Freitag, 18. Juni 2010

Dürfen Frauen predigen II - Paulus + Begabung

3. Können wir Paulus Aussagen zeitgebunden verstehen?
Man hat Paulus unterstellt vom griechischen und römischen Gedankengut seiner Zeit beeinflusst gewesen zu sein, womit seine Aussagen (auf die wir noch eingehen werden) zeitgebunden zu verstehen seien. Da sich die Kultur geändert habe, müssten wir die Aussagen heute anders sehen.
Auf den ersten Blick scheint dieses Argument akzeptabel zu sein. Wir müssen dann jedoch klären, was wir unter griechischem und römischem Gedankengut zu verstehen haben. Im „Reallexikon für Antike und Christentum“ wird ausgeführt, dass im öffentlichen Leben der frühen Kaiserzeit durchaus eine weitreichende Emanzipation der Frau vorgeherrscht hat. Und auch das Frauenpriestertum war in den heidnischen Kulten der damaligen Zeit durchaus präsent. Zudem haben wir gesehen, das Paulus die Mitarbeit von Frauen durchaus sehr hoch eingeschätzt und gewürdigt hat – im Gegensatz zur rabbinischen Praxis der damaligen Zeit. Damit steht Paulus klar in der Nachfolge Christi, der Frauen nicht nur die Botschaft des Heils brachte, sondern sie auch in seine Nachfolge rief.
Das Argument fällt damit in sich zusammen. Die Unterstellung Paulus wäre von primitiven Gedanken seiner Zeit beeinflusst gewesen ist einfach falsch.
Was immer Paulus veranlasst hat zu schreiben was er schrieb, muss also eine andere Grundlage haben, wobei wir die Inspiration durch den Geist Gottes noch nicht einmal angesprochen haben. Ich greife vor, aber wir werden sehen, das ein Argument das Paulus benutzt der Hinweis auf die Schöpfungsordnung ist. Den biblisch endgültigen Beweiß, das seine Aussagen nicht zeitgebunden verstanden werden können, werde ich später erbringen.

4. Begabung?
Eine von Befürworter der Frauenordination angeführte Stelle wäre:
»werdet auch ihr selbst als lebendige Steine aufgebaut, ein geistliches Haus, zu einer heiligen Priesterschaft, um darzubringen geistliche Schlachtopfer, Gott wohlangenehm durch Jesus Christus.« … »Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, eine heilige Nation, ein Volk zum Besitztum, damit ihr die Tugenden dessen verkündigt, der euch berufen hat aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht;« (1. Petrus 2,5+9; Elb.CSV)
Um zu verstehen, was die Schrift unter dem „allgemeinen Priestertum“ versteht, müssen wir wissen, dass es sich bei 1. Petrus 2,9 um ein direktes Zitat aus 2. Mose 19,6 handelt:
»und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation sein. Das sind die Worte, die du zu den Kindern Israel reden sollst.« (2. Mose 19,6; Elb.CSV)
Der Kern des Ganzen ist die Erwählung. Genauso wie Gott sich sein Volk erwählt hat, genauso hat er sich die Gemeinde erwählt. Wenn wir 1. Petrus 2,9 im Kontext sehen und den Ursprung im 2. Buch Mose beachten, sollte uns klar sein, das es hier nicht um Gemeindestrukturen oder ähnliches geht. (So war es trotz 2. Mose 19,6 in Israel ja auch nur den Leviten erlaubt als Priester zu dienen).

Überlegen wir nun, ob individuelle Begabungen als Kriterium für die Ausübung des Predigtdienstes wichtig sind. Ich empfehle hierzu Kapitel 3 im 1. Timotheusbrief und Kapitel 1 im Titusbrief zu lesen. Man wird sehen, dass geistliche Qualitäten und Reife sehr viel wichtiger sind als individuelle Fähigkeiten. Die Befestigung in Gottes Wort und die unbedingte Treue zu Gott zeigen sich in der Lebensführung eines Menschen. Nicht der Begabte wird von Gott berufen, sondern der Berufene wird von Gott begabt.
»Lass diese aber auch zuerst erprobt werden, dann lass sie dienen, wenn sie untadelig sind.« (1. Timotheus 3,10; Elb.CSV)
Alexander Strauch schreibt:
„Die 15 qualifizierenden Eigenschaften von Ältesten aus 1. Timotheus 3, 1-7 sind ohne die Aufforderung, die Eignung eines Anwärters auf das Ältestenamt zu überprüfen, nichts als leere Worte.“ (A. S.: Biblische Ältestenschaft, CLV 1998, S. 224)*
* Ob es auch heute noch Ämter gibt oder allein dementsprechende Dienste soll an dieser Stelle nicht erörtert werden.
Damit sind wir einen entscheidenden Schritt weitergekommen; Wenn es keine Berufung für Frauen zur lehrhaften Wortverkündigung in gemischten Versammlungen gibt (was wir noch klären müssen), spielt die Begabung keine Rolle. Nur wer sein eigenes Ansehen und seine eigene Ehre sucht, wird nach Positionen streben, zu denen Gott ihn nicht berufen hat. Gaben können an den unterschiedlichsten Orten eingesetzt werden und bedeuten damit nicht automatisch die Berufung zu einem bestimmten Amt, sowie Gleichwertigkeit nicht gleiche Aufgabenstellung bedeutet.

Halten wir fest: Die Bibel misst „Begabung“ nicht die Bedeutung zu, wie wir es heute leider tun. Hier wurden – vielfach aus Unwissenheit – Prioritäten verschoben.
»Und er hat die einen gegeben als Apostel und andere als Propheten und andere als Evangelisten und andere als Hirten und Lehrer, zur Vollendung der Heiligen, für das Werk des Dienstes, für die Auferbauung des Leibes des Christus,« (Epheser 4,11-12; Elb.CSV)
Ein weiteres ernstes Wort muss an dieser Stelle gesagt werden: Die Grundhaltung eines Christen äußert sich daran, dass seine Entscheidungen sich am Wort Gottes orientieren – gerade auch in einem gehorsamen Lebensstil. Dieses objektive Grundelement sollte jeder prüfen, der meint zu etwas bestimmten berufen zu sein.

Donnerstag, 17. Juni 2010

Dürfen Frauen predigen I - Einleitung + Aufgaben

1. Einleitung
Die Schwierigkeit bei der Behandlung der Frage der Frauenordination ist die emotionale Betroffenheit die dabei oft hervorgerufen wird. Es ist schlicht eine Tatsache, dass hier verschiedene Meinungen aufeinandertreffen.
Leider leben wir in einer Zeit die diesen Pluralismus als Ausdruck verschiedener Frömmigkeitsstile feiert. Aber: Gott ist kein Produkt, dem wir unsere Meinung diktieren könnten, sondern Er ist der Souverän. Das heißt: Als Christen kann es nicht unser Ziel sein unsere Meinung durchzudrücken, sondern es muss unser Ziel sein die Meinung Gottes in Erfahrung zu bringen.
Sola Scriptura, allein die Schrift, war eine der Grundlagen der Reformation. Alle Reformatoren waren sich einig, das die Schrift sich selbst erklärt und das die unklaren Stellen im Lichte der klaren Stellen erhellt werden. Wenn ich im Weiteren versuche die Frage der Frauenordination zu klären, tue ich dies in der Überzeugung, das uns Gott in Seinem Wort hierzu eine Antwort gegeben hat die einleuchtend und klar ist.
Es ist wahr, uns mag nicht jede Antwort die wir erhalten gefallen und manche Antwort ist unbequem. Wir sollten jedoch nie dem Wahn verfallen die Antwort deswegen abzulehnen. Manche Leute lassen Gott nur die Antworten geben, die sie gerne hören wollen – die Bibel nennt solche Leute Narren oder Toren. Ein weiser Mensch akzeptiert Gottes Standpunkt genauso wie Er ihn dargelegt hat.

2. Aufgaben der Frau in der Gemeinde
Die ganze Tragik dieser Diskussion zeigt sich darin, das man sich nur um den Punkt dreht, was (vermeintlich oder tatsächlich) verboten ist. Wir werden dies später behandeln, beschäftigen uns im Weiteren aber erst einmal mit der Frage welche Dienste der Frau können wir der Bibel nach einfach bejahen.

Wenn wir die Geschichte der Lydia in Apostelgeschichte 16 betrachten, sehen wir die Gastfreundschaft, die Lydia dem Paulus gewährte. Diese Gastfreundschaft können Frauen auch heute noch geben, indem sie ihre Häuser öffnen z.B. für Gebetskreise, Stunden oder Mutter-Kind-Gruppen.
Als Paulus in 1. Korinther 16,19 Grüße weitergibt, tut er dies aus dem Haus von Aquila und Priscilla „samt der Gemeinde in ihrem Hause.“ Wir sehen also, das Gastfreundschaft ein wichtiger Dienst sein kann, den eine Frau ausüben kann. Es sollte selbstverständlich sein, das – wenn sie verheiratet ist – ihr Mann dabei eingebunden ist.
In Lukas 8,1-3 sehen wir die Frauen Maria Magdalena, Johanna und Susanna, die dem Herrn mit ihrer Habe dienten. Auch das Helfen kann ein Dienst sein den Frauen Bedürftigen gegenüber ausüben. Ebenso wichtig ist der Dienst an Alten und Kranken. Ich habe selbst erlebt, das Frauen hier ein sehr großes Einfühlungsvermögen gezeigt haben…
Die Vorgaben, die Paulus uns im 1. Timotheusbrief 3,1ff in Bezug für den Aufseher- und Diakoniedienst gibt, zeigen uns, das das Zeugnis des Glaubens auch im Lebensstil sichtbar werden kann. Dieses Zeugnis hat Paulus ebenfalls im Auge, als er einige Verse vorher folgendes schreibt (1. Tim. 2,9-10):
»Ebenso auch, dass die Frauen sich in bescheidenem Äußeren mit Schamhaftigkeit und Sittsamkeit schmücken, nicht mit Haarflechten und Gold oder Perlen oder kostbarer Kleidung, sondern was Frauen geziemt, die sich zur Gottesfurcht bekennen durch gute Werke.« (1. Timotheus 2,9-10; Elb.CSV)
Es ist ein wichtiger Dienst der Frauen Gott durch einen dementsprechenden Lebensstil, ihre Familie und die Erziehung ihrer Kinder zu bezeugen. Und natürlich sollten sie auch Zeugnis über ihren Glauben, das heißt die Auferstehung, abgeben.

In der Missionsarbeit von Paulus haben Frauen eine große Rolle gespielt, er selbst gibt darüber vielfach Zeugnis. In Römer 16,1 spricht er von Phöbe in den folgenden Versen 3-5a von seinen Mitarbeitern Priska und Aquila. In Vers 6 lässt er Grüße an Maria ausrichten, „die viel für euch gearbeitet hat!“. Und in Vers 12 erwähnt er Tryphäna und Tryphosa, sowie Persis, die viel im Herrn arbeiten bzw. gearbeitet haben. In Vers 13 lässt er die Mutter von Rufus grüßen und bezeichnet sie als „seine und meine Mutter!“. Und in Vers 15 lässt er Julia und die Schwester des Nereus grüßen.
»Evodia ermahne ich, und Syntyche ermahne ich, gleich gesinnt zu sein im Herrn. Ja, ich bitte auch dich, mein treuer Mitknecht, steh ihnen bei, die in dem Evangelium mit mir gekämpft haben, auch mit Clemens und meinen übrigen Mitarbeitern, deren Namen im Buch des Lebens sind.« (Philipper 4,2-3; Elb.CSV)

Alle vier Evangelien bezeugen, dass Frauen die ersten Auferstehungszeugen waren und sie Zeugnis von diesem Ereignis gaben (siehe z.B. Johannes 20,17-18 und Matthäus 28,7-8).

Eine Umfrage unter 14.000 Christen in Gemeinden Nordamerikas zeigte, dass der Grund warum Menschen zum Glauben und in eine Gemeinde fanden zu 75-90 % durch Verwandte oder Freunde zustande kam. Evangelistische Hausbesuche, missionarische Hauskreisarbeit, die Betreuung von Büchertischen oder das Verteilen von Traktaten, können wir also ebenfalls als einen wichtigen Dienst festhalten, den Frauen tun können.
»Und dieser fing an, freimütig in der Synagoge zu reden. Als aber Priszilla und Aquila ihn hörten, nahmen sie ihn zu sich und legten ihm den Weg Gottes genauer aus.« (Apostelgeschichte 18,26; Elb.CSV)

Die Verse in Titus 2,1-5 zeigen uns, dass Frauen das Lehren jünger Frauen ausdrücklich erlaubt ist. Unterweisung und Seelsorge gegenüber Frauen, Jugendlichen und Kindern erscheint mir als ein unheimlich wichtiges Aufgabengebiet gläubiger Frauen.
»indem ich den ungeheuchelten Glauben in dir in Erinnerung habe, der zuerst in deiner Großmutter Lois und deiner Mutter Eunike wohnte, ich bin aber überzeugt, auch in dir.« (2. Timotheus 1,5; Elb.CSV)
»und weil du von Kind auf die heiligen Schriften kennst, die imstande sind, dich weise zu machen zur Errettung durch den Glauben, der in Christus Jesus ist.« (2. Timotheus 3,15; Elb.CSV)
Aber auch gegenüber Männern – als Brüdern in Christus – dürfen die Schwestern Ermutigung geben, Trost spenden, Ermahnen und korrigieren, sowie Wegweisung geben.

Es sind keine unwichtigen Punkte die ich aufgezählt habe und niemand sollte sie gering achten. Gott hat den Frauen Aufgaben in der Gemeinde übertragen und ohne die Wahrnehmung dieser Aufgaben wäre Gemeinde nicht denkbar.

Mittwoch, 9. Juni 2010

Was ist eigentlich… ? Begriffe der Kirchengeschichte erklärt

…der prophetische Perfekt?
Der prophetische Perfekt bezeichnet Weissagungen, die anstatt des Futurs im Perfekt wiedergegeben wurden. Ein Beispiel ist Jesaja 53, wo die Leiden Christi als schon geschehene Tatsache geschildert werden, obwohl sie erst über 500 Jahre später stattfanden. Damit wird die Zuverlässigkeit der Prophezeiung in besonderer Weise hervorgehoben.
…der eschatologische Vorbehalt?
Der eschatologische Vorbehalt unterscheidet zwischen dem, was Gott dem Gläubigen schon hier auf der Erde zuteil werden lässt (z.B. Sündenvergebung) und dem, was der Gläubige erst in der Herrlichkeit (im Eschaton) erhalten wird (z.B. den Auferstehungsleib).


Für weitere Ideen, Anregungen oder Korrekturen – mit herzlichem Dank – nutzen sie bitte die Email-Adresse im Impressum (zu finden in den "Themenschwerpunkten").

Sonntag, 6. Juni 2010

Gedicht: Seine Ruhe

Einen Teil dieses Gedichtes schrieb ich als Jugendlicher, als mich eine Sache sehr bewegte. Das ist nun wieder so, aber die letzten Verse sollen etwas von der Freude des Herrn weitergeben, die uns durch alles hindurchzutragen weiß. Vielleicht ist deshalb der innere Zusammenhalt und die Struktur des Gedichtes etwas unvollkommen. Aber so ist manchmal auch unser Herz, wenn es das ausdrückt was es bewegt. Möge es trotzdem vielen Trost und Segen schenken:
Nebel sind es, die mich umweben
und endlos weit zum Himmel streben.
Wer kann sie fassen, kann sie halten
Wer kann des Nebels Geschicke walten?

Stumme Schreie befreiend und klar,
gefangen, verdunkelt, zerfressen,
man hört sie nicht, das ist wahr,
doch wann werd´ ich endlich vergessen.

Was einst im Zeitenstrom geschwommen,
Gewissheit hat einfach weggenommen
und hat mit roher Kraft zerstört,
was einst dem Leben angehört

Was war, es ist vergangen,
und doch hält es uns fest,
es hält uns noch gefangen,
als böser Träume Rest.

Doch schließlich muss das Dunkel weichen,
Gott steht im Regiment,
Er wird die Hand Dir reichen,
führt sicher den Moment.

Der liebend´ treue Vater lässt Dich niemals allein,
Darfst sicher und geborgen in Seiner Güte sein,
Gib in den Tod des Herrn alles was Dich bewegt,
und auf Dein Herz sich wieder Seine Ruhe legt.

Sonntag, 23. Mai 2010

Selbstliebe - ein christliches Konzept?

Der Zustand des „christlichen“ Zeitschriftenmarktes lässt sich am besten beschreiben durch ein Panoptikum, welches für jeden Geschmack das Treffende anbietet. Mystizismus und Zeitgeist drängen das Wort Gottes genauso zurück, wie Libertinismus oder Autonomie. Wahrheit wird plural gedeutet…
Nun lässt sich dieser Niedergang, der nicht weniger als den Verlust der Ehrfurcht vor Gott und seinem Wort kennzeichnet, an vielen Beispielen festmachen. „Sich selbst lieben“ heißt es in einem mir aktuell vorliegenden Magazin und aus dem „Doppelgebot der Liebe“ wird schnell ein Dreiergebot, bei dem ja auch die Liebe „zu sich selbst“ zu berücksichtigen sei.

Sehen wir uns den Bibeltext aber genauer an:
»Als aber die Pharisäer hörten, dass er die Sadducäer zum Schweigen gebracht hatte, versammelten sie sich miteinander. Und es fragte einer aus ihnen, ein Gesetzgelehrter, und versuchte ihn und sprach: Lehrer, welches ist das große Gebot in dem Gesetz?
Er aber sprach zu ihm: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstande". Dieses ist das große und erste Gebot. Das zweite aber, ihm gleiche, ist: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst". An diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.« (Matthäus 22,34-40; Elb.)

Es gehört viel Unverfrorenheit dazu von einem „Dreiergebot“ zu sprechen, wenn der Herr Jesus von „zwei Geboten“ spricht. Es ist aber nicht nur numerisch falsch, sondern widerspricht auch klar dem Gesamtzusammenhang der Schrift, die Selbstliebe Sünde nennt. Gerade für die Endzeit gilt, dass »die Menschen … eigenliebig sein« (2 Timotheus 3,2a; Elb.) werden ; philautoi = sich selbst liebend.
Der Gläubige hingegen ist aufgerufen: »Wenn jemand mir nachkommen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf und folge mir nach.« (Matthäus 16,24; Elb. – so auch bei Markus und Lukas)
Nicht Selbstliebe, sondern Selbstverleugnung ist also der biblische Maßstab; »Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung eures Sinnes, dass ihr prüfen möget, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist.« (Römer 12,2; Elb.)
Unser Sinn soll derartig erneuert werden, dass er dem guten, wohlgefälligen und vollkommenen Willen Gottes entspricht. »Und er ist für alle gestorben, auf dass die, welche leben, nicht mehr sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben ist und ist auferweckt worden.« (2 Korinther 5,15; Elb.)
»Er [Christus] muss wachsen, ich aber abnehmen.« (Johannes 3,30; Elb.)

Nicht das „Ich“ soll also im Mittelpunkt stehen, sondern der Herr Jesus Christus. So konnte der Apostel Paulus sagen: »ich bin mit Christo gekreuzigt, und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir; was ich aber jetzt lebe im Fleische, lebe ich durch Glauben, durch den an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat.« (Galater 2,20; Elb.); indem er wusste, dass der „alte Mensch mitgekreuzigt“ worden war mit Christus (siehe Römer 6,6).

Wer sich dessen bewusst ist, der wird auch die Fähigkeiten und Gaben, das Aussehen, alles was ihm Gott gegeben oder verweigert hat anerkennen können. Und der wird fähig sein den Nächsten lieben zu können - »denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, welcher uns gegeben worden ist.« (Römer 5,5; Elb.)
Dasselbe führt auch Johannes im 4. Kapitel seines 1. Briefes deutlich aus. Die Liebe Gottes, ausgegossen durch den Heiligen Geist, ist die Grundlage dessen, dass wir Gott und unsere Mitmenschen wahrhaft lieben können.

Mittwoch, 6. Januar 2010

Der Umgang mit der Wahrheit

Diese Darlegung ist ursprünglich als Forenbeitrag entstanden.

Leider haben sich Christen in Bezug auf die Diskussion um Musik auch schon manigfaltig der Lächerlichkeit preisgegeben. Ich erinnere mich an ein Buch, indem bezüglich des Liedes der Rolling Stones "Sympathy for the Devil" behauptet wurde sie würden ihre Sympathie für den Teufel zum Ausdruck bringen wollen. Nur dummerweise heißt "sympathy for" im Englischen soviel wie Mitgefühl, Mitleid, nicht etwa Sympathie. (Es geht mir nicht darum, dass das Lied Mist ist und der Text Mist ist, das ist offensichtlich). Nur zeigt sich in diesem Beispiel eben auch eine gewisse intellektuelle Verachtung und Unzulänglichkeit mancher Christen, die sich berufen fühlen über dieses Thema "aufzuklären".

Nichts ist für jemanden ärgerlicher, als wenn der Gegenstand der Betrachtung - ihn betreffend - auf eine unzulängliche und falsche Art dargestellt wird.

Eine anderes Beispiel wäre AC/DC - ohne Frage eine absolut gottlose Band - nur das Argument war: AC/DC würde "Anti-Christ / Death to Christ" heißen. Auch hier ist aber dummerweise die im englischen gebräuchliche Abkürzung für Wechselstrom/Gleichstrom (alternating current/direct current) - in symbolischer Anspielung auf die Art ihrer Musik - gemeint.

Eine ähnliche Kreativität in Bezug auf Symbolik und Spekulationen legen Christen eigentlich nur noch im Gebiet der Freimaurerei an den Tag. Ich bin immer dafür alles zu diskutieren - aber auf dem Boden der Wahrhaftigkeit! Und dann redet man über Fakten und nicht über Spekulationen.

Dieser kurze Beitrag sollte deutlich machen, dass wir in der Diskussion um kontroverse Themen bei den Fakten bleiben sollten, um nicht den Boden der Redlichkeit zu verlassen. Gerade als Christen haben wir darin eine besondere Verantwortung: Im Umgang mit der Wahrheit!

Um Missverständnisse zu vermeiden: Es ist dabei nicht gemeint, das man sich mit bösen Dingen selbst beschäftigen muss, um dagegen argumentieren zu können, sondern dass man sich auf verlässliche Informationen stützt.

Samstag, 7. November 2009

Die Reformatoren und die römische Eucharistie

Im folgenden Aufsatz wollen wir untersuchen, wie die Reformatoren zu folgendem Urteil kamen, welches sie im Heidelberger Katechismus festgehalten haben:
Und ist also die Messe [= röm.-kath. Eucharistie] im Grunde nichts anderes als eine Verleugnung des einigen Opfers und Leidens Jesu Christi und eine vermaledeite Abgötterei.
Die Lehre der römischen Kirche besagt, dass Brot und Wein vom Priester in Fleisch und Blut Christi verwandelt (Transsubstantiation) und danach geopfert werden. Wer nicht glaubt, dass das Abendmahl heilswirkend ist, steht unter dem auf dem Konzil von Trient verkündeten „anathema“ – im Wortlaut (alle Hervorhebungen von mir):
Wer leugnet, dass im Sakrament der heiligsten Eucharistie wahrhaft, wirklich und wesentlich der Leib und das Blut zugleich mit der Seele und der Gottheit unseres Herrn Jesus Christus und folglich der ganze Christus enthalten ist, und behauptet, er sei in ihm nur wie im Zeichen, im Bild oder in der Wirksamkeit, der sei ausgeschlossen.
Ebenso wurde festgehalten:
- So bleibt kein Zweifel, dass alle Christgläubigen nach der Weise, wie sie stets in der katholischen Kirche geübt wurde, diesem heiligsten Sakrament bei der Verehrung die Huldigung der Anbetung erweisen sollen, die man dem wahren Gott schuldet.

- Wer sagt, in der Messe werde Gott nicht ein wirkliches und eigentliches Opfer dargebracht oder die Opferhandlung bestehe in nichts anderem, als dass uns Christus zur Speise gereicht werde, der sei ausgeschlossen.

- Wer sagt, das Messopfer sei nur Lob- und Danksagung oder das bloße Gedächtnis des Kreuzesopfers, nicht aber ein Sühneopfer, oder es bringe nur dem Nutzen, der kommuniziere, und man dürfe es nicht für Lebende und Verstorbene, für Sünden, Strafen, zur Genugtuung und für andere Nöte aufopfern, der sei ausgeschlossen.

- Wer sagt, durch das Messopfer werde das hochheilige Opfer Christi am Kreuz gelästert oder herabgesetzt, der sei ausgeschlossen.

- ... das neue Osterlamm [...], sich selbst, auf daß er von der Kirche durch die Priester unter sichtbaren Zeichen geopfert werde zum Gedächtnis an seinen Hinübergang aus dieser Welt zum Vater ...

So wird der Herr Jesus Christus also nach römischer Lehre „durch die Priester ... geopfert“. Und das nicht einmal symbolisch, sondern wie wir lasen handelt es sich dabei: „wahrhaft, wirklich und wesentlich der Leib und das Blut zugleich mit der Seele und der Gottheit unseres Herrn.“

Sehen wir uns dazu noch ein weiteres Zitat an:
- Weil in diesem göttlichen Opfer, das in der Messe gefeiert wird, derselbe Christus enthalten ist und unblutig geopfert wird, ... Versöhnt durch die Darbringung dieses Opfers, gibt der Herr die Gnade und die Gabe der Buße, und er vergibt die Vergehen und Sünden, mögen sie noch so schwer sein.
Die Vergebung der Sünden durch das Opfer der Messe! Das ist ein magisch-mythisches Denken, kein Christentum, sondern tiefstes Heidentum.

Im „Katechismus der Katholischen Kirche“ lässt sich nachlesen:
- Als Opfer wird die Eucharistie auch zur Vergebung der Sünden der Lebenden und der Toten dargebracht und um von Gott geistliche und zeitliche Wohltaten zu erlangen.
Es muss deutlich gesagt werden, dass in der römischen Kirche die Hostie d.h. ein Stück Brot, und ein Becher Wein angebetet werden. Entgegen biblischer Wahrheit betrachtet man die Eucharistie als Sakrament für Verstorbene, meint das Sakrament wirke eine Vereinigung mit Christus und wirke den Nachlass lässlicher Sünden.

Vergleichen wir die römische Eucharistie mit der biblischen Wahrheit ergibt sich folgendes Bild:

1) Die Einmaligkeit und Vollkommenheit des Opfers Jesu wird verleugnet
»Denn der Christus ist nicht eingegangen in das mit Händen gemachte Heiligtum, ein Gegenbild des wahrhaftigen, sondern in den Himmel selbst, um jetzt vor dem Angesicht Gottes für uns zu erscheinen; auch nicht, auf dass er sich selbst oftmals opferte, wie der Hohepriester alljährlich in das Heiligtum hineingeht mit fremdem Blut; sonst hätte er oftmals leiden müssen von Grundlegung der Welt an; jetzt aber ist er einmal in der Vollendung der Zeitalter geoffenbart worden zur Abschaffung der Sünde durch sein Opfer.« (Hebräer 9,24-26; Elb.)
»Durch welchen Willen wir geheiligt sind durch das ein für allemal geschehene Opfer des Leibes Jesu Christi.« (Hebräer 10,10; Elb.)
»Denn mit einem Opfer hat er auf immerdar vollkommen gemacht, die geheiligt werden.« (Hebräer 10,14; Elb.)
»Wo aber eine Vergebung derselben ist, da ist nicht mehr ein Opfer für die Sünde.« (Hebräer 10,18; Elb.)
»Denn was er gestorben ist, ist er ein für allemal der Sünde gestorben; was er aber lebt, lebt er Gott.« (Römer 6,10; Elb.)
»Denn es hat ja Christus einmal für Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, auf dass er uns zu Gott führe, getötet nach dem Fleische, aber lebendig gemacht nach dem Geiste, ...« (1. Petrus 3,18; Elb.)

2) Ein unblutiges Opfer gibt es nicht
»und fast alle Dinge werden mit Blut gereinigt nach dem Gesetz, und ohne Blutvergießung gibt es keine Vergebung.« (Hebräer 9,22; Elb.)

3) Das Abendmahl ist ein Gedächtnis- und Gemeinschaftsmahl (... u.a.)
»Und er nahm Brot, dankte, brach und gab es ihnen und sprach: Dies ist mein Leib, der für euch gegeben wird; dieses tut zu meinem Gedächtnis!« (Lukas 22,19; Elb.)
»Denn so oft ihr dieses Brot esset und den Kelch trinket, verkündiget ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.« (1. Korinther 11,26; Elb.)
»Denn ein Brot, ein Leib sind wir, die Vielen, denn wir alle nehmen teil an dem einen Brote.« (1. Korinther 10,17; Elb.)

4) Was also sollte es nützen den Leib Christi zu „essen“? Jesus selbst sagte:
»Denn es geht nicht in sein Herz hinein, sondern in den Bauch, und es geht heraus in den Abort, indem so alle Speisen gereinigt werden.« (Markus 7,19; Elb.)

5) Und außerdem ist Christus schon in jedem wiedergeborenen Gläubigen!
»Ich bin mit Christo gekreuzigt, und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir; was ich aber jetzt lebe im Fleische, lebe ich durch Glauben, durch den an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat.« (Galater 2,20; Elb.)

Nun verstehen wir auch, warum die Reformatoren im Heidelberger Katechismus so hart urteilten und wollen uns das Zitat vollständig vergegenwärtigen:
Frage 80: Was ist für ein Unterschied zwischen dem Abendmahl des Herrn und der päpstlichen Messe?
Das Abendmahl bezeugt uns, daß wir vollkommene Vergebung aller unserer Sünden haben durch das einige Opfer Jesu Christi, so er selbst einmal am Kreuz vollbracht hat; und daß wir durch den Heiligen Geist Christo werden eingeleibt, der jetzt mit seinem wahren Leib im Himmel und zur Rechten des Vaters ist und daselbst will angebetet werden. Die Messe aber lehrt, daß die Lebendigen und die Toten nicht durch das Leiden Christi Vergebung der Sünden haben, es sei denn, daß Christus noch täglich für sie von den Meßpriestern geopfert werde, und daß Christus leiblich unter der Gestalt des Brotes und Weines sei, und deshalb darin soll angebetet werden. Und ist also die Messe im Grunde nichts anderes, als eine Verleugnung des einigen Opfers und Leidens Jesu Christi und eine vermaledeite Abgötterei.