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Mittwoch, 25. März 2015

Lese-Tagebuch - Eintrag 20

Buch: Drei Charaktere - ein Haus in Bethanien
Autor: Hermanus C. Voorhoeve (1837-1901)
Auflage: 1. Auflage 2015
Verlag: CSV
ISBN: 978-3-89287-401-0
Seitenzahl: 73

Unter den diesjährigen Neuerscheinungen des CSV findet sich diese kleine Kostbarkeit, die hier einzuschieben mir ein echtes Herzensanliegen ist. Das Buch zeigt uns die Geschwister Martha, Maria und Lazarus, die Verbindung die sie zu dem Herrn Jesus und die der Herr Jesus zu ihnen hatte.
»Sie standen in einer einzigartigen Beziehung zu Ihm. Wir finden in der Bibel kein weiteres Beispiel einer derart innigen Vertrautheit mit Jesus« (ebd., Seite 10).
Schon allein dieser Umstand sollte es wert sein unsere Aufmerksamkeit auf dieses Haus zu richten.
»Denn obwohl alle Jesus von Herzen lieb hatten und Er sie alle innig liebte, gab es bei den dreien doch Unterschiede im Charakter und im geistlichen Leben. Der Heilige Geist stellt uns diesen Unterschied in einigen markanten Merkmalen vor Augen« (ebd., Seite 21).
So lernen wir von Martha beispielsweise:
»Jesus ist es wert, dass wir alles für Ihn übrig haben. Für Ihn sollte keine Mühe zu viel, keine Arbeit zu schwer und keine Anstrengung zu groß sein.« (ebd., Seite 23).
Und doch:
»Sie dachte mehr an ihren Dienst als an den Herrn« (ebd., Seite 25); »hätte sie nur um des Herrn Jesus willen gedient, dann wäre kein Einwand über ihre Lippen gekommen.« (ebd., Seite 26).
Wir werden vom Autor daran erinnert, dass viele die Erfüllung in ihrer Arbeit, ihrem Dienst finden und nicht in dem Herrn, was dann offenkundig wird, wenn die Fortführung der Arbeit oder des Dienstes nicht mehr möglich ist - weil man nicht in dem Herrn ruht. Ich musste noch an den Umstand denken, dass manche Dienste uns nur für eine gewisse Zeit gegeben werden. Aus der Apostelgeschichte wissen wir von Lukas, dass er in Philippi zurückblieb, sich der neu entstandenen Gemeinde dort annahm, um später erst wieder zu Paulus zu stoßen. Der Herr kann uns morgen mit einer anderen Aufgabe betrauen, als wir sie heute haben oder an einen anderen Ort stellen; und auch dann wird erkennbar werden ob Er im Vordergrund steht oder nicht. Welches Verhängnis, wenn wir dann nicht gehen, sondern im Eigenwillen verharren.
»Wie viel Getriebensein gibt es oft unter Christen! Wie wenig wird gefragt: Herr, was willst du, dass ich tun soll? Man denkt so wenig daran. Was man selbst für gut und nützlich hält, was man selbst für das Evangelium nützlich und förderlich hält, das tut man einfach, ohne zu fragen, ob der Herr das gutheißt.« (ebd., Seite 30).

Wenn wir dann Maria vor uns haben, finden wir:
»Eine Sache ist nötig für jeden, der glaubt. Und das ist: den Herrn Jesus über alles wertzuschätzen. Natürlich haben wir über die Maßen Grund, uns unserer Errettung zu erfreuen, die durch Jesus zuwege gebracht wurde. Wir können nicht dankbar genug sein für die Gnade, die unser Teil geworden ist. Wir haben die Vergebung unserer Sünden und das ewige Leben; wir sind Kinder Gottes und Erben mit Christus geworden; auf uns wartet die Herrlichkeit droben. Aber über diesem allem steht die Person von Christus.« (ebd., Seite 42-43).
Es ist nur ein kurzer Abschnitt, aus diesem wunderbaren Kapitel. Ich wüsste nicht, wo aufhören, wenn ich alles daraus zitieren sollte, was mich innerlich bewegt hat. Eine Sache will ich noch nennen. Lazarus war gestorben und was wir finden ist folgendes:
»Martha beginnt mit dem Herrn ein Gespräch über die biblische Lehre, aber Maria fällt zu seinen Füßen nieder, um weinend ihren Kummer auszuschütten. Wo Jesus Martha unterweisen muss, kann Er mit Maria weinen. „Jesus vergoss Tränen“ (v. 35). Das sind bewegende Worte.« (ebd., Seite 50).
Auch hier würde ich gerne weiterschreiben, über all das Wundervolle, das wir finden, wenn wir erfahren dürfen wie die Liebe des Herrn Jesus unserer Not begegnet und wir seine Anteilnahme erfahren dürfen. Wer von Gott einmal an diesen Punkt geführt wurde, weiß, dass es wahr ist. Großer und treuer Herr!

Und dann war da die Begebenheit, als Maria das Salböl über Jesu Füße goss, sechs Tage vor Seinem Tod:
»sie wollte Ihn verherrlichen, Ihm Güte erweisen. Seine Person war für sie so unaussprechlich herrlich, seine Schönheit war für sie so unvergleichlich, dass sie nicht anders konnte, als Ihm dankbar zu huldigen, Ihn zu preisen. Jesus musste verherrlicht werden, sein Name musste groß gemacht werden und sein Ruhm erzählt werden.« (ebd., Seite 54).
Immer wieder wird unser Blick auf den Herrn, seine Person gelenkt und es wurde oben schon gesagt. Dies „ist nötig für jeden, der glaubt“. Wir fragen uns, warum das christliche Zeugnis in unseren Tagen so kraftlos ist; und eine Antwort ist sicherlich, weil wir den Herrn aus dem Zentrum unserer Betrachtungen genommen und den Menschen an seine Stelle gesetzt haben. Anstatt auf den Herrn zu blicken, drehen wir uns um uns selbst. Und wie könnte Gott dies segnen, wenn wir auf etwas anderes blicken, als auf den herrlichsten Gegenstand seiner Betrachtung, Seinen geliebten Sohn. Jedes einzelne Buch der 66 Bücher der Bibel hat den Herrn Jesus zum Thema und wir tun gut daran Ihn darin zu suchen und zu finden.
»Alles, was Maria tat, fand man sonderbar und unangebracht.« ... »Doch wie herrlich für sie: Der Herr Jesus verstand sie, Er schätzte ihre Tat, Er verstand ihre Liebe und ihre Hingabe an Ihn.« ... »Die Zustimmung des Herrn ist wichtiger als die der Menschen.« (ebd., Seite 56+59)
So war es auch bei David, als die Bundeslade nach Jerusalem zurückgeführt wurde und Michal, seine eigene Frau, kein Verständnis für die Freude des Königs aufzubringen vermochte. Das ist traurig, aber gerade diese Begebenheit in 2. Samuel 6 zeigt uns auch, dass wir darüber keine harsche Antwort zu geben brauchen: »und ich will noch geringer werden als diesmal und will niedrig sein in meinen Augen« (2. Samuel 6,22a; Elb.CSV).

Wenden wir uns noch kurz dem zu, was Bruder Voorhoeve über Lazarus schreibt:
»Sein Name wird nur wenige Male genannt, und von dem, was er redete und tat, wird nicht ein einziges Wort gesagt. Aber - er wurde von dem Herrn Jesus geliebt; der Herr Jesus nannte ihn seinen Freunde; er wird Zeuge der Auferstehungsmacht des Herrn Jesus und ein Teilhaber des Herrn Jesus in seinen Leiden und seiner Schmach.« (ebd., Seite 73)

Ich gebe selten direkte Leseempfehlungen, aber in diesem Fall, würde ich mir wünschen, dass doch viele Gläubigen sich einmal dieses Buch vornehmen und mit Gebet und dem Wort Gottes in der Hand, damit beschäftigen, was uns Gott durch dieses Haus in Bethanien zu sagen hat.

Dienstag, 24. März 2015

Lese-Tagebuch - Eintrag 19





Buch: Die Einheit der Gläubigen
Autoren: Christian Briem, Walter Briem, John N. Darby
Auflage: 3. Auflage 1985
Verlag: CSV
Seitenzahl: 42


Im zweiten kleineren Büchlein  finden wir im ersten Aufsatz das Brotbrechen (anderenorts ungenauer Abendmahl genannt) vor uns.
Der textlichen Gegenüberstellung der »beiden Seiten des Brotbrechens« (ebd., Seite 10-11), wollen wir hier in einer tabellarischen - und damit leichter zu erfassenden Form - ein wenig Raum geben:


1. Korinther 111. Korinther 10
Besprochen wird/werdendie innere Art und Weiseäußere Beziehungen
Die beiden Seiten:Das Mahl des HerrnDer Tisch des Herrn
Der GegensatzDas „eigene Mahl“Der Tisch der Dämonen
Es geht mehr um das,......was auf dem Tisch ist...wer an dem Tisch ist
Im Vordergrund steht mehr:Das MahlDer Gastgeber
Auf das Essen und Trinken in unwürdiger Weise folgt GerichtUnheilige Verbindungen haben eine Zerstörung des Zeugnisses vor der Welt zur Folge
Der Hauptgedanke, dessen was wir tun, ist:Das Gedächtnis des gestorbenen HerrnDer Ausdruck der Einheit des Leibes
Vor uns steht also mehr diepersönliche Seitekorporative Seite
Wenn wir an die Einheit des Leibes denken, tritt wiederum folgender Gedanke vor uns:
»Wie wir gesehen haben, bekennen wir beim Brotbrechen - wie wenig wir uns auch des Charakters unserer Handlungen bewußt sein mögen -, daß wir Teil des einen Leibes und mit allen anderen wahren Christen innigst verbunden sind. Nicht etwa, daß der Leib dadurch gebildet wird, aber sein Existenz wird anerkannt und seine Einheit praktischerweise bekannt« (ebd., Seite 13)
Wenn wir dies beachten, wird es uns vor sektiererischen Gedanken bewahren, gleichwohl wir - in aller Zerissenheit die unter den Gläubigen herrscht - den Leib des Herrn im Glauben auf eine Art und Weise sehen dürfen, wie ihn Gott sieht und wie er einmal in Ewigkeit wieder gesehen werden wird.

Der zweite Aufsatz widmet sich der Darstellung der Einheit, das unser Bekenntnis und unser Tun in Übereinstimmung stehen müssen, denn:
»Es ist daher gänzlich wertlos, mit dem Munde das Einssein aller Gläubigen anzuerkennen, während man sich mit anderen auf dem Boden einer christlichen Vereinigung mit besonderem Namen versammelt. Wer so handelt, widerspricht seinem Bekenntnis.« (ebd., Seite 20-21).
Ganz konkret:
»Die wahren Christen sind also gehalten, die schon bestehende Einheit des Heiligen Geistes zu bewahren und nicht an ihre Stelle ein menschliches Machwerk zu setzen. „Bewahren“ bedeutet, sich so zu versammeln und zu verhalten, daß man alles fernhält, was die Einheit des Geistes praktisch leugnet oder aufhebt; und das setzt voraus, daß man - und dies gehört auch zu dem Bewahren - die Lehre von dieser Einheit allein anerkennt und festhält.« (ebd., Seite 22).

Die letzte Abhandlung zum Thema ist ein Brief aus dem Jahr 1878, welcher unser Thema behandelt.
Wollen wir uns aber auch die folgenden Worte zu Herzen nehmen.
»Ich glaube, daß die christliche Berufung eine himmlische Berufung ist, daß der Christ, wie sein Meister, nicht von der Welt ist, und daß er auf Erden seinen Platz hat als ein Brief Christi, um inmitten der Menschen das Leben Jesu zu offenbaren, in der beständigen Erwartung, daß sein Herr wiederkommt, um ihn zu sich zu nehmen in die Herrlichkeit.« (ebd., Seite 27).
Gerade in unseren westlichen Ländern, dürfen wir für vieles aufrichtig dankbar sein; gegenüber früheren Generationen und auch vielen anderen Menschen heute leben wir - bis auf Ausnahmen - in einem unvergleichlichen Wohlstand. Wir Jüngeren haben (in der Regel) und werden hoffentlich auch nie erfahren was Krieg bedeutet. Ich fürchte jedoch, dass wir darüber vielfach unsere himmlische Berufung vergessen haben, um einem irdischen Wohlleben den Vorzug zu geben. Und fragen wir uns auch, ob wir in der beständigen Erwartung unseres Herrn leben. Der Apostel Paulus redet davon, »danach werden wir, die Lebenden, die übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und so werden wir allezeit bei dem Herrn sein. So ermuntert nun einander mit diesen Worten.« (1. Thessalonicher 4,17b-18; Elb.CSV). Wann hast Du das letzte Mal jemand mit dieser kostbaren Wahrheit ermuntert oder wurdest gar selbst ermuntert?

Kommen wir nochmals kurz zurück zu unserem eigentlichen Gegenstand:
»Auf der einen Seite gibt es das Werk Christi, auf der anderen, das was sich durch die Menschen und unter ihrer Verantwortlichkeit vollzieht« ... »Was Christus selbst baut, ist eine Sache, und die Frucht seiner Arbeit wird nicht verloren gehen. Was der verantwortliche Mensch baut, ist eine andere Sache.« ... »Was ist nun zu tun? Das Wort sagt uns, daß da, wo zwei oder drei im Namen Jesu versammelt sind, Er in ihrer Mitte  ist (Matth. 18,20). Danach haben wir gehandelt.« (ebd., Seite 37+38)

Montag, 23. März 2015

Lese-Tagebuch - Eintrag 18

Buch: Der gemeinsame Weg der Kinder Gottes nach der Heiligen Schrift
Autor: Karl-Heinz Weber
Auflage: 2. Auflage
Verlag: Ernst-Paulus-Verlag, Neustadt
Seitenzahl: 32

Bevor wir weitere ausführliche Ausarbeitungen betrachten, wollen wir einigen kleineren Ausführungen Raum geben. Das erste Büchlein ist eine »sprachliche Überarbeitung von Vorträgen« (ebd.), deren Wunsch es ist »diesen einen Weg, den Weg der Wahrheit, vorzustellen, damit wir alle persönlich eine Überzeugung gewinnen und diesen Weg dann auch aus Überzeugung gehen.« (ebd., Seite 5).
Diese Notwendigkeit unsere Überzeugung auf das Fundament des Wortes Gottes zu gründen, ist auch deshalb nötig, »damit wir nicht mehr Unmündige seien, hin und her geworfen und umhergetrieben von jedem Wind der Lehre, die durch die Betrügerei der Menschen kommt, durch ihre Verschlagenheit zu listig ersonnenem Irrtum;« (Epheser 4,13; Elb.CSV).

Die Einheit der Gläubigen hat uns schon in den vorhergehenden Teilen beschäftigt, »der Weg zur Einheit ist - so hat es Bruder Darby einmal gesagt - Trennung von dem Bösen« (ebd., Seite 10). Das wirklich beglückende dabei aber ist folgendes:
»Gottes Wort spricht über die Absonderung nicht zuerst im negativen Sinn, es zeigt uns nicht nur, dass Absonderung Wegwendung von dem Bösen ist, sondern es zeigt uns vielmehr, dass Absonderung eine Hinwendung zu der Person des Herrn ist.« (ebd., Seite 12)
Wer sich an Hebräer 13,13 hält, der wird finden, dort, außerhalb des Lagers, ist der Herr zu finden.

Auch den Überrest haben wir schon in dem Buch von Campbell gefunden und wollen hier noch die Kennzeichen desselben vor uns stellen:
1. »Absolute Unterwerfung unter das Wort Gottes«
2. »Hingabe an den Herrn Jesus und die Wahrheit«
3. »aufrichtige Trauer, ein Schmerz über die Zerissenheit auf christlichem Boden«
(ebd., jeweils Seite 14)
Das dies nicht mit Anmaßung oder Hochmut einhergehen kann, wurde ebenfalls schon gesagt:
»Der Überrest beansprucht auch nicht, der Überrest zu sein, aber er ist bemüht, die Lehre zu verwirklichen, die der Herr ursprünglich der ganzen Kirche gegeben hat.« (ebd., Seite 15)
In der Tat ist dies ein Urteil, welches dem Herrn zufällt. Unser Wunsch und unsere Bemühungen sollen es jedoch sein, so zu leben, einmal die Worte des Herrn hören zu dürfen: »Wohl, du guter und treuer Knecht« (s. Matthäus 25 / Lukas 19), einen Vers den der Bruder an das Ende seiner Ausführungen stellt (s. Seite 32).
Es mag wohl so sein, »der christliche Mensch braucht große Zahlen, um die Richtigkeit seines Tuns zu beweisen. Aber das ist nicht die Weise Gottes. Der Herr Jesus neigt sich zu den wenigen herab, die nach den Grundsätzen der Heiligen Schrift zusammenkommen möchten« (ebd., Seite 24-25).

Sonntag, 22. März 2015

Lese-Tagebuch - Eintrag 17

Buch: Die Versammlung des lebendigen Gottes
Autor: Raymond K. Campbell (1909-1991)
Auflage: 1. deutsche Auflage 2013
Verlag: VCG (Verbreitung des christlichen Glaubens e.V.)
ISBN: 978-3-86311-014-7
Seitenzahl: 384

Ein weiteres empfehlenswertes Buch über die Gemeinde (Versammlung) nach den Gedanken Gottes ist dieses. Wie ist es möglich heute...
»in praktischer Weise Zeugnis von der herrlichen Wahrheit über die Einheit des Leibes Christi zu geben und sichtbar in Tat die Einheit des Leibes Christi zu bekennen.«? (Campbell, Seite 20)
Der Autor betont, »dass die Versammlung Gottes keine von Menschen geschaffene Organisation ist, sondern ein lebendiger Organismus, der aus lebendigen Gliedern besteht.« (ebd., Seite 25); »ein geistliches Gebäude aus lebendigen Steinen - aus Gläubigen in Christus.« (ebd., Seite 29). Und »der Gegenstand der innigsten und zärtlichsten Zuneigung Christi und seiner liebenden Fürsorge« (ebd., Seite 33). Selbstverständlich sind diese Wahrheiten mit Konsequenzen verbunden, denen wir uns stellen müssen, wenn wir dem Herrn treu sein wollen. Dabei wird der Blick nach oben gerichtet, darauf, dass die...
»Hoffnung und Bestimmung der Versammlung als Braut Christi darin besteht, mit Ihm in der himmlischen Herrlichkeit vereinigt und verbunden und Ihm gleich zu sein, verwandelt in sein Bild.« (ebd., Seite 38).
Es kann nicht alles lückenlos aufgezählt werden, was angesprochen wird, aber es macht dankbar, mit wie viel Einsicht dieses Buch geschrieben wurde. Über die Heilige Schrift heißt es:
»„Das sagt der Herr“ ist die göttliche Autorität für die Versammlung des lebendigen Gottes, die unter der Leitung des Heiligen Geistes für jede erforderliche Handlung völlig ausreicht.« (ebd., Seite 121).
Die Nähe zum Wort Gottes und der Wunsch von der Schrift her alles zu begründen ist eine der herausragenden Stärken dieses Buches. Von den ersten Christen wird festgehalten:
»Sie brachen nicht gelegentlich das Brot, wie es Gewohnheit der meisten Christen in unseren Tagen ist, sondern regelmäßig an jedem Tag des Herrn. So sollten wir es auch tun, wenn wir dem göttlichen Muster folgen würden, das uns in der Schrift gegeben wird. Diese frühen Christen liebten ihren Herrn zu sehr, um das kostbare Gedenken an seine Liebe zu vernachlässigen, das er in der Nacht seiner Überlieferung eingesetzt hatte.« (ebd., Seite 132).
Sehr schön sind auch die vielfältigen Gedanken, die ab Seite 155 über die Anbetung geäußert werden. Bruder Campbell zitiert an einer Stelle Samuel Ridout mit den Worten:
»Kurz gesagt hat christliche Anbetung ihre Quelle in einer vollbrachten Erlösung; ihr Gegenstand ist Gott, der Vater und der Sohn. Ihr Ort ist die Gegenwart Gottes, ihr Kraft der Heilige Geist, ihr Inhalt die im Wort Gottes völlig offenbarten Wahrheiten und ihre Dauer die Ewigkeit« (ebd., Seite 161).
Eine Gemeinde ist nicht nur aufgerufen »sich abgesondert von allem, was im Widerspruch zu Gottes Wort steht zu versammeln« (ebd., Seite 307), sondern bildet mit anderen Gemeinden, die dies ebenfalls tun »eine praktische Einheit der Gemeinschaft, die der Geist Gottes durch den Gehorsam den Schriften gegenüber hervorbringt. Es ist die einzige praktische Darstellung des Leibes Christi.« (ebd., Seite 308). Wie erhaben ist doch, was Gott im Gehorsam Ihm gegenüber wirkt, gegenüber jenen kläglichen menschlichen Bemühungen eine (falsche!) Einheit auf Kosten der Wahrheit zu schaffen. »Wir müssen den ganzen Leib Christi anerkennen, nicht jedoch die schriftwidrigen Gruppierungen von Gläubigen« (ebd., Seite 309).

Wie schön, wenn wir dann tun dürfen was wir von den Gemeinden aus der Schrift her kennen:
»Durch den Austausch liebevoller Grüße, durch Besuche von Dienern des Herrn unter den Versammlungen und durch die Mitteilungen bezüglich des Wohlergehens sowie der Betätigungen der Einzelnen wurden die Heiligen und die Versammlungen noch enger untereinander verbunden und in der praktischen Liebe, Gemeinschaft und Einheit aufrechterhalten.« (ebd., Seite 313).
Es werden weitere Punkte aufgezählt, aber wir wollen fortfahren mit folgendem Gedanken:
»In der ganzen Schrift finden wir, ganz gleich wie groß das Verderben, das Versagen und die moralische Dunkelheit des allgemeinen Zeugnisses oder der Zeit sind, dass Gott immer einige treue Gläubige hatte, die abgesondert von den verderbten und gottlosen Massen oder dem toten Bekenntnis derer, die behaupteten, Gott zu gehören, und durch wahre Hingabe an Gott und seine Interessen gekennzeichnet waren.« (ebd., Seite 356). 
Es bleibt, dass es »das Vorrecht des einzelnen Gläubigen ist, die Gemeinschaft mit Gott genauso voll und kostbar genießen und auf ebenso hohem Pfad des Gehorsams und Segens wandeln zu dürfen wie in den hellsten Tagen der Geschichte der Versammlung.« (ebd., Seite 358).
Der Autor macht ebenso deutlich, dass dies nichts mit Anmaßung oder Hochmut zu tun hat oder einhergehen kann. Da ist ein Bewusstsein für das »gemeinsame Versagen und Verderben des allgemeinen Zeugnisses« (ebd., Seite 357). Aber eben auch Dankbarkeit dafür, dass es heute noch möglich ist Gottes Gedanken verwirklichen zu dürfen und sei es auch in Schwachheit und kleiner Zahl. Und dazu ist letztlich jedes wahre Kind Gottes aufgerufen.

Montag, 2. März 2015

Lese-Tagebuch - Eintrag 16

Buch: Biblische Gemeinde - heute noch möglich?
Autor: Manuel Seibel
Auflage: 1. Auflage 2011
Verlag: CSV, Hückeswagen
ISBN: 978-3-89287-391-4
Seitenzahl: 167

In der Einleitung legt der Autor dar:
»Manche Leser beschäftigen sich vielleicht das erste Mal mit diesem Thema. Gerade ihnen ist dieses Buch gewidmet. Es ist mein Wunsch, dass es in einfacher Weise die biblische Wahrheit über die eine Gemeinde vorstellt.« (Seibel, Seite 14)
Der Einstieg in die Beschäftigung mit diesem wichtigen und schönen Thema ist somit denkbar geebnet. Neben den dargestellten biblischen Wahrheiten werden jeweils "praktische Schlussfolgerungen" bzw. "praktische Konsequenzen" genannt, die sich aus dem vorherigen ergeben. Gerade hier besteht die Herausforderung das Erkannte nicht nur zu bejahen, sondern auch tatsächlich  die Konsequenzen ernst zu nehmen und danach zu handeln!

Martin Luther schrieb einmal eine Schrift "Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche", die letztlich nur dort überwunden werden kann, wo man allein Gott und Sein Wort gelten lässt. Dies sei an dieser Stelle erwähnt, weil die Reformatoren dabei leider an ihre Grenzen kamen. So sah Luther z.B. das "allgemeine Priestertum aller Gläubigen" sehr wohl, wie seine Schrift De instituendis ecclesiae ministris belegt, zog daraus aber nicht die abschließenden Schlussfolgerungen und hielt an Ämtern und Maßnahmen (wie der Einsetzung der Landesfürsten als Notbischöfe) fest, die keinen Rückhalt in der Schrift haben.
In der Erweckungsbewegung des 18./19. Jahrhunderts ging man diesen entscheidenden Schritt weiter und beantwortete die Frage ob biblische Gemeinde auch heute noch möglich sei mit einem unmissverständlichen: Ja!
Dieser kurze geschichtliche Abriss, der freilich über das Buch und seine schriftzentrierte Betrachtung hinausgeht, war mir aus persönlichen Gründen wichtig. Man hat sich so daran gewöhnt, dass manche Dinge eben so sind, dass der Gedanke an eine schlichte Umsetzung der biblischen Wahrheit vielfach verloren gegangen ist. Das "Ja, aber..." ist das Mantra der "babylonischen Gefangenschaft" heutiger Tage. Dem entgegen ist das Buch eine Ermutigung biblische Wahrheit zu verwirklichen.

Um aber noch einige Beispiele aus dem Buch selbst zu nennen. Der Autor schreibt:
»Christus Jesus ist der Himmlische, der auf die Erde kommen musste, um zu leiden, dann aber verherrlicht wurde. Die Versammlung hat ihre eigentliche Heimat im Himmel und lebt nur für eine Übergangszeit hier auf der Erde.« (Seibel, Seite 28/29)
Daraus folgt dann u.a.:
»Da die Versammlung ewig im Himmel sein und die Herrlichkeit Gottes offenbaren wird (vgl. Offenbarung 21,9-22,5), sollte sie schon hier auf der Erde etwas von dieser himmlischen Wirklichkeit sichtbar werden lassen.« (ebd., Seite 30)
Und: »Schließlich bedeutet das himmlische Wesen der Gemeinde praktisch, dass ein Christ auf das Wiederkommen von Jesus Christus wartet, mit dem die Gemeinde ja schon jetzt untrennbar verbunden ist und der sie daher zu sich in den Himmel holen wird.« (ebd., Seite 31)
Wie es möglich ist auch heute noch die Gedanken Gottes über seine Gemeinde zu verwirklichen, wird insbesondere ab Seite 97 beantwortet - auch hierzu drei Zitate:
»Man kann sich mit denen zusammentun, die den Herrn aus reinem Herzen anrufen (vgl. 2. Timotheus 2,22), ohne dazu eine neue Gemeinde zu "gründen": Man versammelt sich mit solchen Glaubensgeschwistern auf der Grundlage des Wortes Gottes wie am Anfang der christlichen Zeit, allerdings jetzt in dem Bewusstsein, nicht mehr die (ganze) Ortsgemeinde zu sein bzw. ohne vorzugeben, die örtliche Versammlung zu sein.« (ebd., Seite 99)
»...aus der Sicht Gottes gehören alle Gläubigen am Ort zu seiner Kirche, unabhängig davon, wo sie sich versammeln. Von der menschlichen Seite aus, also was unsere Verantwortung betrifft, bleibt jedoch bestehen, dass man feststellen kann, wo Geschwister an einem bestimmten Ort auf der biblischen Grundlage der einen Gemeinde zusammenkommen.« (ebd., Seite 98)
»Auf der Grundlage des Neuen Testaments ist es daher richtig, einfach "als Gemeinde" zusammenzukommen, wie es auch am Anfang nach 1. Korinther 11,18 praktiziert wurde. Man muss sich dann bewusst sein, dass man nicht "die" Kirche am Ort ist, denn es gibt noch mehr Christen. Man kommt aber so zusammen, dass alle Gläubigen am Ort kommen könnten und auch aufgenommen werden, wenn sie die mehrfach genannten Voraussetzungen für die Gemeinschaft der Gemeinde erfüllen (vgl. S. 112)« (ebd., Seite 131)
Am Ende des Buches wird Literatur empfohlen, die ein weiterführendes und vertiefendes Studium zulassen. Festgehalten sei aber auch dies:
»Der Weg des Gehorsams unter Gottes Wort ist immer der Weg des Segens. Vielleicht in äußerer Hinsicht nicht auf kurze Sicht. Aber sicher auf lange Sicht.« (ebd., Seite 159)

Sonntag, 15. Februar 2015

Wenige Gedanken zur Erbauung / Auferbauung

Beschäftigt man sich heute mit dem Wort Auferbauung, sieht man, dass oft sehr stark auf die Gefühlsebene fokussiert wird; was sich gut anfühlt wird als auferbauend empfunden. Erbauung ist jedoch kein Synonym für Ermunterung, sondern ein Heranwachsen zu geistlicher Reife.

Zum einen ist es die Verantwortung jedes einzelnen Gläubigen:
»Ihr aber, Geliebte, euch selbst erbauend auf euren allerheiligsten Glauben, betend im Heiligen Geist, erhaltet euch selbst in der Liebe Gottes, indem ihr die Barmherzigkeit unseres Herrn Jesus Christus erwartet zum ewigen Leben.« (Judas 1,20-21; Elb.CSV).
Zum anderen ist es eine die Versammlung (bzw. Gemeinde) betreffende Sache:
»Und er hat die einen gegeben als Apostel und andere als Propheten und andere als Evangelisten und andere als Hirten und Lehrer, zur Vollendung der Heiligen, für das Werk des Dienstes, für die Auferbauung des Leibes des Christus, bis wir alle hingelangen zu der Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zu dem erwachsenen Mann, zu dem Maß des vollen Wuchses der Fülle des Christus;« (Epheser 4,11-13; Elb.CSV).
Die Grundlagen wurden gelegt und sind unumstößlich:
»aufgebaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten, indem Christus Jesus selbst Eckstein ist, in welchem der ganze Bau, wohl zusammengefügt, wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn, in dem auch ihr mitaufgebaut werdet zu einer Behausung Gottes im Geist.« (Epheser 2,20-22; Elb.CSV)
Das im Altgriechischen verwendete Wort hat die Grundbedeutung von "ein Haus bauen" und wird z.B. auch in Matthäus 7,24 verwendet: »Jeder nun, der irgend diese meine Worte hört und sie tut, den werde ich mit einem klugen Mann vergleichen, der sein Haus auf den Felsen baute;« (Elb.CSV).
Da die Grundlage der Apostel und Propheten in der Zeit der Urgemeinde gelegt wurde und im Abschluss des biblischen Kanons ihre Vollendung fand, ging auch das Amt des Apostels zu Ende. Gleichwohl gibt es auch heute noch Gaben, d.h. geistliche Fähigkeiten, wie die von Evangelisten, Hirten oder Lehrern, die für den ganzen Leib Christi gegeben werden.

Wenn wir über Auferbauung nachdenken, müssen wir unbedingt die Verbundenheit mit dem Herrn Jesus festhalten.
»Wie ihr nun den Christus Jesus, den Herrn, empfangen habt, so wandelt in ihm, gewurzelt und auferbaut in ihm und befestigt in dem Glauben, so wie ihr gelehrt worden seid, überströmend darin mit Danksagung.« (Kolosser 2,6-7; Elb.CSV).

Erbauung führt über den Weg des geistlichen Wachstums zu geistlicher Reife. Darin sollen wir einander Hilfe sein: »Deshalb ermuntert einander und erbaut einer den anderen, wie ihr auch tut.« (1. Thessalonicher 5,11; Elb.CSV). Es ist ein gemeinsames Bauen, denn da ist ein Leib, die Versammlung. Jedes gesunde Streben nach persönlicher Erbauung, schließt letztlich den Dienst an den Geschwistern wieder mit ein; alles zur Ehre Gottes zu tun (vgl. 1. Kor. 10,31b).

Solange wir auf dieser Erde sind haben wir die Verantwortung zu "(er)bauen", was Einsatz, Energie, Zeit und Arbeit kostet. Wir sind aufgefordert mit "Gold, Silber, wertvollen Steinen" (s. 1. Kor. 3,12) zu bauen, Bilder für die Gerechtigkeit Gottes, die Erlösung die uns zuteil wurde und die Herrlichkeiten in Christus. Und doch hängt die Vollendung des Baus nicht von uns ab. Es ist Gottes Gnade, die uns Teilhaber sein lässt, da Er Seine Gemeinde baut; es gibt kein Bauen ohne Ihn. Und alles was ohne ihn getan wird, muss vergehen, ist auf "Holz, Heu und Stroh" (ebd.) gebaut und damit vergänglich.

Zu den Gaben die für die Erbauung des Leibes gegeben werden schreibt Paulus einmal: »Was aber die geistlichen Gaben betrifft, Brüder, so will ich nicht, dass ihr unwissend seid.« (1. Korinther 12,1; Elb.CSV). Eine dieser Gaben die heute wenig gesehen und wertgeschätzt wird ist die Gabe der Ermahnung: »Da wir aber verschiedene Gnadengaben haben, nach der uns verliehenen Gnade:« ... » es sei, der ermahnt, in der Ermahnung« (Römer 12,6a+8a; Elb.CSV). Ich schreibe dies, weil ich dabei an Paulus denke, der berichtet:
»Als aber Kephas nach Antiochien kam, widerstand ich ihm ins Angesicht, weil er dem Urteil verfallen war. Denn bevor einige von Jakobus kamen, hatte er mit denen aus den Nationen gegessen; als sie aber kamen, zog er sich zurück und sonderte sich ab, da er sich vor denen aus der Beschneidung fürchtete. Und mit ihm heuchelten auch die übrigen Juden, so dass selbst Barnabas durch ihre Heuchelei mit fortgerissen wurde. Aber als ich sah, dass sie nicht den geraden Weg nach der Wahrheit des Evangeliums wandelten, sprach ich zu Kephas vor allen: Wenn du, der du ein Jude bist, wie die Nationen lebst und nicht wie die Juden, wie zwingst du denn die Nationen, jüdisch zu leben?« (Galater 4,11-14; Elb.CSV).
Die Erbauung des Leibes der Gemeinde war die Folge der Ermahnung von Paulus gegenüber Petrus (Kephas) seinen falschen Weg zu verlassen - vor allen, weil die Gefahr bestand, dass er noch weitere, wie es bei Barnabas geschehen war, mit sich fortreißen würde. Die Erbauung bestand nicht vorangig aus der Ermahnung selbst, wohl aber aus der notwendigen Erkenntnis den geraden Weg nach der Wahrheit des Evangeliums verlassen zu haben und der Rückkehr auf den geraden Weg. Gleichzeitig bestand die Erbauung aber auch darin, die Gemeinde davor zu bewahren einen falschen Weg mitzugehen, ihr zu verstehen zu geben, warum Petrus Verhalten Heuchelei war. Gott hat aus Juden-Christen und Heiden-Christen die eine Versammlung gebildet. Das Verständnis dafür und die praktischen Konsequenzen die sich daraus ergeben, sollte die Gemeinde prägen, nämlich das die Gemeinde kein "christianisiertes Judentum" ist, dem die Beschränkungen des Judentums aufzuerlegen sind: »Denn er ist unser Friede, der aus beiden eins gemacht und abgebrochen hat die Zwischenwand der Umzäunung, nachdem er in seinem Fleisch die Feindschaft, das Gesetz der Gebote in Satzungen, weggetan hatte, damit er die zwei, Frieden stiftend, in sich selbst zu einem neuen Menschen schüfe« (Epheser 2,14-15; Elb.CSV) / »Für die Freiheit hat Christus uns freigemacht; steht nun fest und lasst euch nicht wieder unter einem Joch der Knechtschaft halten.« (Galater 5,1; Elb.CSV).


Wenn wir uns also fragen, warum Gemeinden heute vielfach in einem unguten, ungeistlichen Zustand sind, dann ist eine Antwort sicherlich wegen der falschen und oberflächlichen Lehre über Erbauung. Da ist eine Unwissenheit über das Wesen Gottes, sein Wort, den Charakter der Versammlung und letztlich auch über die geistlichen Gaben. Wahrhaftige biblische Erbauung wird preisgegeben zugunsten einer Pseudo-Erbauung, die den Charakter dessen trägt was Paulus an Timotheus schreibt - »Denn es wird eine Zeit sein, da sie die gesunde Lehre nicht ertragen werden, sondern nach ihren eigenen Begierden sich selbst Lehrer aufhäufen werden, indem es ihnen in den Ohren kitzelt;« (2. Timotheus 4,3; Elb.CSV) - weil man sich dabei wohlfühlt.

Bleiben wir bei dem Wort Gottes (siehe 2. Timotheus 3,16), in gegenseitigem Dienst (siehe Epheser 4,11-16) und gegründet im Glauben (siehe Judas 1,20), auch dann das Beste, die Erbauung der Geschwister suchend, wenn es mit Schwierigkeiten verbunden ist (vgl. Apg. 20,31). Das schließt auch mit ein, selbst Korrektur durch gottgegebene Erkenntnis anzunehmen und dort wo es sein darf anderen eine Hilfe zu sein, »so sucht, dass ihr überströmend seid zur Erbauung der Versammlung.« (1. Korinther 14,12b; Elb.CSV).

Dienstag, 10. Februar 2015

"Meinungsmathematik" im ZDF - Teil 2

Im vorhergehenden Teil haben wir den Zusammenhang, der von Max Uthoff in der ZDF-Sendung "Die Anstalt" vom 03. Februar 2015 zitierten Bibel-Verse, betrachtet. Nebenbei wurde festgestellt, dass es sich bei Sure 2,19 [? - vielleicht ist Sure 4,89 o. 90 gemeint; Ich bin nicht sicher, ob Uthoff hier die richtige Stelle angibt] des Korans (»Tötet die Ungläubigen wo immer ihr sie findet.«) um einen Imperativ handelt. Welche Imperative werden Christen und welche Muslimen gegeben, wäre also der eigentlich angemessene Vergleich gewesen. Es reicht mir hier aber aus, aufzuzeigen, dass wir Christen nicht zu Gewalt aufgerufen werden.

Der Leitvers dieses Blogs, die Worte des Herrn Jesus machen deutlich: »Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt; wenn mein Reich von dieser Welt wäre, hätten meine Diener gekämpft, damit ich den Juden nicht überliefert würde; jetzt aber ist mein Reich nicht von hier.« (Johannes 18,36; Elb.CSV). Wenn die Christen zum "Kampf" aufgerufen werden, dann im Gebet: »Ich ermahne nun vor allen Dingen, dass Flehen, Gebete, Fürbitten, Danksagungen getan werden für alle Menschen, für Könige und alle, die in Hoheit sind, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und würdigem Ernst. Denn dies ist gut und angenehm vor unserem Heiland-Gott, der will, dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.« (1. Timotheus 2,1-4; Elb.CSV). Es wird sogar deutlich hervorgehoben: »Denn unser Kampf ist nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Fürstentümer, gegen die Gewalten, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Örtern.« (Epheser 6,12; Elb.CSV). Diese Zurüstung zum geistlichen Kampf wird in den nachfolgenden Versen des Epheserbriefs beschrieben, wobei das einzige Schwert des Christen »das Schwert des Geistes, das Wort Gottes« ist.
Der Wille Gottes ist für den Christen deutlich genug: »Denn so ist es der Wille Gottes, dass ihr dadurch, dass ihr Gutes tut, die Unwissenheit der unverständigen Menschen zum Schweigen bringt:« (1. Petrus 2,15; Elb.CSV).

Der Herr Jesus ist das Vorbild des Christen: »Denn dies ist wohlgefällig, wenn jemand um des Gewissens vor Gott willen Beschwerden erträgt, indem er zu Unrecht leidet. Denn was für ein Ruhm ist es, wenn ihr ausharrt, indem ihr sündigt und geschlagen werdet? Aber wenn ihr ausharrt, indem ihr Gutes tut und leidet, das ist wohlgefällig bei Gott. Denn hierzu seid ihr berufen worden; denn auch Christus hat für euch gelitten, euch ein Beispiel hinterlassend, damit ihr seinen Fußstapfen nachfolgt;« (1. Petrus 2,19-21; Elb.CSV).
»Denn hierzu seid ihr berufen worden; denn auch Christus hat für euch gelitten, euch ein Beispiel hinterlassend, damit ihr seinen Fußstapfen nachfolgt; der keine Sünde tat, noch wurde Trug in seinem Mund gefunden, der, gescholten, nicht wiederschalt, leidend, nicht drohte, sondern sich dem übergab, der gerecht richtet;« (Philipper 2,21-23; Elb.CSV).

Auch die Anweisungen die Paulus an die Römer schreibt sind unmissverständlich: »Segnet, die euch verfolgen; segnet, und flucht nicht.« ... » Vergeltet niemand Böses mit Bösem; seid bedacht auf das, was ehrbar ist vor allen Menschen. Wenn möglich, soviel an euch ist, lebt mit allen Menschen in Frieden. Rächt nicht euch selbst, Geliebte, sondern gebt Raum dem Zorn; denn es steht geschrieben: "Mein ist die Rache; ich will vergelten, spricht der Herr". Aber wenn dein Feind hungrig ist, gib ihm zu essen; wenn er durstig ist, gib ihm zu trinken; denn wenn du dieses tust, wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln. Lass dich nicht von dem Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem Guten.« (Römer 12,14+17-21; Elb.CSV).

Man könnte noch eine Vielzahl anderer Stellen anführen, einfach weil dies zum Grundtenor dessen gehört, wozu Christen aufgerufen werden. Viele die sich unredlicherweise Christen nannten, ohne es jemals zu sein, mögen herzlich wenig Interesse an diesen Geboten Gottes gezeigt haben; gleichwie auch einzelne wahre Gläubige irregeleitet gewesen sein mögen. Die Lehre der Heiligen Schrift macht ausreichend deutlich, dass es sich hierbei eindeutig um zu verurteilende Abweichungen handelt.

Es gibt keinen Imperativ in der Bibel, der einen Christen dazu auffordert eine andere Person zu töten. Daher halte ich Uthoffs Vorgehen auch für völlig unwahrhaftig, geradezu für ein Meisterstück an "Meinungsmathematik". Die Kirchengeschichte, die ebenfalls in der Sendung angesprochen wurde, belegt eindeutig: Von den Christen die die Heilige Schrift ernstnahmen ging niemals eine Gefahr aus, sondern von solchen die dies nicht taten oder sich nur "Christen" nannten - und dazu ist auch die römische Kirche zu zählen.

Offensichtlich kann sich Uthoff nicht vorstellen, dass die wörtliche Interpretation des Inhalts zweier Bücher zu völlig abweichenden Verhaltensweisen führt; einfach deshalb weil ihr Inhalt sich in wesentlichen Aussagen massiv unterscheidet. Dazu gehört dann auch das Prinzip der Abrogation,
»die Aufhebung einer normativen Bestimmung des Korans oder der Sunna durch eine andere, zeitlich nachfolgende Bestimmung aus Koran oder Sunna«; »Hier setzte sich schon ziemlich früh die Auffassung durch, dass der Schwertvers (9:5) und der Vers, der zum Kampf gegen die Ahl al-kitab auffordert (9:29), alle anderen Verse, die zu einem friedfertigen Verhalten gegenüber den Ungläubigen ermahnen (8:61; 29:46), aufgehoben habe.« (Quelle: Wikipedia).

Eine andere Form der Manipulation die heute stattfindet (wenn auch dankbarerweise nicht in obig behandelter Sendung, aber um die Sache deutlicher zu machen), ist der undifferenzierte Gebrauch des Wortes Fundamentalismus. In einem vorhergehenden Artikel wurde schon aufgezeigt...
Zwischen 1910 und 1915 wurde dann die zwölfbändige Aufsatzreihe „The Fundamentals: A Testimony to the truth“ veröffentlicht, an der neben Theologen wie R. A. Torrey, Arno C. Gaebelein, B. B. Warfield und Thomas Spurgeon auch wieder C. I. Scofield vertreten war.
Ihr aller Anliegen war es die grundlegenden Lehren des Christentums – in Zusammenhang mit der aufkommenden Bibelkritik – zu verteidigen. Das heißt: Sie taten nicht mehr als all das darzulegen, was in den Jahrhunderten davor die Väter als Glaubensgut festgehalten hatten.
Unter den Autoren waren namhafte Theologen und Sprachwissenschaftler ihrer Zeit, die ihr intellektuelles Vertrauen in die Zuverlässigkeit und Irrtumslosigkeit der Bibel zum Ausdruck brachten. Da war kein Gedanke an Gewalt, weil ihr Fundament, Gott und Seine Wahrheit, es nicht zuließen. Dies gleichzusetzen mit einem gewaltbereiten, auf unterdrückerischer Expansion ausgerichteten Fundamentalismus, kann eigentlich nur als bewusst arglistig bezeichnet werden. Denn gerade dafür liefert die Bibel dem Christen, wie oben gezeigt, eben gerade kein Fundament. Das kann jedoch kaum von jedem "Fundament", auf das sich Menschen berufen, mit dieser Bestimmtheit gesagt werden. Daher kann der Versuch Uthoffs die Bibel und den Koran auf eine Stufe zu stellen, letztlich nur als naiv zurückgewiesen werden.

Montag, 11. Februar 2013

Lese-Tagebuch - Eintrag 14

Buch: Nimm Gott beim Wort! eine Herausforderung für dich und mich
Autor: Charles Henry Mackintosh (1820-1896)
Auflage: Copyright der Auflage: Beröa-Verlag Zürich 2012
Verlag: Beröa-Verlag Zürich
ISBN: 978-3-909337-95-8
Seitenzahl: 144

Mich beeindruckt  die Gemeinde von Ephesus, sooft ich darüber nachdenke. Der Herr Jesus konnte dieser Gemeinde sehr tiefe Wahrheiten mitteilen (siehe den entsprechenden Brief im Neuen Testament), aber später musste er sie – trotz allem Guten, das immer noch vorhanden war ,– dafür tadeln, dass sie Ihn, die erste Liebe verlassen hatten (s. Offenbarung 2).

Es ist daher gut, dass Bruder Mackintosh dieses Buch mit unserer »Glaubensbeziehung zum Herrn Jesus« beginnt, uns in Erinnerung ruft, »dass wir mit echtem Herzensentschluss unserem Herrn und Heiland anhangen!« (Mackintosh, Seite 21).

Sicherlich sind wir Menschen charakterlich verschieden, aber es gibt auch Bereiche in denen alle so ziemlich gleich sind. Die folgende Ermahnung dürfte daher wohl für uns alle gleich wichtig sein:
»Erinnere dich an die Niederlage von Petrus und hüte dich vor Selbstvertrauen! Fördere einen Geist des Gebets! Halte dich nahe zum Herrn Jesus! Halte dich vom Einfluss der Gunst dieser Welt fern!
Bewahre dich selbst rein (1. Timotheus 5,22)!
Hüte dich, schläfrig und träge zu werden. Sei ernst und wachsam! Beschäftige dich mit Christus!« (ebd., Seite 28).
Bruder Mackintosh redet im Weiteren über Selbstentäusserung als Voraussetzung für echte Gemeinschaft; »miteinander vorwärtszugehen« … »das eigene «Ich» aufgeben« (ebd., Seite 38). Gerade hier herrscht heute so viel Not und ist so wenig Einsicht vorhanden. Wo die „alten“ Brüder (wie Mackintosh) klare, scharf umrissene Gegensätze aufzeigten, versucht man heute alles symbiotisch zusammenzufassen. Das ist der Charakter der Vermischung, dem es zu widerstehen gilt.

Das wir auch hier in der Praxis (der Selbstentäusserung) so manches Mal Straucheln, können wir offen zugeben. Das ist doch nicht die Frage. Die Frage ist: Sind wir auf das richtige Ziel hin ausgerichtet? Nur dann vermögen wir auch darin in unserem Glaubensleben heranwachsen. Und genau so verhält es sich mit der Frage der »Selbstverleugnung«, die danach angesprochen wird. Versuchen wir hier tatsächlich die göttlichen Gedanken (Seines Wortes) zu verstehen und danach zu handeln oder denken wir hier schon wie die Welt? Antworten Sie sich einmal ehrlich.

Wie wichtig die Geschwister sind, wurde mir vor kurzem wieder sehr eindrücklich vor Augen gestellt, als ein Bruder davon sprach, das im letzten Jahr Gelernte in seinem Leben mehr umsetzen zu wollen. Aus einer solchen Haltung heraus entstand damals der Pietismus. Der Glaube sollte nicht im Kopf „steckenbleiben“, sondern zum Herzen durchdringen. Unsere Beziehung zum Herrn Jesus ist ja nicht intellektueller Art, so hoch manche Wahrheiten auch sein mögen in die wir blicken dürfen, sondern zutiefst persönlicher Natur. Und jede Wahrheit, alles in der Schrift ist mit Ihm verbunden, der selbst die Wahrheit ist.

Wenn dann im Weiteren die »Selbstbeherrschung« angesprochen wird, verstehen wir langsam wohin unser „Selbst“ gebracht werden soll. In einer Zeit wo der Zeitgeist alles jetzt und sofort haben will, ist das natürlich eine Herausforderung. Aber es ist ja nicht nur das Lernen von Verzicht oder Geduld, sondern »eine Eigenschaft, die den kennzeichnet, der das eigene «Ich»  in dauernder Unterordnung hält.« (ebd., Seite 46). Hierbei wird von Mackintosh notwendigerweise auf Philipper 4,13 und 1. Korinther 1,30 verwiesen.

Es sind oft kurze Kapitel mit prägnanten Gedanken, die es wert sind im Einzelnen überdacht und anhand der Schrift geprüft zu werden; da steht jeder von uns auch ganz persönlich vor dem Herrn, mit dem, was er zu lernen hat. Gerade schon bekannte Gedanken sollten wir nicht allzu schnell zur Seite legen. Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass ich zwar Wahrheiten kenne, ihre Bedeutung für mein Leben und in meinem Leben sich aber erst allmählich entfaltet – auch dies scheint mir ein wachstümlicher Prozess zu sein.

Und dann wäre da noch diese Sache: »Wenn wir glücklich sein wollen, müssen wir uns mit Gott und mit dem, was Ihn umgibt, beschäftigen. Befassen wir uns aber mit uns selbst und unserer Umgebung, so sind Elend und Klagen die Folge.« (ebd., Seite 80).
Gleichzeitig gilt aber auch: »Aber wenn unsere Wege und Werke nicht so sind, wie sie sein sollten, dann müssen wir uns mit ihnen beschäftigen und sie richten.« (ebd., Seite 104). Später erklärt Mackintosh, wenn es um die Erziehung durch Gott geht: »Er beschäftigt sich sogar mit unseren Schwachheiten, Fehlern und Sünden, um uns von ihnen zu befreien und uns an seiner Heiligkeit teilhaben zu lassen.« (ebd., Seite 132).

Insgesamt habe ich länger an dem Buch gelesen, als ich ursprünglich wollte, weil ich immer wieder abgesetzt habe, um einen bestimmten Gedanken innerlich zu bewegen. Ich glaube der Untertitel: »eine Herausforderung für dich und mich« trifft es sehr gut. Lassen wir uns herausfordern Gott beim Wort zu nehmen.

Mittwoch, 6. Februar 2013

Selbstliebe - ein geistlicher Betrug! (Zitatesammlung)

Als ich mich vor etlicher Zeit leider mit diesem Thema beschäftigen musste, habe ich einige Zitate zusammengetragen, die ich hier im Folgenden wiedergeben möchte (Hervorhebungen stammen von mir):
»So vermeidet der Hoffende die Überheblichkeit und die Verzweiflung, die beiden Gefahren, denen der falsche Fromme über kurz oder lang erliegen muss. Er kennt nur dies: den Blick auf Gott in Furcht und Hoffnung, und den Dank für Gottes unverdiente Güte. Und eben dieser Dank ist es nun auch, der des Frommen Hände willig macht zu allem guten Werk. Von der Selbstliebe befreit kann er dem Nächsten nicht mehr lieblos begegnen; weil ihm die Selbstgerechtigkeit genommen ist, mag er sich nicht mehr über den andern erheben.«
Martin Luther, Predigt: Liebe zu Gottes Namen heißt in allem sein Werk ehren
»Die stärkste Macht im Leben eines jeden Menschen ist das Wohlgefallen an sich selbst, die Selbstliebe. Und erst da kommt es zur Buße, wo das erschüttert ist. Welch eine Kraft des Heiligen Geistes ist nötig, bis einem Menschen die Selbstliebe erschüttert wird und er das Wohlgefallen an sich selbst verliert!
Ich muß da etwas einfügen. Die Welt spottet hier und nennt es eine niedrige Sklavengesinnung, wenn ein Mensch sagt: »Ich bin nicht wert …« Was sollen wir darauf antworten? Die Wahrheit, auch wenn sie demütigt, ist immer besser als die Einbildung. Aber die Weltmenschen vernehmen nichts vom Geist Gottes. Und sie gleichen einem Blinden, der sich seiner Blindheit vor den Sehenden rühmt.
«
Wilhelm Busch, Jesus unsere Chance!, 2. Auflage 1996, CLV, Bielefeld
»Wenn man betrachtet, wie geduldig der Herr unter extremen Herausforderungen und Schwierigkeiten war (z. B. Matthäus 26,62.63), kann man nur voll Bewunderung staunen. Seine völlige Freiheit von Selbstliebe unterscheidet ihn vom Rest der Menschheit (siehe z. B. Lukas 23,33.34)«
William MacDonald, Ist die Bibel Wahrheit, 1. Auflage der Neuausgabe 2001, Betanien Verlag
»Man kann diese Verse nicht studieren, ohne auf die Wiederholung des Wortes »liebend« zu stoßen. In Vers 2 finden wir z. B. die Selbstliebe und die Geldliebe. In Vers 3 werden Menschen »das Gute nicht liebend« erwähnt. In Vers 4 lesen wir von Menschen »mehr das Vergnügen liebend als Gott«.«
William MacDonald, Kommentar zum Neuen Testament, 2. Auflage, Gesamtausgabe, 1997 – zu 2. Timotheus 3,2
»Demut. S. Anm. zu Röm 12,3.10; Phil 2,3; vgl. Mt 18,4; Joh 13,14-16; Jak 4,6.10. Das vollkommene Gegenmittel für Selbstliebe, die die zwischenmenschlichen Beziehungen vergiftet.«
»Jakobus spricht sich nicht für irgendeine Art emotionaler Selbstzuneigung aus – Selbstliebe ist eindeutig Sünde (2Tim 3,2).«
John MacArthur Studienbibel, Schlachter-Version 2000, 1. Auflage 2002, CLV, Bielefeld – zu Kolosser 3,12 und Jakobus 2,8
»Es ist interessant, sich die Auflistung von Charakterschwächen und sündigen Verhaltensweisen anzuschauen, in der dieses philautoi erscheint. Und es sollte herausgestellt werden, dass »eigenliebig« im Zusammenhang mit »ohne natürliche Liebe« (astorgoi – ohne natürliche Zuneigung gegenüber Menschen des eigenen Fleisches und Blutes), »das Gute nicht liebend« und »mehr das Vergnügen liebend als Gott« (V.4) aufgeführt wird. Es steht außer Frage, dass der Ausdruck »eigenliebig« hier als ernsthafte Charakterschwäche und sündige Eigenschaft dargestellt wird. Aus diesem Grund kann ein christlicher Prediger oder Seelsorger nicht positiv über »Selbstliebe« sprechen.«
Gleason L. Archer, Schwer zu verstehen? Biblische Fragen und Antworten, 1. Auflage 2005, CLV, Bielfeld
»Über die Schiene der Psychologie und der christlichen Ratgeberbücher kommen falsche Lehren über »innere Verletzungen« und »innere Heilung«, über »Selbstliebe« und »Selbstverwirklichung« in die Gemeinden und verleiten die Männer zu fleischlichem, weltlichem Denken, das sie im Endeffekt für den Herrn unbrauchbar macht.«
Rudolf Ebertshäuser, 1. Auflage 2007, Als Mann zur Ehre Gottes leben, CLKV Verlag, CH-3613 Steffisburg
»Die raffinierten humanistischen Irrlehren der weltlichen Psychologie und Psychotherapie mit ihren satanischen Losungen der „Selbstliebe“ und Verharmlosung der Sünde wirken bis in Bibelschulen und Gemeinden hinein.«
Rudolf Ebertshäuser, Die charismatische Bewegung im Licht der Bibel, 2., durchgesehene Auflage 1998, CLV, Bielefeld
»Der Glaube ist nie munter, wenn die S e l b s t l i e b e wach ist; wenn die Selbstliebe mächtig wird, kann der Glaube nicht mächtig sein; denn die S e l b s t l i e b e gleicht dem Zweig, den der Gärtner ein "Wasserschoss" nennt, das nie Frucht trägt, sondern dem Baum nur Kraft und Saft entzieht. Die Selbstliebe ist jenes Wasserschoss, das dem Glauben alle Nahrung entzieht, und du musst es wegschneiden, sonst bleibt dein Glaube stets ein zwergenhafter und kränkelnder "Kleinglaube", und es wird dir schwer, Trost zu empfangen für deine Seele.«
C. H. Spurgeon, zitiert nach „Betrachtungen zum Wort Gottes“, Zusammenstellung und Bearbeitung, W. Giolda, 1. April 2003
»Selbstbestätigung ist uns ebenso auf den Leib geschnitten wie Selbstliebe«
David Jaffin, … der bringt viel Frucht, 1983, Verlag der Liebenzeller Mission, Bad Liebenzell
»Nachfolge Jesu bedarf daher nicht der Selbstfixierung und Eigenliebe, sondern der Selbstverleugnung, von der Jesus an vielen Stellen spricht. Die Botschaft des Evangeliums ist ein Wegwenden von sich selbst. Es geht nirgends um unser Ich und an keiner Stelle um Selbstliebe. Viele Stellen der Heiligen Schrift bestätigen diesen Grundgedanken, dass Nachfolge nicht darin besteht, »Gefallen an uns selber zu haben« (Röm. 15,1). Denn »Christus ist darum für alle gestorben, dass sie hinfort nicht sich selbst leben« (2. Kor. 5,15).
…
Erstaunlicherweise stellt die Heilige Schrift an keiner Stelle den Menschen in den Vordergrund. Christus allein ist der Inhalt des Denkens und Lebens: »Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen« (Joh. 3,30).
«
Gerhard Naujokat, Wider den Zeitgeist - Plädoyer für ein realistisches Christentum, 1. Auflage 2000, CLV, Bielefeld
»Vor mehr als 200 Jahren drückte William Law aus, was Christen seit jeher verstanden hatten:
Selbstliebe, Selbstachtung und Selbstsucht sind das Wesen und das Leben des Hochmuts. Der Teufel, der Vater des Hochmuts, ist bei solchen Leidenschaften niemals fern oder ohne Einfluss auf sie.
Leider haben die Lügen der Psychologie nicht nur christliche Psychologen beeinflusst, sondern auch Gemeindeleiter und Autoren.«
Dave Hunt, Die okkulte Invasion - Die unterschwellige Verführung von Welt und Christenheit, 1. Auflage 1999, CLV, Bielefeld
»Wir sind Zeugen einer unheimlichen Geburt, denn das Ich oder das Selbst tritt ins Universum ein. Seine teuflischen Sprösslinge, nämlich das Selbstbild, der Selbstwert, das Selbstwertgefühl, die Selbstliebe, die Selbstakzeptanz, das Selbstbewusstsein usw., sind die Geisseln der heutigen Welt und haben sogar die Gemeinde Jesu erreicht. Hier erkennen wir das Herzstück des Bösen!«
Dave Hunt, Wie weit sind wir? – Überzeugende Beweise für die baldige Rückkehr Christi, 2. Auflage 2002, Verlag Mitternachtsruf, CH-8330 Pfäffikon
»… (Mk 12,29-31). Kann man aus dieser Bibelstelle einen Aufruf zur Selbstliebe ableiten, wie viele christliche Psychologen und moderne Ausleger es tun? Hatte Jesus die Förderung der Selbstliebe oder gar des Selbstwertes eines Menschen im Sinn, als er diese Aussage machte? Diese Frage kann mit einem klaren Nein beantwortet werden! Jesus rief seine Jünger niemals dazu auf, sich selbst zu lieben.«
Georg Walter, Der Angriff auf die Wahrheit, 1. Auflage 2009, CLV, Bielefeld
»Ein Biograf bemerkt: „Er (= John Bradford) konnte im Verborgenen so sehr über seine Sünden weinen, dass man dachte, er würde nie wieder lächeln können. Wenn er dann in der Öffentlichkeit auftrat, war er so harmlos fröhlich, dass man meinen konnte, er habe noch nie geweint.“
Sein vernichtendes Urteil über sich selbst und sein tiefer Eindruck von der Gnade und Majestät Gottes stehen in einem merkwürdigen Gegensatz zu den Thesen der Selbstachtungsund Selbstliebe-Aposteln unserer Tage. Wenn er in seiner Gott- und Selbsterkenntnis auch nur annähernd vom Heiligen Geist und von der Heiligen Schrift geprägt war – und daran kann angesichts der vielen Männer und Frauen Gottes in der Bibel und Kirchengeschichte, die zu einer ähnlichen Sicht gekommen sind, wohl kein Zweifel bestehen – dann handelt es sich bei der Theorie der Selbstliebe um groben Unfug, der uns von einer gesegneten Gottesbeziehung wegbringt.
«
Gerrit Alberts, Ein langes Leben in einer kurzen Zeitspanne, Zum 450. Todestag des Märtyrers John Bradford, Fest + treu, Ausgabe 04/2005
Das psychologische Konzept der Selbstliebe, die zu einer angeblichen Stärkung des Selbstwertgefühls führt, und das biblische Konzept der Selbstverleugnung, die uns zu wahrer Bereicherung führt, sind diametral entgegengesetzt.
 John Ankerberg, John Weldon, Fakten über Psychologie, Selbstverwirklichung und Selbsthilfe, 1. Auflage 2001, Verlag Mitternachtsruf, CH-8330 Pfäffikon

Dienstag, 5. Februar 2013

Lese-Tagebuch - Eintrag 13

Buch: Die Botschaft des Propheten Maleachi für die heutige Zeit
Autor: Walter A. Lickley
Auflage: 1. Auflage 1992
Verlag: Ernst-Paulus-Verlag, Neustadt/Weinstr.
Seitenzahl: 157

Bevor wir uns dem Buch selbst zuwenden, wollen wir sowohl einen kleinen Rückblick, als auch einen Ausblick wagen. Nachdem uns „Das Kommen des Herrn“ beschäftigt hat, wandten wir uns dem Thema „Nachfolge“ zu. Dabei hatten wir zwischen der allgemeinen Verantwortung die jedem wahren Gläubigen gleichermaßen auferlegt ist und der speziellen – für Mann und Frau nach der Schöpfungsordnung gegebenen – Verantwortung unterschieden. Letzteres haben wir in der Vergangenheit etwas betrachtet, während ersteres, die Betrachtung der allgemeine Verantwortung, noch aussteht. Vor diesem Hintergrund erschien es mir gut, zuvor dieses Buch zu lesen und im Folgenden meine Eindrücke wiederzugeben.

Die Zeit in der Maleachi lebte war eine Zeit des Niedergangs, auf die eine Zeit von ca. 400 Jahren ohne direkte Schriftoffenbarung Gottes folgte. Somit ist Maleachi der letzte der alttestamentarischen Propheten. Und: »So wie es damals einen treuen Überrest gab, so möge auch unter uns allen das Verlangen wach werden, in unseren Tagen zu einem solchen Überrest zu gehören.« (ebd., Seite 10)
»Was Gott damals wollte und was Er heute noch will und sucht, sind Gläubige, die erkennen, wie wichtig Seine Interessen sind, und die ihnen mehr Zeit einräumen als den Dingen ihrer eigenen Wahl, Gläubige, die die Prioritäten richtig setzen und die darauf achten, daß sie sich Ihm gegenüber recht verhalten« (ebd., Seite 18)
Dies dürfte einer dieser neuralgischen Punkte sein, in denen wir den Annehmlichkeiten unserer Zeit – zumindest zum Teil – erlegen sind. Wie viel Zeit verwenden wir darauf uns zu „entspannen“, weil wir es uns ja durch unseren „harten Alltag“ verdient haben? Bibellese, Gebetszeit, gar Bibelstudium – all das erscheint vielen als Last (vgl. Maleachi 1,13 zu dem obiges Zitat als Kommentar steht).
Ich habe mit der Zeit die Überzeugung gewonnen, dass wir uns unmöglich entspannen können, wenn wir unserem Geist die notwendige Nahrung (vgl. Lukas 4,4; 1. Petrus 2,2) vorenthalten. Haben sie die Anführungszeichen oben bemerkt? Natürlich müssen wir die Möglichkeit haben zur Ruhe zu kommen, aber eben nicht indem das Seelische das Geistliche verdrängt oder gar völlig ausschließt.*
»Erkenntnis geht aus fleißigem Studium hervor (2. Tim 2,15), und wo das aufhört, das Ziel der Priester zu sein – und jeder von uns ist ein Priester – beginnt die Wahrheit in der Versammlung zu sterben.« (ebd., Seite 22). Aber es ist eine »Tatsache, daß dieses persönliche Verweilen vor dem Herrn und die Beschäftigung mit Seinem Wort viel Zeit erfordert (ebd., Seite 23).
Es geht sogar soweit, dass Gott, durch das was Ihm zusteht, wenn es der Mensch für sich selbst behält bzw. zurückhält, beraubt wird. Die Ausführungen, die im Buch dazu auf Seite 71f. gemacht werden (Bezug nehmend auf Maleachi 3,8), gilt es zu bedenken. Ich will auf dies alles nicht im Detail eingehen, zumal es den Rahmen dieses Eintrags sprengen würde. Vielmehr möchte ich ermuntern sich selbst intensiv(er) einem „fleißigen Studium“ (s.o.) biblischer Wahrheiten zu widmen.

Was geschieht wenn »die Heiligkeit ihres Gottes aus dem Auge verloren« (ebd., Seite 45) wird? Gott fordert in Seinem Wort immer wieder auf: »Kehret um zu mir!« (s. Mal. 3,7; Lickley, Seite 56f.). Und da wollen wir auch nicht müde werden, uns als Gläubige miteinzuschließen. Gott will das wir seine Wege gehen. Wie oft tun wir es nicht? Nehmen wir nur einmal die Zeit, was wir schon ansprachen, welche wir für Vergnügungen, Selbstverwirklichung und anderes aufwenden. Es hat schon Züge von Schizophrenie, wenn wir dem Herrn einerseits mit Hingabe dienen wollen, dem Verzicht persönlicher Freiheiten – sowohl echter, als auch vermeintlicher – jedoch ausweichen wollen.

Lickley betont, dass das Erste und das Beste – als Anwendung von 4. Mose 18 – dem Herrn gehören sollte (vgl. Seite 71). So galt es im Alten Bund: »das Beste sich selbst versagen und es Gott geben« (ebd., Seite 72). So sollte es sein! Aber so war es nicht in den Tagen Maleachis. Sieht es bei uns in den Tagen der Gnade besser aus? Und wie sieht es bei mir ganz persönlich aus?
Lasst mich das offen sagen: Ich fürchte wir sind in vielen dieser Dinge zu leichtfertig. Oft ist es nicht das Erste und das Beste, was wir Gott geben, sondern das was Übrig bleibt. Und ist es nicht für viele schon eine schier untragbare Mühe gewesen Gott auch nur eine Viertelstunde am Tage für die Bibellese (Stille Zeit) zu geben?

Wenn es wahr ist, dass wir Verwalter Gottes sind – und es ist wahr, - dann fragt sich inwieweit wir dieser Verantwortung gerecht werden, die doch letztlich mit geistlichem Segen verbunden ist; (vgl. Lickley, S. 74-89). Und inmitten all des geistlichen Verfalls und Niedergangs des religiösen Umfelds, darf wahre Treue gefunden werden. »Der Überrest einer jeden Zeitperiode wird immer aus solchen bestehen, die das Versagen fühlen und bekennen und mit Gott rechnen und inmitten aller Untreue Seinem Wort treu bleiben.« (ebd., Seite 94). Vielleicht darf ich noch anfügen: Oder Seinem Wort treu werden, denn es gibt immer auch solche die von falschen Wegen umgekehrt sind.
»So sollte es auch heute bei uns, dem ganzen Volk Gottes, sein. Wenn die Eigenschaften und der Charakter Gottes unseren Seelen in Wahrheit bewußt werden, welch heilige Scheu sollte uns dann in allen Dingen erfüllen! Was für eine Ehrfurcht und Achtung vor Seiner Gegenwart sollte es bei uns bewirken!« (ebd., Seite 103).
Ich überspringe an dieser Stelle die eschatologischen Ausführungen mit dem Hinweis, dass wir im Buch darüber eine sehr gute, vergleichende Aufstellung bezüglich der Entrückung und der Erscheinung des Herrn haben (s. ebd., Seite 119-123). Ebenso »14 Gründe, die dafür sprechen, dass die Kirche nicht durch die große Drangsal gehen wird«; (s. ebd., Seite 135f.).
Natürlich sollen auch diese (eschatologischen) Ausführungen unsere Lebensführung beeinflussen, wie wir bei unserer Beschäftigung mit dem "Kommen des Herrn" aber schon gesehen hatten.

Anmerkung:
* vgl. auch John MacArthur, Kommentar zum Neuen Testament, 1. Korinther, Einzelausgabe, 1. Auflage 2006, CLV, Seite 480 // Maleachi-Kreis (Hrsg.), Gefährliche Stille !, Wie die Mystik die  Evangelikalen erobern will, 1. Auflage 2010, Seite 145

Enttäuschung - Teil 4

Sehen wir noch ein weiteres Mal von uns weg, kommen uns sicher auch Menschen in den Sinn, denen wir Enttäuschungen zugefügt haben. Das ist bitter, oder? Wir werden nicht nur enttäuscht, sondern enttäuschen auch andere. Das ist wie gesagt nicht immer Sünde, sondern manchmal sogar notwendig ent-täuscht zu werden und zu ent-täuschen, um die Täuschung zu verlieren und einen unverstellten Blick auf die Realität bekommen zu können. Dort jedoch wo wir andere böswillig oder vielleicht auch nur fahrlässig durch Fehlverhalten enttäuschen, sei es durch Wort oder Tat, müssen wir uns fragen: Sind wir bereit um Vergebung zu bitten?

Wenn wir nicht bereit sind unser eigenes Versagen offen zu bekennen, werden wir andere unweigerlich enttäuschen. Das ist das Faszinierende an dem Wort Gottes, das uns das Versagen der Glaubensmänner nicht vorenthalten wird. Da ist der bedauerliche Weg eines Simson, der Ehebruch eines David, das Verleugnen des Herrn durch Petrus… um nur einige wenige Beispiele zu nennen.
Es geht nicht darum, das wir in unserem Glaubensleben ein frommes Theater spielen mit einer netten Fassade nach außen hin, sondern das wir in unserer Nachfolge auf dem Glaubensweg durch und durch echt sind. Und da ist natürlich viel Wunderbares, wie ich weiter unten ausführen werde. Aber manchmal, ja, da ist eben auch Schatten und wir tun gut daran nicht so zu tun als wäre es anders. Da reichen oft schon die Gedanken, die wir zwar niemand offenbar machen, die jedoch vor einem heiligen Gott keinen Bestand haben können. Wenn wir hier wieder an die Vergebung denken, die uns durch den Herrn Jesus zuteil geworden ist, dann richtet dies unser Herz doch auf.

Seien wir also wahrhaftig im Umgang mit anderen, besonders den Geschwistern; gerade dann, wenn wir es nötig haben um Verzeihung zu bitten. (Nicht nur wenn wir etwas an ihnen auszusetzen haben).
Und letztlich werden wir dann auch sehen dürfen, wie segensreich die Umkehr von falschen Wegen ist. Auch hier sei wieder an Petrus erinnert, der nach der Verleugnung des Herrn eine wunderbare Wiederherstellung durch Gnade erleben durfte. Und ebenso an David. Selbst Simson durfte einen Teil seiner äußeren und inneren Kraft zurückgewinnen, inmitten des Elends in das er sich hineingebracht hatte.

Wenn ich nun daran zurückdenke, wie all jene Artikel entstanden sind und wir uns um ein biblisches Verständnis bemüht haben, was es mit unerwiderter Liebe auf sich hat, wie selbstlose Liebe unsere Gemeinschaft als Gläubige prägen soll, aber eben auch die Frage von Enttäuschungen im Glaubensleben, dann erfüllt mich dies auch mit Dankbarkeit. Viele Fragen die ich hatte wurden durch die Beschäftigung mit diesen Themen beantwortet, wenn auch nicht alle, so bleibt doch die Erkenntnis dessen einen absolut treuen Herrn zu haben!

Vor langer Zeit einmal wurde mir dieser Bibelvers aus dem Römerbrief sehr wichtig:
»Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, denen, die nach Vorsatz berufen sind.« (Römer 8,28; Elb.CSV).
Wer dies im Glauben zu erfassen vermag, findet Antworten auf viele seiner Fragen. Die Umstände unseres Lebens, die Zurückweisung durch einen geliebten Menschen, all die kleineren und größeren Tragödien, müssen zum Guten mitwirken. Denn wie heißt es weiter?
»Denn welche er zuvor erkannt hat, die hat er auch zuvor bestimmt, dem Bild seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.« (Römer 8,29; Elb.CSV).
Davon soll schon hier in unserem Wandel (d.h. in unserer Lebensführung) etwas zu erkennen sein und darum wirkt der Geist Gottes auch durch die Umstände in die wir hineingestellt werden, um etwas von dem darzustellen, was Christus ist. Wenn wir Gottes Handeln so in unserem Leben erkennen können, dann ist dies ein tröstlicher Gedanke. Vielleicht sind die Probleme damit nicht bewältigt, das Leid noch immer gegenwärtig, aber wir dürfen doch sehen, das wir dem nicht durch Zufall oder Schicksal ausgeliefert sind, sondern das da ein Ziel ist, zu welchem uns Gott führen will.
»Wir alle aber, mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauend, werden verwandelt nach demselben Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, als durch den Herrn, den Geist.« (2. Korinther 3,18; Elb.CSV)
Der Bibellehrer John N. Darby schreibt in seiner Synopsis zu diesem Vers:
„Deshalb betrachten wir diese Herrlichkeit mit freudigem Staunen; wir betrachten sie gern. Jeder Strahl, den wir von ihr erblicken, ist der Beweis, dass in den Augen Gottes unsere Sünden nicht mehr sind. Christus ist für uns zur Sünde gemacht worden, Er ist jetzt in der Herrlichkeit. Indem wir nun so die Herrlichkeit mit Liebe und Verständnis anschauen und uns an ihr ergötzen, werden wir in dasselbe Bild verwandelt von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, als durch die Kraft des Heiligen Geistes, der uns befähigt, diese Dinge zu verwirklichen und zu genießen. Das ist christliches Wachstum. So wird auch die Versammlung der Brief Christi.“

Montag, 4. Februar 2013

Enttäuschung - Teil 3

Ein weiterer ernster Gedanke liegt in dem, was Jakobus den Judenchristen „die in der Zerstreuung sind“ schreibt:
»ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr übel bittet, damit ihr es in euren Begierden vergeudet.« (Jakobus 4,3; Elb.CSV).
Das Gott in dem was er uns zuteilt oder verweigert souverän ist, auch darin, auf welche Art und Weise er Gebete beantwortet, sollte uns klar sein. Aber da gibt es auch noch diesen Fall, dass wir nichts empfangen, weil wir übel bitten. Und auch das ist etwas, was wir lernen müssen: Falsche Motive im Gebet führen zu Enttäuschung – Gott wird solche Gebete nicht erhören. Und anstatt darüber zu hadern, sollten wir dankbar dafür sein, denn wenn Gott solche Gebete doch jemals erhört, dann nur um Gericht zu üben, wie wir es bei Israel finden:
»Da gab er ihnen ihr Begehr, aber er sandte Magerkeit in ihre Seelen.« (Psalm 106,15; Elb.CSV).
»Und der HERR sprach zu Samuel: Höre auf die Stimme des Volkes in allem, was sie dir sagen; denn nicht dich haben sie verworfen, sondern mich haben sie verworfen, dass ich nicht König über sie sein soll.« (1. Samuel 8,7; Elb.CSV).
Beachten wir daher die Mahnung des Predigers und seien wir sorgsam in dem, um was wir Gott bitten.
»Sei nicht vorschnell mit deinem Mund, und dein Herz eile nicht, ein Wort vor Gott hervorzubringen; denn Gott ist im Himmel, und du bist auf der Erde: Darum seien deiner Worte wenige.« (Prediger 5,1; Elb.CSV).

Ein weiterer Punkt an dem es Enttäuschung geben kann ist die Ehe. Nun rede ich hier nicht aus eigener Erfahrung, aber es erscheint mir doch notwendig auch dies hier anzuführen. Denn wie bei vielem anderem bin ich der Meinung das uns die Dinge nicht erst dann beschäftigen sollten, wenn sie konkret werden oder bereits sind, sondern schon weit im Voraus, damit wir ein biblisches Fundament haben und eben auch realistische Erwartungen. Daher möchte ich zwei Zitate aus Büchern von Bruder Ebertshäuser anführen:
»Daß Verliebtheit keine Grundlage für eine Ehebeziehung ist, muß man jungen Männern unbedingt deutlich machen, sonst entsteht oft großer Schaden. Verliebtheit ist ein ausgesprochen egoistisches seelisches Gefühl, das letztlich den anderen zu einem Idealbild verzerrt, von dem man überzeugt ist, er werde alle eigenen Mängel und Bedürfnisse ausfüllen. […] Wenn dann die Illusion zerplatzt und man erkennt, daß die »Göttin« selbst ein fehlbarer Mensch mit Mängeln und eigenen Bedürfnissen ist, der uns keineswegs dauerhaft »verwandeln« oder »erlösen« kann, dann kommt oftmals die Enttäuschung und die Entfremdung in der Beziehung.«
Quelle: Rudolf Ebertshäuser, Als Mann zur Ehre Gottes leben, 1. Auflage 2007, CLKV Verlag, Steffisburg
 »Der Ehemann und die Kinder mögen manches Mal an der Frau schuldig werden, ihr Enttäuschungen bereiten, sich anders entwickeln als erhofft – dennoch sollte die Frau ihnen Liebe erweisen. Das darf sie sich immer wieder neu von Gott schenken lassen, sie darf lernen, Vergebung zu üben und Geduld zu bewahren.«
Quelle: Rudolf Ebertshäuser, Als Frau zur Ehre Gottes leben, 1. Auflage 2008, CLKV Verlag, Steffisburg

So können sich also beide, Mann und Frau, ihren Illusionen über den anderen hingeben, die letztlich nur enttäuscht werden können. Dietrich Bonhoeffer, dessen Ansichten ich nicht in allem teile, noch nicht einmal in dem Text aus dem ich zitieren will, hat dort doch etwas sehr Kluges niedergelegt:
»Wenn alle Schwierigkeiten, Widerstände, Hindernisse, Zweifel und Bedenken - nicht in den Wind geschlagen, aber ehrlich ausgestanden und überwunden sind - und es ist sicher gut, wenn nicht alles gar zu selbstverständlich geht -, dann haben die beiden in der Tat den entscheidenden Triumph ihres Lebens errungen. Mit dem Ja, das sie zueinander gesprochen haben, haben sie ihrem ganzen Leben in freier Entscheidung eine neue Wendung gegeben; sie haben allen Fragen und Bedenklichkeiten, die das Leben jeder dauernden Verbindung zweier Menschen entgegenstellt, in froher Gewissheit Trotz geboten und sich in eigener Tat und Verantwortung ein Neuland für ihr Leben erobert.«
Quelle: Dietrich Bonhoeffer, Traupredigt aus der Zelle, Mai 1943; zitiert nach: Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft. Herausgegeben von Eberhard Bethge, Neuausgabe München 1970

Enttäuschung - Teil 2

Betrachten wir nun noch eine andere Seite der Enttäuschung, nämlich die Tatsache, dass der Enttäuschung die Täuschung vorausgeht. Ich schrieb damals: „Die Täuschung weicht der Realität“. Vielleicht können uns in diesem Zusammenhang folgende Verse ein wenig helfen:
»Jagt dem Frieden nach mit allen und der Heiligkeit, ohne die niemand den Herrn schauen wird; und achtet darauf, dass nicht jemand an der Gnade Gottes Mangel leide, dass nicht irgendeine Wurzel der Bitterkeit aufsprosse und euch beunruhige und viele durch sie verunreinigt werden;« (Hebräer 12,14-15; Elb.CSV)
Es ist interessant, wie wichtig auch hier wieder die Gemeinschaft ist. Nicht eigene Kraft, sondern die Gnade Gottes ist es, die Heiligkeit und Frieden möglich macht. Dabei beschränkt sich unsere Verantwortung nicht nur auf den eigenen Bereich, sondern auch darauf aufeinander Acht zu haben. Die Gefahr wenn dies nicht geschieht, wird deutlich angesprochen: Beunruhigung und Verunreinigung. Es ist natürlich so, dass die Hebräerstelle in erster Linie von Sünde als „Wurzel der Bitterkeit“ spricht und nicht von Empfindungen der Bitterkeit. Trotzdem dürfen wir die Stelle in Behandlung unseres Themas beachten, denn was anderes als Sünde ist denn mangelnde Bruderliebe?
Von Mose wird einmal gesagt: »Er meinte aber, seine Brüder würden verstehen, dass Gott ihnen durch seine Hand Rettung gebe; sie aber verstanden es nicht.« (Apostelgeschichte 7,25; Elb.CSV).
Auch dies ist Enttäuschung: Wenn wir die klaren Belehrungen von Gottes Wort vor die Augen von Geschwistern stellen und erleben müssen, das dort überhaupt kein Verständnis aufgebracht wird. Man kann es nur mit Traurigkeit sagen, das der Stellenwert des Wortes Gottes selbst unter wahren Gläubigen, abgenommen hat. Die Bereitschaft um die biblische Wahrheit zu ringen, sich wo nötig korrigieren zu lassen, umzukehren von falschen Wegen und schlicht gehorsam zu sein, ist nicht mehr besonders ausgeprägt. Hier sollten wir nicht resignieren, sondern treu den Dienst tun, den uns Gott gegeben hat. Hier dürfen wir sicherlich auch an Paulus denken, beispielsweise den Brief den er an die Galater schreiben musste, Demas der ihn verlassen hatte, dass alle die in Asien waren sich von ihm abgewandt hatten (vgl. 2. Timotheus 1,15), und anderes mehr, das er zu tragen hatte.

Doch wie wir eingangs sagten, ist nicht jede Enttäuschung negativ. Jona durfte durch Enttäuschung etwas von der Gnade und Barmherzigkeit Gottes lernen, sowie von seiner eigenen Herzenshärte. Und so konnte Gott zu Jona sagen:
»Und der HERR sprach: Du erbarmst dich über den Wunderbaum, um den du dich nicht gemüht und den du nicht großgezogen hast, der als Sohn einer Nacht entstand und als Sohn einer Nacht zugrunde ging; und ich sollte mich über Ninive, die große Stadt, nicht erbarmen, in der mehr als 120.000 Menschen sind, die nicht zu unterscheiden wissen zwischen ihrer Rechten und ihrer Linken, und eine Menge Vieh?« (Jona 4,10-11; Elb.CSV).
Jona war enttäuscht, als der Wunderbaum verdorrte und die Hitze ihn ermattete, nicht wahr? Aber was er begreifen musste war doch dies: Während er sich über diesen einen Baum zu erbarmen vermochte, so doch nicht über all die Menschen der Stadt Ninive. Wie segensreich kann es doch sein, wenn Gott uns dort wo wir uns täuschen, ent-täuscht und den Blick darauf freigibt, wie Er die Dinge beurteilt. Lernen wir hier von der Haltung eines Paulus, der voller Mitleid zu sein vermochte:
»denkt daran, dass ich drei Jahre lang Nacht und Tag nicht aufgehört habe, einen jeden mit Tränen zu ermahnen.« (Apostelgeschichte 20,31b;Elb.CSV)
»wir sind in eurer Mitte zart gewesen, wie eine nährende Frau ihre eigenen Kinder pflegt.« (1. Thessalonicher 2,7b; Elb.CSV)
Und dann, wenn wir von der Enttäuschung die durch andere verursacht wurden wegsehen, ganz ehrlich, müssen wir dann nicht bekennen:  Die größten Enttäuschungen erfahren wir durch uns selbst. Da waren Zeiten der Lauheit, der Halbheit, des Hochmuts, der Selbstgerechtigkeit, der Unversöhnlichkeit, der Bitterkeit – ja, der Untreue!  Gott sei Dank, auch darauf gibt es eine Antwort.
»wenn wir untreu sind er bleibt treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen.« (2. Timotheus 2,13; Elb.CSV)
»Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.« (1. Johannes 1,9; Elb.CSV)
Elia hatte dies gelernt. Bitter musste er bekennen:
»Und er bat, dass er sterben dürfe, und sprach: Es ist genug; nimm nun, HERR, meine Seele, denn ich bin nicht besser als meine Väter.« (1 Könige 19,4b; Elb.CSV).
Aber Gott lässt seinen Diener nicht, er begegnet ihm, richtet ihn wieder auf und wir werden daran erinnert, was der Apostel Paulus Jahrhunderte später niederschreibt:
»Und er hat zu mir gesagt: Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft wird in Schwachheit vollbracht. Daher will ich mich am allerliebsten viel mehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft des Christus über mir wohne.« (2. Korinther 12,9; Elb.CSV)

Sonntag, 3. Februar 2013

Enttäuschung - Teil 1 / (Selbstlose Liebe - Teil 2)

Vor einiger Zeit hatte ich dieses Thema einmal in anderem Zusammenhang angerissen („Unerwiderte Liebe“), aber es scheint mir gut, dies noch einmal ausführlicher zu tun. Damals schrieb ich u.a.:
„Der Apostel Paulus, welcher vieles zu erdulden hatte und schwere Wege von Gott geführt wurde, bezeugte einmal: »Groß ist meine Freimütigkeit euch gegenüber, groß mein Rühmen euretwegen; ich bin mit Trost erfüllt, ich bin ganz überströmend in der Freude bei all unserer Bedrängnis.« (2. Korinther 7,4; Elb.CSV).
Die Umstände des Lebens in die er hineingeführt worden ist, haben nicht dazu geführt das er voller Frustration, Hader oder Verzagtheit gewesen wäre. Ist es nicht so, dass »der Vater der Erbarmungen und Gott allen Trostes« (vgl. 2. Korinther 1,3) auch unserer Not begegnen will? Vertrauen wir doch mehr darauf, das es so ist, dann werden wir verstehen was es bedeutet „ganz überströmend in der Freude bei all unserer Bedrängnis“ zu sein. Der Apostel Paulus war es aufgrund der Geschwister (vgl. auch 1. Thessalonicher 3,7)! Wie wunderbar und segensreich ist doch eine von Gott gegebene Gemeinschaft, als Mittel zum Trost!“
Aber in der Gemeinde („Versammlung“) kann es ja nicht nur um die Gemeinschaft mit den Geschwistern gehen, sondern vor allem um diejenige mit dem Herrn Jesus Christus. Wir sind  »gesegnet« … »mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christus,« (Epheser 1,3; Elb.CSV). Steht dies nicht besonders dann vor unseren Augen, wenn wir als Geschwister zu seinem Namen zusammenkommen? Dort wo er verheißen hat in der Mitte der Gläubigen zu sein?

Was ist nun aber, wenn wir von Geschwistern enttäuscht werden? Ein unachtsames Wort, ein gedankenloser Ausspruch zwischen den Zusammenkünften oder zwischen einzelnen Versammlungsstunden? Das reißt uns aus den hohen Sphären herab, nicht wahr und erfüllt unsere Gedanken mit Traurigkeit – oder schlimmer noch, Ärger. Wir verlieren den Blick für den Herrn, während wir den Umständen erlauben unsere Aufmerksamkeit und Hingabe von Ihm abzuziehen. Das ist ein ernster Gedanke.

Bedenken wir, dass uns Gottes Wort auffordert: »Zieht nun an, als Auserwählte Gottes, als Heilige und Geliebte: herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Sanftmut, Langmut, einander ertragend und euch gegenseitig vergebend, wenn einer Klage hat gegen den anderen; wie auch der Christus euch vergeben hat, so auch ihr. Zu diesem allen aber zieht die Liebe an, die das Band der Vollkommenheit ist. Und der Friede des Christus regiere in euren Herzen, zu dem ihr auch berufen worden seid in einem Leib; und seid dankbar.« (Kolosser 3,12-15; Elb.CSV).

Das übersehen wir oft – auch ich –, daran zu denken, was uns vergeben worden ist durch unseren Herrn Jesus Christus. Nicht die Tatsache, dass wir vielleicht ungerecht behandelt wurden, sollte im Vordergrund stehen, sondern das Bewusstsein der Gnade.
»Dann trat Petrus zu ihm und sprach: Herr, wie oft soll ich meinem Bruder, der gegen mich sündigt, vergeben? Bis siebenmal? Jesus spricht zu ihm: Nicht bis siebenmal, sage ich dir, sondern bis siebzig mal sieben.« (Matthäus 18,21-22; Elb.CSV).
Dieser Ausführung unsers Herrn folgt das Gleichnis über den unbarmherzigen Knecht, an dessen Ende der Herr die Warnung stellt, das jeder seinem Bruder von Herzen vergeben soll. Das ist mehr als nur Fassade, vordergründige Freundlichkeit oder die Unterdrückung der eigenen negativen Gefühle. Vergebung von Herzen, das Anziehen der Liebe, (die das Band der Vollkommenheit ist) und der Friede des Christus gehören zusammen. Und wir verstehen hoffentlich, dass dort wo Unversöhnlichkeit und mangelnde Vergebungsbereitschaft herrschen, der Herr diesen Frieden auch nicht geben kann. Doch es ist eben genau dieser Friede, der unsere Herzen »regieren« (!) soll und eben nicht der Unfriede unseres eigenen Herzens.

Mittwoch, 18. Juli 2012

Lese-Tagebuch - Eintrag 11 (Teil 2/2)

Buch: Das Jungfrauenleben im Lichte des Evangeliums
Autor: Elias Schrenk (1831 – 1913)

Bevor ich die Betrachtung des Buches von Elias Schrenk fortführe, möchte ich eine andere Sache ansprechen. Wer diesen Blog aufmerksam verfolgt wird einige wiederkehrende Themen erkennen können: Der stetige Niedergang der allgemeinen Christenheit in geistlicher und sittlicher Weise, bis hin zum eigenen Versagen von welchem auch der Autor dieser Zeilen nicht frei ist. Nun, gibt es denn gar keinen Sieg im Glaubensleben? Doch! Und er sollte sogar der Normalfall sein.

Die Heilige Schrift führt aus, das unser Glaubensleben ein wachstümlicher Prozess ist. Sie nennt Kinder, Jünglinge und Väter im Glauben. Und dergestalt sollen wir heranreifen. Den Jünglingen im Glauben weiß der Apostel Johannes zu schreiben:
»Ich schreibe euch, Jünglinge, weil ihr den Bösen überwunden habt.« … »Ich habe euch, Jünglinge, geschrieben, weil ihr stark seid und das Wort Gottes in euch bleibt und ihr den Bösen überwunden habt.« (1. Johannes 2,13b+14b; Elb.CSV)
Worin besteht nun die Gefahr, vor was muss Johannes sie warnen? Da ist Sieg, da ist Stärke, das bleibende Gotteswort! Wo also hat der Feind seine Angriffsfläche?
»Liebt nicht die Welt noch was in der Welt ist. Wenn jemand die Welt liebt, so ist die Liebe des Vaters nicht in ihm; denn alles, was in der Welt ist, die Lust des Fleisches und die Lust der Augen und der Hochmut des Lebens, ist nicht von dem Vater, sondern ist von der Welt.« (1. Johannes 2,15-16; Elb.CSV)
Dann, wenn Sieg und Stärke da sind und ein junger Gläubiger sich unbesiegbar wähnt, lockt Satan mit der Welt. Die Lust des Fleisches, der Augen und der Hochmut des Lebens sollen vor unsere Blicke gestellt werden und uns von echter Christusnachfolge abziehen. So manches einst blühende Glaubensleben welkte dahin, weil man einem solchen zerstörerischen Ruf nachgab. Gibt es nun keine Hoffnung mehr? Doch! Und darum schreibe ich auch über Buße – den Weg zu ändern, auszurichten an den Wegen von denen Gott will das wir sie gehen.

Jemand hat einmal gesagt: „Fallen ist menschlich, liegen blieben ist teuflisch, wieder aufstehen ist göttlich“. Jakobus wusste: »denn wir alle straucheln oft.« (Jakobus 3,2; Elb.CSV)
David ist aufgestanden, nach seinem schrecklichen Ehebruch. Petrus ist aufgestanden, nachdem er den Herrn im Hof des Hohepriesters mehrmals verleugnet hatte. Und wenn ich den Gläubigen mit meinen Ausführungen eines zurufen will, dann dies endlich aufzustehen. Der Ruf des Herrn an Petrus sollte auch unsere Herzen aufrütteln: »Folge du mir nach!« (s. Johannes 21,22)

Elias Schrenk führt im Abschnitt Die Tochter als Jungfrau weiter aus:
„Wahrhaft christliche Eltern liegt die Tochter in den Jahren ihres Jungfrauenstandes ganz besonders am Herzen, da diese Zeit so viele Versuchungen bringt, und die Entwicklung der Tochter in jenen Jahren für Zeit und Ewigkeit so wichtig ist.“ (Schrenk, Seite 20)
„Lasst die Liebe Jesu einziehen in eure Herzen, statt all der verderblichen Lüste, die euch nichts geben können, als Täuschung, Elend und Jammer. Seid und bleibet einfach und demütig und lernet die Freuden kennen, die ewiglich bleiben, die nur Jesus euch geben kann; sie allein machen euch wahrhaft glücklich.“ (ebd., Seite 24)
„Willst du etwas rechtes lernen im Leben, so lerne dich demütigen und lass dir etwas gefallen, und du selbst wirst den größten Gewinn davon haben. Wer bald meint, er wisse alles, ist hochmütig und dumm.“ (ebd., Seite 28)
„Die Welt liegt im Argen; wie kannst du sie überwinden, so lange du nicht als arme Sünderin im Glauben an Jesum stehst? Nur der Glaube eines gedemütigten Menschen, der nicht mehr auf eigene Kraft vertraut, sondern ganz auf Jesum Christum, überwindet die Welt, weil die Liebe Jesu seine Macht ist.
Für diese Liebe ist unser Herz geschaffen. Der Mensch muss etwas lieben, er kann nicht anders. Besonders im Herzen der Tochter ist ein tiefes Bedürfnis für Liebe. So lange Jesu Liebe ihr nicht das Höchste ist, so lange hat ihr Herz nicht den rechten Angelpunkt gefunden und schwebt in beständiger Gefahr, sich an etwas hinzugeben, was Herz und Gemüt nicht stillen kann. Was soll denn das Jagen nach allen möglichen Vergnügungen bezwecken? Das arme Menschenherz fühlt eine tiefe Leere, die man mit Dunst ausfüllen möchte, und doch kann nur Jesu Liebe sie ausfüllen, alles andere hilft nicht.“ (ebd., Seite 30)
Bruder Schrenk macht weitere Ausführungen, u.a. über das Diakonissenwesen, die ich hier nicht darlegen will. Manches mag sich strukturell verändert haben. Vor allem aber glaube ich, das der Begriff „Diakonie“ zu sehr eingeengt wurde. Es ist der allgemeine Begriff für „Dienst“ im Neuen Testament (neben anderen, teils spezielleren wie leitourgia oder im Verb vorkommend douleuō). Man hat hier eine Art von Dienst herausgegriffen und – wie ich meine unbeabsichtigt – mit der Zeit über andere erhoben. Es gibt viele vorzügliche Wege für eine junge Frau (und für einen jungen Mann) den Geschwistern, den Mitmenschen – wem auch immer und wo auch immer uns Gott hingestellt hat – zu dienen.

Vor allem aber - und das sollte doch deutlich geworden sein - stellt sich die Frage danach ob unsere Gesinnung nur der Ausdruck unseres eigenen, so oft fehlgeleiteten Herzens ist oder wahrhaft die Züge dessen trägt, der uns als Herr vorangegangen ist. Damit lasst mich schließen: »Denn diese Gesinnung sei in euch, die auch in Christus Jesus war,« (Philipper 2,5; Elb.CSV). Lies doch einmal diesen ganzen Abschnitt im 2. Kapitel des Briefs an die Philipper, um Seine Gesinnung ein wenig besser zu verstehen. »Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ein Knecht ist nicht größer als sein Herr, noch ein Gesandter größer als der, der ihn gesandt hat.« (Johannes 13,16; Elb.CSV)

Dienstag, 17. Juli 2012

Lese-Tagebuch - Eintrag 11 (Teil 1/2)

Buch: Das Jungfrauenleben im Lichte des Evangeliums
Autor: Elias Schrenk (1831 – 1913)
Auflage: 9. Auflage, 1922
Verlag: Evangelischer Missionsverlag, Stuttgart
Seitenzahl: 41

Wir leben in einer Zeit, in der sich der „Reichtum“ Laodizeas offenbart. Eine Fülle von Studienbibeln, Bibelkommentaren, „Lebenshilfen“, christlichen Romanen, usw. erinnern an die Worte des Predigers: »Und überdies, mein Sohn, lass dich warnen: Das viele Büchermachen hat kein Ende, …« (Prediger 12,12a; Elb.CSV). Eine Vielzahl davon ist das Papier nicht wert auf dem es geschrieben wurde und taugt allein als Zeugnis dieses traurigen Zustandes: »Weil du sagst: Ich bin reich und bin reich geworden und bedarf nichts und du weißt nicht, dass du der Elende und Jämmerliche und arm und blind und nackt bist« (Offenbarung 3,17; Elb.CSV).

Wo lernt ein Mädchen heute noch, dass „dienen, eine der wichtigsten Eigenschaften einer christlichen Tochter ist“ (Schrenk, Seite 6)? „Nicht nur für sich, sondern für andere zu leben, d.h. es lernt lieben“ (ebd.).

Es sei mir erlaubt einige längere Abschnitte aus diesem Büchlein zu zitieren, welche die Ernsthaftigkeit echter Christusnachfolge vor die Augen einer jungen Frau bzw. ihrer Mutter stellen möchte.

In dem Abschnitt über die Schulzeit der Tochter schreibt Elias Schrenk:
„Frühe schon zeigt sich der Hang nach Eitelkeit und Putzsucht*, was dann so rasch wieder zu Gefallsucht, Liebeleien und andren Sünden führt. Eine christliche Mutter muss auf Einfachheit, Wohlanständigkeit, Bescheidenheit und Demut halten. Sie gehören wesentlich zum weiblichen Wesen einer christlichen Tochter und sind viel lieblicher, als jene fratzenhafte Eitelkeit, die jetzt so viele Töchter auszeichnet.“ (ebd., Seite 10)
„Es ist schön, wenn ein Mädchen geistiges Interesse hat und Lust zum Lesen zeigt; aber gerade hierin bedarf es der sorgfältigen Leitung. Es ist unverantwortlich, wenn Mütter sich kaum bekümmern um die Lektüre der Tochter. Wir haben jetzt eine wahre Sündflut von schlechtem Lesestoff für Kinder, der unsere Jugend vergiftet. Alle jene Romane, die durch ihre schlüpfrigen Geschichten unreine Bilder in der Tochter Seele hineintragen, sind Gift und ruinieren Leib und Seele. Lektüre, in der das Heilige verspottet und bewitzelt wird, gehören nicht in ihre Hand, weil sie Gottesfurcht und Glaube zerstört. Es ist keine verlorene, sondern gut verwendete Zeit, wenn die Mutter die Lektüre der Tochter genau prüft, es ist ihre Pflicht vor Gott. Gerade durch Überwachung des Lesestoffs gewinnt die Tochter unter dem Einfluss der mütterlichen Autorität ein selbstständiges sittliches Urteil, einen christlichen Charakter, der Schädliches und Gemeines abweist, was für das ganze Leben so notwendig ist.“ (ebd., S. 11+12)
Waren es früher Romane, sind es heute wohl oft Fernsehserien wie „Sex and the City“  oder „Desperate Housewives“, die das Denken – leider wohl auch so manch´ gläubigen Frau – nachhaltig geprägt haben.

„Es macht mir immer einen peinlichen Eindruck, wenn ich sehe, wie rüstig manche Mutter oder sogar Großmutter ihre Hände rührt im Hauswesen, und wie die angehende Jungfrau daneben steht, als wären es Pflichten unter ihrem Stand. Wofür sollen denn die meisten unserer Töchter erzogen werden? Etwa für den Ballsaal, den Tanzboden und das Theater? Gewiss nicht, sondern für das praktische Leben. Warum fehlt es in unseren Tagen dem weiblichen Geschlecht so vielfach an Einfachheit?“ (ebd., Seite 15)
Sind die Tage heute besser geworden? Ich meine nicht. Elias Schrenk konstatiert dann:
„Die Töchter werden sehr oft nicht von früher Jugend auf angehalten, Hand anzulegen im Hauswesen, soweit es die Schulaufgaben gestatten, und darum bekommen sie nicht jenes einfache Wesen, das häusliche Arbeit der Tochter aufprägt, sie werden vornehm über ihren Stand hinaus, putzsüchtig*, genußsüchtig und eitel.“ (ebd.)
* Anmerkung: "putzsüchtig" heißt: „Sich herauszuputzen“ = sich schönmachen, zurechtmachen…
Die Schrift fordert die jungen Frauen dazu auf: »Ihre Männer zu lieben, ihre Kinder zu lieben, besonnen, keusch, mit häuslichen Arbeiten beschäftigt, gütig, sich den eigenen Männern unterzuordnen, damit das Wort Gottes nicht verlästert werde.« (Titus  2,4b-5; Elb.CSV).
Gleichwohl verstehe ich diese Schriftstelle nicht so, als wären junge Männer in der Erziehung von jeglichen häuslichen Arbeiten auszunehmen. Dies näher auszuführen würde an dieser Stelle zu weit führen. Sagen wir einfach, das der ledige Mann seinen Hausstand durchaus nicht mit weniger Sorgfalt führen sollte, als es seine spätere Frau einmal tun wird. Und ich sehe auch kein Verbot, das er ihr später nicht auch hilfreich zur Seite stehen darf. Aber kehren wir zurück zu den Ausführungen Schrenks:
„Liebe Mütter, gebt euren Töchtern eine praktische Erziehung für das Leben; gewöhnt sie von Jugend auf an Einfachheit, Sparsamkeit, Arbeit und Selbstverleugnung. Diese Tugenden sind ein Kapitel für das spätere Leben und erleichtern euren Töchtern unendlich viel.“ … „In einem Hause, wo Einfachheit und Ordnungssinn waltet, wo die Hausfrau nach allen Seiten hin ihre Pflicht tut und dem Manne allezeit ein freundliches Lächeln entgegenbringt, fühlt sich der Mann daheim, und wird bewahrt vor dem heillosen Vereins- und Wirtshausleben, das mehr und mehr das Familienleben zerstört. Eine christliche, tüchtige Hausfrau, die wenig oder kein Vermögen hat, ist mehr wert, als eine schlechte Hausfrau mit Geld.“ (ebd., S. 16)
„Ich habe von der christlichen Hausfrau geredet, weil ich weiß, dass eine Erziehung der Tochter, wie ich sie geschildert habe, wesentlich zum Christentum gehört. Unser Heiland ist nicht umsonst arm, einfach, demütig und allezeit genügsam gewesen; es gehörte zu seinem Erlöserscharakter. Denke dir den Heiland der Armen und Elenden anders als er in den Evangelien vor uns steht, und du wirst es nicht können. Eine eitle, geschraubte (Anm. tjw: gekünstelte oder affektierte), gefallsüchtige, arbeitsscheue, vergnügungssüchtige und nach hohen Dingen trachtende Tochter kann nie und nimmer Jesu Jüngerin sein. Liebe Mütter! Folget Jesu nach, werdet Vorbilder eurer Töchter in der Demut, in der Einfachheit, Bescheidenheit und Genügsamkeit, in der Treue in den nächsten Pflichten, in der Liebe zum Heiland, damit sich ihnen frühe Jesu Bild einpräge. Tut ihr das, so erfüllt ihr einen hohen Beruf, ihr seid zum Segen für euer Haus nicht nur, sondern für unser ganzes Volk.“ (ebd., S. 17)
Ich fürchte, viele werden bei den letzten Abschnitten gelächelt haben – vielleicht sogar spöttisch. Ist uns das alles schon so fremd? Gottes Maßstab für die Frau: »der verborgene Mensch des Herzens in dem unvergänglichen Schmuck des sanften und stillen Geistes, der vor Gott sehr kostbar ist.« (1. Petrus 3,4; Elb.CSV).
Über wie viele Dinge wird das gesagt, dass sie vor Gott sehr kostbar sind?

Lasst mich das offen sagen, das geht nicht gegen die Frauen. Die Männer versagen nicht weniger. Und der Einzige der hier auf der Erde seinen Weg in absoluter Treue zu Gott gegangen ist, war der Herr Jesus Christus. Müsste ich mein eigenes Versagen bekennen, würde es Seite um Seite füllen.

Aber wenn wir in das Licht Gottes gestellt werden und Er uns Seine Maßstäbe zeigt – und wir erkennen müssen das wir davon abgewichen sind oder eigene Wege gehen – dann erwartet Er das wir Buße tun. Und Dank sei Ihm dafür, wir dürfen es tun. Und so wachsen wir auch im Glauben: »...die Wahrheit festhaltend in Liebe, lasst uns in allem heranwachsen zu ihm hin, der das Haupt ist, der Christus,« (Epheser 4,15; Elb.CSV)

Ja, die Welt mag andere Maßstäbe haben und die ernsthaften Gläubigen belächeln, weil dort ein „sanfter und stiller Geist“ mehr gilt als die selbstbewusste, unbedingte Emanzipation der postmodernen Frau. Aber wie viele oberflächliche Männer waren Gehilfen einer solchen Entwicklung, indem sie die einfache Jüngerin Jesu verachtend, einer anderen den Vorzug gaben?

Es ist merkwürdig, wie viel einem durch die Lektüre eines solch´ kleinen Büchleins längst vergangener Tage bewusst wird. Ich wünschte wir hätten mehr von dieser Ernsthaftigkeit auch in unseren Tagen. Gott sei Dank, sie ist nicht völlig verschwunden, aber sie ist doch selten geworden. Die Probleme, die von Bruder Schrenk schon zu seiner Zeit angesprochen worden sind, haben sich vergrößert und sind tief eingedrungen bis hinein selbst unter die wahren Gläubigen. Und darum will ich mir auch noch ein weiteres Mal die Zeit nehmen in einem zweiten Teil weitere Ausführungen aufzugreifen.