Nun, »der Christus hat die Versammlung geliebt und sich selbst für sie hingegeben«. Dies ist die Grundlage für die Liebe zu den Geschwistern; das Beste für den anderen zu suchen – und nicht für sich selbst. Weil die göttliche Liebe sich in unseren Herzen entfalten darf. Und die Kosten dafür können hoch sein, sowohl für uns selbst, wie auch für den Anderen. Den es bedeutet auch aufeinander Acht zu geben, einen Bruder oder eine Schwester nicht sehenden Auges in falsch eingeschlagene Richtungen laufen zu lassen. Paulus tat einen solchen Dienst:
»Denkt daran, dass ich drei Jahre lang Nacht und Tag nicht aufgehört habe, einen jeden mit Tränen zu ermahnen.« (Apostelgeschichte 20,31b; Elb.CSV).

Doch greifen wir vorerst noch einmal den Gedanken der unerwiderten Liebe auf. Meine ich also, dass dies ohne Schmerz zu bewältigen ist? Nein! Ich meine einfach, das ein Unterschied besteht zwischen innerem Schmerz den wir aus echter Liebe bereit sind zu ertragen und Schmerz, der aus einem verletzten Ego heraus unser Innerstes zerfrisst. Und vielleicht lässt sich daran am Besten erkennen, ob eine Liebe tatsächlich echt war.

Es gibt eine gleichermaßen schreckliche, wie warnende Geschichte in der Schrift. Amnon, ein Sohn Davids, liebte seine Schwester Tamar. Und wo es zuerst hieß: »Es war in den Augen Amnons unmöglich, ihr das Geringste zu tun.« (2. Samuel 13,2b; Elb.CSV). Dort heißt es wenig später: »Und Amnon hasste sie mit sehr großem Hass; denn der Hass, mit dem er sie hasste, war größer als die Liebe, mit der er sie geliebt hatte.« (2. Samuel 13,15a; Elb.CSV). Dazwischen lesen wir, wie er auf den Rat eines üblen Freundes hin, dazu kam sie zu vergewaltigen.

Das mag ein sehr extremes Beispiel sein, aber es zeigt doch, wie zerstörerisch Begierde sein kann, wenn der Deckmantel der vorgeblichen Liebe fällt. Wie anders ist die göttliche Liebe, von der wir schon sprachen und von der wir nur ein wenig sehen wollen:
»Die Liebe« … »sie gebärdet sich nicht unanständig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu,« (1. Korinther 13,4; Elb.CSV).

„Sie sucht nicht das Ihre“, „sie lässt sich nicht erbittern“. Wenn uns diese Liebe - auch in der Partnersuche - antreibt, dann lasst uns dem Herrn dafür danken. Und wenn nicht, so bitten wir Ihn doch darum, das sich diese Liebe in unserem Herzen entfalten darf.

Im zweiten Teil werden wir die Themen „Ehe“, „Ehevorbereitung“ verlassen, um noch einige allgemeine Gedanken zu dieser Liebe (Agape) zu betrachten. Und um den Bereich der Gemeinde in diesem Zusammenhang noch etwas näher zu beleuchten.

Sonntag, 1. Juli 2012

Unerwiderte Liebe

Wir Menschen sehen die Dinge gerne aus unserer Perspektive, alles muss sich um uns drehen. Doch wem ist mehr unerwiderte Liebe begegnet, als dem Herrn Jesus? Als Er auf dieser Erde war, um den Menschen die Liebe des Vaters zu zeigen, erfuhr Er die Ablehnung Seiner Geschöpfe. »Wenn ich nicht die Werke unter ihnen getan hätte, die kein anderer getan hat, so hätten sie keine Sünde; jetzt aber haben sie gesehen und doch gehasst sowohl mich als auch meinen Vater.« (Johannes 15,24; Elb.CSV)

Er konnte sagen, dass die Zurückweisung Seiner Liebe Sünde ist. Das kann keiner von uns. Im Gegenteil leben wir in der Gnadenzeit, der Zeit der christlichen Freiheit. Ein Bruder schrieb mir einmal: „im Rahmen dessen, was nach der Bibel richtig ist“ … „kann jeder“ … „ja oder nein sagen“.

Ein weltliches Sprichwort sagt: »Die Liebe, die am längsten währt, ist die unerwiderte Liebe«. Es scheint uns schwerzufallen solche Enttäuschungen zu akzeptieren. Die Täuschung weicht der Realität. Und eigentlich sollten wir darüber dankbar sein, aber stattdessen ziehen wir uns allzu oft beleidigt zurück, gekränkt, allein gelassen. Kann daraus etwas Gutes erwachsen?

Das Hohelied kennt den Ausdruck „krank vor Liebe“ (Hohelied 2,5 und 5,8), aber es drückt die Sehnsucht der Braut nach ihrem Geliebten aus (die auch erwidert wird!). Und in einem erweiterten, prophetischen Sinn die Sehnsucht des jüdischen Überrests der Drangsalszeit nach der Person des kommenden Messias.
Kehren wir zurück zu dem, was uns als Menschen in praktischer Beziehung geschehen mag und fragen wir auch hier: Was kann Gutes erwachsen aus einer anhaltenden Sehnsucht, deren Gegenüber nicht gewillt ist diese jemals zu erfüllen? Sind nicht Leid und Tränen, Qual und Schmerzen alles was wir dauerhaft ernten werden? [Auch wenn diese Gefühle selbstverständlich für eine gewisse Zeit und in einem gewissen Umfang nur normal sind. Es geht hier um das "darüber hinaus"!]

Betrachten wir nun noch einmal die christliche Freiheit von ihrer anderen Seite. „Im Rahmen dessen, was nach der Bibel richtig ist“, darf natürlich auch eine Ehe angestrebt werden, indem man zu ergründen versucht was eine andere Person für einen empfindet.
Paulus wusste einmal – wenn auch in anderem Zusammenhang – zu sagen: »Denn ich bin mir selbst nichts bewusst, aber dadurch bin ich nicht gerechtfertigt. Der mich aber beurteilt, ist der Herr.« (1. Korinther 4,4; Elb.CSV).
Wir können durchaus in der Situation stehen, das die Beweggründe unseres Herzens lauter sind und wir uns keiner falschen, egoistischen oder fleischlichen Motive bewusst sind. Und trotzdem wird die Liebe die wir empfinden – und die uns aufrichtiger als alles andere scheint – nicht erwidert. Lieber Freund, danke dem Herrn, wenn vor Ihm alles in einer guten Ordnung und einer guten Gesinnung geschehen ist. Und vertraue darauf das Gott in Seinen Regierungs- und Erziehungswegen mit Dir als ein liebender, himmlischer Vater handelt.

Aber auch diesen Punkt müssen wir beachten: Wir waren uns zwar nichts bewusst, aber es war doch etwas vorhanden, was dem entgegenstand das Gott seinen Segen auf eine Sache legen konnte. „Der mich aber beurteilt, ist der Herr“. Sollte uns das nicht immer wieder auch danach fragen lassen, wo wir geistlich stehen und was uns zu bestimmten Handlungen veranlasst (hat)? »Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne meine Gedanken!« (Psalm 139,23; Elb.CSV).
Und wenn wir dann erkennen dürfen, das tatsächlich vor ihm alles in einer guten Ordnung und einer guten Gesinnung geschehen ist, dann dürfen wir darüber einen tiefen Frieden haben. Wo sich aber etwas anderes zeigt, lasst uns Buße tun.

Der Apostel Paulus, welcher vieles zu erdulden hatte und schwere Wege von Gott geführt wurde, bezeugte einmal: »Groß ist meine Freimütigkeit euch gegenüber, groß mein Rühmen euretwegen; ich bin mit Trost erfüllt, ich bin ganz überströmend in der Freude bei all unserer Bedrängnis.« (2. Korinther 7,4; Elb.CSV).
Die Umstände des Lebens in die er hineingeführt worden ist, haben nicht dazu geführt das er voller Frustration, Hader oder Verzagtheit gewesen wäre. Ist es nicht so, dass »der Vater der Erbarmungen und Gott allen Trostes« (vgl. 2. Korinther 1,3) auch unserer Not begegnen will? Vertrauen wir doch mehr darauf, das es so ist, dann werden wir verstehen was es bedeutet „ganz überströmend in der Freude bei all unserer Bedrängnis“ zu sein. Der Apostel Paulus war es aufgrund der Geschwister (vgl. auch 1. Thessalonicher 3,7)! Wie wunderbar und segensreich ist doch eine von Gott gegebene Gemeinschaft, als Mittel zum Trost!

Ein alter Ausspruch besagt: „Menschen können enttäuschen*, aber Christus nie!“
Und von den Jüngern heißt es einmal: »Als sie aber ihre Augen erhoben, sahen sie niemand als Jesus allein.« (Matthäus 17,8; Elb.CSV).

* Wir sind in unserem Fall davon ausgegangen, das wir uns getäuscht haben und die verursachte Enttäuschung im Rahmen der christlichen Freiheit legitim ist. Es ist also keine Anklage, wenngleich ich auch diese letzte Sache noch deutlich sagen will: Auch für die Beweggründe und die Gesinnung die dazu führen eine Liebe nicht zu erwidern gilt, das derjenige der aber beurteilt, der Herr ist.

Freitag, 29. Juni 2012

Der Christus und Seine Gemeinde

Die Ehe gehört zu den wohl denkwürdigsten Bildern, die wir in der Schrift finden; und sie soll nach Gottes Willen auf die Verbindung zwischen dem Herrn Jesus Christus und Seiner Gemeinde gleichnishaft hindeuten. Die geistlichen Prinzipien die in Verbindung mit der Gemeinde stehen und eben zum Teil auch so in der Ehe wiedergefunden werden sollen, werden oft nicht verstanden. Und noch weniger finden sie Anwendung. Dies mag sowohl den traurigen Zustand vieler Gemeinden, wie auch vieler Ehen erklären.

Betrachten wir deshalb zwei Stellen aus dem Wort Gottes in dieser Hinsicht:
»Und Gott der HERR sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht.« (1. Mose 2,18; Elb.CSV)
»Denn der Mann ist nicht von der Frau, sondern die Frau vom Mann; denn der Mann wurde auch nicht um der Frau willen geschaffen, sondern die Frau um des Mannes willen.« (1. Korinther 11,8-9; Elb.CSV)
Das diese göttlichen Wahrheiten in der Welt keinen Platz zugewiesen bekommen ist verständlich. Denn: »Der natürliche Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt wird;« (1. Korinther 2,14; Elb.CSV).

Leider haben darüber hinaus aber auch viele wahrhaftige Christen ihre Orientierung verloren. Das Aufbegehren der Geschlechter gegen die natürliche Ordnung, setzt sich in der Gemeinde fort. Dort wo der Herr Jesus Haupt sein soll, inmitten seiner Gemeinde, steht Er vor der Tür (vgl. die Gemeinde in Laodizea in Offenbarung 3,20). Und dort wo die Ehe ein Bild auf die Verbindung von Christus zu Seiner Gemeinde sein soll, wird die Hauptschaft des Mannes verächtlich gemacht.

Wir finden im ersten Brief an die Korinther einmal eine interessante Charakterisierung des Wesens Gottes: »Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens, wie in allen Versammlungen der Heiligen.« (1. Korinther 14,33; Elb.CSV).
Unordnung hat keinen Platz in der Gemeinde und auch nicht in der Ehe. Dort wo der durch Gott geschenkte Friede herrschen darf, gemäß Seinen Ordnungen, darf Sein Wesen widergespiegelt werden. Das ist etwas Gewaltiges, wenn wir auch nur einen Augenblick ehrlich darüber nachsinnen.

Wie viele Ehen werden wohl eingegangen mit dem aufrichtigen Wunsch im Herzen, diesem Bild von Christus und Seiner Gemeinde Ehre zu bereiten? Dort wo sich die Seinen zu Seinem Namen hin versammeln, tun sie es als Glieder verbunden mit dem Herrn Jesus Christus als Haupt. Aber dort, wo dies nicht mehr der Fall ist, eine Gemeinde in der Praxis autonom gegenüber dem Haupt handeln will, herrschen Unordnung und eigene von Menschen gemachte Satzungen (vgl. Kolosser 2,20) und Ideologien.

Dort wo die Schrift der Frau sagt, sie sei „um des Mannes willen“, sagt sie dem Mann, das es nicht gut sei „das der Mensch (eigentlich: „Adam“) allein sei“. Einige haben die Gnadengabe der Ehelosigkeit (wie Paulus in 1. Korinther 7 bezeugt), andere sind unfähig eine Ehe einzugehen (s. Matthäus 19,12) und wieder andere würden gerne heiraten, ohne die Möglichkeit hierzu zu haben. Und doch sollten wir davon ausgehen, das der normale Weg für einen Mann und für eine Frau - auf die obige Sonderfälle nicht zutreffen - die Ehe sein wird. Dies ist auch die Erwartung, die Hoffnung und die Freude des Autors dieser Zeilen.

Wollen wir doch danach trachten, den Ratschluss Gottes in Bezug auf Seine Gemeinde und in Bezug auf das was Er durch die Ehe ausdrücken und geben will, besser zu verstehen. Und wo uns Weisheit mangelt, will Er sie uns gerne geben: »Wenn aber jemand von euch Weisheit mangelt, so erbitte er sie von Gott, der allen willig gibt und nichts vorwirft, und sie wird ihm gegeben werden.« (Jakobus 1,5; Elb.CSV). Wie anders sollte eine Gemeinde oder eine Ehe denn gesegnet werden, als allein durch Gott? Er hat seinen Platz nicht vor der Tür, sondern inmitten Seiner Gemeinde; und möge dies doch auch in den Ehen genauso bildhaft dargestellt werden.

Montag, 11. Juli 2011

David und Achan

Es ist naheliegend und schon oft wurde die Buße der Könige David und Saul miteinander verglichen. Beide könnten unterschiedlicher nicht sein; eine echt, die andere nicht. Beide hatten gegen Gott gesündigt und waren durch Propheten zur Buße gerufen worden. Durch Propheten – d.h. Gott redete nicht mehr direkt zu ihnen selbst. In einen solchen Zustand können auch wir fallen, das Gott nur noch durch andere zu uns reden wird.

Hier aber soll es nun um Achan gehen. Auch er hatte gegen Gott gesündigt. Bei David waren es Ehebruch und Mord gewesen (um nur zwei Dinge aus einer langen Kette an Sünden herauszugreifen. Achan verstieß gegen ein ausdrückliches Gebot Gottes und behielt beim Fall Jerichos etwas von dem Verbannten zurück.
Auf die weiteren Umstände und Hintergründe müssen wir hier nicht eingehen. Es ist viel wichtiger zu wissen, dass es für Davids Sünde nach dem mosaischen Gesetz kein Opfer mehr gab, das er hätte bringen können für seine Schuld. Als Strafe für sein Vergehen war der Tod gesetzt. Wie Achan, der gesteinigt wurde, hätte er getötet werden müssen – und doch wird ihm Vergebung zuteil.

Wir fragen uns zweifellos, warum dem einen vergeben wurde und dem anderen nicht. Ein Bruder schreibt zu Achan: »Aber Jehova* nahm dies Bekenntnis nicht an, das nur deshalb zustande gekommen war, weil Leugnen zwecklos geworden war.« [1] [* oder Jahwe]
Aber war dies bei David wirklich anders? War es nicht Nathan, der vor den König trat und dessen Sünde ans Licht brachte – ebenso wie Josua es bei Achan getan hatte? Und nachdem Nathan ihm das Gericht Gottes angekündigt hatte…
»Da sprach David zu Nathan: Ich habe gegen den HERRN gesündigt. Und Nathan sprach zu David: So hat auch der HERR deine Sünde weggetan, du wirst nicht sterben.« (2 Samuel 12,13; ElbCSV)
Achan hatte gesagt:
»Und Achan antwortete Josua und sprach: Ja, ich habe gegen den HERRN, den Gott Israels, gesündigt, und so und so habe ich getan: Ich sah unter der Beute einen schönen Mantel aus Sinear und 200 Sekel Silber und eine goldene Stange, 50 Sekel ihr Gewicht, und mich gelüstete danach, und ich nahm sie; und siehe, sie sind im Innern meines Zeltes in der Erde vergraben, und das Silber darunter.« (Josua 7,20-21; ElbCSV)
Es ist sicherlich wahr, das Gott Achans Bekenntnis nicht angenommen hat. Aber wir müssen uns durchaus fragen, warum dies so ist! Wir wissen, das David ein tiefes Empfinden über seine Sünde hatte (s. Psalm 51). Seine Buße war zweifelsfrei echt, weshalb Gott sie angenommen hat.

Es ist eigentlich nur ein Wort, an dem wir Achans Herzensstellung – und Weigerung zur echten Buße erkennen – das Wort „schön“. Er empfand keinen Hass gegen die Sünde. In seinen Augen war es immer noch der „schöne Mantel“, nachdem er gelüstet hatte.

Die Bibel redet von der Sünde als Aussatz. Und wir wollen hierzu noch zwei Aussagen betrachten:
»Wenn aber der Aussatz in der Haut ausbricht und der Aussatz die ganze Haut dessen, der das Übel hat, bedeckt, von seinem Kopf bis zu seinen Füßen, wohin auch die Augen des Priesters blicken und der Priester besieht ihn, und siehe, der Aussatz hat sein ganzes Fleisch bedeckt, so soll er den, der das Übel hat, für rein erklären; hat es sich ganz in Weiß verwandelt, so ist er rein.« (3 Mose 13,12-13; ElbCSV)
Dort wo der Gläubige sich – wie David – in seiner ganzen Sündhaftigkeit erkannt hat und nichts vor Gott zurückhält, erfährt er die Vergebung der Gnade Gottes.
»An dem Tag aber, da wucherndes Fleisch an ihm gesehen wird, wird er unrein sein. Und sieht der Priester das wuchernde Fleisch, so soll er ihn für unrein erklären; das wuchernde Fleisch ist unrein: Es ist der Aussatz.« (3 Mose 13,14-15; ElbCSV)
Ja, Achan hatte die Sünde – im Bild gesprochen: den Aussatz – zugegeben. Aber immer noch zeigte sich „wucherndes Fleisch“. Nicht anders war es auch bei Saul. Nur wenn wir uns voller Aussatz erkennen und damit bußfertig vor Gott treten stehen wir in der richtigen Herzenshaltung vor Ihm. Dann dürfen wir auch die tröstende Zusage seines Wortes erkennen: »Wenn eure Sünden wie Scharlach sind, wie Schnee sollen sie weiß werden; wenn sie rot sind wie Karmesin, wie Wolle sollen sie werden.« (Jesaja 1,18b; ElbCSV)

Quellennachweis:
[1] Hendrik Leendert Heijkoop, Die Opfer, 1. CSV-Auflage 2011, CSV, Hückeswagen

Mittwoch, 6. Juli 2011

Weltliche Begierden verleugnen

»Denn die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend für alle Menschen, und unterweist uns, damit wir, die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden verleugnend, besonnen und gerecht und gottselig leben in dem jetzigen Zeitlauf,« (Titus 2,11-12; ElbCSV)

Wenn hier von weltlichen Begierden gesprochen wird, dürfen wir nicht ausschließlich an Unmoral oder In-Sich-Böses denken. An anderer Stelle im Neuen Testament wird der Begriff „epithymia“ durchaus positiv verwendet (z.B. Lukas 22,15 und 1 Thessalonicher 2,17). Wieder andere Stellen sprechen sehr eindeutig von einer „bösen Lust“ (s. Kolosser 3,5) oder „fleischlichen Lüsten“ (2. Petrus 2,18).

An dieser Stelle hier wird die Begierde (oder „Verlangen“, „Lust“) als weltlich gekennzeichnet. Sie umfasst alle unsere Begierden, die nicht im Einklang sind mit dem Willen Gottes für unser Leben. Das kann sehr weit gehen und sehr viel umfassen. Es kann der Wunsch nach Karriere sein, nach einem Ehepartner, der Wunsch nach Emanzipation (weg von Gott, weg von natürlichen Autoritäten, weg von der Schöpfungsordnung)… Alles, was nicht seine Ursache hat in Christus, sondern in unserem eigenen Herzen. So ehrbar und verständlich es vielleicht auch manchmal nach außen hin scheinen mag.

Manchmal handelt Gott dann nach den Wünschen unserer Herzen, um uns zu zeigen wie leer, eitel und vergeblich unsere Wünsche waren. So war es bei Israel, als sie Gott in der Wüste versuchten: »Da gab er ihnen ihr Begehr, aber er sandte Magerkeit in ihre Seelen.« (Psalm 106,16; ElbCSV). Und so war es, als sie einen König verlangten: »Und der HERR sprach zu Samuel: Höre auf die Stimme des Volkes in allem, was sie dir sagen; denn nicht dich haben sie verworfen, sondern mich haben sie verworfen, dass ich nicht König über sie sein soll.« (1. Samuel 8,7; ElbCSV)

Im Gleichnis vom verlorenen Sohn erhält dieser sein Erbe, reist außer Land vergeudet es und landet schließlich bei den Schweinen. »Und er begehrte seinen Bauch zu füllen mit den Futterpflanzen, die die Schweine fraßen; und niemand gab ihm.« (Lukas 15,16; ElbCSV). Seinem eigenen Willen zu folgen hatte ihn dahin gebracht, so freudig er wohl anfangs aufgebrochen war. Die Sünde hatte ihn betrogen. »Als er aber zu sich selbst kam, sprach er: …« (Vers 17a). Ja, da wurde er nüchtern in seinem Denken und erkannte die Magerkeit in seiner Seele und wohin auch ihn sein Begehren gebracht hatte.

Wenn wir dies bedenken, dann sollten wir beten lernen, den Herrn um Weisheit für die Entscheidungen in unserem Leben zu bitten. Auch das Er offenbar macht, wo wir die eigenen Wünsche Seinem Willen vorangestellt haben. Es ist nichts falsches daran, dies in kindlichem Vertrauen zu tun, sondern im Gegenteil was der Herr von uns erwartet, wie wir uns Ihm anvertrauen sollen. Mehr noch: Dort wo wir - wie der verlorene Sohn - einmal abgeirrt sind, dürfen wir zurückkehren (vgl. 1 Joh 1,5).

Mich hat einmal bewegt, was ein Bruder - wenn auch in anderem Zusammenhang - schrieb. Nämlich, dass wir in der Bibel aufgefordert werden "die richtigen Entscheidungen zu fällen, ohne sie aufzuschieben"! Wenn es "weltliche Begierden" in Ihrem, in Deinem Leben, gibt, die es zu verleugnen gibt, dann schiebe diese Entscheidung nicht auf.

Samstag, 2. Juli 2011

Erhörtes Gebet

In der Apostelgeschichte (2,42) werden vier Säulen genannt auf denen eine Gemeinde ruht. Eine davon ist das gemeinsame Gebet. Gleichzeitig ist das Gebet aber auch für jeden einzelnen Gläubigen ein Fundament seines Lebens mit Gott. An dieser Stelle sollen einige wenige Punkte genannt werden, die wiederum für ein lebendiges Gebetsleben nötig sind.

1. Wir dürfen auf den Herrn Jesus Christus vertrauen
»Und um was irgend ihr bitten werdet in meinem Namen, das werde ich tun, damit der Vater verherrlicht werde in dem Sohn. Wenn ihr um etwas bitten werdet in meinem Namen, werde ich es tun.« (Johannes 14,13; ElbCSV)
»Ihr habt nicht mich auserwählt, sondern ich habe euch auserwählt und euch dazu bestimmt, dass ihr hingehet und Frucht bringet und eure Frucht bleibe, damit, um was irgend ihr den Vater bitten werdet in meinem Namen, er euch gebe.« (Johannes 15,16; ElbCSV)

2. Wir dürfen im Glauben zu Ihm kommen
»Ohne Glauben aber ist es unmöglich, ihm wohlzugefallen; denn wer Gott naht, muss glauben, dass er ist und denen, die ihn suchen, ein Belohner ist.« (Hebräer 11,6; ElbCSV)
»Er bitte aber im Glauben, ohne irgend zu zweifeln; denn der Zweifelnde gleicht einer Meereswoge, die vom Wind bewegt und hin und her getrieben wird. Denn jener Mensch denke nicht, dass er etwas von dem Herrn empfangen wird;« (Jakobus 1,6-7; ElbCSV)

3. Wir müssen aber ebenso unser Herz von Ihm reinigen lassen, in dem Wunsch und Wandel Ihm gehorsam zu sein.
»Wenn ich es in meinem Herzen auf Frevel abgesehen hätte, so hätte der Herr nicht gehört.« (Psalm 66,18; ElbCSV)
»und was irgend wir erbitten, empfangen wir von ihm, weil wir seine Gebote halten und das vor ihm Wohlgefällige tun.« (1. Johannes 3,22; ElbCSV)

4. Wir müssen lernen nach Seinem Willen zu bitten/zu fragen.
»Und dies ist die Zuversicht, die wir zu ihm haben, dass, wenn wir etwas nach seinem Willen bitten, er uns hört.« (1. Johannes 5,14; ElbCSV)
Oftmals scheitert es schon daran, dass wir nach unserem Willen bitten. »ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr übel bittet, damit ihr es in euren Begierden vergeudet.« (Jakobus 4,3; ElbCSV) – so sollte es nicht sein! Und wie schnell täuschen wir uns auch bezüglich unseres eigenen Herzens. »Behüte dein Herz mehr als alles, was zu bewahren ist; denn von ihm aus sind die Ausgänge des Lebens.« (Sprüche 4,23; ElbCSV)

5. Wir müssen lernen im Gebet anzuhalten und auf Seine Antwort zu warten.
»Habt nun Geduld, Brüder, bis zur Ankunft des Herrn. Siehe, der Ackerbauer wartet auf die köstliche Frucht der Erde und hat Geduld ihretwegen, bis sie den Früh- und den Spätregen empfängt.« (Jakobus 5,7; ElbCSV)
Nicht anders ist es beim Gebet (vgl. Lukas 18,1-8 oder Matthäus 15,21-28). So dürfen wir die Dinge immer wieder vor den Herrn bringen, die unser Herz bewegen. Wenn wir dann allerdings eine Antwort bekommen, müssen wir diese auch akzeptieren. Dem Apostel Paulus, der zum Herrn flehte, wegen eines Dorns der ihm ins Fleisch gegeben worden war*, erhielt die Antwort: »Und er hat zu mir gesagt: Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft wird in Schwachheit vollbracht.« (2. Korinther 12,9a; ElbCSV). Es war nicht die Antwort, die er sich erbeten oder zuerst erhofft hatte, aber es war die gute und gesegnete Antwort Gottes. So konnte der Apostel weiter ausführen: »Daher will ich mich am allerliebsten viel mehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft des Christus über mir wohne. Deshalb habe ich Wohlgefallen an Schwachheiten, an Schmähungen, an Nöten, an Verfolgungen, an Ängsten für Christus; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.« (Verse 9b-10; ElbCSV)

* Es ist nicht gesichert, worum es sich bei diesem Dorn handelte, der ihm ins Fleisch gegeben worden war. Darum soll an dieser Stelle auch nicht spekuliert werden, worum es sich genau handelt. Es ist auch so jedem klar, dass der Apostel unter dieser Sache litt, weshalb er sie vor den Herrn brachte.

Freitag, 1. Juli 2011

Zeugnisse der Vergangenheit - Teil 1


Immer wieder finden sich in alten Büchern Dokumente der Vergangenheit. So auch dieses alte Kalenderblättchen. Es mag demjenigen, der es in diesem Buch hinterlegte kostbar gewesen sein und wer es liest, der wird auch verstehen warum.
Die Generation die den zweiten Weltkrieg noch erlebt hat schwindet; wir denken heute nicht daran, dass es „noch einmal Krieg“ geben könnte. Und doch müssen auch wir uns heute fragen lassen: Haben wir eine Geborgenheit gefunden, die Stich hält? Es muss kein Krieg sein, auch Krankheit oder Unfall können in ein Leben eingreifen, es tiefgreifend verändern oder sogar beenden. Haben wir dann diese ewige Sicherheit zu wissen, dass uns nichts Seiner Hand entreißt?

»Der Vater, der mir sie gegeben hat, ist größer denn alles; und niemand kann sie aus meines Vaters Hand reißen« Johannes 10,29
Was in den letzten Jahren gründlich abhanden gekommen ist, das ist das Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit. Wenn sich der Mensch nicht mehr geborgen fühlt, wird er ängstlich, unruhig und unglücklich. Der Hass feiert immer noch seine Triumphe in der Welt. Wie viele „hohe Männer“, heute noch an höchster Stelle, müssen über Nacht flüchtig werden, weil sich „das Blättlein“ gewendet hat. „Und wenn es noch einmal Krieg gibt, dann sind wir auch im stärksten Bunker nicht mehr sicher“, sagte kürzlich jemand zu mir. Ja, so ist es. Darum ist es aber auch an der Zeit, dass man sich nach einer Geborgenheit umsieht, die Stich hält. Gibt es so etwas? Ganz gewiss! „Niemand kann sie aus meines Vaters Hand reißen.“ Hier ist von Christi Gemeinde die Rede : die sind in der Hand Gottes, aus der sie nie jemand reißen kann. Ewiger Geborgenheit, ewiger Sicherheit können sich nur die Kinder Gottes erfreuen. Kommen auch tausend Nöte über sie, eins ist gewiss : Seiner Hand entreißt mich nichts.

Donnerstag, 30. Juni 2011

Bewahrung vor der großen Drangsal

»Weil du das Wort meines Ausharrens bewahrt hast, werde auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die über den ganzen Erdkreis kommen wird, um die zu versuchen, die auf der Erde wohnen.« (Offenbarung 3,10; ElbCSV)

Wann wird die Entrückung der Gläubigen sein? Einige verweisen darauf, dass die Präposition „ek“, die hier mit „vor“ wiedergegeben wurde, üblicherweise mit „aus“ zu übersetzen sei. Werden die Gläubigen also nicht „vor der Stunde“, sondern „aus der Stunde der Versuchung“ heraus bewahrt?

Man macht es sich zu einfach, wenn man mit dem Wörterbuch in der Hand, aber ohne Beachtung des Kontext übersetzen will. Sehen wir uns deshalb einige andere Stellen der Schrift genauer an:
»Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt wegnehmest, sondern dass du sie bewahrest vor (ek) dem Bösen.« (Johannes 17,15; ElbCSV)
Hier findet sich im altgriechischen Text dieselbe Präposition „ek“, in Verbindung mit „tereo“, „bewahren“. Niemand würde wohl zu behaupten wagen, der Herr würde in Seinem Gebet nicht für die Bewahrung der Gläubigen „vor“, sondern „aus dem Bösen“ bitten. Genau diese Behauptung findet sich aber in Verbindung mit Offenbarung 3,10. Es wird gesagt, dass die Gläubigen erst in die Drangsal gehen müssten, um „aus“ ihr bewahrt zu werden. Das ist ein ganz und gar falscher Gedanke!

Doch es stellt sich noch eine andere Frage. Wie kann man „aus“ etwas bewahrt werden? Entweder man wird bewahrt oder nicht! „Aus“ etwas kann man höchstens „gerettet“ werden, aber dann würde im Text „sozo“ (= retten) stehen und nicht „tereo“.

Jemand ist vielleicht versucht auf eine Analogie mit Sadrach, Mesach und Abednego im Feuerofen zu verweisen. Aber auch dieses Ereignis gibt diese Deutung nicht her. Es wird nicht nur von ihrer Errettung (s. Daniel 3,28) aus dem Feuerofen gesprochen, sondern auch davon das nicht einmal der Geruch des Feuers an sie gekommen war (s. Daniel 3,27). Wie anders ist da doch die Behauptung, die Gläubigen müssten in die Drangsal hinein um in ihr zu leiden?

In 1. Thessalonicher 1,10 steht:
»und seinen Sohn aus den Himmeln zu erwarten, den er aus den Toten auferweckt hat Jesus, der uns errettet von (ek) dem kommenden Zorn.« (ElbCSV)
Und in Apostelgeschichte 15,28-29:
»Denn es hat dem Heiligen Geist und uns gut geschienen, keine größere Last auf euch zu legen als diese notwendigen Dinge: euch zu enthalten von Götzenopfern und von Blut und von Ersticktem und von Hurerei. Wenn ihr euch davor (ek bzw. ex) bewahrt (diatereo), so werdet ihr wohltun. Lebt wohl!« (ElbCSV)

Wir können nun sicher sagen, dass die Gläubigen „vor der Stunde der Versuchung“ bewahrt werden. Gottes Gerichtshandeln mit dieser Erde (ab Kapitel 4 der Offenbarung) wird die Gläubigen Seiner Gemeinde nicht betreffen. Ja, vielmehr, wir dürfen jederzeit den Herrn Jesus erwarten; und dies sollte unsere Herzen beglücken.

Wir wollen aber noch etwas anderes festhalten. So wahr es ist, dass die Gläubigen vor der Zeit der großen Drangsal bewahrt bleiben werden, so wahr ist es auch, dass die Gemeinde in dieser Welt leidet. An die Philipper schrieb Paulus:
»Denn euch ist es im Blick auf Christus geschenkt worden, nicht allein an ihn zu glauben, sondern auch für ihn zu leiden, da ihr denselben Kampf habt, wie ihr ihn an mir gesehen habt und jetzt von mir hört.« (Philipper 1,29-30; ElbCSV).
Die Freude darüber vor der großen Drangsal bewahrt zu bleiben, sollte uns nicht blind demgegenüber machen, was Geschwister heute beispielsweise in kommunistischen oder islamischen Staaten zu leiden haben – oder in den vergangenen Jahrhunderten durch Verfolgung erlitten hatten. Im Gegenteil. Aber wie schrecklich muss die große Drangsal sein, wenn sie all das noch zu übertreffen vermag, …
»…denn dann wird große Drangsal sein, wie sie seit Anfang der Welt bis jetzt nicht gewesen ist und auch nichtwieder sein wird. Und wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Fleisch errettet werden; aber um der Auserwählten* willen werden jene Tage verkürzt werden.« (Matthäus 24,21-22; ElbCSV)
* Bei den Auserwählten handelt es sich wohl um Juden, die sich zu dieser Zeit – nach Entrückung der Gemeinde – in Palästina aufhalten werden. An dieser Stelle kann darauf nicht näher eingegangen werden.

Ich möchte es noch einmal sagen und vielleicht wollen wir dies festhalten: Wir dürfen jederzeit den Herrn Jesus erwarten; und dies sollte unsere Herzen beglücken. Es gibt nichts das vorher noch geschehen müsste, auch kein Gehen in die große Drangsal. Dank sei Dir dafür, Herr Jesus!

Freitag, 25. Juni 2010

Buße bei Gläubigen

»Ich überführe und züchtige, so viele ich liebe. Sei nun eifrig und tu Buße!« (Offenbarung 3,19; Elb.CSV)
So spricht der Herr Jesus zu der Gemeinde in Laodizea. An sieben Gemeinden lässt Er Sendschreiben richten und – bis auf Smyrna und Philadelphia – werden an alle Bußrufe gerichtet. Diese Rufe zur Umkehr gelten auch in unseren Tagen der Gnadenzeit, wenn Gemeinden, aber auch einzelne Christen abirren.

Die Gemeinde in Ephesus hatte die erste Liebe verlassen. Formell stand die Gemeinde gut, ihre Lehre stimmte, sie arbeitete für den Herrn, sonderte sich ab, prüfte die Geister… und doch war das Herz nicht in Ordnung.
Wie schnell geben wir eigenen Gedanken Raum? Wir tun das Richtige, aber aus den falschen Motiven heraus. Alles hat einen wunderbaren geistlichen Anschein – auch vor uns selbst. Man kann Menschen ein Theater vorspielen, sich selbst täuschen, aber nicht den Herrn Jesus.
»Jesus selbst aber vertraute sich ihnen nicht an, weil er alle kannte und nicht nötig hatte, dass jemand Zeugnis gebe von dem Menschen; denn er selbst wusste, was in dem Menschen war.« (Johannes 2,24-25; Elb.CSV)
Und davon ausgehend will uns der Herr wieder hin zu Ihm führen:
»Ein Knecht des Herrn aber soll nicht streiten, sondern gegen alle milde sein, lehrfähig, duldsam, der in Sanftmut die Widersacher zurechtweist, ob ihnen Gott nicht etwa Buße gebe zur Erkenntnis der Wahrheit und sie wieder nüchtern werden aus dem Fallstrick des Teufels, die von ihm gefangen sind, für seinen Willen.« (2. Timotheus 2,24-26; Elb.CSV)
Wenn Gott (dem Gläubigen) diese Erkenntnis der Wahrheit gibt, so erwartet Er Buße. Beides hängt untrennbar zusammen!

Viel Leid ist dadurch entstanden, weil man Verse der Bibel in einer unnüchternen Art und Weise verallgemeinert hat. Es ist richtig, das Gott durch Betrübnis zur Buße leiten kann:
»Jetzt freue ich mich, nicht, dass ihr betrübt worden seid, sondern dass ihr zur Buße betrübt worden seid; denn ihr seid Gott gemäß betrübt worden, damit ihr in nichts von uns Schaden erlittet.« (2. Korinther 7,9; Elb.CSV)
Es ist aber auch wahr, dass die Bibel den umgekehrten Fall kennt:
»Denn nach meiner Umkehr empfinde ich Reue, und nachdem ich zur Erkenntnis gebracht worden bin, schlage ich mich auf die Hüften. Ich schäme mich und bin auch zuschanden geworden, denn ich trage die Schmach meiner Jugend.« (Jeremia 31,19; Elb.CSV)
Es bedarf seelsorgerlicher Weisheit hier im Einzelfall zu unterscheiden. Mancher ist schon daran verzweifelt, weil man Reue von ihm erwartet hat, wo zuerst eine Umkehr stattfinden musste.

Gottes Wort zeigt uns: Gott gibt dem Gläubigen dort wo er abirrt Raum zur Buße. Und dort wo der Gläubige zur Buße kommt, kommt das geistliche Leben zurück.

Sonntag, 23. Mai 2010

Selbstliebe - ein christliches Konzept?

Der Zustand des „christlichen“ Zeitschriftenmarktes lässt sich am besten beschreiben durch ein Panoptikum, welches für jeden Geschmack das Treffende anbietet. Mystizismus und Zeitgeist drängen das Wort Gottes genauso zurück, wie Libertinismus oder Autonomie. Wahrheit wird plural gedeutet…
Nun lässt sich dieser Niedergang, der nicht weniger als den Verlust der Ehrfurcht vor Gott und seinem Wort kennzeichnet, an vielen Beispielen festmachen. „Sich selbst lieben“ heißt es in einem mir aktuell vorliegenden Magazin und aus dem „Doppelgebot der Liebe“ wird schnell ein Dreiergebot, bei dem ja auch die Liebe „zu sich selbst“ zu berücksichtigen sei.

Sehen wir uns den Bibeltext aber genauer an:
»Als aber die Pharisäer hörten, dass er die Sadducäer zum Schweigen gebracht hatte, versammelten sie sich miteinander. Und es fragte einer aus ihnen, ein Gesetzgelehrter, und versuchte ihn und sprach: Lehrer, welches ist das große Gebot in dem Gesetz?
Er aber sprach zu ihm: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstande". Dieses ist das große und erste Gebot. Das zweite aber, ihm gleiche, ist: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst". An diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.« (Matthäus 22,34-40; Elb.)

Es gehört viel Unverfrorenheit dazu von einem „Dreiergebot“ zu sprechen, wenn der Herr Jesus von „zwei Geboten“ spricht. Es ist aber nicht nur numerisch falsch, sondern widerspricht auch klar dem Gesamtzusammenhang der Schrift, die Selbstliebe Sünde nennt. Gerade für die Endzeit gilt, dass »die Menschen … eigenliebig sein« (2 Timotheus 3,2a; Elb.) werden ; philautoi = sich selbst liebend.
Der Gläubige hingegen ist aufgerufen: »Wenn jemand mir nachkommen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf und folge mir nach.« (Matthäus 16,24; Elb. – so auch bei Markus und Lukas)
Nicht Selbstliebe, sondern Selbstverleugnung ist also der biblische Maßstab; »Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung eures Sinnes, dass ihr prüfen möget, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist.« (Römer 12,2; Elb.)
Unser Sinn soll derartig erneuert werden, dass er dem guten, wohlgefälligen und vollkommenen Willen Gottes entspricht. »Und er ist für alle gestorben, auf dass die, welche leben, nicht mehr sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben ist und ist auferweckt worden.« (2 Korinther 5,15; Elb.)
»Er [Christus] muss wachsen, ich aber abnehmen.« (Johannes 3,30; Elb.)

Nicht das „Ich“ soll also im Mittelpunkt stehen, sondern der Herr Jesus Christus. So konnte der Apostel Paulus sagen: »ich bin mit Christo gekreuzigt, und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir; was ich aber jetzt lebe im Fleische, lebe ich durch Glauben, durch den an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat.« (Galater 2,20; Elb.); indem er wusste, dass der „alte Mensch mitgekreuzigt“ worden war mit Christus (siehe Römer 6,6).

Wer sich dessen bewusst ist, der wird auch die Fähigkeiten und Gaben, das Aussehen, alles was ihm Gott gegeben oder verweigert hat anerkennen können. Und der wird fähig sein den Nächsten lieben zu können - »denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, welcher uns gegeben worden ist.« (Römer 5,5; Elb.)
Dasselbe führt auch Johannes im 4. Kapitel seines 1. Briefes deutlich aus. Die Liebe Gottes, ausgegossen durch den Heiligen Geist, ist die Grundlage dessen, dass wir Gott und unsere Mitmenschen wahrhaft lieben können.

Sonntag, 16. August 2009

Mein Weg aus der evangelischen Kirche - Teil 1

In den folgenden Aufsätzen möchte ich meinen Weg aus der evangelischen Kirche darlegen und "was ich bei den Christen gefunden habe, die sich nur im Namen Jesu versammeln" (wie es Georg von Viebahn einmal formulierte). Als ich diesen Schritt damals im Dezember 2004 ging hatte ich eine lange Zeit der Prüfung hinter mir und es war ungewiss wo ich zukünftig eine geistliche Heimat finden würde. Das einzige was feststand war, das „ich einen Verbleib in der evangelischen Kirche in Deutschland weder mit meinem Gewissen, noch vor Gott verantworten kann“, wie ich damals formulierte.

Die erste Frage die ich mir stellte - und die ich hier aufgrund meines damals geschriebenen Rundbriefs darlegen möchte - war:

1) Wer gehört zur Gemeinde?1)

Der Herr Jesus hat sich die Gemeinde durch sein Blut erworben (Apostelgeschichte 20,28) und sich für die Gemeinde hingegeben (Epheser 5,25). Dadurch reinigt und heiligt der Herr die Gemeinde (Epheser 5,26-27). Er ist das Haupt der Gemeinde (Kolosser 1,18) und wir, die wir Christen sind, sind Glieder am Leib Christi (Römer 12,5; 1. Korinther 12,13). Die Gemeinde ordnet sich Ihm unter (Epheser 5,24). Und Gott beruft Männer in den Dienst als Evangelisten, Hirten oder Lehrer, denn er ist es, der diese zum Dienst rüstet (Epheser 4,12). Petrus schreibt an die Erlösten (1. Petrus 2,9): »Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, eine heilige Nation, ein Volk zum Besitztum, damit ihr die Tugenden dessen verkündigt, der euch aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat;«

Es geht hier sicher nicht um ein elitäres Christsein, die Gemeinde ist dazu aufgerufen das Evangelium in die Welt zu tragen und im Besonderen ist dies natürlich auch die Aufgabe jedes einzelnen Christen! Aber die Gemeinde hat nicht Welt zu sein, sondern Salz und Licht. Und deshalb müssen wir uns ernsthaft fragen, wer den nun alles zur Gemeinde gehört und ob es wirklich sein kann, dass Irrlehrer oder Personen, die Christus als nicht auferstanden sehen, gemeinsam mit treuen Gläubigen in einer Kirche vereint sein können. Es ist sicher möglich, dass Ungläubige Gottesdienstversammlungen beiwohnen (1. Korinther 14,23-25), aber was ist wenn sie plötzlich Evangelisten, Hirten oder Lehrer sind?2)

Unter den Sendschreiben der Offenbarung sind mir hier zwei Briefe besonders wichtig geworden. Der erste Brief geht an die Gemeinde in Laodizea. Ihr gilt (Offenbarung 3,16): »Also, weil du lau bist und weder heiß noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde.« Ich meine, dass wir eine solche Lauheit in der heutigen Ökumenebewegung, großen Teilen der Evangelikalen und den »Volkskirchen« sehen. Gerade die fehlende Abgrenzung gegen Einflüsse der Welt3) bewirkt Lauheit und macht Gemeinde oft zur Pseudogemeinde.

Das zweite Sendschreiben, das ich Dir deshalb nahe legen möchte, ist der Brief an die Gemeinde in Philadelphia. Ihr sagt der Herr Jesus (Offenbarung 3,8): »Ich kenne deine Werke. Siehe, ich habe eine geöffnete Tür vor dir gegeben, die niemand schließen kann; denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt und hast meinen Namen nicht verleugnet.« In diesem Geist wurde das „Augsburgische Bekenntnis“, das Grundbekenntnis der Reformation verfasst; Demzufolge sagt Artikel 7, Kirche sei »die Versammlung der Heiligen, in der das Evangelium rein gepredigt und die Sakramente recht verwaltet werden«. Betrachten wir nun ob dies überhaupt noch der Realität in der evangelischen Kirche entspricht.

--- Fortsetzung im nächsten Teil ---

Fußnoten
1) Das Smith´s Bible Dictionary erklärt: »The real Church consists of all who belong to the Lord Jesus Christ as his disciples, and are one in love, in character, in hope, in Christ as the head of all, though as the body of Christ it consists of many parts.«
2) »Ich befürchte, dass die Evangelikalen, besonders während der letzten sechzig bis siebzig Jahre, die biblische Lehre über das Wesen der Kirche nicht ernstgenommen haben. Diese Vernachlässigung ist für die meisten Probleme verantwortlich, mit denen wir in der Gegenwart konfrontiert sind.« (Dr. Martyn Lloyd-Jones)
3) Die Theologische Erklärung der Kamen-Initiative 1999/2000 stellt fest das die evangelische Kirche auf die Herausforderungen durch Aufklärung, kritisch-wissenschaftliches Weltbild, Romantik, Charismatik, Pluralismus und Nihilismus, sowie Neumarxismus und Feminismus bislang nicht geantwortet hat. Stattdessen hat sie »dem negativen, den Glauben und die christliche Lebensordnungen zerstörenden Einfluss dieser Bewegungen in ihren Reihen Raum gegeben.«

Sonntag, 5. Juli 2009

Kann ein Christ verloren gehen? - Teil 1

Einleitung
Bevor wir näher auf diese Frage eingehen, wollen wir festhalten, dass die Christenheit - wie sie sich uns nach außen hin zeigt - sowohl aus wahren Gläubigen, wie auch „reinen“ Bekennern besteht. Die Reformatoren unterschieden zudem zwischen der unsichtbaren Kirche, dem Leib Christi zu dem alle wahrhaft Wiedergeborenen gehören und der sichtbaren Kirche, die einen „corpus permixtum“ d.h. einen „vermischten Leib“ darstellen kann, indem auch Heuchler gefunden werden können - auch wenn es natürlich nicht so sein soll.
Die Verantwortung der Gemeinde in diesem Zusammenhang ist vielfältig, ist sie doch aufgefordert als eine „keusche Jungfrau“ (2. Korinther 11,2) vor Christus zu erscheinen. Hierzu muss sie den Sauerteig d.h. das Böse hinaustun (s. 1. Korinther 5), wenn es in die Gemeinde eindringt. Leben aus Gott, Abstehen von moralisch Bösem, sowie lehrmäßige Reinheit in Bezug auf den Herrn und sein Werk am Kreuz, sind grundsätzliche Bedingungen für die Teilnahme am Brotbrechen (Abendmahl).
In Matthäus 13 wird das „Reich der Himmel“ mit einem Netz verglichen, dass Fische jeder Art zusammenbrachte – gute und faule, so dass in der Vollendung des Zeitalters die Bösen aus der Mitte der Gerechten ausgesondert werden würden.

Wie weit dieses falsche Bekennertum gehen kann, sehen wir in Matthäus 7:
»Viele werden an jenem Tage zu mir sagen: Herr, Herr! Haben wir nicht durch deinen Namen geweissagt, und durch deinen Namen Dämonen ausgetrieben, und durch deinen Namen viele Wunderwerke getan? Und dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch niemals gekannt; weichet von mir, ihr Übeltäter!« (Matthäus 7,22-23; Elb.)
Obwohl der Herr Jesus Christus sie niemals kannte, bezeichnen sie ihn als „Herrn“ und sind der Überzeugung in seinem Namen Wunderwerke, etc. zu tun.

Genau hinsehen...
Wir müssen nun im Weiteren festhalten, dass die Bibel wenn sie von „Glauben“ redet nicht immer den rettenden Glauben meint. »Du glaubst, dass Gott einer ist, du tust wohl; auch die Dämonen glauben und zittern.« (Jakobus 2,9; Elb). Das Urteil über die Dämonen steht jedoch schon fest, wie wir aus Matthäus 8,29 oder Lukas 8,31 ersehen können.

Reines Bekennertum
Natürlich können all jene die nie wahrhaft wiedergeboren waren wieder vom „Glauben“ abfallen. Und wir hatten gesehen, das darunter durchaus solche sein werden die den Herrn Jesus Christus als „Herrn“ bezeichnen, obwohl er gar nicht ihr Herr ist und in dem Irrtum (vgl. 2. Thess 2,11) verhaftet sind sie würden tatsächlich in „seinem Namen“ handeln.
Die elementare Frage in diesem Zusammenhang aber ist: Kann ein Wiedergeborener wieder verloren gehen?

Eine erste Beweisführung
Ich möchte vorweg nehmen, dass gerade das „Ausharren der Heiligen“ (Offenbarung 14,12) und Standhaftigkeit bis zum Ende (Hebräer 3,6+14) die Kennzeichen wahrer Wiedergeburt sind. In der Tat bekommen wir „ewiges“ Leben (1. Johannes 5,13) und keines das wir wieder verlieren könnten – und das demnach „zeitlich begrenzt“ sein könnte. »Dies aber ist das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesum Christum, erkennen.« (Johannes 17,3; Elb.). Ich halte es für ausgeschlossen, dass jemand der Christus wahrhaft erkannt hat wieder verloren gehen kann. »Denn mit einem Opfer hat er auf immerdar vollkommen gemacht, die geheiligt werden.« (Hebräer 10,14; Elb.)

Wenn wir einige Stellen betrachten, die im allgemeinen für die Unverlierbarkeit des Heils angeführt werden, ist es gut sich einmal zu vergegenwärtigen, wie von den Erlösten geredet wird.
  • In Johannes 10,27-29 spricht der Herr von denen die der Vater Ihm gegeben hat!
  • Römer 8,33-29 spricht über die „Auserwählten Gottes“!
  • 2. Korinther 5,17 bezeichnet diejenigen in Christus als „neue Schöpfung“.

Der Herr kennt die Seinen
Zu Seinen Schafen sagt der Herr, dass Er sie kennt (Johannes 10,27); Diejenigen die ihn Herr nannten und die Er in die Verdammnis schicken muss kannte er hingegen niemals (Matthäus 7,23). Das ist ein klarer Gegensatz! An keiner Stelle der Schrift lesen wir von solchen, die der Herr einmal kannte, später aber nicht mehr.
Im Philipperbrief drückt Paulus seine Zuversicht aus, »dass der, welcher ein gutes Werk in euch angefangen hat, es vollführen wird bis auf den Tag Jesu Christi;« (Philipper 1,6b; Elb.). Und im 1. Korintherbrief schreibt Er von unserem Herrn Jesus Christus, »welcher euch auch befestigen wird bis ans Ende, dass ihr untadelig seid an dem Tage unseres Herrn Jesus Christus.« (1. Korinther 1,8; Elb. )
Wie etwa hätte Paulus eine solche Zuversicht und ein solches Vertrauen darauf äußern können, dass der Herr „befestigen wird bis ans Ende“, wenn auch nur der geringste Zweifel vorhanden wäre, dass ein wiedergeborener Christ wieder verloren gehen könnte? Im Gegenteil: »denn Gott ist es, der in euch wirkt sowohl das Wollen als auch das Wirken, nach seinem Wohlgefallen.« (Philipper 2,13; Elb.)

»Denn durch die Gnade seid ihr errettet, mittelst des Glaubens; und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, auf dass niemand sich rühme. Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken, welche Gott zuvor bereitet hat, auf dass wir in ihnen wandeln sollen.«
(Epheser 2,8-10; Elb.)
Wir können hier zwei sehr elementare Dinge sehen: „Nicht aus euch“ und „Gottes Gabe“. Warum? „Auf dass niemand sich rühme“. Genauso ist das „Ausharren der Heiligen“ letztlich Gottes Gabe; Keiner von uns kann sich dessen rühmen errettet zu sein oder gerettet zu werden – es ist alles allein Gottes Gnade!

Eine neue Schöpfung und Glieder am Leib Christi
Halten wir weiterhin fest: Es ist nicht nur so, dass die Erlösten eine „neue Schöpfung“ sind, sondern sie sind auch „lebendige Steine“ (s. 1. Petrus 2,5 / Epheser 2,22) und Glieder am Leib Christi (s. 1. Korinther 12,27 / Epheser 5,30 / Römer 12,5)
Wenn der Gläubige zur „neuen Schöpfung“ gehört, wie könnte er zur „alten“ zurückkehren? Wo lehrt die Schrift, dass jemand der „in Christus“ ist wieder „in Adam“ sein könnte? Oder wo würde sie lehren, dass aus der „Behausung Gottes“ (Eph. 2,22) wieder „lebendige Steine“ herausgebrochen werden würden? Werden etwa Glieder von Seinem Leib „amputiert“? Was sind das alles für schreckliche Gedanken? Nein, wir dürfen sicher sein als Glieder seines Leibes!

Sünde im Leben des Christen
Natürlich begegnen uns auch bei wahren Gläubigen zum Teil schreckliche Sünden. Wie wir schon in der Einleitung gesehen haben kann dies Zuchtmaßnahmen der Gemeinde bewirken. Aber auch Gott selbst kann tätig werden:
»Denn wer unwürdiglich isst und trinkt, isst und trinkt sich selbst Gericht, indem er den Leib nicht unterscheidet. Deshalb sind viele unter euch schwach und krank, und ein gut Teil sind entschlafen. Aber wenn wir uns selbst beurteilten, so würden wir nicht gerichtet. Wenn wir aber gerichtet werden, so werden wir vom Herrn gezüchtigt, auf dass wir nicht mit der Welt verurteilt werden.« (1. Korinther 11,29-32; Elb.)
Es ist hier ja gerade so, dass die Züchtigung des Herrn bis hin zum leiblichen Tod gehen kann, „auf dass wir nicht mit der Welt verurteilt werden“. Es ist ein ernster Gedanke, dass ein Gläubiger den Herrn so sehr verunehren kann, dass Er ihn von der Erde hinwegnimmt. Wahrscheinlich ist es sogar so, dass der Herr einen wahren Gläubigen hinwegnimmt, bevor er überhaupt durch sein Handeln „mit der Welt verurteilt“ werden könnte.

Und sogar ein wahrer Gläubiger von dem die Schrift sagt, dass sein Werk im Feuer verbrennen wird, wird gerettet werden. »Wenn das Werk jemandes verbrennen wird, so wird er Schaden leiden, er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer.« (1. Korinther 3,15; Elb.)
Warum ist das so? Weil alles vom Blut Jesu abhängt! Als die Israeliten das Blut des Passahlammes an die Tür strichen, da sagte Gott: »und sehe ich das Blut, so werde ich an euch vorübergehen« (s. in 2. Mose 12,13; Elb.). In der Tat hatten wir schon gesehen, dass das Opfer des Herrn ausreicht die „immerdar vollkommen" zu machen, "die geheiligt werden“.
Als die Israeliten in den Häusern waren und der Verderber die Erstgeburten Ägyptens schlug, war allein das Blut maßgeblich. Wie schwach der Glaube derjenigen im Inneren auch war oder ob Zweifel sie plagten – der Verderber ging vorüber wenn Er das Blut sah. So stehen auch wir unter dem Schutz des Blutes Jesu, auch wenn wir es kaum wert sein mögen überhaupt selig zu werden.

Wollen wir dies festhalten, dass unsere Errettung allein auf dem Blut des Herrn und Seinem Werk von Golgatha ruht. Darauf dürfen wir bedingungslos vertrauen und ihn wie Johannes es tat preisen: »Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.«

In den folgenden Teilen wird dann auf weitere Beweisgründe und die Bibelstellen eingegangen, die scheinbar dafür sprechen das ein Gläubiger doch wieder verloren gehen könnte...

Anmerkung 2015: Wird zur Zeit nicht weitergeführt

Mittwoch, 24. Juni 2009

Verfolgung 3 - Der Feind in den eigenen Reihen

Nachdem wir uns in einem kurzen Überblick die Situation angesehen haben, der Christen weltweit ausgesetzt sind, haben wir uns in einem weiteren Schritt vergegenwärtigt worin dies ursächlich begründet liegt.
Wie schon angekündigt wollen wir uns nun mit den Gefahren beschäftigen, die von denjenigen ausgehen die sich zwar "Christen" nennen, letztlich jedoch einen „einen anderen Jesus predigen“ (s. 2. Kor 11,4).

Auch hier ist es gut die Worte unseres Herrn Jesus Christus der Betrachtung voranzustellen:
»Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Sehet zu, dass euch niemand verführe! Denn viele werden unter meinem Namen kommen und sagen: Ich bin der Christus! - und sie werden viele verführen.

Und viele falsche Propheten werden aufstehen und werden viele verführen; und wegen des Überhandnehmens der Gesetzlosigkeit wird die Liebe der Vielen erkalten;

Denn es werden falsche Christi und falsche Propheten aufstehen und werden große Zeichen und Wunder tun, um so, wenn möglich, auch die Auserwählten zu verführen. Siehe, ich habe es euch vorhergesagt.« (Matthäus 24,4-5+11-12+24-25; Elb.)
Dreimal warnt der Herr Jesus in Seiner Endzeitrede vor Verführungen und dem Niedergang des Glaubens. Verführung hat nicht den Charakter offensichtlich zu sein, denn Satan weiß sich als „Engel des Lichts“ zu tarnen (s. 2. Kor 11,1-15); Deshalb warnt uns die Bibel wachsam zu sein (z.B. 1. Petrus 5,8-9 / 1. Korinther 16,11) – gerade auch im Gebet. »Beharret im Gebet und wachet in demselben mit Danksagung;« (Kolosser 4,2; Elb.).

Wir dürfen uns nichts vormachen, wir werden sehr eindeutig gewarnt vor „falschen Brüdern“ (Galater 2,4), „sektiererischen Menschen“ (Titus 3,10-11) und „betrügerischen Arbeitern“ (2. Korinther 11,13). »Und aus euch selbst werden Männer aufstehen, die verkehrte Dinge reden, um die Jünger abzuziehen hinter sich her.« (Apostelgeschichte 20,30; Elb.)

Der Herr Jesus selbst warnte vor solchen als Er sagte:
»Hütet euch aber vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe.« (Matthäus 7,15; Elb.)
Und es ist erschütternd, was Er einige Verse später dazu ausführen muss:
»Viele werden an jenem Tage zu mir sagen: Herr, Herr! Haben wir nicht durch deinen Namen geweissagt, und durch deinen Namen Dämonen ausgetrieben, und durch deinen Namen viele Wunderwerke getan? Und dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch niemals gekannt; weichet von mir, ihr Übeltäter!« (Matthäus 7,22-23; Elb.)
Das werden keine „reinen“ Namenschristen sein, die der Herr hier in die Verdammnis schicken muss, sondern Verführte die in ihrer Verblendung annahmen alles in Seinem Namen zu tun, obwohl sie nie Gemeinschaft mit Ihm hatten. Wie schrecklich ist das? Ich sehe nur eine „christliche“ Bewegung auf der Welt, auf die diese Beschreibung zutreffen könnte, die sich heute noch Weissagungen, Wunderwerken und Dämonenaustreibungen in "seinem Namen" rühmen würde.

Deswegen ist es so wichtig einen klaren Stand zu haben und sich nicht beirren zu lassen. Es ist meine tiefe Überzeugung das all´ die Niedergänge die sich vor unseren Augen abspielen und durch die Kirchengeschichte hindurch zu verfolgen sind, letztlich das Gericht Gottes darstellen. »Denn die Zeit ist gekommen, dass das Gericht anfange bei dem Hause Gottes; wenn aber zuerst bei uns, was wird das Ende derer sein, die dem Evangelium Gottes nicht gehorchen! Und wenn der Gerechte mit Not errettet wird, wo will der Gottlose und Sünder erscheinen?« (1. Petrus 4,17-18; Elb.)

Es stellt sich die Frage wo wir stehen.
Ein Daniel, ein Esra und ein Nehemia beugten sich tief vor Gott über das Versagen des Volkes Gottes (Dan 9, Esra 9, Neh 9). Sind auch wir dazu bereit? „Bei uns“, sagt Petrus - Erinnert uns das nicht an die Wirklichkeit des einen Leibes Christi?

Was aber nun können wir tun um vor Verführung bewahrt zu werden? A. W. Tozer meint:
Wir dürfen nichts unbesehen annehmen, was das Heil unserer Seele berührt. Isaak befühlte Jakobs Arm und hielt ihn für den Arm Esaus. Sogar die Jünger konnten den Verräter in ihren eigenen Reihen nicht entdecken; der Einzige, der wusste, wer er war, war Judas selbst. Der uns gut zuredende Genosse, mit dem wir so prima fertig werden und dessen Gesellschaft uns großes Vergnügen bereitet, kann ein Engel Satans sein, während der raue Mann, der uns Unbequemes sagt und den wir deshalb meiden, Gottes Prophet sein mag, der gesandt wurde, uns vor Gefahren und ewigem Schaden zu bewahren.
Darum ist es von entscheidender Wichtigkeit, dass Christen vollen Gebrauch von allen Hilfsmitteln machen, die Gott ihnen bereitstellt, damit sie nicht betrogen werden. Die bedeutsamsten von ihnen bilden zusammen einen sicheren Schutzschild: Glaube, Gebet, beständiges Nachdenken über die Heilige Schrift, Gehorsam, Demut, viel ernstes Überlegen und die Erleuchtung des Heiligen Geistes. [1]
Wollen wir das bedenken und die Abhängigkeit zu unserem Herrn nicht verlieren.

Quellenangabe:
[1] A.W. Tozer, Verändert in Sein Bild - Tägliche Andachten, 1. Auflage 2000, CLV, Bielefeld