Sonntag, 21. August 2011

Lese-Tagebuch – Einleitung

Neben den regulären Artikeln die hier auch weiterhin in unregelmäßigen Abständen erscheinen sollen, möchte ich meinen Blog gerne etwas mehr auf Literatur ausrichten. Es gibt viel – wenig beachtete, vergessene oder zum Teil auch verdrängte und totgeschwiegene – Literatur im Evangelikalen Bereich, die erwähnenswert ist.

Daneben soll es aber auch um geistlich erbauliche Literatur aus Vergangenheit und Gegenwart, sowie das eine oder andere säkulare Buch von Interesse gehen. Der Charakter eines „Blogs“ soll dabei ebenso stärker zur Geltung kommen. Eine Definition:
»Ein Blog« … »ist ein auf einer Website geführtes und damit – meist öffentlich – einsehbares Tagebuch oder Journal, in dem mindestens eine Person, der Web-Logger, kurz Blogger, Aufzeichnungen führt, Sachverhalte protokolliert oder Gedanken niederschreibt.«
Quelle: www.wikipedia.de

Folgende Punkte möchte ich in diesem Zusammenhang festhalten:
  • Es wird vorrangig um Bücher gehen, die mich zur Zeit – oder zur Zeit wieder – beschäftigen.
  • Nicht alle Bücher die ich lese(n werde) eignen sich dazu hier angeführt zu werden (Und werden es auch nicht!), weswegen es auch hier in der Beitragsfolge zu Unregelmäßigkeiten und längeren Wartezeiten kommen kann. Genauso wie das persönliche Bibelstudium natürlich Vorrang vor jeglicher anderen Literatur haben soll und manches Mal verstärkt Zeit in Anspruch nehmen wird.
  • Im Gegensatz zu früher arbeite ich heute auch mehr mit Textmarkern und Notizen, was ich nur jedem empfehlen kann. Zwar leidet der "Lese-Genuss" etwas darunter und es kostet mehr Zeit, unterm Strich zahlt es sich aber definitv aus, wenn man mit den Texten tatsächlich "arbeiten" und Wesentliches verinnerlichen will.
  • Es wird weniger um – gut durchdachte – Rezensionen gehen, als vielmehr um Reflektionen über das Gelesene, Hinweise auf lesenswerte Bücher und die allgemeine Freude des Autors an dieser Materie. Gerade der letzte Punkt rechtfertigt die Bezeichnung „Tagebuch“ – gestehen sie mir diese persönliche Komponente zu.
  • Inwieweit das „Lese-Tagebuch“ letztlich stilistisch von meinen (bisher) „regulären“ Beiträgen abweichen wird kann ich noch nicht sagen; Ich hoffe sie bleiben mir dennoch gewogen.
  • „So Gott will und wir leben“ – dies vorausgesetzt –, habe ich die Hoffnung, dass dies alles hier zur Ehre meines Herrn und Erretters Jesus Christus sein darf. Wo allerdings die Notwendigkeit zur begründeten Korrektur erforderlich ist, will ich diese gerne anfügen. Die Email-Adresse dafür finden sie unter dem „Themenschwerpunkt“ -> „Kontakt“.
Es bleibt mir sie mit einem der Grundsätze der Reformation gleichermaßen zu grüßen, als auch zu ermuntern - Soli Deo Gloria – „Einzig zur Ehre Gottes“!

Mittwoch, 17. August 2011

Biblisch?

In seinem Kommentar zum Neuen Testament weist William MacDonald auf folgendes hin:
»Das NT kennt viele Fälle von gerechtfertigtem Gericht über den Zustand, das Verhalten oder die Lehre anderer. Außerdem gibt es verschiedene Gebiete, auf denen dem Christ sogar befohlen ist, eine Entscheidung zu treffen, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden oder zwischen dem Guten und dem Besten.« [1]
Leider erleben wir es heute oft, dass leichtfertig und wenig gründlich beurteilt wird - wenn überhaupt. Das Attribut „christlich“ reicht oftmals aus, damit die Wachsamkeit nachlässt. Dinge werden als „biblisch“ oder „christlich“ anerkannt. Dabei bedeutet dieselben Begriffe und Wendungen zu verwenden nicht zwangsläufig auch dasselbe damit zu meinen. Einige Beispiele sollen hier exemplarisch genannt werden.

Das Wort Gottes

Die Reformation ging zurück auf die Schrift allein (sola scriptura) und die uneingeschränkte Autorität und Kraft der Schrift. Demgegenüber steht die Römisch-katholische Definition:
»Die Heilige Überlieferung und die Heilige Schrift bilden den einen der Kirche überlassenen heiligen Schatz des Wortes Gottes.« [2]
Vereinfacht lässt sich sagen: Dort wo der überzeugte Katholik vom „Wort Gottes“ redet, kann „die Heilige Schrift“ aber auch – absolut gleichwertig – „Die Heilige Überlieferung“ gemeint sein. Wir müssen begreifen, dass nicht überall wo in christlichen Kreisen vom „Wort Gottes“ geredet wird automatisch die Bibel gemeint ist.

"Wahrhaftig auferstanden" bei Bultmann
Eine weitere Sache finden wir bei dem Bibelkritiker Rudolf Bultmann. In einem Interview mit SpiegelOnline führt Johannes Joachim Degenhardt aus:
»SPIEGEL: Für Drewermann und Bultmann ist es kein Widerspruch, an die Auferstehung zu glauben und zu sagen, das Grab Jesu sei sowenig leer gewesen wie das Grab irgendeines anderen Menschen.
DEGENHARDT: Für Bultmann ist Christus auferstanden in das Kerygma, in den Glauben der Urgemeinde.« [3]
Um zu verstehen was hier gesagt wird nochmals eine vereinfachte Erklärung. Das Zeugnis der „wahrhaftigen Auferstehung Jesu Christi“ wäre für Bultmann kein Problem gewesen. Erst in der Nachfrage wäre deutlich geworden, dass Bultmann hier mitnichten ein historisch-faktisches Ereignis verbindet, sondern die „wahrhaftige Auferstehung“ nur im Kerygma, also allein der Verkündigung sieht. Lothar Gassmann schlussfolgert zurecht:
»Bultmanns Theologie ist eine auf die Bibel angewandte Philosophie«. Und: »Bei Bultmann jedenfalls können geschichtliche Texte nur subjektiv-existentiell verstanden werden.« [4]
"Evangelisation in der Postmoderne"
Ein drittes Beispiel liefert Wolfgang Nestvogel in seinem Buch „Evangelisation in der Postmoderne“. Er resümiert über ProChrist 2003:
»Die wichtigen Themen des Evangeliums (Sünde, Umkehr, Vergebung, Kreuz) kommen alle »irgendwie« vor, dennoch bleiben zentrale Inhalte im Unklaren. Der erfahrene Christ hört die Begriffe und Andeutungen und kann sie mit den dazugehörenden Lehren verbinden, die er vorher schon kannte. Darum wohl haben viele Christen die Verkündigung als klar und biblisch empfunden, »schließlich hat er doch immer über Sünde, Hinkehr zu Jesus und die Wichtigkeit des Bibellesens gesprochen«. Der Nichtchrist muss aber den Inhalt, das Konzept des Evangeliums erst einmal kennen lernen, deshalb benötigt er eine präzise und klare Erläuterung der sachlichen Zusammenhänge.
Die Notwendigkeit solcher Klarheit und Präzision ist keine akademische Forderung, sondern schlichtes Gebot der seelsorgerlichen Liebe und des Gehorsams gegenüber Gottes offenbarter Wahrheit.« [5]
Bruder Nestvogel legt in seinem Buch sehr eindrücklich dar, wie er zu dieser Beurteilung kommt und es sei jedem ans Herz gelegt. Gerade in diesem Buch wird die Diskrepanz zwischen dem „klar und biblisch“ empfinden (!) und dem objektiven Fehlen zentraler Inhalte sehr deutlich aufgezeigt.

Umdeutung durch Psychologie
Rudolf Ebertshäuser kommt in anderem Zusammenhang zu dem Schluss:
»Ganz unmerklich verschieben sich die Maßstäbe, werden klare geistliche Aussagen der Bibel durch schillernde psychologische Begriffe ersetzt. War es früher für bibeltreue Christen klar, dass die Sünde, die sündige, verderbte, von Ichsucht und Rebellion geprägte menschliche Natur die Quelle alles Übels der menschlichen Existenz ist, so erwecken die „christlichen“ Psychologen den Eindruck , das Grundübel seien die Verletzungen und Demütigungen die dem seelischen Ichleben zugefügt werden.« [6]
Auch hier muss wieder die Frage gestellt werden, wie die Begrifflichkeiten letztlich die klaren biblischen Maßstäbe überdecken können.

Bibeltreu oder "bibeltreu"?
Abschließend noch einen Bericht aus den Betanien-Nachrichten aus dem Jahr 2003:
»Seit fast drei Jahren sorgte eine Streitfrage für Spannung innerhalb der "Konferenz bibeltreuer Ausbildungsstätten" (KBA), die 31 theologische Ausbildungsstätten umfasst. An den drei Ausbildungsstätten Chrischona, Tabor, Liebenzell (CTL) wird unter "bibeltreu", zum Teil verstanden, "die Bibel so zu nehmen wie sie ist - mit ihren Fehlern". Gleichzeitig wird behauptet, der Standpunkt der Irrtumslosigkeit der Bibel, wie in der Chicago-Erklärung ausgedrückt, sei nicht bibeltreu, da die Bibel selbst keine Irrtumslosigkeit beanspruche und man mit diesem Anspruch über die Bibel hinausgehe. Die Ansicht von CTL wurde als "Hermeneutik der Demut" bekannt und von einigen Theologen der KBA als nachweislich gemäßigte Bibelkritik entlarvt.

Dieser Streit wurde nun auf einer Mitgliederversammlung der KBA beigelegt. Die bisher offiziell vertretene Überzeugung von der Inspiration und Unfehlbarkeit der Bibel, deren Bekenntnis Bedingung zur Mitgliedschaft in der KBA ist, wurde bekräftigt, jedoch wurden sowohl die "Hermeneutik der Demut" als auch die "Chicago-Erklärung" beide als bibeltreue Standpunkte akzeptiert, die nicht der versteckten oder gemäßigten Bibelkritik verdächtigt werden dürfen.« [7]

Ein Fazit
Es gäbe noch andere Beispiele über die Umdeutung oder Substitution von Begriffen. Es sollte aber auch so deutlich geworden sein, dass dort tragende Säulen umgeworfen wurden, wo beispielsweise gemäßigte Bibelkritik als „bibeltreu“ gekennzeichnet wird. Das fehlende Unterscheidungsvermögen das hinsichtlich solcher Vorgänge unter Christen vorherrscht ist durchaus besorgniserregend. Dabei weiß der Autor dieser Zeilen durchaus um die eigenen Irrtümer seines Glaubenslebens. Aber vielleicht muss man (einiger) dieser Irrtümer erst einmal gewahr werden, um eine falsche – auf die eigene Menschenweisheit bauende – Selbstsicherheit zu verlieren. So mancher Gläubige ist gerade in Bezug auf das Vertrauen auf sich selbst und sein Urteilsvermögen gefallen.
Das Wort Gottes fordert uns auf:
»Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung eures Sinnes, dass ihr prüfen mögt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist.« Römer 12,2; ElbCSV
Wäre unser Gebet anhaltender darin, dass Gott unseren Sinn beständig erneuern möge und unser selbstsüchtiger Widerstand dagegen geringer, so wären wir fähiger zu prüfen und treuer darin den guten, wohlgefälligen und vollkommenen Willen Gottes zu tun!

Quellennachweis:
[1] William MacDonald, Kommentar zum Alten und Neuen Testament, 2. Auflage, Gesamtausgabe – Band 1 und 2, 1997, CLV, Bielefeld
[2] Quelle: vatican.va, Dokumente des II. Vatikanischen Konzils
[3] SpiegelOnline, Den Glauben abfragen wie Vokabeln?, 16.03.1992
[4] Lothar Gassmann, „DietrichBonhoeffer, Karl Barth, Rudolf Bultmann, Paul Tillich“ – Die einflussreichsten evangelischen Theologen der Neuzeit und ihre Lehren auf dem Prüfstand, Fromm Verlag, 2011
[5] Wolfgang Nestvogel, Evangelisation in der Postmoderne, Wie Wahrheit den Pluralismus angreift…, 1. Auflage 2004, CLV, Bielefeld; Hervorhebung von mir
[6] Rudolf Ebertshäuser, Die Charismatische Bewegung im Licht der Bibel, 2., durchgesehene Auflage 1998, CLV, Bielefeld.
[7] Betanien-Nachrichten, www.betanien.de, Ausgabe Nr. 9 vom 15. Dezember 2003

Montag, 11. Juli 2011

David und Achan

Es ist naheliegend und schon oft wurde die Buße der Könige David und Saul miteinander verglichen. Beide könnten unterschiedlicher nicht sein; eine echt, die andere nicht. Beide hatten gegen Gott gesündigt und waren durch Propheten zur Buße gerufen worden. Durch Propheten – d.h. Gott redete nicht mehr direkt zu ihnen selbst. In einen solchen Zustand können auch wir fallen, das Gott nur noch durch andere zu uns reden wird.

Hier aber soll es nun um Achan gehen. Auch er hatte gegen Gott gesündigt. Bei David waren es Ehebruch und Mord gewesen (um nur zwei Dinge aus einer langen Kette an Sünden herauszugreifen. Achan verstieß gegen ein ausdrückliches Gebot Gottes und behielt beim Fall Jerichos etwas von dem Verbannten zurück.
Auf die weiteren Umstände und Hintergründe müssen wir hier nicht eingehen. Es ist viel wichtiger zu wissen, dass es für Davids Sünde nach dem mosaischen Gesetz kein Opfer mehr gab, das er hätte bringen können für seine Schuld. Als Strafe für sein Vergehen war der Tod gesetzt. Wie Achan, der gesteinigt wurde, hätte er getötet werden müssen – und doch wird ihm Vergebung zuteil.

Wir fragen uns zweifellos, warum dem einen vergeben wurde und dem anderen nicht. Ein Bruder schreibt zu Achan: »Aber Jehova* nahm dies Bekenntnis nicht an, das nur deshalb zustande gekommen war, weil Leugnen zwecklos geworden war.« [1] [* oder Jahwe]
Aber war dies bei David wirklich anders? War es nicht Nathan, der vor den König trat und dessen Sünde ans Licht brachte – ebenso wie Josua es bei Achan getan hatte? Und nachdem Nathan ihm das Gericht Gottes angekündigt hatte…
»Da sprach David zu Nathan: Ich habe gegen den HERRN gesündigt. Und Nathan sprach zu David: So hat auch der HERR deine Sünde weggetan, du wirst nicht sterben.« (2 Samuel 12,13; ElbCSV)
Achan hatte gesagt:
»Und Achan antwortete Josua und sprach: Ja, ich habe gegen den HERRN, den Gott Israels, gesündigt, und so und so habe ich getan: Ich sah unter der Beute einen schönen Mantel aus Sinear und 200 Sekel Silber und eine goldene Stange, 50 Sekel ihr Gewicht, und mich gelüstete danach, und ich nahm sie; und siehe, sie sind im Innern meines Zeltes in der Erde vergraben, und das Silber darunter.« (Josua 7,20-21; ElbCSV)
Es ist sicherlich wahr, das Gott Achans Bekenntnis nicht angenommen hat. Aber wir müssen uns durchaus fragen, warum dies so ist! Wir wissen, das David ein tiefes Empfinden über seine Sünde hatte (s. Psalm 51). Seine Buße war zweifelsfrei echt, weshalb Gott sie angenommen hat.

Es ist eigentlich nur ein Wort, an dem wir Achans Herzensstellung – und Weigerung zur echten Buße erkennen – das Wort „schön“. Er empfand keinen Hass gegen die Sünde. In seinen Augen war es immer noch der „schöne Mantel“, nachdem er gelüstet hatte.

Die Bibel redet von der Sünde als Aussatz. Und wir wollen hierzu noch zwei Aussagen betrachten:
»Wenn aber der Aussatz in der Haut ausbricht und der Aussatz die ganze Haut dessen, der das Übel hat, bedeckt, von seinem Kopf bis zu seinen Füßen, wohin auch die Augen des Priesters blicken und der Priester besieht ihn, und siehe, der Aussatz hat sein ganzes Fleisch bedeckt, so soll er den, der das Übel hat, für rein erklären; hat es sich ganz in Weiß verwandelt, so ist er rein.« (3 Mose 13,12-13; ElbCSV)
Dort wo der Gläubige sich – wie David – in seiner ganzen Sündhaftigkeit erkannt hat und nichts vor Gott zurückhält, erfährt er die Vergebung der Gnade Gottes.
»An dem Tag aber, da wucherndes Fleisch an ihm gesehen wird, wird er unrein sein. Und sieht der Priester das wuchernde Fleisch, so soll er ihn für unrein erklären; das wuchernde Fleisch ist unrein: Es ist der Aussatz.« (3 Mose 13,14-15; ElbCSV)
Ja, Achan hatte die Sünde – im Bild gesprochen: den Aussatz – zugegeben. Aber immer noch zeigte sich „wucherndes Fleisch“. Nicht anders war es auch bei Saul. Nur wenn wir uns voller Aussatz erkennen und damit bußfertig vor Gott treten stehen wir in der richtigen Herzenshaltung vor Ihm. Dann dürfen wir auch die tröstende Zusage seines Wortes erkennen: »Wenn eure Sünden wie Scharlach sind, wie Schnee sollen sie weiß werden; wenn sie rot sind wie Karmesin, wie Wolle sollen sie werden.« (Jesaja 1,18b; ElbCSV)

Quellennachweis:
[1] Hendrik Leendert Heijkoop, Die Opfer, 1. CSV-Auflage 2011, CSV, Hückeswagen

Mittwoch, 6. Juli 2011

Weltliche Begierden verleugnen

»Denn die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend für alle Menschen, und unterweist uns, damit wir, die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden verleugnend, besonnen und gerecht und gottselig leben in dem jetzigen Zeitlauf,« (Titus 2,11-12; ElbCSV)

Wenn hier von weltlichen Begierden gesprochen wird, dürfen wir nicht ausschließlich an Unmoral oder In-Sich-Böses denken. An anderer Stelle im Neuen Testament wird der Begriff „epithymia“ durchaus positiv verwendet (z.B. Lukas 22,15 und 1 Thessalonicher 2,17). Wieder andere Stellen sprechen sehr eindeutig von einer „bösen Lust“ (s. Kolosser 3,5) oder „fleischlichen Lüsten“ (2. Petrus 2,18).

An dieser Stelle hier wird die Begierde (oder „Verlangen“, „Lust“) als weltlich gekennzeichnet. Sie umfasst alle unsere Begierden, die nicht im Einklang sind mit dem Willen Gottes für unser Leben. Das kann sehr weit gehen und sehr viel umfassen. Es kann der Wunsch nach Karriere sein, nach einem Ehepartner, der Wunsch nach Emanzipation (weg von Gott, weg von natürlichen Autoritäten, weg von der Schöpfungsordnung)… Alles, was nicht seine Ursache hat in Christus, sondern in unserem eigenen Herzen. So ehrbar und verständlich es vielleicht auch manchmal nach außen hin scheinen mag.

Manchmal handelt Gott dann nach den Wünschen unserer Herzen, um uns zu zeigen wie leer, eitel und vergeblich unsere Wünsche waren. So war es bei Israel, als sie Gott in der Wüste versuchten: »Da gab er ihnen ihr Begehr, aber er sandte Magerkeit in ihre Seelen.« (Psalm 106,16; ElbCSV). Und so war es, als sie einen König verlangten: »Und der HERR sprach zu Samuel: Höre auf die Stimme des Volkes in allem, was sie dir sagen; denn nicht dich haben sie verworfen, sondern mich haben sie verworfen, dass ich nicht König über sie sein soll.« (1. Samuel 8,7; ElbCSV)

Im Gleichnis vom verlorenen Sohn erhält dieser sein Erbe, reist außer Land vergeudet es und landet schließlich bei den Schweinen. »Und er begehrte seinen Bauch zu füllen mit den Futterpflanzen, die die Schweine fraßen; und niemand gab ihm.« (Lukas 15,16; ElbCSV). Seinem eigenen Willen zu folgen hatte ihn dahin gebracht, so freudig er wohl anfangs aufgebrochen war. Die Sünde hatte ihn betrogen. »Als er aber zu sich selbst kam, sprach er: …« (Vers 17a). Ja, da wurde er nüchtern in seinem Denken und erkannte die Magerkeit in seiner Seele und wohin auch ihn sein Begehren gebracht hatte.

Wenn wir dies bedenken, dann sollten wir beten lernen, den Herrn um Weisheit für die Entscheidungen in unserem Leben zu bitten. Auch das Er offenbar macht, wo wir die eigenen Wünsche Seinem Willen vorangestellt haben. Es ist nichts falsches daran, dies in kindlichem Vertrauen zu tun, sondern im Gegenteil was der Herr von uns erwartet, wie wir uns Ihm anvertrauen sollen. Mehr noch: Dort wo wir - wie der verlorene Sohn - einmal abgeirrt sind, dürfen wir zurückkehren (vgl. 1 Joh 1,5).

Mich hat einmal bewegt, was ein Bruder - wenn auch in anderem Zusammenhang - schrieb. Nämlich, dass wir in der Bibel aufgefordert werden "die richtigen Entscheidungen zu fällen, ohne sie aufzuschieben"! Wenn es "weltliche Begierden" in Ihrem, in Deinem Leben, gibt, die es zu verleugnen gibt, dann schiebe diese Entscheidung nicht auf.

Samstag, 2. Juli 2011

Erhörtes Gebet

In der Apostelgeschichte (2,42) werden vier Säulen genannt auf denen eine Gemeinde ruht. Eine davon ist das gemeinsame Gebet. Gleichzeitig ist das Gebet aber auch für jeden einzelnen Gläubigen ein Fundament seines Lebens mit Gott. An dieser Stelle sollen einige wenige Punkte genannt werden, die wiederum für ein lebendiges Gebetsleben nötig sind.

1. Wir dürfen auf den Herrn Jesus Christus vertrauen
»Und um was irgend ihr bitten werdet in meinem Namen, das werde ich tun, damit der Vater verherrlicht werde in dem Sohn. Wenn ihr um etwas bitten werdet in meinem Namen, werde ich es tun.« (Johannes 14,13; ElbCSV)
»Ihr habt nicht mich auserwählt, sondern ich habe euch auserwählt und euch dazu bestimmt, dass ihr hingehet und Frucht bringet und eure Frucht bleibe, damit, um was irgend ihr den Vater bitten werdet in meinem Namen, er euch gebe.« (Johannes 15,16; ElbCSV)

2. Wir dürfen im Glauben zu Ihm kommen
»Ohne Glauben aber ist es unmöglich, ihm wohlzugefallen; denn wer Gott naht, muss glauben, dass er ist und denen, die ihn suchen, ein Belohner ist.« (Hebräer 11,6; ElbCSV)
»Er bitte aber im Glauben, ohne irgend zu zweifeln; denn der Zweifelnde gleicht einer Meereswoge, die vom Wind bewegt und hin und her getrieben wird. Denn jener Mensch denke nicht, dass er etwas von dem Herrn empfangen wird;« (Jakobus 1,6-7; ElbCSV)

3. Wir müssen aber ebenso unser Herz von Ihm reinigen lassen, in dem Wunsch und Wandel Ihm gehorsam zu sein.
»Wenn ich es in meinem Herzen auf Frevel abgesehen hätte, so hätte der Herr nicht gehört.« (Psalm 66,18; ElbCSV)
»und was irgend wir erbitten, empfangen wir von ihm, weil wir seine Gebote halten und das vor ihm Wohlgefällige tun.« (1. Johannes 3,22; ElbCSV)

4. Wir müssen lernen nach Seinem Willen zu bitten/zu fragen.
»Und dies ist die Zuversicht, die wir zu ihm haben, dass, wenn wir etwas nach seinem Willen bitten, er uns hört.« (1. Johannes 5,14; ElbCSV)
Oftmals scheitert es schon daran, dass wir nach unserem Willen bitten. »ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr übel bittet, damit ihr es in euren Begierden vergeudet.« (Jakobus 4,3; ElbCSV) – so sollte es nicht sein! Und wie schnell täuschen wir uns auch bezüglich unseres eigenen Herzens. »Behüte dein Herz mehr als alles, was zu bewahren ist; denn von ihm aus sind die Ausgänge des Lebens.« (Sprüche 4,23; ElbCSV)

5. Wir müssen lernen im Gebet anzuhalten und auf Seine Antwort zu warten.
»Habt nun Geduld, Brüder, bis zur Ankunft des Herrn. Siehe, der Ackerbauer wartet auf die köstliche Frucht der Erde und hat Geduld ihretwegen, bis sie den Früh- und den Spätregen empfängt.« (Jakobus 5,7; ElbCSV)
Nicht anders ist es beim Gebet (vgl. Lukas 18,1-8 oder Matthäus 15,21-28). So dürfen wir die Dinge immer wieder vor den Herrn bringen, die unser Herz bewegen. Wenn wir dann allerdings eine Antwort bekommen, müssen wir diese auch akzeptieren. Dem Apostel Paulus, der zum Herrn flehte, wegen eines Dorns der ihm ins Fleisch gegeben worden war*, erhielt die Antwort: »Und er hat zu mir gesagt: Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft wird in Schwachheit vollbracht.« (2. Korinther 12,9a; ElbCSV). Es war nicht die Antwort, die er sich erbeten oder zuerst erhofft hatte, aber es war die gute und gesegnete Antwort Gottes. So konnte der Apostel weiter ausführen: »Daher will ich mich am allerliebsten viel mehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft des Christus über mir wohne. Deshalb habe ich Wohlgefallen an Schwachheiten, an Schmähungen, an Nöten, an Verfolgungen, an Ängsten für Christus; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.« (Verse 9b-10; ElbCSV)

* Es ist nicht gesichert, worum es sich bei diesem Dorn handelte, der ihm ins Fleisch gegeben worden war. Darum soll an dieser Stelle auch nicht spekuliert werden, worum es sich genau handelt. Es ist auch so jedem klar, dass der Apostel unter dieser Sache litt, weshalb er sie vor den Herrn brachte.

Freitag, 1. Juli 2011

Zeugnisse der Vergangenheit - Teil 1


Immer wieder finden sich in alten Büchern Dokumente der Vergangenheit. So auch dieses alte Kalenderblättchen. Es mag demjenigen, der es in diesem Buch hinterlegte kostbar gewesen sein und wer es liest, der wird auch verstehen warum.
Die Generation die den zweiten Weltkrieg noch erlebt hat schwindet; wir denken heute nicht daran, dass es „noch einmal Krieg“ geben könnte. Und doch müssen auch wir uns heute fragen lassen: Haben wir eine Geborgenheit gefunden, die Stich hält? Es muss kein Krieg sein, auch Krankheit oder Unfall können in ein Leben eingreifen, es tiefgreifend verändern oder sogar beenden. Haben wir dann diese ewige Sicherheit zu wissen, dass uns nichts Seiner Hand entreißt?

»Der Vater, der mir sie gegeben hat, ist größer denn alles; und niemand kann sie aus meines Vaters Hand reißen« Johannes 10,29
Was in den letzten Jahren gründlich abhanden gekommen ist, das ist das Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit. Wenn sich der Mensch nicht mehr geborgen fühlt, wird er ängstlich, unruhig und unglücklich. Der Hass feiert immer noch seine Triumphe in der Welt. Wie viele „hohe Männer“, heute noch an höchster Stelle, müssen über Nacht flüchtig werden, weil sich „das Blättlein“ gewendet hat. „Und wenn es noch einmal Krieg gibt, dann sind wir auch im stärksten Bunker nicht mehr sicher“, sagte kürzlich jemand zu mir. Ja, so ist es. Darum ist es aber auch an der Zeit, dass man sich nach einer Geborgenheit umsieht, die Stich hält. Gibt es so etwas? Ganz gewiss! „Niemand kann sie aus meines Vaters Hand reißen.“ Hier ist von Christi Gemeinde die Rede : die sind in der Hand Gottes, aus der sie nie jemand reißen kann. Ewiger Geborgenheit, ewiger Sicherheit können sich nur die Kinder Gottes erfreuen. Kommen auch tausend Nöte über sie, eins ist gewiss : Seiner Hand entreißt mich nichts.

Donnerstag, 30. Juni 2011

Bewahrung vor der großen Drangsal

»Weil du das Wort meines Ausharrens bewahrt hast, werde auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die über den ganzen Erdkreis kommen wird, um die zu versuchen, die auf der Erde wohnen.« (Offenbarung 3,10; ElbCSV)

Wann wird die Entrückung der Gläubigen sein? Einige verweisen darauf, dass die Präposition „ek“, die hier mit „vor“ wiedergegeben wurde, üblicherweise mit „aus“ zu übersetzen sei. Werden die Gläubigen also nicht „vor der Stunde“, sondern „aus der Stunde der Versuchung“ heraus bewahrt?

Man macht es sich zu einfach, wenn man mit dem Wörterbuch in der Hand, aber ohne Beachtung des Kontext übersetzen will. Sehen wir uns deshalb einige andere Stellen der Schrift genauer an:
»Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt wegnehmest, sondern dass du sie bewahrest vor (ek) dem Bösen.« (Johannes 17,15; ElbCSV)
Hier findet sich im altgriechischen Text dieselbe Präposition „ek“, in Verbindung mit „tereo“, „bewahren“. Niemand würde wohl zu behaupten wagen, der Herr würde in Seinem Gebet nicht für die Bewahrung der Gläubigen „vor“, sondern „aus dem Bösen“ bitten. Genau diese Behauptung findet sich aber in Verbindung mit Offenbarung 3,10. Es wird gesagt, dass die Gläubigen erst in die Drangsal gehen müssten, um „aus“ ihr bewahrt zu werden. Das ist ein ganz und gar falscher Gedanke!

Doch es stellt sich noch eine andere Frage. Wie kann man „aus“ etwas bewahrt werden? Entweder man wird bewahrt oder nicht! „Aus“ etwas kann man höchstens „gerettet“ werden, aber dann würde im Text „sozo“ (= retten) stehen und nicht „tereo“.

Jemand ist vielleicht versucht auf eine Analogie mit Sadrach, Mesach und Abednego im Feuerofen zu verweisen. Aber auch dieses Ereignis gibt diese Deutung nicht her. Es wird nicht nur von ihrer Errettung (s. Daniel 3,28) aus dem Feuerofen gesprochen, sondern auch davon das nicht einmal der Geruch des Feuers an sie gekommen war (s. Daniel 3,27). Wie anders ist da doch die Behauptung, die Gläubigen müssten in die Drangsal hinein um in ihr zu leiden?

In 1. Thessalonicher 1,10 steht:
»und seinen Sohn aus den Himmeln zu erwarten, den er aus den Toten auferweckt hat Jesus, der uns errettet von (ek) dem kommenden Zorn.« (ElbCSV)
Und in Apostelgeschichte 15,28-29:
»Denn es hat dem Heiligen Geist und uns gut geschienen, keine größere Last auf euch zu legen als diese notwendigen Dinge: euch zu enthalten von Götzenopfern und von Blut und von Ersticktem und von Hurerei. Wenn ihr euch davor (ek bzw. ex) bewahrt (diatereo), so werdet ihr wohltun. Lebt wohl!« (ElbCSV)

Wir können nun sicher sagen, dass die Gläubigen „vor der Stunde der Versuchung“ bewahrt werden. Gottes Gerichtshandeln mit dieser Erde (ab Kapitel 4 der Offenbarung) wird die Gläubigen Seiner Gemeinde nicht betreffen. Ja, vielmehr, wir dürfen jederzeit den Herrn Jesus erwarten; und dies sollte unsere Herzen beglücken.

Wir wollen aber noch etwas anderes festhalten. So wahr es ist, dass die Gläubigen vor der Zeit der großen Drangsal bewahrt bleiben werden, so wahr ist es auch, dass die Gemeinde in dieser Welt leidet. An die Philipper schrieb Paulus:
»Denn euch ist es im Blick auf Christus geschenkt worden, nicht allein an ihn zu glauben, sondern auch für ihn zu leiden, da ihr denselben Kampf habt, wie ihr ihn an mir gesehen habt und jetzt von mir hört.« (Philipper 1,29-30; ElbCSV).
Die Freude darüber vor der großen Drangsal bewahrt zu bleiben, sollte uns nicht blind demgegenüber machen, was Geschwister heute beispielsweise in kommunistischen oder islamischen Staaten zu leiden haben – oder in den vergangenen Jahrhunderten durch Verfolgung erlitten hatten. Im Gegenteil. Aber wie schrecklich muss die große Drangsal sein, wenn sie all das noch zu übertreffen vermag, …
»…denn dann wird große Drangsal sein, wie sie seit Anfang der Welt bis jetzt nicht gewesen ist und auch nichtwieder sein wird. Und wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Fleisch errettet werden; aber um der Auserwählten* willen werden jene Tage verkürzt werden.« (Matthäus 24,21-22; ElbCSV)
* Bei den Auserwählten handelt es sich wohl um Juden, die sich zu dieser Zeit – nach Entrückung der Gemeinde – in Palästina aufhalten werden. An dieser Stelle kann darauf nicht näher eingegangen werden.

Ich möchte es noch einmal sagen und vielleicht wollen wir dies festhalten: Wir dürfen jederzeit den Herrn Jesus erwarten; und dies sollte unsere Herzen beglücken. Es gibt nichts das vorher noch geschehen müsste, auch kein Gehen in die große Drangsal. Dank sei Dir dafür, Herr Jesus!