Mittwoch, 6. Februar 2013

Selbstliebe - ein geistlicher Betrug! (Zitatesammlung)

Als ich mich vor etlicher Zeit leider mit diesem Thema beschäftigen musste, habe ich einige Zitate zusammengetragen, die ich hier im Folgenden wiedergeben möchte (Hervorhebungen stammen von mir):
»So vermeidet der Hoffende die Überheblichkeit und die Verzweiflung, die beiden Gefahren, denen der falsche Fromme über kurz oder lang erliegen muss. Er kennt nur dies: den Blick auf Gott in Furcht und Hoffnung, und den Dank für Gottes unverdiente Güte. Und eben dieser Dank ist es nun auch, der des Frommen Hände willig macht zu allem guten Werk. Von der Selbstliebe befreit kann er dem Nächsten nicht mehr lieblos begegnen; weil ihm die Selbstgerechtigkeit genommen ist, mag er sich nicht mehr über den andern erheben.«
Martin Luther, Predigt: Liebe zu Gottes Namen heißt in allem sein Werk ehren
»Die stärkste Macht im Leben eines jeden Menschen ist das Wohlgefallen an sich selbst, die Selbstliebe. Und erst da kommt es zur Buße, wo das erschüttert ist. Welch eine Kraft des Heiligen Geistes ist nötig, bis einem Menschen die Selbstliebe erschüttert wird und er das Wohlgefallen an sich selbst verliert!
Ich muß da etwas einfügen. Die Welt spottet hier und nennt es eine niedrige Sklavengesinnung, wenn ein Mensch sagt: »Ich bin nicht wert …« Was sollen wir darauf antworten? Die Wahrheit, auch wenn sie demütigt, ist immer besser als die Einbildung. Aber die Weltmenschen vernehmen nichts vom Geist Gottes. Und sie gleichen einem Blinden, der sich seiner Blindheit vor den Sehenden rühmt.
«
Wilhelm Busch, Jesus unsere Chance!, 2. Auflage 1996, CLV, Bielefeld
»Wenn man betrachtet, wie geduldig der Herr unter extremen Herausforderungen und Schwierigkeiten war (z. B. Matthäus 26,62.63), kann man nur voll Bewunderung staunen. Seine völlige Freiheit von Selbstliebe unterscheidet ihn vom Rest der Menschheit (siehe z. B. Lukas 23,33.34)«
William MacDonald, Ist die Bibel Wahrheit, 1. Auflage der Neuausgabe 2001, Betanien Verlag
»Man kann diese Verse nicht studieren, ohne auf die Wiederholung des Wortes »liebend« zu stoßen. In Vers 2 finden wir z. B. die Selbstliebe und die Geldliebe. In Vers 3 werden Menschen »das Gute nicht liebend« erwähnt. In Vers 4 lesen wir von Menschen »mehr das Vergnügen liebend als Gott«.«
William MacDonald, Kommentar zum Neuen Testament, 2. Auflage, Gesamtausgabe, 1997 – zu 2. Timotheus 3,2
»Demut. S. Anm. zu Röm 12,3.10; Phil 2,3; vgl. Mt 18,4; Joh 13,14-16; Jak 4,6.10. Das vollkommene Gegenmittel für Selbstliebe, die die zwischenmenschlichen Beziehungen vergiftet.«
»Jakobus spricht sich nicht für irgendeine Art emotionaler Selbstzuneigung aus – Selbstliebe ist eindeutig Sünde (2Tim 3,2).«
John MacArthur Studienbibel, Schlachter-Version 2000, 1. Auflage 2002, CLV, Bielefeld – zu Kolosser 3,12 und Jakobus 2,8
»Es ist interessant, sich die Auflistung von Charakterschwächen und sündigen Verhaltensweisen anzuschauen, in der dieses philautoi erscheint. Und es sollte herausgestellt werden, dass »eigenliebig« im Zusammenhang mit »ohne natürliche Liebe« (astorgoi – ohne natürliche Zuneigung gegenüber Menschen des eigenen Fleisches und Blutes), »das Gute nicht liebend« und »mehr das Vergnügen liebend als Gott« (V.4) aufgeführt wird. Es steht außer Frage, dass der Ausdruck »eigenliebig« hier als ernsthafte Charakterschwäche und sündige Eigenschaft dargestellt wird. Aus diesem Grund kann ein christlicher Prediger oder Seelsorger nicht positiv über »Selbstliebe« sprechen.«
Gleason L. Archer, Schwer zu verstehen? Biblische Fragen und Antworten, 1. Auflage 2005, CLV, Bielfeld
»Über die Schiene der Psychologie und der christlichen Ratgeberbücher kommen falsche Lehren über »innere Verletzungen« und »innere Heilung«, über »Selbstliebe« und »Selbstverwirklichung« in die Gemeinden und verleiten die Männer zu fleischlichem, weltlichem Denken, das sie im Endeffekt für den Herrn unbrauchbar macht.«
Rudolf Ebertshäuser, 1. Auflage 2007, Als Mann zur Ehre Gottes leben, CLKV Verlag, CH-3613 Steffisburg
»Die raffinierten humanistischen Irrlehren der weltlichen Psychologie und Psychotherapie mit ihren satanischen Losungen der „Selbstliebe“ und Verharmlosung der Sünde wirken bis in Bibelschulen und Gemeinden hinein.«
Rudolf Ebertshäuser, Die charismatische Bewegung im Licht der Bibel, 2., durchgesehene Auflage 1998, CLV, Bielefeld
»Der Glaube ist nie munter, wenn die S e l b s t l i e b e wach ist; wenn die Selbstliebe mächtig wird, kann der Glaube nicht mächtig sein; denn die S e l b s t l i e b e gleicht dem Zweig, den der Gärtner ein "Wasserschoss" nennt, das nie Frucht trägt, sondern dem Baum nur Kraft und Saft entzieht. Die Selbstliebe ist jenes Wasserschoss, das dem Glauben alle Nahrung entzieht, und du musst es wegschneiden, sonst bleibt dein Glaube stets ein zwergenhafter und kränkelnder "Kleinglaube", und es wird dir schwer, Trost zu empfangen für deine Seele.«
C. H. Spurgeon, zitiert nach „Betrachtungen zum Wort Gottes“, Zusammenstellung und Bearbeitung, W. Giolda, 1. April 2003
»Selbstbestätigung ist uns ebenso auf den Leib geschnitten wie Selbstliebe«
David Jaffin, … der bringt viel Frucht, 1983, Verlag der Liebenzeller Mission, Bad Liebenzell
»Nachfolge Jesu bedarf daher nicht der Selbstfixierung und Eigenliebe, sondern der Selbstverleugnung, von der Jesus an vielen Stellen spricht. Die Botschaft des Evangeliums ist ein Wegwenden von sich selbst. Es geht nirgends um unser Ich und an keiner Stelle um Selbstliebe. Viele Stellen der Heiligen Schrift bestätigen diesen Grundgedanken, dass Nachfolge nicht darin besteht, »Gefallen an uns selber zu haben« (Röm. 15,1). Denn »Christus ist darum für alle gestorben, dass sie hinfort nicht sich selbst leben« (2. Kor. 5,15).
…
Erstaunlicherweise stellt die Heilige Schrift an keiner Stelle den Menschen in den Vordergrund. Christus allein ist der Inhalt des Denkens und Lebens: »Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen« (Joh. 3,30).
«
Gerhard Naujokat, Wider den Zeitgeist - Plädoyer für ein realistisches Christentum, 1. Auflage 2000, CLV, Bielefeld
»Vor mehr als 200 Jahren drückte William Law aus, was Christen seit jeher verstanden hatten:
Selbstliebe, Selbstachtung und Selbstsucht sind das Wesen und das Leben des Hochmuts. Der Teufel, der Vater des Hochmuts, ist bei solchen Leidenschaften niemals fern oder ohne Einfluss auf sie.
Leider haben die Lügen der Psychologie nicht nur christliche Psychologen beeinflusst, sondern auch Gemeindeleiter und Autoren.«
Dave Hunt, Die okkulte Invasion - Die unterschwellige Verführung von Welt und Christenheit, 1. Auflage 1999, CLV, Bielefeld
»Wir sind Zeugen einer unheimlichen Geburt, denn das Ich oder das Selbst tritt ins Universum ein. Seine teuflischen Sprösslinge, nämlich das Selbstbild, der Selbstwert, das Selbstwertgefühl, die Selbstliebe, die Selbstakzeptanz, das Selbstbewusstsein usw., sind die Geisseln der heutigen Welt und haben sogar die Gemeinde Jesu erreicht. Hier erkennen wir das Herzstück des Bösen!«
Dave Hunt, Wie weit sind wir? – Überzeugende Beweise für die baldige Rückkehr Christi, 2. Auflage 2002, Verlag Mitternachtsruf, CH-8330 Pfäffikon
»… (Mk 12,29-31). Kann man aus dieser Bibelstelle einen Aufruf zur Selbstliebe ableiten, wie viele christliche Psychologen und moderne Ausleger es tun? Hatte Jesus die Förderung der Selbstliebe oder gar des Selbstwertes eines Menschen im Sinn, als er diese Aussage machte? Diese Frage kann mit einem klaren Nein beantwortet werden! Jesus rief seine Jünger niemals dazu auf, sich selbst zu lieben.«
Georg Walter, Der Angriff auf die Wahrheit, 1. Auflage 2009, CLV, Bielefeld
»Ein Biograf bemerkt: „Er (= John Bradford) konnte im Verborgenen so sehr über seine Sünden weinen, dass man dachte, er würde nie wieder lächeln können. Wenn er dann in der Öffentlichkeit auftrat, war er so harmlos fröhlich, dass man meinen konnte, er habe noch nie geweint.“
Sein vernichtendes Urteil über sich selbst und sein tiefer Eindruck von der Gnade und Majestät Gottes stehen in einem merkwürdigen Gegensatz zu den Thesen der Selbstachtungsund Selbstliebe-Aposteln unserer Tage. Wenn er in seiner Gott- und Selbsterkenntnis auch nur annähernd vom Heiligen Geist und von der Heiligen Schrift geprägt war – und daran kann angesichts der vielen Männer und Frauen Gottes in der Bibel und Kirchengeschichte, die zu einer ähnlichen Sicht gekommen sind, wohl kein Zweifel bestehen – dann handelt es sich bei der Theorie der Selbstliebe um groben Unfug, der uns von einer gesegneten Gottesbeziehung wegbringt.
«
Gerrit Alberts, Ein langes Leben in einer kurzen Zeitspanne, Zum 450. Todestag des Märtyrers John Bradford, Fest + treu, Ausgabe 04/2005
Das psychologische Konzept der Selbstliebe, die zu einer angeblichen Stärkung des Selbstwertgefühls führt, und das biblische Konzept der Selbstverleugnung, die uns zu wahrer Bereicherung führt, sind diametral entgegengesetzt.
 John Ankerberg, John Weldon, Fakten über Psychologie, Selbstverwirklichung und Selbsthilfe, 1. Auflage 2001, Verlag Mitternachtsruf, CH-8330 Pfäffikon

Dienstag, 5. Februar 2013

Lese-Tagebuch - Eintrag 13

Buch: Die Botschaft des Propheten Maleachi für die heutige Zeit
Autor: Walter A. Lickley
Auflage: 1. Auflage 1992
Verlag: Ernst-Paulus-Verlag, Neustadt/Weinstr.
Seitenzahl: 157

Bevor wir uns dem Buch selbst zuwenden, wollen wir sowohl einen kleinen Rückblick, als auch einen Ausblick wagen. Nachdem uns „Das Kommen des Herrn“ beschäftigt hat, wandten wir uns dem Thema „Nachfolge“ zu. Dabei hatten wir zwischen der allgemeinen Verantwortung die jedem wahren Gläubigen gleichermaßen auferlegt ist und der speziellen – für Mann und Frau nach der Schöpfungsordnung gegebenen – Verantwortung unterschieden. Letzteres haben wir in der Vergangenheit etwas betrachtet, während ersteres, die Betrachtung der allgemeine Verantwortung, noch aussteht. Vor diesem Hintergrund erschien es mir gut, zuvor dieses Buch zu lesen und im Folgenden meine Eindrücke wiederzugeben.

Die Zeit in der Maleachi lebte war eine Zeit des Niedergangs, auf die eine Zeit von ca. 400 Jahren ohne direkte Schriftoffenbarung Gottes folgte. Somit ist Maleachi der letzte der alttestamentarischen Propheten. Und: »So wie es damals einen treuen Überrest gab, so möge auch unter uns allen das Verlangen wach werden, in unseren Tagen zu einem solchen Überrest zu gehören.« (ebd., Seite 10)
»Was Gott damals wollte und was Er heute noch will und sucht, sind Gläubige, die erkennen, wie wichtig Seine Interessen sind, und die ihnen mehr Zeit einräumen als den Dingen ihrer eigenen Wahl, Gläubige, die die Prioritäten richtig setzen und die darauf achten, daß sie sich Ihm gegenüber recht verhalten« (ebd., Seite 18)
Dies dürfte einer dieser neuralgischen Punkte sein, in denen wir den Annehmlichkeiten unserer Zeit – zumindest zum Teil – erlegen sind. Wie viel Zeit verwenden wir darauf uns zu „entspannen“, weil wir es uns ja durch unseren „harten Alltag“ verdient haben? Bibellese, Gebetszeit, gar Bibelstudium – all das erscheint vielen als Last (vgl. Maleachi 1,13 zu dem obiges Zitat als Kommentar steht).
Ich habe mit der Zeit die Überzeugung gewonnen, dass wir uns unmöglich entspannen können, wenn wir unserem Geist die notwendige Nahrung (vgl. Lukas 4,4; 1. Petrus 2,2) vorenthalten. Haben sie die Anführungszeichen oben bemerkt? Natürlich müssen wir die Möglichkeit haben zur Ruhe zu kommen, aber eben nicht indem das Seelische das Geistliche verdrängt oder gar völlig ausschließt.*
»Erkenntnis geht aus fleißigem Studium hervor (2. Tim 2,15), und wo das aufhört, das Ziel der Priester zu sein – und jeder von uns ist ein Priester – beginnt die Wahrheit in der Versammlung zu sterben.« (ebd., Seite 22). Aber es ist eine »Tatsache, daß dieses persönliche Verweilen vor dem Herrn und die Beschäftigung mit Seinem Wort viel Zeit erfordert (ebd., Seite 23).
Es geht sogar soweit, dass Gott, durch das was Ihm zusteht, wenn es der Mensch für sich selbst behält bzw. zurückhält, beraubt wird. Die Ausführungen, die im Buch dazu auf Seite 71f. gemacht werden (Bezug nehmend auf Maleachi 3,8), gilt es zu bedenken. Ich will auf dies alles nicht im Detail eingehen, zumal es den Rahmen dieses Eintrags sprengen würde. Vielmehr möchte ich ermuntern sich selbst intensiv(er) einem „fleißigen Studium“ (s.o.) biblischer Wahrheiten zu widmen.

Was geschieht wenn »die Heiligkeit ihres Gottes aus dem Auge verloren« (ebd., Seite 45) wird? Gott fordert in Seinem Wort immer wieder auf: »Kehret um zu mir!« (s. Mal. 3,7; Lickley, Seite 56f.). Und da wollen wir auch nicht müde werden, uns als Gläubige miteinzuschließen. Gott will das wir seine Wege gehen. Wie oft tun wir es nicht? Nehmen wir nur einmal die Zeit, was wir schon ansprachen, welche wir für Vergnügungen, Selbstverwirklichung und anderes aufwenden. Es hat schon Züge von Schizophrenie, wenn wir dem Herrn einerseits mit Hingabe dienen wollen, dem Verzicht persönlicher Freiheiten – sowohl echter, als auch vermeintlicher – jedoch ausweichen wollen.

Lickley betont, dass das Erste und das Beste – als Anwendung von 4. Mose 18 – dem Herrn gehören sollte (vgl. Seite 71). So galt es im Alten Bund: »das Beste sich selbst versagen und es Gott geben« (ebd., Seite 72). So sollte es sein! Aber so war es nicht in den Tagen Maleachis. Sieht es bei uns in den Tagen der Gnade besser aus? Und wie sieht es bei mir ganz persönlich aus?
Lasst mich das offen sagen: Ich fürchte wir sind in vielen dieser Dinge zu leichtfertig. Oft ist es nicht das Erste und das Beste, was wir Gott geben, sondern das was Übrig bleibt. Und ist es nicht für viele schon eine schier untragbare Mühe gewesen Gott auch nur eine Viertelstunde am Tage für die Bibellese (Stille Zeit) zu geben?

Wenn es wahr ist, dass wir Verwalter Gottes sind – und es ist wahr, - dann fragt sich inwieweit wir dieser Verantwortung gerecht werden, die doch letztlich mit geistlichem Segen verbunden ist; (vgl. Lickley, S. 74-89). Und inmitten all des geistlichen Verfalls und Niedergangs des religiösen Umfelds, darf wahre Treue gefunden werden. »Der Überrest einer jeden Zeitperiode wird immer aus solchen bestehen, die das Versagen fühlen und bekennen und mit Gott rechnen und inmitten aller Untreue Seinem Wort treu bleiben.« (ebd., Seite 94). Vielleicht darf ich noch anfügen: Oder Seinem Wort treu werden, denn es gibt immer auch solche die von falschen Wegen umgekehrt sind.
»So sollte es auch heute bei uns, dem ganzen Volk Gottes, sein. Wenn die Eigenschaften und der Charakter Gottes unseren Seelen in Wahrheit bewußt werden, welch heilige Scheu sollte uns dann in allen Dingen erfüllen! Was für eine Ehrfurcht und Achtung vor Seiner Gegenwart sollte es bei uns bewirken!« (ebd., Seite 103).
Ich überspringe an dieser Stelle die eschatologischen Ausführungen mit dem Hinweis, dass wir im Buch darüber eine sehr gute, vergleichende Aufstellung bezüglich der Entrückung und der Erscheinung des Herrn haben (s. ebd., Seite 119-123). Ebenso »14 Gründe, die dafür sprechen, dass die Kirche nicht durch die große Drangsal gehen wird«; (s. ebd., Seite 135f.).
Natürlich sollen auch diese (eschatologischen) Ausführungen unsere Lebensführung beeinflussen, wie wir bei unserer Beschäftigung mit dem "Kommen des Herrn" aber schon gesehen hatten.

Anmerkung:
* vgl. auch John MacArthur, Kommentar zum Neuen Testament, 1. Korinther, Einzelausgabe, 1. Auflage 2006, CLV, Seite 480 // Maleachi-Kreis (Hrsg.), Gefährliche Stille !, Wie die Mystik die  Evangelikalen erobern will, 1. Auflage 2010, Seite 145

Enttäuschung - Teil 4

Sehen wir noch ein weiteres Mal von uns weg, kommen uns sicher auch Menschen in den Sinn, denen wir Enttäuschungen zugefügt haben. Das ist bitter, oder? Wir werden nicht nur enttäuscht, sondern enttäuschen auch andere. Das ist wie gesagt nicht immer Sünde, sondern manchmal sogar notwendig ent-täuscht zu werden und zu ent-täuschen, um die Täuschung zu verlieren und einen unverstellten Blick auf die Realität bekommen zu können. Dort jedoch wo wir andere böswillig oder vielleicht auch nur fahrlässig durch Fehlverhalten enttäuschen, sei es durch Wort oder Tat, müssen wir uns fragen: Sind wir bereit um Vergebung zu bitten?

Wenn wir nicht bereit sind unser eigenes Versagen offen zu bekennen, werden wir andere unweigerlich enttäuschen. Das ist das Faszinierende an dem Wort Gottes, das uns das Versagen der Glaubensmänner nicht vorenthalten wird. Da ist der bedauerliche Weg eines Simson, der Ehebruch eines David, das Verleugnen des Herrn durch Petrus… um nur einige wenige Beispiele zu nennen.
Es geht nicht darum, das wir in unserem Glaubensleben ein frommes Theater spielen mit einer netten Fassade nach außen hin, sondern das wir in unserer Nachfolge auf dem Glaubensweg durch und durch echt sind. Und da ist natürlich viel Wunderbares, wie ich weiter unten ausführen werde. Aber manchmal, ja, da ist eben auch Schatten und wir tun gut daran nicht so zu tun als wäre es anders. Da reichen oft schon die Gedanken, die wir zwar niemand offenbar machen, die jedoch vor einem heiligen Gott keinen Bestand haben können. Wenn wir hier wieder an die Vergebung denken, die uns durch den Herrn Jesus zuteil geworden ist, dann richtet dies unser Herz doch auf.

Seien wir also wahrhaftig im Umgang mit anderen, besonders den Geschwistern; gerade dann, wenn wir es nötig haben um Verzeihung zu bitten. (Nicht nur wenn wir etwas an ihnen auszusetzen haben).
Und letztlich werden wir dann auch sehen dürfen, wie segensreich die Umkehr von falschen Wegen ist. Auch hier sei wieder an Petrus erinnert, der nach der Verleugnung des Herrn eine wunderbare Wiederherstellung durch Gnade erleben durfte. Und ebenso an David. Selbst Simson durfte einen Teil seiner äußeren und inneren Kraft zurückgewinnen, inmitten des Elends in das er sich hineingebracht hatte.

Wenn ich nun daran zurückdenke, wie all jene Artikel entstanden sind und wir uns um ein biblisches Verständnis bemüht haben, was es mit unerwiderter Liebe auf sich hat, wie selbstlose Liebe unsere Gemeinschaft als Gläubige prägen soll, aber eben auch die Frage von Enttäuschungen im Glaubensleben, dann erfüllt mich dies auch mit Dankbarkeit. Viele Fragen die ich hatte wurden durch die Beschäftigung mit diesen Themen beantwortet, wenn auch nicht alle, so bleibt doch die Erkenntnis dessen einen absolut treuen Herrn zu haben!

Vor langer Zeit einmal wurde mir dieser Bibelvers aus dem Römerbrief sehr wichtig:
»Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, denen, die nach Vorsatz berufen sind.« (Römer 8,28; Elb.CSV).
Wer dies im Glauben zu erfassen vermag, findet Antworten auf viele seiner Fragen. Die Umstände unseres Lebens, die Zurückweisung durch einen geliebten Menschen, all die kleineren und größeren Tragödien, müssen zum Guten mitwirken. Denn wie heißt es weiter?
»Denn welche er zuvor erkannt hat, die hat er auch zuvor bestimmt, dem Bild seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.« (Römer 8,29; Elb.CSV).
Davon soll schon hier in unserem Wandel (d.h. in unserer Lebensführung) etwas zu erkennen sein und darum wirkt der Geist Gottes auch durch die Umstände in die wir hineingestellt werden, um etwas von dem darzustellen, was Christus ist. Wenn wir Gottes Handeln so in unserem Leben erkennen können, dann ist dies ein tröstlicher Gedanke. Vielleicht sind die Probleme damit nicht bewältigt, das Leid noch immer gegenwärtig, aber wir dürfen doch sehen, das wir dem nicht durch Zufall oder Schicksal ausgeliefert sind, sondern das da ein Ziel ist, zu welchem uns Gott führen will.
»Wir alle aber, mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauend, werden verwandelt nach demselben Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, als durch den Herrn, den Geist.« (2. Korinther 3,18; Elb.CSV)
Der Bibellehrer John N. Darby schreibt in seiner Synopsis zu diesem Vers:
„Deshalb betrachten wir diese Herrlichkeit mit freudigem Staunen; wir betrachten sie gern. Jeder Strahl, den wir von ihr erblicken, ist der Beweis, dass in den Augen Gottes unsere Sünden nicht mehr sind. Christus ist für uns zur Sünde gemacht worden, Er ist jetzt in der Herrlichkeit. Indem wir nun so die Herrlichkeit mit Liebe und Verständnis anschauen und uns an ihr ergötzen, werden wir in dasselbe Bild verwandelt von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, als durch die Kraft des Heiligen Geistes, der uns befähigt, diese Dinge zu verwirklichen und zu genießen. Das ist christliches Wachstum. So wird auch die Versammlung der Brief Christi.“

Montag, 4. Februar 2013

Enttäuschung - Teil 3

Ein weiterer ernster Gedanke liegt in dem, was Jakobus den Judenchristen „die in der Zerstreuung sind“ schreibt:
»ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr übel bittet, damit ihr es in euren Begierden vergeudet.« (Jakobus 4,3; Elb.CSV).
Das Gott in dem was er uns zuteilt oder verweigert souverän ist, auch darin, auf welche Art und Weise er Gebete beantwortet, sollte uns klar sein. Aber da gibt es auch noch diesen Fall, dass wir nichts empfangen, weil wir übel bitten. Und auch das ist etwas, was wir lernen müssen: Falsche Motive im Gebet führen zu Enttäuschung – Gott wird solche Gebete nicht erhören. Und anstatt darüber zu hadern, sollten wir dankbar dafür sein, denn wenn Gott solche Gebete doch jemals erhört, dann nur um Gericht zu üben, wie wir es bei Israel finden:
»Da gab er ihnen ihr Begehr, aber er sandte Magerkeit in ihre Seelen.« (Psalm 106,15; Elb.CSV).
»Und der HERR sprach zu Samuel: Höre auf die Stimme des Volkes in allem, was sie dir sagen; denn nicht dich haben sie verworfen, sondern mich haben sie verworfen, dass ich nicht König über sie sein soll.« (1. Samuel 8,7; Elb.CSV).
Beachten wir daher die Mahnung des Predigers und seien wir sorgsam in dem, um was wir Gott bitten.
»Sei nicht vorschnell mit deinem Mund, und dein Herz eile nicht, ein Wort vor Gott hervorzubringen; denn Gott ist im Himmel, und du bist auf der Erde: Darum seien deiner Worte wenige.« (Prediger 5,1; Elb.CSV).

Ein weiterer Punkt an dem es Enttäuschung geben kann ist die Ehe. Nun rede ich hier nicht aus eigener Erfahrung, aber es erscheint mir doch notwendig auch dies hier anzuführen. Denn wie bei vielem anderem bin ich der Meinung das uns die Dinge nicht erst dann beschäftigen sollten, wenn sie konkret werden oder bereits sind, sondern schon weit im Voraus, damit wir ein biblisches Fundament haben und eben auch realistische Erwartungen. Daher möchte ich zwei Zitate aus Büchern von Bruder Ebertshäuser anführen:
»Daß Verliebtheit keine Grundlage für eine Ehebeziehung ist, muß man jungen Männern unbedingt deutlich machen, sonst entsteht oft großer Schaden. Verliebtheit ist ein ausgesprochen egoistisches seelisches Gefühl, das letztlich den anderen zu einem Idealbild verzerrt, von dem man überzeugt ist, er werde alle eigenen Mängel und Bedürfnisse ausfüllen. […] Wenn dann die Illusion zerplatzt und man erkennt, daß die »Göttin« selbst ein fehlbarer Mensch mit Mängeln und eigenen Bedürfnissen ist, der uns keineswegs dauerhaft »verwandeln« oder »erlösen« kann, dann kommt oftmals die Enttäuschung und die Entfremdung in der Beziehung.«
Quelle: Rudolf Ebertshäuser, Als Mann zur Ehre Gottes leben, 1. Auflage 2007, CLKV Verlag, Steffisburg
 »Der Ehemann und die Kinder mögen manches Mal an der Frau schuldig werden, ihr Enttäuschungen bereiten, sich anders entwickeln als erhofft – dennoch sollte die Frau ihnen Liebe erweisen. Das darf sie sich immer wieder neu von Gott schenken lassen, sie darf lernen, Vergebung zu üben und Geduld zu bewahren.«
Quelle: Rudolf Ebertshäuser, Als Frau zur Ehre Gottes leben, 1. Auflage 2008, CLKV Verlag, Steffisburg

So können sich also beide, Mann und Frau, ihren Illusionen über den anderen hingeben, die letztlich nur enttäuscht werden können. Dietrich Bonhoeffer, dessen Ansichten ich nicht in allem teile, noch nicht einmal in dem Text aus dem ich zitieren will, hat dort doch etwas sehr Kluges niedergelegt:
»Wenn alle Schwierigkeiten, Widerstände, Hindernisse, Zweifel und Bedenken - nicht in den Wind geschlagen, aber ehrlich ausgestanden und überwunden sind - und es ist sicher gut, wenn nicht alles gar zu selbstverständlich geht -, dann haben die beiden in der Tat den entscheidenden Triumph ihres Lebens errungen. Mit dem Ja, das sie zueinander gesprochen haben, haben sie ihrem ganzen Leben in freier Entscheidung eine neue Wendung gegeben; sie haben allen Fragen und Bedenklichkeiten, die das Leben jeder dauernden Verbindung zweier Menschen entgegenstellt, in froher Gewissheit Trotz geboten und sich in eigener Tat und Verantwortung ein Neuland für ihr Leben erobert.«
Quelle: Dietrich Bonhoeffer, Traupredigt aus der Zelle, Mai 1943; zitiert nach: Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft. Herausgegeben von Eberhard Bethge, Neuausgabe München 1970

Enttäuschung - Teil 2

Betrachten wir nun noch eine andere Seite der Enttäuschung, nämlich die Tatsache, dass der Enttäuschung die Täuschung vorausgeht. Ich schrieb damals: „Die Täuschung weicht der Realität“. Vielleicht können uns in diesem Zusammenhang folgende Verse ein wenig helfen:
»Jagt dem Frieden nach mit allen und der Heiligkeit, ohne die niemand den Herrn schauen wird; und achtet darauf, dass nicht jemand an der Gnade Gottes Mangel leide, dass nicht irgendeine Wurzel der Bitterkeit aufsprosse und euch beunruhige und viele durch sie verunreinigt werden;« (Hebräer 12,14-15; Elb.CSV)
Es ist interessant, wie wichtig auch hier wieder die Gemeinschaft ist. Nicht eigene Kraft, sondern die Gnade Gottes ist es, die Heiligkeit und Frieden möglich macht. Dabei beschränkt sich unsere Verantwortung nicht nur auf den eigenen Bereich, sondern auch darauf aufeinander Acht zu haben. Die Gefahr wenn dies nicht geschieht, wird deutlich angesprochen: Beunruhigung und Verunreinigung. Es ist natürlich so, dass die Hebräerstelle in erster Linie von Sünde als „Wurzel der Bitterkeit“ spricht und nicht von Empfindungen der Bitterkeit. Trotzdem dürfen wir die Stelle in Behandlung unseres Themas beachten, denn was anderes als Sünde ist denn mangelnde Bruderliebe?
Von Mose wird einmal gesagt: »Er meinte aber, seine Brüder würden verstehen, dass Gott ihnen durch seine Hand Rettung gebe; sie aber verstanden es nicht.« (Apostelgeschichte 7,25; Elb.CSV).
Auch dies ist Enttäuschung: Wenn wir die klaren Belehrungen von Gottes Wort vor die Augen von Geschwistern stellen und erleben müssen, das dort überhaupt kein Verständnis aufgebracht wird. Man kann es nur mit Traurigkeit sagen, das der Stellenwert des Wortes Gottes selbst unter wahren Gläubigen, abgenommen hat. Die Bereitschaft um die biblische Wahrheit zu ringen, sich wo nötig korrigieren zu lassen, umzukehren von falschen Wegen und schlicht gehorsam zu sein, ist nicht mehr besonders ausgeprägt. Hier sollten wir nicht resignieren, sondern treu den Dienst tun, den uns Gott gegeben hat. Hier dürfen wir sicherlich auch an Paulus denken, beispielsweise den Brief den er an die Galater schreiben musste, Demas der ihn verlassen hatte, dass alle die in Asien waren sich von ihm abgewandt hatten (vgl. 2. Timotheus 1,15), und anderes mehr, das er zu tragen hatte.

Doch wie wir eingangs sagten, ist nicht jede Enttäuschung negativ. Jona durfte durch Enttäuschung etwas von der Gnade und Barmherzigkeit Gottes lernen, sowie von seiner eigenen Herzenshärte. Und so konnte Gott zu Jona sagen:
»Und der HERR sprach: Du erbarmst dich über den Wunderbaum, um den du dich nicht gemüht und den du nicht großgezogen hast, der als Sohn einer Nacht entstand und als Sohn einer Nacht zugrunde ging; und ich sollte mich über Ninive, die große Stadt, nicht erbarmen, in der mehr als 120.000 Menschen sind, die nicht zu unterscheiden wissen zwischen ihrer Rechten und ihrer Linken, und eine Menge Vieh?« (Jona 4,10-11; Elb.CSV).
Jona war enttäuscht, als der Wunderbaum verdorrte und die Hitze ihn ermattete, nicht wahr? Aber was er begreifen musste war doch dies: Während er sich über diesen einen Baum zu erbarmen vermochte, so doch nicht über all die Menschen der Stadt Ninive. Wie segensreich kann es doch sein, wenn Gott uns dort wo wir uns täuschen, ent-täuscht und den Blick darauf freigibt, wie Er die Dinge beurteilt. Lernen wir hier von der Haltung eines Paulus, der voller Mitleid zu sein vermochte:
»denkt daran, dass ich drei Jahre lang Nacht und Tag nicht aufgehört habe, einen jeden mit Tränen zu ermahnen.« (Apostelgeschichte 20,31b;Elb.CSV)
»wir sind in eurer Mitte zart gewesen, wie eine nährende Frau ihre eigenen Kinder pflegt.« (1. Thessalonicher 2,7b; Elb.CSV)
Und dann, wenn wir von der Enttäuschung die durch andere verursacht wurden wegsehen, ganz ehrlich, müssen wir dann nicht bekennen:  Die größten Enttäuschungen erfahren wir durch uns selbst. Da waren Zeiten der Lauheit, der Halbheit, des Hochmuts, der Selbstgerechtigkeit, der Unversöhnlichkeit, der Bitterkeit – ja, der Untreue!  Gott sei Dank, auch darauf gibt es eine Antwort.
»wenn wir untreu sind er bleibt treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen.« (2. Timotheus 2,13; Elb.CSV)
»Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.« (1. Johannes 1,9; Elb.CSV)
Elia hatte dies gelernt. Bitter musste er bekennen:
»Und er bat, dass er sterben dürfe, und sprach: Es ist genug; nimm nun, HERR, meine Seele, denn ich bin nicht besser als meine Väter.« (1 Könige 19,4b; Elb.CSV).
Aber Gott lässt seinen Diener nicht, er begegnet ihm, richtet ihn wieder auf und wir werden daran erinnert, was der Apostel Paulus Jahrhunderte später niederschreibt:
»Und er hat zu mir gesagt: Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft wird in Schwachheit vollbracht. Daher will ich mich am allerliebsten viel mehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft des Christus über mir wohne.« (2. Korinther 12,9; Elb.CSV)

Sonntag, 3. Februar 2013

Enttäuschung - Teil 1 / (Selbstlose Liebe - Teil 2)

Vor einiger Zeit hatte ich dieses Thema einmal in anderem Zusammenhang angerissen („Unerwiderte Liebe“), aber es scheint mir gut, dies noch einmal ausführlicher zu tun. Damals schrieb ich u.a.:
„Der Apostel Paulus, welcher vieles zu erdulden hatte und schwere Wege von Gott geführt wurde, bezeugte einmal: »Groß ist meine Freimütigkeit euch gegenüber, groß mein Rühmen euretwegen; ich bin mit Trost erfüllt, ich bin ganz überströmend in der Freude bei all unserer Bedrängnis.« (2. Korinther 7,4; Elb.CSV).
Die Umstände des Lebens in die er hineingeführt worden ist, haben nicht dazu geführt das er voller Frustration, Hader oder Verzagtheit gewesen wäre. Ist es nicht so, dass »der Vater der Erbarmungen und Gott allen Trostes« (vgl. 2. Korinther 1,3) auch unserer Not begegnen will? Vertrauen wir doch mehr darauf, das es so ist, dann werden wir verstehen was es bedeutet „ganz überströmend in der Freude bei all unserer Bedrängnis“ zu sein. Der Apostel Paulus war es aufgrund der Geschwister (vgl. auch 1. Thessalonicher 3,7)! Wie wunderbar und segensreich ist doch eine von Gott gegebene Gemeinschaft, als Mittel zum Trost!“
Aber in der Gemeinde („Versammlung“) kann es ja nicht nur um die Gemeinschaft mit den Geschwistern gehen, sondern vor allem um diejenige mit dem Herrn Jesus Christus. Wir sind  »gesegnet« … »mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christus,« (Epheser 1,3; Elb.CSV). Steht dies nicht besonders dann vor unseren Augen, wenn wir als Geschwister zu seinem Namen zusammenkommen? Dort wo er verheißen hat in der Mitte der Gläubigen zu sein?

Was ist nun aber, wenn wir von Geschwistern enttäuscht werden? Ein unachtsames Wort, ein gedankenloser Ausspruch zwischen den Zusammenkünften oder zwischen einzelnen Versammlungsstunden? Das reißt uns aus den hohen Sphären herab, nicht wahr und erfüllt unsere Gedanken mit Traurigkeit – oder schlimmer noch, Ärger. Wir verlieren den Blick für den Herrn, während wir den Umständen erlauben unsere Aufmerksamkeit und Hingabe von Ihm abzuziehen. Das ist ein ernster Gedanke.

Bedenken wir, dass uns Gottes Wort auffordert: »Zieht nun an, als Auserwählte Gottes, als Heilige und Geliebte: herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Sanftmut, Langmut, einander ertragend und euch gegenseitig vergebend, wenn einer Klage hat gegen den anderen; wie auch der Christus euch vergeben hat, so auch ihr. Zu diesem allen aber zieht die Liebe an, die das Band der Vollkommenheit ist. Und der Friede des Christus regiere in euren Herzen, zu dem ihr auch berufen worden seid in einem Leib; und seid dankbar.« (Kolosser 3,12-15; Elb.CSV).

Das übersehen wir oft – auch ich –, daran zu denken, was uns vergeben worden ist durch unseren Herrn Jesus Christus. Nicht die Tatsache, dass wir vielleicht ungerecht behandelt wurden, sollte im Vordergrund stehen, sondern das Bewusstsein der Gnade.
»Dann trat Petrus zu ihm und sprach: Herr, wie oft soll ich meinem Bruder, der gegen mich sündigt, vergeben? Bis siebenmal? Jesus spricht zu ihm: Nicht bis siebenmal, sage ich dir, sondern bis siebzig mal sieben.« (Matthäus 18,21-22; Elb.CSV).
Dieser Ausführung unsers Herrn folgt das Gleichnis über den unbarmherzigen Knecht, an dessen Ende der Herr die Warnung stellt, das jeder seinem Bruder von Herzen vergeben soll. Das ist mehr als nur Fassade, vordergründige Freundlichkeit oder die Unterdrückung der eigenen negativen Gefühle. Vergebung von Herzen, das Anziehen der Liebe, (die das Band der Vollkommenheit ist) und der Friede des Christus gehören zusammen. Und wir verstehen hoffentlich, dass dort wo Unversöhnlichkeit und mangelnde Vergebungsbereitschaft herrschen, der Herr diesen Frieden auch nicht geben kann. Doch es ist eben genau dieser Friede, der unsere Herzen »regieren« (!) soll und eben nicht der Unfriede unseres eigenen Herzens.

Sonntag, 14. Oktober 2012

Lese-Tagebuch - Eintrag 12

Buch: Der Griff zur Macht / Dominionismus – der evangelikale Weg zu globalem Einfluss
Autor: Martin Erdmann
Auflage: 1. Auflage 2011
Verlag: Betanien Verlag, Oerlinghausen
ISBN: 978-3-935558-97-6
Seitenzahl: 280

„Schon wieder ein apologetisches Buch“, mag jemand denken. Aber sind wir ehrlich. Ist es wirklich so, dass heute eine Fülle dieser Bücher publiziert würde, die sich anschicken für »den einmal den Heiligen überlieferten Glauben zu kämpfen« (Judas 3b; Elb.CSV)? Herrscht nicht viel eher ein Mangel an solchen Büchern, da die Bestseller-Listen von anderen belegt werden?

Martin Erdmann stellt fest, was vielen verborgen geblieben ist, nämlich: „Mit voller Absicht ersetzen sie [Anmk.: Die Neoevangelikalen] Schritt für Schritt das alte Evangelium der sich an der reformatorischen Theologie orientierenden Christen durch ein aufgeweichtes, verwässertes und neutralisiertes »Social Gospel«.“ (Erdmann, Seite 65).

Während man behauptet »Gottes Königreich auf Erden« (ebd., Seite 116) zu bauen, geschieht in Wahrheit folgendes: „Die New-Age-Bewegung, die alle Lebensbereiche systematisch vernetzt, hat sich in das Bewusstsein vieler Christen eingeschlichen, indem ihre wichtigsten Konzepte von verschiedenen »wissenschaftlichen« Fachgebieten wie Soziologie, Psychologie, Marketing und Medizin aufgegriffen wurden.“ (ebd., Seite 119; s.a. auch Seite 154).

Die Taktik Satans ist dabei im Übrigens stets dieselbe. „Bekannte Begriffe erhalten einen neuen Inhalt“ (ebd., Seite 125). Ein Paradebeispiel dafür, – um kurz den Bereich des Buches zu verlassen, – ist die sogenannte „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“. Lothar Gassmann schrieb dazu in einem lesenswerten Aufsatz der Zeitschrift „Bekennende Kirche“:
„Auch die Diskussion um die Rechtfertigungslehre hat erwiesen, daß die klassische katholische Lehre dem neutestamentlichen Verständnis des Rettungswerkes Christi widerspricht“.
Quelle: Lothar Gassmann, Die neue Bekenntnis-Ökumene – ein Widerspruch in sich selbst?, Bekennende Kirche, Ausgabe Nr. 19/20, Dezember 2004, Seite 23
Man muss die theologische Unredlichkeit deutlich herausstellen, die klaren Bekenntnissen der Reformation zum Trotz, eine gemeinsame Rechtfertigungslehre postuliert hat. Es ist dieselbe Unredlichkeit, wie sie auch an anderer Stelle von Martin Erdmann aufgedeckt wird. So schreibt er zu Recht über den P.E.A.C.E.-Plan des amerikanischen Pastors Rick Warren:
„Die P.E.A.C.E.-Plan-Bewegung ist eine geistliche Verführung. Mit vehementer Wucht überflutet eine völlig entstellte Form des Christentums die evangelikalen Gemeinden der westlichen Welt. In einer Zeit der religiösen Verirrung sollte man eigentlich nichts anderes erwarten. Dennoch überrascht die Bereitwilligkeit vieler Kirchen, sich vorbehaltlos einem geistlichen Trend anzuschließen, der sich unverblümt gegen die traditionelle Auffassung des Christentums stellt.“  (Erdmann, Seite 146)
Ich möchte an dieser Stelle dazu ermutigen, die hier getroffene Beurteilung, im Buch selbst nachzuprüfen. Martin Erdmann hat sich die Mühe gemacht umfangreich Quellen zu prüfen, Entwicklungen nachzuzeichnen und verständlich wiederzugeben. Selbst wenn man nicht jede Schlussfolgerung uneingeschränkt teilt, gibt das Buch doch umfangreich Anlass dazu die Entwicklungen im evangelikalen Lager im Licht der Schrift zu prüfen.

Wo bleibt die Ortsgemeinde, die sich treu der Leitung des Herrn als Haupt unterstellt? Die Ehefrau von Rick Warren, „Kay Warren verwarft die Beibehaltung der Selbstständigkeit der örtlichen Kirchen; ihrer Meinung nach sollten die Kirchen unter die Leitung größerer Agenturen gestellt werden, die über die Landesgrenzen hinaus tätig sind.“ (ebd., Seite 197)

Und wir haben uns ernsthaft zu fragen: „Was genau soll die Kirche im Verbund mit den NGOs, den Konzernen und Regierungen verteilen? Wird es die Verkündigung des rettenden Evangeliums von Jesus Christus sein?“ (ebd., Seite 201)

Auch wenn diese kurze Besprechung dem Umfang des Buches nicht gerecht werden kann, zumal ich nur sehr wenige Punkt aufgegriffen habe, die dort angesprochen werden, wird doch eins deutlich: Es ist eine Herausforderung die Entwicklungen der (evangelikalen) Christenheit nicht einfach hinzunehmen, sondern diese Wege ernsthaft zu prüfen.